Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 6 (8.2.1901)
- Date
- 1901-02-08
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite C Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 8. Februar 1901 Nr. 6 An der Tagesordnung befindet sich I. Verlesung des Rechenschaftsberichtes, II. Anträge und Interpellationen, III. Wahl des Vorstandes. Wien. (K ranken - U n t e r st ü tz u n g s - V e r e i n „O s s e h Chese d".) Anlässlich der am 3. d. M. stattgefundenen General-Versammlung fand früher in der von diesem Vereine gegründeten unentgeltlichen Talmud-Thora-Schule in Gegenwart des Herrn Lector F r i e d m a n n eine Prüfung der Kinder, die an dem Unterrichte theilgenommen haben, statt. Es war eine wahre Freude zu sehen, wie es Herr Professor Liebreich, der den Unterricht unentgeltlich leitet, verstanden hat, den Kindern Liebe, ja wahre Begeisterung für die hebräische Sprache beizubringen. Die Kinder beantworteil stolz und freudig an sie in hebräischer Sprache gestellte Fragen in derselben Sprache und haben es in dieser kurzen Unterrichtszeit schon zu einer erstaunlichen Fertigkeit gebracht im Aufschrciben und Construieren hcoräischer Sätze. Wir können mit Sicherheit behaupten, dass diese Kinder unter der gediegenen, zielbcrvussten Leitung des tüchtigen Pädagogen in kurzer Zeit es so weit gebracht haben werden, dass sie ein jedes Gebet, dass sie hersagen, auch voll und ganz verstehen werden. Das ist ja das eigentliche Ziel, dem sowohl der Verein, als auch der Lehrer Herr Professor Liebr e i ch, zusteucrn. Herr Lector F r i e d m a n n gab auch seiner Z ufriedenheit mit den Fortschritten der Schüler, wie mit dem S ystem des Herrn Liebreich Ausdruck. Bei der hieraus so lgenden General-Versammlung des Vereines wurde derJahreS- B cricht zur Kenntnis genommen, dem abtretendcn Ausschüsse einstimmig das Absolutorium ertheilt und folgende Herren in den Ausschuss gewählt: B. Ehrlich, A. Hermann, O. Kling er, M. K l ö tz e l, M. P i l p c l, B. P i n e s, M. R o s e n st o ck, S. R u b e l, H. S ch e ch t e r, A. S i e d e r e r, S. Sperling, I. W e i ch 's e l b a u nr. Ersatz-Männer: S. D i ck st e i n, I. F a l l i k, F. Maurer, O. Liebling, N. R a p p a p o r t, Jg. N o send erg. Wien. (Theologischer Verein der Hörer an d e.r i sr: -the ol. L e hr an st alt in Wien.) Samstag den 16. d. M. wird Herr Dr. Max Hufs in unserem Betlocale (Beth-Hamidrasch), IL, Tempelgaste 3, zum Wochenabschnitte predigen. Beginn des Gottesdienstes um 8 Uhr morgens. Knesklchn für lu Kkimlmiht. Wip errichten hiermit für unsere auswärtigen Leser, die in ihren Wohnsitzen um das Heimatsrecht einkommen wollen unb sollen,, soferne sie noch nicht daselbst zuständig sind, eine besondere Rubrik, in welcher alle in Sachen des Heimatsrcchtes einlangenden Anfragen beantwortet werden sollen. Frau E P. in Olnrütz. Dass Ihr Mann gestorben, hindert Sie nicht, um das Heimatsrecht anzujuchen, selbst dann, wenn Sie eine Armenunterstützunz beziehen sollten. Sie leiten Ihr Recht von Ihrem seligen Manne ab.- Und Voraussetzung ist, dass Ihr Mann keine Armenunterstützung bezog. Herrn C. L. in Lewberg. Ihr Vormund kann für Sie auf Grund des zehnjährigen Aufenthaltes Ihres seligen Vaters um die Zuständigkeit ansuchen. Für --.Schwester hat cs keinen Sinn, da sie ohnedies . durch die Heirat ihre Zuständigkeit verlieren wird. — ' Sie müssen sich beeilen, denn in einem Monate werden Sie eigenberechtigt, und dann müssen Sie zehn Jahre warten. ß Angesendet. ' Für diese Rubrik übernimmt die Redacticn keine Verantwortung. Theorie und Praxis im Cultnsvorftande. Wir erhalten folgendes Schreiben: Wien, 3. Februar. 