Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 47 (23.11.1900)
- Date
- 1900-11-23
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 Wien, Freitatr Jüdisches Volksbiatt 16 November 1000 .Seife (Knechte) waren in „Mizvajim" uw auch wir unsere Be-! Angelegenheiten besprochen und geordnet hatten, fragte stimmuug nicht erfüllen gekonnt haben, weil wir vonlJeutcl: „Soll ich ihn jetzt hereinrusen?" Und als die unserer Arbeit keinen Genuss gehabt haben. Warum ich aber einen solchen „Ewed" (Sclaven) einen „Tamm" nenne, das geschieht darum: Wären diese Sclaven nicht einfältig, so'würden sie gegen ihre Dränger aufstehen und sich gegen sie erheben. Sie sind aber in diesem Unrechte erzogen und sind so einfältig, dass sie meinen, es muss so sein; sie sehen es selbst gar nicht ein, dass sie als Menschen eben solche Rechte haben wie ihre Herren." Während dieser Digression über die Sclavensrage ließ sich jenes eigenthümliche Geräusch vernehmen, welches von schlafenden Personen herrührt. Die lange Jittel schien sich um die Bestimmung des Menschen und um die Sclaven ebensowenig zu kümmern, als Bär Lederer, und beide trafen stillschweigend das Uebereiukommen, auf den zwei nebeneinander stehenden Sesseln ruhige Nachbarschaft zu halten. Wahrscheinlich schien das Schnarchen der langen Jittel über jenes Maß von Ruhe hinauszugehen; gewiss war solches die Auffassung von Neb Machel Weinfass, denn als der Rabbiner von dem Rechte sprach, welches niit dem Menschen geboren wird, rief Mache! Weinfass: „Schnarcht nicht so stark, Jittel! Reb Bür kann nicht schlafen über Euch, Ihr weckt ihn ja aus dem Schlaf auf." Nach diesem kleinen Intermezzo setzte der Rabbiner seine Erklärung fort: „Ich Hab' nui noch eine Menschenrasse zu bezeichnen, die vierte nämlich, und diese entspricht, wenn mau ihre Arbeit betrachtet, dem „Schenejedeolischol" (dem, der gar nicht zu fragen weiß). Wenn einer arbeitet, aber dasjenige, was er macht, sind lauter „Deworim betelim" (eitle Dinge), Narreschkeiteu, die keinen Wert und beiden Männer dies bejahten, öffnete sie die Thüre zu dem Zimmer, in welchem die Knaben sich befanden, und rief: „Felix! Komm' herein, der Herr Blnmenthal wird jetzt sehen, was Du gelernt hast." „Darf Gumpel auch dabei sein?" fragte Felix, und da die Mutter nichts dagegen einzuwenden hatte, giengen die beiden Knaben mit ihr hinüber in den improvisierten Prüfungssaal, wo die Prüfungs-Commission bereits versammelt war. „Willst Du Dich auch „verhören" (prüfen) lassen, Gumpelfragte Lob Frank. Gumpel wurde feuerroth; die Frage verwirrte ihn so sehr, dass er im Augenblicke den Sonntag-Vormittag mit einem Donuerstag-Nachinittag verwechselte, und wenn er noch etwas Besinnung behielt, so musste er sie dazu verwenden, um sich zu verwundern, dass der Mann mit der goldenen Brill' ihn „verhören" wollte ohne „Staberl" in der Hand; die Methode seines Lehrers hatte in ihm einen Begriff vom „Verhören" entwickelt, nach welchem das „Staberl" ein nothwendiger Bestandtheil desselben war. Er konnte auch Löb Franks Frage vor Verwirrung gar nicht beantworten, aber Felix hat ihn auch dieser Mühe überhoben, indem er sagte: „Vaterleben, die Mutter hat gesagt, Gumpel darf zuhören." „Nu," sagte Löb Frank, „schon gut; aber was kommst Du herein, ohne „Gemoreh" (Talmud), ohne „Chumesch" (die fünf Bücber Moses), ohne „Poßek" (die übrigen Theile der Bibel)? Kennst Du das alles auswendig?" Diese Frage hätte Felix in der That in keine Verkeinen Genuss haben, weder für ihn selbst, noch für die, legenheit gebracht, denn er wäre imstande gewesen, sie zu ™ ™ 1 -#i"! bejahen, wenn nicht Jentel Frank nun wieder für ihn die Antwort übernommen hätte. „Weißt Du was, mein Kind," sagte sie zu ihrem Manne, „ich mein', wir sollen Herrn Blumenthal nicht gar zu lang belästigen; auch ist es uns ja nicht um die Parade zu thun, sondern wir wollen willig verderben). Warum ich aber einen solchen Menschen wissen, wie wir mit dem Kinde daran sind. Dass er einen „Schenejedeolischol" heiße, das geschieht darum, weil „Gemoreh", „Chumesch" und „Poßek" kann, dass hat anderen Menschen, z. B. einer schnitzelt, oder er „täntelt (tändelt) oder dergleichen, der ist von dem „Poil botel" (Müßiggänger) nicht viel verschieden, nur darin, dass er mit seiner „Melocheh" in einemfort „oiwer" ist (das Verbot Übertritt) auf „Bal tasch'chis" (Du sollst nichts muth ein solcher Mensch über seine eigene Bestimmung gar nie nachgedacht hat, er hat sich die Frage nach der Bestimmung des Menschen gar nicht gestellt, er weiß nicht, um was es sich handelt, kurz, er ist einer, der gar nicht zu fragen weiß. Die Moral von diesem „Pschat" (Erklärung) ist folgende: Der „Tamm" in dem Sinne von „Jaikew owine", das ist ein seltener Charakter, das ist der wahre .