Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 52 (28.12.1900)
- Date
- 1900-12-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 28. Decembcr 1900 Kemüs- und KttslttWlnilgsdttilhtk. Bttdapost. (Kinderb ekle idu n g.) Sonntag den 16. d. M. hat die Neupester israelitische Cnltnsgeineinde ihre armen Kinder, ivelche die Schule besuchen, mit completen Winteraiizügen bekleidet. Es waren 40 Knaben und 90 Mädchen. Die Kinder versammelten sich im Gemeiudehause, wo die Bekleidung vorgenommen wurde und nachher wurde der Mincha- Gottesdienst verrichtet, wobei das Channkalicht angeznndet wurde. Hierauf hielt Herr Oberrabbi Dr. B e n e t i a n e r eine dem Feste anaepasste Rede. Die Kosten dieser Bekleidung betrugen 550 st., wozu eine besondere Büchsensammlnng allwöchentlich veranstaltet wird und 250 si. eingesammelt wurden, der Restbetrag wurde ans der Gemeiurucasse ergänzt. Dass die Kinder mit vorzüglich guten Kleidern versorgt wurden, ist nur der umsichtigen Mühewaltung des ObuianneS der Wohlthätigkeitsssction Herrn D. I. Reisz zu verdanken. Es wird hier im Namen der Beschenkten der öffemliche Dank ausgesprochen. lslkssttkin in Der ^Jüdische Volksverein" hat den Zweck, überall dort, wo die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Juden geschädigt werden, helfend und schützend eiuzugreifen, den Geist der Zusammengehörigkeit unter den Juden zu fördern und zu heben und alle Theile zu einem festen Ganzen zu vereinigen. Wer nur einen Funken Gefühl für die politische Drangsalierung, wirtschaftlichen Boycotts und gesellschaftlicher Missachtung, unter denen wir Juden zu leiden haben, hat, muss eiusehen, dass unser Verein nur dann Ersprießliches zu leisten vermag, wenn in unseren Reihen das gesammte jüdische Volk steht. Es ist daher nothwendig, dass ein jeder Jude dem jüdischen Volksvereine als Mitglied beitrete. Die Höhe des Mitgliedsbeitrages wird dem eigenen Ermessen jedes Einzelnen anheimgestellt. Anmeldungen werden im Vereinslocal II.,"Leo'Poldsgasse 49 entgegengenommen. UnentzMilhk StkAkMMlMlrW des Handelsangeftellten-Vereines „Emunah" in Brünn. (Den JP. T. Chefs steht diese Rubrik unentgeltlich zur Verfügung. Neueste Nararrzerr-Liste: (Sämmtliche Offerte sind an den Verein zu richten.) Mehrere jüdische Mädchen werden als Kindermädchen und Dienstboten gesucht. Mehrere jüdische Lehrburschen für verschiedene Handwerker gesucht. Mehrere jüdischeGoldarbeiter werden gesucht. Commis, Tuch- und Wirkwaren, Boskowitz. C o m p t o i r i st, deutsch, böhmisch, Stenograph, für Mähren. Comptoirist, deutsch, böhmisch, Prag. Commis, Spezerei, Poreba, Post Orlau. Commis, Manusaetur, Znaim. Commis, Modewaren, Strakonitz. Commis, Eisen, Stab. Commis, Conseetion, Brüx. Commis, Spezerei, Ober-Haid. Commis, Gemischt, Wittingau. A u s l a g e -- A r r a n g e u r, Mode, Manufactur, Bielitz. Praktik an t, Mode, Aussig. C o mm is, Spezerei, Poln.