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Jüdisches Volksblatt · 1901-01-11 · 2 (11.1.1901) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
2 (11.1.1901)
Date
1901-01-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Wien, Freitag Jüdü;cl ics VroIksb 1 atl. Nr. ö) 11. Jänner 1901 Leite 7 iwgwierjge Process nun doch einmal zu Ende sei und »bien Löb Frank, dass es ihm gelungen sei, sich den rüheren Gegner zürn Freunde zu macken. Bär Lederer var nicht ganz dieser Meinung; seine Ansicht war, dass Löb Frank'hätte froh sein sollen, dass er den Process gewonnen und hätte sich weiter um den Gutspächter nicht kümmern sotten. Zu gut ist halb närrisch! meinte er. Wer,!,ur aus anderen Motiven wie Bär Lederer, diese Verbindung zwischen einer jüdischen und einer christlichen Familie ebenfalls mit Missfallen betrachtete, das war der fanatische Syndicus, der sich durch seinen übertriebenen Glaubens'eiser mit der Geistlichkeit auf guten Fuß zu stellen gewusst und außer dem Syndicus, sein Schatten, der junge Drab, welcher in allen Stücken seinem Herrn lind Meister nachzuahmen und unter Bürgers- und Bauersleuten im kleinen den Unterrichteten zu spielen strebte. Wenn der Löb Frank nicht das Bewusstsein hätte, dass er den armen Gutspächter betrogen, so würde er jetzt nicht so freundlich gegen ihn thun! Jedoch es drückt ihn selber das Gewissen — so meinte der Syndicus und der Drab secundierte: Wenn der Löb Frank nicht bei sich selber wissen thät, dass er dem Gutspächter die Taschen ausgeleert, möcht' er ihm jetzt nicht das Goderl kratzen; das Gewissen drückt ihn, obgleich er nur ein Jud' ist. Allein wie diese Urtheile auch immer gelautet haben möchten, weder Löb Frank noch der Gutspächter kümmerte sich um die Glossen, ob dieselben nun von Bär Lederer oder vom Syndicus herrührten. Sie ließen die Leute reden und thaten, was sie für gut und recht erkannt hatten, und als nun der längst mit Sehnsucht erwartete liebe Verwandte mit seinem kleinen herzigen Töchterlein endlich eintraf, da war die Freude im Hause Löb Franks fast ebenso groß, wie bei dem Gutspächter auf dem Meierhofe. „Ah lieber Vetter"!, sagte der Gutspächter, „ich sag' Dir, Du wirst ein Vergnügen haben, den Mann musst Du näher kennen lernen, es ist einer der seltensten Menschen, die mir im Leben vorgekommen!" „Und auch sie, die Frau Frank", fügte die Gutspächterin hinzu, indem sie dem Kinde die Haare aus der Stirne streichelte, „auch sie ist keine gewöhnliche Person, eine gescheite und dabei sehr gutmüthige Frau. Ich möchte sagen, sie hat ihren Verstand in seltener Weise und zwar nicht auf Kosten ihres Herzens ausgebildet. Nicht war Oskar?" sagte sie, an ihren Mann sich wendend, gleichwie ihn zum Zeugen ihrer Aussage anrufend. Die Gutspächterin, Aurelien an der Hand führend, gieng voran, die beiden Vettern folgten hinterdrein. Der Willkomm im Frank'schen Hause, wo sie zum Abendessen geladen waren, konnte nicht herzlicher, nicht aufrichtiger sein. „Der Freund unseres Freundes ist für uns kein Fremder mehr", hatte Löb Frank unter anderem gesagt, während Jentel Frank das muntere Kind auf den Schoß nahm, an dessen Schönheit sie sich kaum satt sehen konnte. Bald war die Eonversation im schönsten Flusse. Da trat Bär Lederers Töchterlein, das kleine Rösele, mit einem Aufträge vom Vater au Herrn Frank in die Stube. „Schön's Mädi! Schön's Mädi!', rief Aurelie lebhaft, machte sich von Jentel los und lief auf das schöne Kurv zu, von dem es sich sogleich merkwürdig angezogen fühlte. „Willst Du mit dem schönen Mädi spielen?", fragte Jentel Frank. „Ja!", sagte Aurelie. „Also spielt Euch Kinder!", sagte die Frau. „Ist denn hem Sabbath?", fragte Rösele, „ich Hab' kein' Zeit, mein Vater leidt's nicht." „Spielt nur Kinder! Bleib nur da Rösele! Ich lass' es Deinem Vater schon hinüber sagen." Bald waren die Kinder bekannt miteinander. Aurelie