„Zadik, chossid weonow" (der Gerechte, Fromme und Demüthige). Trachtet daher, „Raboiße" (meine Herren), Eure Beschäftigung so einzurichten, dass Ihr selbst und die Welt davon eine „Noeh" (Genuss) habt, und Ihr werdet wahre „Chachomim" (Weise) sein." Ein drittes donnerndes „Schekoich" bewies dem Rabbiner, mit welchem Beifall seine Auseinandersetzung ausgenommen wurde. Herr Blumenthal drückte ihm seine Hochachtung aus und bewunderte die geistreiche Manier, mit welcher es dem Rabbiner gelungen sei, die Nationalökonomie in die „Arboe Bonim" (vier Söhne) hineinzustellen. Mechol Pradeuik behauptete, das „Pschäiel" ist wert, dass man es im „Erez Jißroel" (Palästina) sagen darf. Mittlerweile waren die Nachmittagsstunden bedeutend vorwärtsgerückt, und Bär Lederer, der bis zu diesem Momente nur durch die negative Tugend des Schweigens! geglänzt und während der Rede des Rabbiners, da er' kein „Thillimel" (die Psalmen) bei sich hatte, selig ge-' träumt hatte, fand es für gut, die Versammlung zu erinnern, dass es bereits „Smau minche" (Zeit zum Abendgebet) sei. Da fast die ganze „Khille" (Gemeinde) anwesend war, so wurde der Vorschlag des Hausherrn, anstatt in Schul zu gehen, hier im Hause „Muffe" zu machen, als selbstverständlich angenommen. Nach „Minche" setzte man die Unterhaltung fort; Gawriele Stuffer und Reb Machel Weinfass thaten wieder das Ihrige, und man blieb in fröhlichster Stimmung beisammen, bis es dunkel wurde und man sich zerstreuen musste, um die „Hawdoleh" zu machen, d. i. jener Segensspruch, den man dem scheidenden Sabbath nachsendet und womit man ihn in seiner Heiligkeit von der neu beginnenden Woche trennt. Während der allgemeinen Lustigkeit, die den ganzen Nachmittag hindurch währte, saßen zwei Knaben in einem abgesonderten Zimmer und schwelgten in der Freude des Wiederbeisammeuseins nach langer Trennung. Sie schieden nicht früher, als bis die Dunkelheit hereiubrach und die -ganze Gesellschaft auseinander gieug. und Gumpel musste das Versprechen geben, am nächsten Tage wieder zu kommen, was er beim auch gerne zusagte und ebenso gerne des anderen Tages erfüllte. Es war der Sonntag kaum herangebrochen, so waren die beiden Knaben schon wieder beisammen und unterhielten sich in derselben Stube, in der sie den gestrigen Nachmittag so freudig verlebt hatten. Was ihre Unterhaltung betrifft, so war sie von der früheren Art und Weise freilich ganz verschieden. Da wurde nicht gesprungen, geklettert, um die Weite gelaufen oder gekämpft und gerungen, die Knaben chatten sich eben sehr verändert; sondern sie brachten die Zeit mit Gesprächen zu, wobei der Herr mit dem Augenglas den ergiebigsten Stoff lieferte. . Jentel Frank halte dem Tage vergnügt eutgegeugeseheu, denn er sollte über ihre tiefste Herzensneigung entscheiden, deshalb traf sie so rasch als möglich schon am Vormittag zu der von ihrem Manne auf den Sonntag anberaumten Prüfung alle Anstalten. Nachdem Löb Frank und Herr Blumenthal gefrühstückt und einige geschäftliche Dir der „Row" bis jetzt noch immer bestätigt; ich möcht' gern wissen, wie es mit den anderen Gegenständen der Fall ist, die für die Welt gehören." (Fortsetzung folgt.) UMI»OUItW»WI Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler. Lectionenvermittlung Oskar Rosenfeld, Techniker I. empfiehlt sich als Gorrepetitor für Real- oder Gymnasialschüler. XX., Klosterneuburgerstrasse 35. Jurist, Matura mit Auszeichnung (durchwegs vor züglich) bes. tüchtiger Philologe und Mathematiker, langjährige Praxis, beste Referenzen, sucht Stunden oder Hofmeisterposten. Gef. Anträge unter „K. 8. 15“ Universität. Israelitischer Bethaus-Verein Brigittenau. T pa&sMsifgst Hotel und ■**■**•**■*. Slgesfit Restaurant Guth Wien,!!., Stefaniestrasse Nr, 6 u, 8 für Diners, Hochzeiten n. festliche Veranstaltungen. Bestrenommierte Küche, grosse Speise-Säle und elegante Passagierzimmer. Elektrisch beleuchtet. 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