-Ostrau. Frise Eg e h i l f e, Karmin. Maschinenschlosser findet in einer Maschinen- und Eisenconstruetions-Werkstätte in Prag Aufnahme. Offerte unter «A. N.", Prag. % Comm iALModewaren, Wagstadt. Mehrere Schuhmachergehilfen werden für Brünn gesucht. Com m i s, Tuch- und Webewaren, Neu-Raußnitz. Comptoirist, deutsch, böhmisch, Jglau. Commis, Schneiderzugehör-Branche, Brünn. Buchhalter für eine Dampfmühle ausgenommen. Absolvierter Handelsschüler mit schöner Schrift und Fertigkeit in Stenographie wird in Brünn ausgenommen. Commis, Leder, Schnittwaren, Eisen, Kurzwaren und Specereibranche, Luhatschwitz. Stellen-Gesuche. Bureaubeamter, Absolvent von 8 Classen Gymnasium, 4-5 Jahre alt, deutsch, böhmisch, sucht Posten in dieser Eigenschaft unter „A. P". Commis der Colonial- und Materialwarenbranche, eventuell auch als Comptorist unter R. Sch. Buchhalter, tüchtige Kraft, für eine Mühle, unter „ M. H." Buchhalter oder C o m p t o i r i st unter „I. F." Commis der Kurz- und Modewarenbranche, militärfrei, deutsch, böhmisch, unter „A. W." C o m p t o i r i st, junger Mann mit schöner Handschrift, sucht Posten in beliebiger Branche in dieser Eigenschaft unter „B. S." C o m p't o i r i st, 17 Jahre alt Stenograph, such Posten in seiner Eigenschaft, unter „A. F." C o m m i 8 der Lederbranche, im Lederausschnitte besonders tüchtig, deutsch, ungarisch, sucht Posten. Anfragen unter „Adolf Donnath." C o m p t o i r i st der Mehlbranche sucht Posten. Anfragen unter „Israel Quartner". B u d) Halter, der viele Jahre in einer größeren Petrolemn-Raffiilerie und Dampfmnhle thätig ist, wünscht seinen Posten zu verändern. Geneigte Anträge unter „Moritz Haber". C o in in i s der Herrenconfections- und Maimfactnrbranche, in Comptoirarbeiten versiert. Anfrage unter „Leopold Grün". C o m p t o i r i st, deutsch und böhmisch in Wort und Schrift, Stenograph, fucljt passenden Posten. Anfrage unter „Johann Lampe!". C o m p t o i r i st, 17 Jahre alt, deutsch, böhmisch. Znsd)riftcn unter „L. Löwenthal." C o m p t o i r - P r a k t i k a n t, deutsch, böhmisch. Anfragen unter „Otto Zeisel". C o m in i s, Fell und Leder, mit Comptoir-Arbeiten vertrant, sucht Posten. Anfragen unter „Leo Baumgarten". Sücheremlanf. Boerrrs Freiherr v. Münchhausen: „Juda", mit Zeichnungen von E. M. Lilie n. Preis 8 Mark. Goslar 1901, F. A. Lattma nn. Der Jndeutag. Preis 25 Pfg. Gedruckt und zu beziehen durch Jean Trap p, Bonn, St-ftgasse 19. Dr. Adolf Brüll: Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum. Organ des Mendelssohn-Vereines in Frankfurt. Im Selbstverlag. „Jüdisches Gefühl", Zeitschrift für die Jugend. Erscheint alle 14 Tage. Bezugspreise 4 Kr. jährlich. Einzelnummern 15 Heller. Redaction: Smeckagasse 7, 1. Stvck. m'ffdiwiFin rom miimhi mni nn nnrn iBnnsurrrsau^'uwsnju.'iMUJi’ArnJusai Bon befreundeter Seite wird dem „Israelit" folgender Brief eines deutschen Marinesoldaten zur Verfügung gestellt: K i a u t s ch o u, 28. September 1900. Meine Lieben! Heute will ich wieder einmal die Gelegenheit benützen, Euch ein Vrieflein zukommen zu lassen, weil ich weiß, daß Ihr gerne ausführliche Berichte habt. Der Rosch Haschono wäre Gott sei Dank vorüber. Ich sage Gott s. Dank, denn es ist eine gewagte Behauptung, wenn ich sagen wollte, ich hätte emen Jomtof gefeiert. Der erste Tag ging noch an. Wir waren dienstfrei (mein College Aron und ich). An einer einsamen Stelle hinter den Mauern von Kiautschou setzte ich mich auf einen Steinhaufen znm Gebete nieder, und ich glaube, ich hätte in keiner Synagoge mit mehr Andacht oren können. Nachmittags durften wir ausgehen, was