1901. SehrgeehrterHerrRedacteur! In Bezug auf die Notiz in der letzten N-immer Ihres geschätzten Blattes' betreffs Herrn Director Simon, erlaube ich mir noch mitzutheilen, dass Herr Simon nicht bloß selbst -jüdische'Lehrer zurückmeist, sondern auch solche aus jüdischen Familien verdrängt, indem er, ohne darum gebeten zu werden, christliche Lehrer empfiehlt. Er hat dies z. B. bei Herrn W a i z >r e r, Herausgeber der „Neuzeit", gerhan und dadurch einem israelitischen Lehrer, der schon mit der Familie in Verbindung stand, den Verdienst entrissen. Hochachtungsvoll M. W. (Der Name des Einsenders ist der Redaction bekannt.) Küchereinlauf. „Jüdisches Gefühl", Zeitschrift für die Jugend. Erscheint alle 14 Tage. Inhalt: Der Pilger. — Die drei Wunderdinge. — Der Hofmeister und sein Zögling. — Der Wiederhall. — Die sabbathliche Abendmahlzeit. — Perlen aus dem Talmud. — Der Schnee. — Ties und Das. — Uebersetzungsaufgabe. — Räthsel. — Räthsel-Auslösung. — Brieflasten. -—Bezugspreise: mit Postzusendung 4 Kr. jährlich, 2 Kr. halbjährig. Deutschland 4 Mk. jährlich, 2 Mk. halbjährig. — Russland 2 Rubel jährlich. Balkanstaaten 5 Frcs. jährlich. — Einzelnummern 15 Heller. Redaction: SmeLkagasse.7, 1. Stock. — Administration: Myslikgaffe 14 n. „Ost und West", illustrierte Monatsschrift für modernes Judenthum, Berlin. Jänner 1901. S. Calvary & Cie. Inhalt des Jänner-Heftes: Ost und West von * * *. Der ewige Jude, Gedicht von Ben Israel. Jüdische Renaissance von Martin B über. An den Wassern Babels, Chorlied von H.Liw schütz. Die Zukunft des Judenthums von Tr. Alfred Nossig. Esther in der neuen Literatur von Prof. Ludwig Geiger. Hebräisch als Culturspryche von Dr. S. Bern seid. Der Rabbi und der Z addik, ^in'Wd .äus dem chassidischen Leben von I. L. P e r e z. Ein vetgeffenes Stück Palästina von B Eben st ein. Diewirtsch östliche Aufgabe der deutschen Juden von Dr. Ernst Tuch. Ein jüdischer Roman von S. Lublinski. „Juda" von Doctor Theodor Z locisti. Miscellen, Aphorismen, Revue der Presse. Die meisten Artikel sind reich illustriert. Abonnements-Preis pro Halbjahr 3 Mk., franco innerhalb Deutschland-Oesterreich 3.50 Mx., stach dem Auslands 4 Mk. Einzelheft 60 Pfennig. Erscheint am Ende jeden Monates im Umfange von 5 Bogen. Briefkasten. Wir crsuchen alle auswärtigen Leser unseres Blattes, unö Nachrichten ans dem Gemeinde- und Bereinslcbeu der dortigen Judcnschaft zu gebe«. Besonders erwünscht ist die Einsendung antisemitischer Lokalblätter, welche Angriffe gegen die Inden cprhaltcn. E. K. in Linz. VIll., Schlösselgasse Nr. 2. E. Sclnv. in Fr. Wird villeicht für die nächste Nummer bleiben müssen. D. Tr. in Berlin. Ihre weitere Mitarbeiterschaft ist uns sehr erwünscht. Die strittige Sache soll geordnet werden. Dr. Finkler-Abend. (Phantasien eines Versammlungs-Reporters.) Von Walter Nag. Vinetcnheim ist ein Krähwinkel an der Donau. Spät abends langte ich daselbst an. Es war ein echter Winterabend, eisig kalt die Luft, Mond und Sterne leuchteten in den Fluten der Donau. Langsam schritt ich den Quai entlang, von drüben leuchteten die Lichter des anderen Stadttheiles Vinetenheims, der Ludwigsstadt. Ich komme zur Hauptbrücke, die die beiden Stadttheile Vinetenheims verbindet. Hier herrscht regeres Leben; mit Erstaunen sehe ich sogar eine größere Gruppe älterer Herren beisammen stehen. Wie ich mich nähere, sagt einer, es wäre Zeit zu gehen, und sie überschritten in Eile oie Brücke. Froh, endlich Menschen gefunden zu