Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1900-12-14 · 50 (14.12.1900) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
50 (14.12.1900)
Date
1900-12-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2432763-2432811-2432861--0804-2434493
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 6 Jüdisches Volksblatt II. December 1900 Nr. 50 Wien, Freitag ein Mann, der mit dem Indei'tüum nickt mehr znsnmmenhnngt. als durch einen cmsqeivrockeiien jüdischen Tyvns und einen Tonfall in der St an me, der ihn in> sX?t'rtomeii te dem bankenden Gefpöite der Antisemiten preis^eben ivürde, Leim N o s e nzweig versucht es, als jüdischer Abgeordneter zn candidieren, und ivas das Trainigsie an der Sacke ist — mit Anssicht auf Erfolg! Denn Feidinand Mayer Hat angesichts dessen, dass die Fanulieucl'gw' in der Hanarlskammer und dass Retd, Missgunst und Has" stärker sind, als ehrliche Ueberze'wnng, seine Candidatnr fallen gelassen, Nun hat Leon Rosen zweig f^ei-'s F-'ld, wenn ihm auch in letzter Stunde Fuchs- B r a n n t h a l zn coi-cnrrieren sacht. Aufrichtig gesagt, wäre es mehr Eine für e>ie Juden, wenn dieser Girier gewählt würde, als der Semite R o s e n z w e i g. der sich durch Wort und That vom Indentlmnr abgekeh't. und mit dem, wenn er im Parlamente als Jude wird beschimpft werden, wir Juden Mit beschmipft ivürde». Es ist traurig, abe> wahr, dass kein anderer jüdischer Candidat in der Handeiskammer zn candidieren wagt, oder sollte sich doch einer finden? C z e r n o w i tz, 7. December l 900. I) r. M ayer-Ebnc r. WitUrri!«ngeri aus drm Publicum. (Für Clav erkäufer.) Taß bei einem Claviertaufe dis größte Vorsicht zu gebrauchen ist, um nicht wertlose Instrumente zu erhalten, weiß jeder Laie. Von größtem Interesse für Jedermann ist es daher, gewissenhafte und reelle Bezugsquellen zu kennen. Diesbezüglich 'machen wir unsere Leser auf das Clavieretablissement Anton Toni. 5k l a n a, Il/l., Taborstraße 5, aufmerksam, woselbst die bestgebauten Instrumente zu beziehen sind. (Nkstanration C. Wendlinger.) Reisende sowie Einheimische statten gewiß den: neugegrnndeten Restaurant O. Wendlinger, Wien, IX., Grüne Thwgasse 17, einen Besuch ab, wo dieselben eine vorzügliche Küche und Getränke vorfinden, die allgemein belobt worden. Ter rührige Restaurateur O. Wendlinger bietet auch Alles auf, um sich die vollste Zufriedenheit der Gaste zu erwerben. (Den besten Schutz) der Gesundheit erreicht man nur dann, wenn man stets bedacht darauf ist, seine Fußbekleidung in ordentlichen Stand zu halten. Zu diesem Zw cke empfiehlt es sich, dem renommierten Schuhwarenlager für Herren, Damen und .Kinder, lX., Währingerstraße 24, einen Besuch abzustatten, woselbst bei ausgezeichneter Qualität die billigsten Preise berechnet werden. (Das Paradies der Tarnen) ist und bleibt immer die Kunst- und Weißstickerei. Ein Musteratelier für diese beiden Fächer,, sowie für Tapisserie und Handarbeit empfehlen wir der geehrten Damenwelt in dem Atelier von Therese Buxbaum, II., Lecpoldsgasse 30. Brautausstattungen vom billigsten bis zum allerfeinsten Genre werden übernommen und bestens ausgeführt. (Schutz gegen Nässe und Kälte) bietet nur eine geeignete Fußbekleidung. Die bekannte Sckuhsirma Michelstädter, Mariahilferstraße 58, bringt specielle Sorten Schuhe für empfindliche Füße zum Verkaufe; als praktische Geschenke sind elegante Neuheiten in Damen- und Herreuhausschuhen in reicher Auswahl stets vorrätig. Für diese