sonst nicht der Fall ist, da keiner von uns allen die innere Stadt betreten darf. Wir nützten dies auch aus und wir hatten die Gelegenheit, viel Merkwürdiges und sogar Schönes zu sehen. Prachtvoll steinerne Triumphbogen, wunderschöne ausgehauene Figuren zieren die allerdings engen und theilweise schmutzigen Straßen der Stadt. Man muss sich wundern, was die Chinesen in der Bildhauerkunst geleistet haben; auch wunderliche Malereien kann man viele sehen. Es herrscht da ein lebhaftes Getriebe auf den Straßen; alle möglichen Früchte, Getreide, Fische, Würmer, Krebse u. s. w. werden da angeboten. Gewöhnlich geht man gerne seines Weges werter, denn es ekelt einem alles an. Man schätzt Kiautschou auf etwa 60—70.000 Chsnesen, diese leben jedoch so dicht zusammengedrängt, daß man es sehen muß, um es glauben zu können. Nachdem wir genug gesehen halten, gingen wir zu einem katholischen Missionär, welcher hier schon lange Jahre lebt. Dieser empfing uns äußerst freundlich und ich habe mich wirklich sehr gut mit demselben unterhalten. Er erzählte mir, was mich besonders interessierte, unter Anderem, dass hier in China viele eingeborene, natürlich bezopfte Inden wohnen, welche aus Chinesisch unter dem Namen Hui-ze-djau bekannt sind. — lieber ihr religiöses Leben konnte er mir jedoch wenig Auskunft geben, versprach mir aber, darüber Erkundigungen einzuziehen. Ließe sich da nicht vielleicht auf unsere verlorenen zehn Stämme schließen? Ich werde jrdenfalls Gelegenheit baden, hierüber mehr zu erfahren. Dieser Pater Frömes (ein geborener Bregenzer) sagte mir, dass etwa 40 Stunden von hier eine Stadt sei, welche meist von Juden bewohnt wäre. Zum Schlüsse lud er uns ein, am Jom Kippur bei ihm ungestört unsere Andacht zu verrichten, was ich mit Dank annahm. Nun muß ich Euch aber auch meine Erlebnisse am zweiten Tag Rosch Haschonoh erzählen. Da hieß es nämlich morgens in aller FrüheHeute wird ein Streifzug gemacht nach einigen rebellischen Dörfern; da gab es kein Pardon, ich mußte auch mit. Wenn mir auch beim Gedanken, an den heiligen Tag und wie schön es jetzt zu Hause wäre, ordentlich das Herz schwer wurde, so haben solche Streifzüge für uns Soldaten einen eigenen Reiz (ein Beweis, wie gerne ich Soldat geworden bin). Da zeigte sich, was für einen höllischen Respekt die Chinesen vor uns haben. Es müssen schon deren tausende sein, wenn sie einen Versuch wagen, sich gegen vielleicht 40-50 Mann von uns zur Wehr zu setzen. Im anderen Falle suchten sie schleunigst das Weite und so war es auch hier. Wir fanden die Dörfer verlassen, höchstens ein paar alte Männer und Weiber waren da, welche zitternd vor uns ihre Kolon (Bücklinge bis zur Erde) machten. Nachdem verschiedene Tempel und Häuser nach Waffen und Munition durchsucht waren, zogen wir'mit einiger Beute den Rückweg an. Etwas wirklich Werthvolles findet man hier höchst selten, es ist meist alles farbiges Flitterzeug, das die Chinesen haben; bloß Seide gibt es ziemlich viel. Wenn ich wieder einmal bei Casse bin, werde ich Euch etwas schicken. Ueber unser Leben hier kann ich Euch nicht viel Nennenswerthes erzählen; es ist ein recht rohes und es ist gut, daß man schon abgehärtet ist. Ich bin Gott sei Dank immer gesund und wohlgemuth. Des Abends sitzen