haben, folge ich ihnen, um nach fünf Minuten mit ihnen vor einem hellbeleuchteten Thore zu stehen. Ich lese die Aufschrift: „Hotel de l'Europe", zu beiden Seiten des Thores zwei mächtige Fahnen. Die Herren, denen ich bisher gefvlgt, putzen ihre Stiefel, ich benütze die Gelegenheit und richte an einen kleinen, älteren Mann die Frage: „Ist wohl heute ein Fest hier?" Er sah mich erstaunt und verächtlich an: „Ja, sind Sie denn kein Vinetenheimer, dass Sie das nicht einmal wissen?" Ich spreche mein lebhaftestes Bedauern aus, in der Residenz geboren zu sein. „Nun ja," erwiderte er darauf lächelnd, „da können Sie freilich nicht wissen, dass wir heute in Vinetenheim den Dr. Finkler-Abend haben." Klug wie zuvor schüttelte ich den Kopf. „Dr. Finkler- Abend?" Ja um Himmelswillen, lesen Sie denn keine Zeitungen?" fuhr jetzt der Kleine in die Höhe. „Dr. Finkler ist unser Abgeordneter, heute ist das Siegesfest der liberalen Partei Vinetenheims." Beschämt musste ich bekennen, daß mir allerdings und momentan der Name Dr. Finkler entfallen sei, zumal ja früher Vinetenheim einen anderen Abgeordneten gehabt habe. Ja, meinte der Herr, „wenn es Sie interessiert, so kann ich Ihnen das alles erzählen, wollen Sie an dem Feste mit theilnehmen"? Dankend nahm ich die Einladung an. Durch einen kleinen Gang gelangen wir in einen großen Saal. Prächtig ven Palmen umrahmt, ist er auf der einen Seite mit schwarz-roth-goldenen Fahnen geschmückt; an der in Hufeisenform aufgestellten Tafel haben schon circa 150 Personen Platz genommen. Dank meinem Begleiter, der lebhaft von allen Seiten begrüßt wird, erhalte ich einen guten Platz. Mein Mentor neben mir ist in großer Aufregung, bald - rebt er sich die Hände, bald steht er vom Sessel auf. „Wo er nur bleibt?" murmeln seine Lippen, „er sollfe schon da sein." „Ich will nicht indiscret sein, dürste ich wissen, ivem Sie so ungedulgig erwarten?" „Mei' Sohn," sagt der Alte, „er warschon angezogen, wie ich weggieng, und ist mit dem Wagen jetzt noch nicht hier, während ich doch, wie Sie wiffen, zu Fuß kam." Merkwürdig, dachte ich bei mir, der Alte läuft zu Fuß, der Sohn fährt. Werweiß, von welcher Krankheit der Aermste geplagt ist. Mein Nachbar springt auf: „Der Obmann des Comitss!" „Servus Feig l - tönt es von allen Seiten, und ein Herr im Frack, mit weißer Binde verneigt sich, den schwarzen Knebelbart wohlgefällig streichelnd, nach allen Seiten. Das Glockensignal ertöptL / ,MeineHerren,"-sÄgv'WNrfl-^F^iIl^Begrüßte5,,Der Dr, Finkler-Abend ist eröffnet." (Lauter Beifall, vereinzelte Heil- Rufe.) War es Zufall oder vorher verabredet, im selben Momente reißen die Kellner dre große Spiegelthür auf, und herein schreitet ein Mann, majestätisch stolz. „Hoch Fi y kl er!" „Hoch!" erlönt es von allen Seiten, die Begeisterung der Menge ist riesig. Der Alte neben mir blickt triumphierend um sich, Dr. Finkler schreitet an uns vorüber und drückt ihm die Hand. „Meine Herren," fährt Herr Feig! fort, „es ist mir eine große Ehre, im Namen des liberalen Central-Wahlcomitös unseren soeben erschienenen verehrten Führer und Abgeordneten Dr, Finkler begrüßen zu können. Die heutige Feier erinnert mich an eine andere deutsche Feier, die vor circa 1000 Jahren im Bayerland begangen worden. Nicht Zufall ist es, dass unser Führer den Namen Heinrich Finkler führt.' Heinrich der I., der Vogler zwang die Magyaren zum erstenmale nieder, und huldigend nahten sich ihm die deutschen Mannen. Gegen einen argen Feind, die finsterschwarzv Reaclion, den Clericalismus, hatten wir zu kämpfen, und siegreich zieht