Rubrik übernimmt die Redaciion keine Verantwortung..) Aufruf! Erster Wiener Jüdischer Turnverein I., Mölkerbastei 5. I ü d i s ch e V o l k s g e n o s s e n! Die Pflege von Leibesübungen ist das beste Mittel zur Hebung von Kraft und Much. Alle Culturvölker haben dies längst erkannt. Auch das älteste derselben, das jüdische. Doch schlecht ziemt es dem Mnlhigen, hinter fremdem Schilde sich decken, und unerträglich ist ihni das Gefühl, geduldet zu sein. Darum ist ein jüdischer Turnverein gegründet worden. Er ladet Euch zum Beitritte ein. Turnsaal: I., Mölkerbastei 5. Turnzeiten: Montag, Donnerstags von '^8—9 Uhr Dienstag, Freitag! abends. Der Turnrath. Nrrkillguitti Wien. (Theologischer Verein der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt in Wien.) Die diesjährige Makkabäerseier findet Dienstag den 18. d. M., präcise 8 Uhr abends im Restaurant „Kühner", I., Adlergasse 6 statt. Gäste willkommen. Wien. (Erster zionistischer Fr a u e n v e r e i n.) Samstag, den 15. d. M. findet im Congresssaale IX., Türkenstraße 9, um 8 Uhr abends der erste diesjährige Vereinsabend des „Ersten zionistischen Frauenvereines Wien" statt. Referent Herr Professor Leon Kellner. Thema „Unsere Frauen". Gäste yerzlichst willkommen. Wie«. (Bekleidung von Schulkindern.) Der humanitäre Verein „Freundschaftsbund" (gegründet 1895) zur Bekleidung armer Schulkinder ohne Unterschied der (Konfession wird wie alljährlich so auch am 10. December d. I., nachmittags 5 Uhr, den festlichen Acl der Bekleidung von 50 Schulkindern in dem vorn „Jüdischen Volksvereine" bereitwilligst zrrr Verfügung gestellten Festsaale (II., Leopoldsgasse 49, Eingang Tandelmarktgasse, dem Polizei-Eommissarint gegenüber) begehen. Den gesanglichen Theil hat in hochherziger Weise nächst dem neugewählten Obercantor Bela Guttmann der Gesangverein „Liederhain" (XVI. Bezirk) bereitrvilligst übernommen. Gäste sind freudigst willkommen und alle Freunde humanitärer Gesinnung werden herzlichst begrüßt durch die Vereinsleitung. Wie«. (Der i sr a e l i t i sch e F r a u e n-W o h l t h ä t i gkeitsverein des achten Bezirkes) veranstaltete anl Samstag den 8. d. M. von 4 -6 Uhr nachmittags im „Hotel de France", I, Schottenring, eine Kinderbekleidung, welche von den Vereinsmitgliedern und Gönnern recht zahlreich besucht war. Wien. (Der humanitäre Geselligkeits- Verein „Schlaumeier") veranstaltet Mittwoch, den 86. December 1900, in Sachers Festsaal, Hotel Central, II., Taborstraße 8, ein Kinderbekleidungsfest. Concert und Tanzmusik besorgt die Salon-Capelle H e r l i n g e r. Beginn präcise 8 Uhr abends. i Da das Reinerträgnis zugunsten der Kinder und Armen bestimmt : ist, wäre es sehr wünschenswert, dass das Fest recht gut besucht! werde. Zuschriften, sowie gi'Oige Spenden zur Kinderbekleidung I werden vom Vereinseassier Herrn D. B r o s a n, II., Leopolds-! gaffe 31, entgegengenoniinen. j Wie«. <Jsraelitif ch e s Neconvalescenten-! h e i in für a r me Frauen und Kinder) Dasselbe hielt i am 27. v. M. seine Plenar-Versammlung ab, zu welcher nebst dem vollständigen Präsidium zahlreiche Gäste erschienen waren und folgende Beschlüsse gefasst wurden: Die vom Präsidium geänderten und von Herrn Dr. S a x l richtig gestellten Statuten wurden mit vollständiger Majorität anerkannt, in Reinschrift verlesen, so dass dieselben in der am 6. Jänner stattsindenden General-Versammlung zur Annahme vorgelegt werden können. Der Vereinseassier Herr Rvsenthal