wir gewöhnlich Alle zusammen, singen Lieder und erzählen uns Dinge aus der Heimath, und vertreiben uns die Zeit, so gut es geht. Bitte, schickt mir doch öfters ein paar Zeitungen, damit man auch erfährt, was bei Euch vorgeht. Hoffe, daß Ihr alle gesund und wohl sein. Ich bin schon drei Wochen ohne Brief von Euch und bitte, mich nicht so lange warten zu lassen. Viele Grüße an alle lieben Geschwister und besonders an Euch von Eurem treuen ckaood. Der Schlüssel. Erzählung von Eduard Kulte (Fortsetzung.) Aushetzer gab es im Orte genug, die ihn in seiner Meinung bestärkten und ihm zuredeten, gegen das Urtheil des Oberamtes den Necurs zu ergreifen und an das Kreisamt zu appellieren. Diese Elaste schadenfroher Nr. 52 ' Menschen stirbt nie aus und ist allenthalben zu finden. Leider vermochte des Gutsbesitzers Gattin, welche die Sachlage mit etwas mehr Klarheit und Nüchternheit beurtheilte, gegen diese Aufhetzvereine nicht viel auszurichten. Ja, wäre sie imstande gewesen, ihrem Manne den Beweis zu liefern, dass Löb Frank ein ehrlicher Mann sei, der ein solches Unrecht, wie es der Gntspächter ihm in die Schuhe schob, gar nicht begehen könne, dann hätte er bei aller Härte, mit der ihm das Urtheil des Oberamtes traf, es sich dennoch ruhig gefallen lassen und sich so gut es eben gehen mochte, aus der Schlinge zu ziehen gesucht. Wie sollte sie ihm aber einen solchen Beweis geben? Konnte sie ihn in Löb Franks Herz hineinschauen lassen? Der Gutspächter blieb bei seiner Rede: Und ich Hab' doch recht! Und so that er denn, was er nicht lassen konnte; er recnrrierte gegen die oberümtliche Entscheidung des Procestes an das Kreisamt und so war der Process wieder in der Schwebe. Für Löb Frank war dieser Umstand keineswegs erfreulich. Er wäre den unseligen Handel schon gern einmal los gewesen; nun sollte die ganze Sache nochmals von Neuem beginnen. Noch konnte des Rabbi Baruch Fränkels Satz auch an ihm zur Wahrheit werden, das Kreisamt konnte die Entscheidungsgründe des Oberamtes, die er bei j seinem Advocaten in einem langen Actenstücke gelesen hatte, verwerfen, wie triftig sie auch sein mochten und er konnte verlieren, weil er gerecht war. Indessen gab der Umstand, dass er den Process in erster Instanz gewonnen, doch seiner Hoffnung auf einen günstigen Ausgang der j Sache doch einen festeren Halt, und einer solchen Ver-! düsterung, wie sie sich seiner in der letzen Zeit bemächtigt hatte, gab er keinen Raum mehr. Wie es Gottes Wille [ein wird, so wird es nun sein! Diese Philosophie seines guten Weibes hatte er denn auch zur [einigen gemacht; gieng mit frischer und erneuter Kraft seinen vielen Geschäften nach, wie er es allezeit zu thun gewohnt war, und ließ geschehen, was er nicht ändern konnte. Im Orte hatte man von dem Proeesse zu sprechen selbstverständlich wieder aufgehört, denn so sind ja die Menschen, dass sie immer nur vom Nächstliegenden berührt werden, und morgen und übermorgen an das heute und gestern nicht mehr denken; umso überraschender war daher die Neuigkeit, als man sich in kurzer Zeit nachher im ganzen Orte wieder allenthalben erzählte, die Entscheidung sei bereits auch vom Kreisamte herabgelangt und der Gutspächter habe den Process auch in zweiter Instanz gewonnen. Fröhlichkeit