Heinrich Finkler als unser Vertreter des Abgeordnetenhauses. Und nun gestatten Sie mir, Sie alle, die durch Ihr heutiges Erscheinen bewiesen haben, dass Sie die Fahne des deutschen Fortschrittes hochhallen, auf das allerherzlichste zu begrüßen, und zwar namentlich folgende f>erren: den Präsidenten der israelitischen Eultusgemeinde Herrn aiserlichen Rath Gabel, den verehrten Rabbiner Herrn Doctor Guttmann,die Deputation der „Flotte Vieneter 'Geister" und „Gute Ludwigstädter-Herzen". — Bis hierher war der feierliche Pathos Herrn Feigls gelangt, da geht die Thür auf, herein klirren sechs Sporen — Studenten in voller Wichs — mein Nachbar springt aufgeregt vom Sessel — Herr Feig! mit hocherhobener Stimme: „Meine Herren! Hochansehnliche Festversammlung! Ts gereicht mir zur ganz besonderen Ehre, unsere jugendlichen, wackeren Mitkämpfer begrüßen zu können. Den Vertretern des deutsch-national-freistnnigen Corps „Lätitia" ein donnerndes „Prosit"! (Stürmische Prosit- und Heilrufe.) Herr Feig! gebietet durch die Glocke Ruhe, mein Nachbar zeigt mir mit Stolz seinen Sohn, den Erstchargierten der Lätiten, der neben Dr. Finkler sich niedergelassen, und mir entgehen dadurch die Worte Herrn Feigls. Es muss wohl die Ankündigung igrendeiner Rede gewesen sein, denn Todtenstille herrscht rm Saale. Dann tosender Beifall. — Tr. Heinrich Finkler erhebt sich: „Geehrte Wähler! Vor allem meinen besten Dank für das mir bewiesene Vertrauen. Ich danke Ihnen für meine Wahl!" „ES ist heutzutage kein Vergnügni, eine politische Ehrenstelle anzustreben, und ich möchte es ganz besonders belonen, dass ich mich nur aus Pflichtgefühl, der Noth gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, als Eandivat ausstellen ließ, weil eben das Wahlcoiniiö niemand anderen hatte. Sie wissen, mit welchem Schmutz mich die Gegner bewarfen. Weil deutschfreiheitlich gesinnte Staatsbürger mosaischer.Consession mir auch ihre Stimmen gaben, werde ich als Judenknecht verschrieen, und man wagt es sogar, an meiner strammdeutschen Gesinnung zu zweifeln. Ich erkläre hiermit, dass ich unentwegt an den Principien der deutschnational-freisinnigen Volkspartei festhalten werde (Hrilrnse), und dass mich Nichts in der Welt davon abhalten wird, nicht einmal die ärgsten Beleidigungen und Fußtritte, in der deutschen Gemeinbürgschaft zu verbleiben!" (Bravo! Bravo! Tosender Lärm.) Dr. Finkler wird auf die Schultern gehoben und im Saale herumgetragen, während besonnenere Elemente „Die Wacht am Rhein" anstimmen, die von allen stehend mitgesungen wird. „Das Wort hat der Vertreter des Corps ,Lätitilü, Herr ennd. jur. Siegfried Koh n." Kobn sei), neben mir beginnt zu zittern, die Hände ringt er, während Siegfried, sein Sohn, mit etwas näselnder Stimme begann: „Meine Herren, es wurde hier lobend die Arbeit erwähnt, d e wir, die jungen Studenten, bei der Wahl geleistet, und ich danke Ihnen im Namen meiner Vereinsbrüder für die Anerkennung unserer Verdienste. Gerade jetzt, wo die studierende Jugend, durch mancherlei Schlagworte irregeleitet, andere Bahnen betritt, als Sie, meine Herren, wo wir hier in unserer Vaterstadt den traurigen Anblick hatten, wie der Sohn des . . ." (Herr F e i g l rupft den Erstchargierten am Aermel und bittet ihn leise, keinen Misston in die heutige Festesfreude hineinzutragen.) . . Ich will dies alles nach Wunsch des Vorsitzenden also unerwähnt lassen, und nur ein Gelübde heute feierlich wiederholen : Wir Jungen werden Ihnen treue Gefolgschaft leisten im Kampfe gegen die Reaction, im Kampfe für die Freiheit und die Rechte des