referierte den Cassenbericht, aus welchem das ersprießliche Wirken zu ersehen ist, indem das Bcreinsvermögcn bereits die Summe von 28.000 Kr. anfweist. Hierauf brachte Herr Architekt H. Modern den Ankauf eines Hauses in St. Beit vor, welches auch vom Präsidium bereits besichtigt winde und sind zwei diesbezügliche Umbaupläne vom Herrn Architekten bereits ansgearbeitet. Das Reconvalescentenheim wird nach dieser Vorlage mit allen praktischen Neuerungen der Jetztzeit ausgestattet sein, für zwölf Personen ein Heim bilden und hängt der Ankauf der Realität nur noch vom Beschlüsse der General-Versammlung ab. Das Präsidium votiert hierauf Herrn Dr. S ax l und Herrn Architekten Modern für ihr wirklich aufopferndes Wirken den Dank unv ersucht uns schließlich, an unsere geehrten Leser die höfliche Einladung ergehen zn lassen, dieses rein humane Wirken durch Beitritt zum Vereine,! durch Spenden re. rc. zu fördern. Der Schlüssel. Erzählung von Eduard Krrlke. (Fortsetzung.) VH. Lob Franks Proeess. Löb Frank führte seinen Felix nach Wien. Die Reise dauerte wohl einige Tage, denn zu jener Zeit gab es hierzulande noch keine Eisenbahnen. Der Vater suchte den jungen Studiosus in der Kaiserstadt nach Möglichkeit j gut unterzubringeu, und dies geschah mit Hilfe des Herrn Blumenthal, der dem Herrn Frank die Mühe in jeder Weise zu erleichtern suchte, in so vortrefflicher Weise, dass selbst Kressele Kuzmetin, die den armen Knaben beim Abschiede so herzlich bemitleidet, dass er das Elternhaus verlassen und in die Fremde, in die wilde Welt hinein gehen musste, hätte sie sehen können, wie gut und ausreichend in allen Stücken für den Knaben gesorgt sei, sich mit seinem Schicksal ausgesöhnt haben würde. Nachdem dieses wichtige Geschäft aber verrichtet war, musste Löb Frank schleunig an die Heimreise denken, denn der Proeess gegen den Pächter der herrschaftlichen Besitzung näherte sich einem Stadium und nahm eine Wendung, die dem vorsorglichen Geschäftsmanne seine Anwesenheit in der Heimat als unentbehrlich erscheinen ließ. Dieser Proeess, dessen früher einmal bereits flüchtig ermähnt wurde, hatte dem sonst so glücklichen und zufriedenen Löb Frank schon viele schlaflose Nächte gekostet. Es handelte sich um eine bedeutende Sumnie, die auf dem Spiele stand. Aber nicht das Geld, das er durch einen Federstrich verlieren konnte, war es, was ihm so manche Stunde verbitterte; Löb Frank war Mann genug, sich über den Verlust der Summe, so groß sie auch war, hinwegsetzen zu können. Was ihn schmerzte, war das Unrecht, das ihm von seinem Gegner zugefügt wurde, und dies empörte ihn in innerster Seele. Hätte es sich bloß um das Geld gehandelt, er würde sich nicht nur zu einem gütlichen Ausgleich herbeigelassen, sondern er selbst würde einen solchen gesucht haben. Aber wie die Sachen einmal standen, konnte, auch wenn der Gutspächter ihm einen Vergleich angetragen balle, seinerseits von einem solchen gar keine Rede sein; tn'nn er wäre trotz des Vergleiches immer doch als der Betrüger dagestanden, als welchen der Gutspächter ihn in feinen Eingaben geschildert hatte; er musste, er mochte wollen oder nicht, dem Processe seinen Lauf lassen. Er war sich in seiner Handlungsweise gegen den Gutspächter keines Unrechts bewusst, und es musste sich nun zeigen, dass er im vollen Rechte war. Sein Advocat gab ihm, wie dies alle Advocaten thun. die besten Hoffnungen. Minder vertrauensvoll sah sein Weib, die gute Jentel, die Sache an. Und