schüttete ein kleines aus Glasperlen gesticktes Beutelchen voll Silbermünzen auf den Boden, dass es schimmerte und glitzerte und die Kinder'spielten mit den Münzen, die sie in Ermanglung von Steinchen auf dem glatten Boden des Saales hin- und Herrollen ließen. „Willst Du hier bleiben bei uns, Aurelie, und soll Röserl mit Deinem Vater weiter reisen?" fragte Jentel Frank, nachdem die Kinder einige Zeit gespielt hatten. „Willst Du denn meine Mutter sein?" fragte Aurelie, und Rösele fragte: „Reist Ihr denn zum Felix?" Die gute Frau nahm zwei schöne Aepfel vom Tische urrd gab jedem der Mädchen je einen. „Willst Du mit mir zu Gumpel geh'n?" fragte Rösele die Gespielin. „Darf ich zu Gumpel geh'n?" fragte Aurelie den Vater, der sich mit Löb Frank gerade über eine interessante Frage unterhielt und deshalb die Frage des Kindes mcht beobachtete. Aurelie aber zupfte ihn am Rock und wiederholte: „Darf ich zu Gumpel geh'n, Vater?" Löb und Jentel Frank mussten über die Frage des Kindes lachen und Aurelie schaute sie mit großen, verdutzten Augen an. Sie schämte sich, ihre Bitte zum drittenmale auszusprechen, denn sie hatte das dunkle Gefühl, dass man über ihre Frage gelacht habe. Schweigend kehrte sie zu Rösele zurück, und da eben ein Bettler au der Thür des Saales sich sehen ließ, raffte sie so rasch sie konnte alle die aus dem Boden zerstreut liegenden Silbermünzen auf und steckte sie dem Bettler in die offene Hand. Der Bettler sah sie ebenso verdutzt an, als sie vor einer Minute Herr urrd Frau Frank angesehen. Fragend blieb er stehen, denn er wagte rrrcht, sich mit dem Geschenke des Kindes zu entfernen. Aurelie bemerkte es und deshalb drängte sie sich wieder an den Vater mit der Frage: „Nicht wahr, Vgter, er darf's behalten!" „Ja!" sagte der Vater, mit der Hand die zudringliche Fkagerin abwehrend. Aurelie sprang vor Freude, als sich der Bettler entfernte. „Gibst Du auch so gern?" fragte Rösele. „Du auch?" fragte Aurelie zurück. „Ja!" sagte das Mädchen. „Ich möcht' allen NetlLrn so viel geben, dass sie alle sehr viel Geld hätten uub dass es keine Bettler mehr geben möcht'!" sagte Aurelie. „So gib mir auch etwas!" Wiener Filiale der Zivnosfenskä banka ' . i ' V \ WIEN, I., Herrengasse Nr. 12. Spareinlagen auf Büchel 4%. — Wechselstube. — Börsenordres. — Darlehen auf Wertpapiere. — Eingezahltes Actiencapital K (20,000.000. — Reserve- und Sicherstellungsfonds über K 7,500.000. — Centrale in Prag. iüi Gebet-Stunden. Freitag, <len 11. Jänner . . Samstag, don 18. Jänner . , Vom 13. bis incl. 17. Jänner Freitag, don 18. Jänner . . , Samstag, den 19. Jänner . . Vom 20. bis inel. 84. Jänner Freitag, den 85. Jänner . . , Samstag, don 26. Jänner . . , Vorn 27. bis indl. 31. Jänner Freitag, don 1. Februar . . , Samstag, den 8. Februar . , Vom 3. bis incl. 7. Februar . Abends 4 Uhr 45 Min. „ 5 „ 05 „ „ 4 „ 45 „ „ 4 „ 45 „ » 5 n 15 , 5 „ 15 „ Der Gottesdienst an Wochentagen beginnt um 7 Uhr früh, an Samstagen um 8 Uhr früh. KW Israelitischer Bethaus-Verein Brigittenau. AM I Trauungslaxen. U I. Classe . . . . Kronen 200.— 11 II. ... 130— 11 III. . . . . „ 80— m IV. . . . , 40—WW Anmeldungen bei dem Vereins-Qbmanne Herrn Hermari WWWWi Anmeldungen bei dem Vereins-Qbmanne Herrn Her Eltbogen, XX., Rafaelgasse 12. Lehmann’s Jüd. Volksbücherei. Den Herren Buchhändlern beehren wir uns hierdurch initzutheilen, dass wir in" Loipzig bei Commissionär E. F. STEINACKER, Rossplatz 10, ein ®8P* AuslieferunjfVLager ‘‘^gas errichtet haben. — Bis jetzt sind erschienen: Band 1. M. LEHMANN. Des Königs Eidam. „ 2. „ „ Graf oder Jude. „ 3. „ „ Rabbi Elchanan. Die Verlassene. „ 4. „ „ Das Licht der Diaspora. „ 5. * „ Bostanal. I. Tlieil. „ (i. „ „ Bosranaä. II. Tlieil. „ 7. „ „ Süss Oppenheimer. „ 8. „ , Der Pürst von Couey. n 9. „ „ Die Familie y Agulllur. I. 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