deutschen Volkes. Dem neugewählten 'Abgeordneten Herrn Dr. Hemr. Finkler ein kräftiges Heil!"; (Heilrufe — Enthusiasmus.) Herr Feigl: „Wünscht noch jemand das Wort?" Ein alter Mann, ein Silbergreis, erhebt sich, er geht hinauf zur Rednerbühne. „O weh, der alte Lierak," murmelt mein Nachbar, „das kann gut werden." _ „Liebe Mitbürger," beben Eieraks Lippen hervor, „wir sind ja, wie ich sehe, ganz unter uns, und so werde ich mir gestatten, eine Anfrage zu stellen. Ich bin mit meinem Vetter, dem Hofrathe Sierak, wie ja allen bekannt ist, seit Jahren verfeindet, aber wissen möchte ich doch, wieso ist er, der doch für unsere Stadt viel geleistet, nicht wieder, wie bisher, als Abgeordneter ausgestellt worden? Vielleicht ist Herr Feigl so lieb, diese meine Interpellation zu beantworten?" Sprach's und schleppte sich auf seinen Platz. Verlegenes Schweigen im ganzen Saale. Herr Feigl conferiert mit dem Präsidenten der Cultusgemeinde und dem Secretär der „Guten Ludwigstävter-Herzen", gibt dann das Glockenzeichen und erwi dert: „Die Taktlosigkeit Herrn S i e r a k s (Bravo-Rufe) wollen wir, meine Herren, seines hohen Alters wegen ungerügt kaffen, und ich will hier nur erwähnen, dass dre großen Verdienste des Hofrathes Sierak sich unauslöschbare Erinnerung bei uns gesichert haben." Feigl lässt sich auf seinen Platz nieder, schwacher Beifall ertönt. Der Präsident der „Guten Ludwigstädter-Herzen", Herr Isidor Ferlchenfeld, ein Mann von patriarchalischem Aussehen, besteigt die Rednerbühne. „Meine Herren, Herr Sierak hat ganz richtig bemerkt, wir sind unter uns, warum soll man da nix sagen, was doch ohnehin ist ein offenes Geheimnis? Die Deutsche Fortschrittspartei hat den Beschluss gefasst, mit Rücksicht auf die radical-nationalen Elemente in der deutschen Gemeiubürgschaft, keinen von unseren Leuten aufzunehmen, und so mussten wir uns sagen, wenn wir wählen den Hofrath Sierak, wird er als Wilder herumlaufen muffe«. Und so brachten wir der deutschen Sache das Opfer und ließen ihn, so schwer eS uns wurde, fallen. Das ist die ganze Meisse, gerade herausgesagt, statt wie die Katz um den Brei zu geben, die Wähler von Ludwigstadt wollen ihren Abgeordneten, tn der Deutschen Fortschrittspartei sitzen sehen. (Bravo! Hoch!) — Die offieiellen Reden waren zu Ende, in zwanglose Debatten ließen sich alle Festtheilnehmer ein, und mein Nachbar berichtete mir nun über die Wahl; Freudestrahlend erzählte er mir, dass die reactionären Gegner II Stimmen diesmal eingebüßt hätten und dass mit der Zeit nicht nur Ludwigftadt, sondern ganz Vinetenheim liberal wählen werde. Die Eindrücke des Abends waren aber zu mächtig, ich fühlte, wie ich matt und schläfrig wurde. Der Vorsitzende kam mir zu Hilfe: „Der Dr. Finkler- Abend ist zu Ende". Man erhob sich, nahm rührenden Abschied voneinander und gieng. Langsam schritt sich über die Brücke, Hotel „Stern", mein Absteigquartier aufzusuchen. Der Dr. Finkler-Abend ist zu Ende — so summte es mir in den Ohren — ist auch der deutsche Freiheitsdusel zu Ende, der Schlaf und die Träume meines Volkes, ist es erwacht? WMheilrrngen aus forrn jltibücmti. (Den besten Schutz) der Gesundheit erreicht man nur dann, wenn man stets bedacht ist, seine Fußbekleidung in ordentlichem Zustande zu erhalten; zu diesem Zwecke empfiehlt es sich, dem renommierten Schuhwaren-Lager von M. Heller einen Besuch abzustatten, woselbst gute Qualität und billiger Preis vereint werden. (Ouirk) ist der beste Briefordner der Welt. Für jedes Comptoir unentbehrlich. 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