wie sehr er ihr auch sein Recht vordemonstrieren mochte, sie blieb bei ihrer Rede und erinnerte ihn an einen paradoxen Ausspruch, den sie vom Rabbi Baruch Fränkel gehört haben wollte und der lautete: Weil Du gerecht bist, wirst Du verlieren! So oft Lob Frank zu seinem Rechtsfreunde kam, schöpfte er frische Hoffnung auf eine Entscheidung zu seinen Gunsten. „Keine Sorge, Herr Frank, die Sache ist ja ganz einfach und kannn uns nicht fehlschlagen!" Kam er aber wieder zu seinem Weibe nachhause und theilte ihr mit, was für günstige Aussichten der Advocat ihm eröffnet habe, dann zuckte Jentel Frank mit den Achseln und sagte: „Gott soll's geben, aber ich glaub's nicht. Der Rabbi Baruch Fränkel — hundert Jahr' soll er leben! — sagt alleweil: Weil Du gerecht bist, wirst Du verlieren! Und er ist ein feiner und scharfer Kopf, der Rabbi Baruch Fränkel." So gierig der gute Löb Frank zwischen der Meinung seines Advocaten und der Behauptung des Rabbi Baruch Fränkel hin und her mit banger Sorge im Gemüthe. Die düstere Stimmung, die sich hiedurch erzeugt und seiner immer mehr und mehr bemächtigt hatte, wurde durch die Abwesenheit des munteren Felix, der das Lebensglück der Eiteren ausmachte, noch vermehrt. Solange von seiner Abreise nur noch gesprochen wurde, hatten die guten Eltern keine Ahnung davon, was es bedeute, ein geliebtes Kind in die Welt hinauszuschicken; man stellt! sich den Schmerz der Trennung eben nicht vor, solange das Gefühl der Trennung nicht vorhanden ist, solange man noch das lächelnde Gesicht und die freundlichen Augen desjenigen, der uns verlassen soll, anschauen kann! Aber sitzt! Wie war es so öde und so leer in den Zimmern,; die noch vor wenigen Tagen der muntere Knabe belebt | halte. Nie war den guten Eltern ihre Wohnung so groß 1 erschienen, als jetzt. Jentel Frank gieng herum in diesen > Zimmern, ans einem ins andere, wie in einem Wald, in! welchem sie sich zu verirren hüten mußte. Löb Frank saß in seinem Arbeitszimmer im Lehnstuhl, das Haupt sorgen-! voll auf die Hand gestützt, und konnte nicht begreifen, wie es komme, dass er sitzt so viel und so oft an den unseligen Prsceß denke, während er doch sonst, da F.Ux noch manchmal zu ihm ins Zimmer kam, sich beim Anblick dieses lieben Kindes aller Sorgen gänzlich entschlagen gefühlt hatte. Ob Jentel, wenn sie ihren Löb, den lebenskräftigen Mann so von Kummer gebeugt dasitzen sah, sich nicht im Stillen Vorwürfe machte, dass sie es eigentlich sei, die die Entfernung des Knaben aus dem Hause verschuldet habe! Oder ob wohl der gute Mann, wenn er sein liebes, gutes und lebensfrohes Weib da füll wie einen Schatten durch die Zimmer schleichen sah, nicht dachte: >Du hast es so gewollt, und nun musst Du es auch gut« I willig tragen! Gewiss, sie fühlten sich beide recht unglücklich, recht sehr unglücklich bei all ihrem Reichthum. Gawriele Stusfer konnte seine besten Spässe und Reb Machel Weinfass seine feinsten Witze verschwenden, es war umsonst; es war ein vergebliches Bemühen, die gedrückten Herzen durch Schwänke und gute Emfälle von dem Druck zu befreien. Nur der Glückliche lacht, nicht aber, wem das Herz von Thränen voll ist. Als er nun eines Tages wieder so da fass in seinem Lehnstuhl und ein weißes Blatt Papier, das auf dem Schreibtisch lag, so anstarrte, als ob er die Geheimnisse der Welt aus demselben herauszulesen vermöchte, da legte sich plötzlich eine weiche sanfte Hand ihm auf die Schulter und eine gar freundliche