herrschte im Frank'schen Hause, Bestürzung auf dem herrschaftlichen Meierhof. Von dem Gutspächter wäre es eine Tollkühnheit gewesen, sich mit einer in -zwei Instanzen verlorenen Process-Sache endlich auch noch en die Landesstelle, ans Gubernium zu wenden; denn wie sehr er auch von seinem Rechte überzeugt sein mochte, so viel sah er bereits klar, dass die Gerichte in dieser Angelegenheit nicht einer und derselben Meinung zu sein schienen, und dass sich bei fortgesetzter Processführung die Gerichts kosten nicht verminderten, darüber konnte der Gutspächter bei all seinen Absonderlichkeiten nicht im Zweifel sein. War daher die Verlegenheit für ihn früher schon groß genug gewesen, so war sie jetzt nur noch größer. Er war in der That ärger daran als je. Es konnte ihn wenig trösten, dass man ihm jetzt seine ganze Processführung von allem Anfang an als ein thörichtes Beginnen schilderte, was namentlich diejenigen, die ihn früher so vortrefflich auszustacheln und anzureizen gewusst, am ehesten hätten unterlassen sollen; es konnte ihn wenig trösten, dass man ihm jetzt, nachdem er den Process in zwei Instanzen verloren hatte, den guten Rath gab, dass er sich doch lieber mit Löb Frank auf gütlichem Wege hätte ausgleichen sollen. Zn spät, zu spät! Was geschehen war, konnte nicht ungeschehen gemacht werden. Der arme Gutspächter saß verdrießlich in der Stube, aus Mittel sinnend, wie er sich der über ihn hereinbrechenden Gefahr entziehen könne; er dachte daran, sich an einen Verwandten, der in einer Stadt Süddeutschlands lebte und ein großes Vermögen befass, zu wenden, und ihm seine trostlose Lage zu eröffnen. Derselbe war sein Vetter von väterlicher Seite, führte mit ihm also denselben Familiennamen, und hatte seines Wissens bei einem großen Vermögen nur ein einziges Kind, ein Töchterlein, das ihm die früh verstorbene Gattin zurückgelassen. Anfänglich ergriff er diesen Plan mit Lebhaftigkeit als einen Rettungsanker; bald aber verwarf er denselben wieder, denn er sah nur zu wohl das Ungebürliche ein, das in einem solchen Benehmen liegen würde. Schon die Väter dieser beiden Vettern, die doch Brüder gewesen, waren in frühester Jugend auseinander gegangen, und jeder hatte seit der Zeit der Trennung selbständig seinen eigenen Weg verfolgt. Der Gutspächter hatte seinen Vater, solang dieser am Leben, wohl manchmal von dem Bruder sprechen hören, aber es schien zwischen den Brüdern kein Band zu bestehen, welches sie fester aneinander geknüpft haben würde. Nur auf Umwegen, durch indirecte Nachrichten war der Gutspächter zur nothdürftigen Kenntnis dessen gelangt was er im Augenblicke von den Verhältnissen seines Vetters wusste. Nun wäre es unter solchen Umständen allerdings ganz in der Ordnung gewesen, und der Vetter hätte es nur gut aufnehmen und als ein Zeichen erwachenden Familiengefühls ansehen können, wenn der Gutspächter die Beziehungen, die sein Vater aus was immer für Gründen so gänzlich fallen gelassen, wieder anzuknüpfen sich bemühte. Dies hätte aber in reiner, uneigennütziger Absicht geschehen müssen, wenn er dabei sowohl sein eigenes Herz befriedigen, als auch dem entfernten Verwandten hätte zeigen sollen, dass es ihm wirklich ernstlich, darum zu thun sei, die locker und lose gewordenen.