und liebe Stimme nannte mit Zärtlichkeit den Namen: Löb! Der aus seinen trübsinnigen Träumereien aufgeschreckte Mann hob den gesenkten Kops in die Höhe, bog sich nach rückwärts und sein Auge ward vom freundlichen Blicke seiner Frau, welche sich an die Sessellehne gestützt hatte, getroffen. Fragend schaute er zu ihr empor. „Löb!" wiederholte das Weib nochmals mit großer Zärtlichkeit. „Was willst Du, Jentel?" fragte der Mann. „Löb", sagte das Weib, „wollen wir ihn wieder heimkommen lassen?" „Wen?" „Wen? Nun wen anders, als ohne den wir beide nicht leben können!" „Nicht leben können!", sagte Löb Frank, „so etwas darf kein Mensch sagen! Gott soll hüten vor allem Bösen, der Mensch muss können. Bei diesen Worten stand er vom Sessel auf und gieng einigemale durchs Zimmer auf und ab, gleich als ob er mit einem Gedanken, der ihm lange im Kopfe hin und her gegangen, plötzlich fertig geworden wäre. Freudig, aber still lächelnd, blickte ihn die Gattin an, folgte mit dem Auge jedem seiner Schritte; als er sich dem Lehnstuhle wieder näherte, nahm sie ihn bei der Hand und sagte: „Mich freut es Löb, dass Du so ruhig geworden bist; sitzt setz' Dich nur wieder nieder und lies' mir da den Brief vor. Ich mein', er wird Dir gefallen, und ich hör' ihn gern' noch einmal." „Von Felix?", rief Löb Frank freudig überrascht, und nahm das geöffnete Schreiben, welches ihm Jentel hinhielt, aus der Hand des Weibes; er las wie folgt: Vielgeliebte Eltern bis hundert Jahr! Mir kommt es säst komisch vor, dass ich einen Brief schreiben soll; denn wenn ich daheim einmal Hab' einen Brief vorlesen gehört, den der Vaterleben bekommen hat, so ist immer nichts anderes darin gestanden als von hundert Centner Woll' oder tausend Säck' Knoperu oder zwanzig Fässer Wein oder so etwas, und ich Hab' hier keine PZoll', keine Knoperu, keinen Wein, sondern nichts als meine lateinische Grammatik, die mir der Herr Blumenthal in der Buchhandlung gekauft hat. Und auch mein' ich immer, dass ich Euch nichts schreiben kann, was Ihr nicht schon wisset. Ich esse gut und trinke gut und schlafe gut und lass' mir's wohl sein, und das ist alles keine Neuigkeit. Aber Herr Blumenthal sagt, ich soll Euch Rechenschaft geben über meine Fortschritte, und davon könnt Ihr nichts wissen, wenn ich Euch nicht schreib'. Aufrichtig gesagt, sollte das lieber der Herr Blumenthal thun, als ich; denn ich kann mich doch nicht selbst loben und werd' mich auch nicht selber tadeln. Doch für heute kann ich es noch wagen, denn es ist bis jetzt mit den Fortschritten noch nicht so weit her. Jeden Sonntag und jeden Donnerstag bekommen wir ein Pensum, das müssen wir ausarbeiten, und in meinem letzten Pensum Hab' ich nur wenig kleine Fehler gehabt. Der Professor ist ein strenger Patron. Da heißt es nicht: Auf bte Heuwiese hinaus laufen und Röffelein spielen, da heißt es Obacht geben, was er fragt, damit man gut antworten kann, denn wer die Antwort' nicht gut weiß, der kriegt eine Gans, das heißt aber keine gebratene, so wie wir sie daheim haben am Sabbath Mittag, sondern das heißt ein Dreier, und ein Dreier ist die schlechteste Class'. Ich Hab' bis jetzt noch keinen bekommen und werd' mich auch weiter davor in Acht nehmen. Einen Mitschüler Hab' ich, den Hab' ich sehr gern, ein gewisser.... er schreibt mir jeden Sabbath mein Pensum ab, was wir für den Sonntag aufkriegen; den Hab' ich fast schon so gern wie Gumpel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.