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Jüdisches Volksblatt · 1900-11-23 · 47 (23.11.1900) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
47 (23.11.1900)
Date
1900-11-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Redarlion: VW/1, KchMNelgaffr 11. Eprechstuudeu r An Wochentagen von 10 bis iS Uhr vormittag?: an Sonntagen von 11 bis 18 Uhr vormittags. Postadresse: Jüdisch«» BottSblatt, Wie«. VIlljl. Vefchkrrrdrn wegen verspäteter oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir uns dringend. -- Manvserwte werben nicht znrückg «stellt. Postsparcassen-Tonto »47087. In das Abonnement kann man täglich eintteten. Erscheint jebeu Freitag unter Mitwirkung der vom jüdiMren Volks- Verein erwählten PrefsrommifNon. Inserate übernehmen die Firmen: I. Danneberg, M. Dukes, Haasmstein & Bögler, Rudolf Moste, A. Oppelik, M. Pozsonyi, «. Schale! in Wien, ferner alle Annoncen-Expeditionen im AuSlande. Mnzel-Nummer Ln Wie» IS Heller. Administration: VIII/1, Schlötzelgasse 11. AbonnementSpreiS: Für Wien u. Oesterreich-Ungarn sammt Francozustellung. Ganzjährig vierteljährig. Kr. 8.- Für daS gefammte Ausland sammt Francozustellung. Ganzjährig . Halbjährig . Vierteljährig . Kr. ».- . 4.50 . „ 2.25 Ur. 47 Wien, 33, Uonembee 1900, II. Jahrgang. All ilik I ii b i tili r n Wähler! Wer für die Beseitigung des Classensystems» Wer für eine ordentliche, billige und würdige Verwaltung, Wer gegen die Verelendung und gegen den Untergang des jüdischen Mittelstandes, Wer für eine moderne, durch freiwillige Armenpflege zu handhabende Armenverwaltung, Wer für die Beseitigung des Trinkgeldersystems und des Nepotismus, Wer für die Errichtung würdiger Betstätten, Wer für eine gute jüdische Erziehung unserer Jugend, Wer für die Hebung des jüdischen Selbstbewusstseins, Wer für eine mannhafte und zielbewusste jüdische Volksvertretung ist, Der eile an die Urne und wähle nachstehende Candidaten: I. Für die Neuwahl des Cuttusvorstandes (weißer Stimmzettel). 1. Dr. Gustav Kolm, Hof- und Gerichtsadvocat und Landesschulrath, IX., Hahngasse 25. 2. Wilhelm Pollak, kais. Rath und Weingroßhändler, XIV., Reichsapfelgasse 8. 3. Hermann Eltbogen, Productenhändler, II., Kraftgasse 3. 4. Jacob Strassberg, Realitätenbesitzer, X., Gudrunstraße 140. 5. Dr. Heinrich Schreiber, Secretär und Procurist, XX., Wallensteinstraße 19. 6. Dr. Leopold Kahn, Hof- und Gerichtsadvocat, VII., Lindengasse 11. 7. Samuel , Privatier, XII., Schönbrunnerstraße 289. 8. Adolf Brecher, Banquier, XVIII., Pötzleinsdorferstraße 33. i II. Für die Ersatzwahl »es Cultasvarftaades i (blauer Stimmzettel.) Isidor Gewitsch, Lederhändler, II., Kaiser Josefstraße 37. Agitattons-Loenle: Centrale: Jüdischer Bolksverein, I!., Leopoldsgaffe Nr. 49. * * * 1., Cafe Liebighof, I., Wipplingerstraße 2. 111., Cafe Slatky, III., Pragerstraße 2. IV., V., X., Frey's Gasthaus, V., Margarethenplatz 7. VI., VII., Löbl s Gasthaus, VI., Schmalzhofgaffe 10. VIII., IX., Cougrefs-Bureau, IX., Türkenstraße 9. XII., XIII., XIV., XV., Herlinger's Gasthaus, XIV., Schwendergasfe 1. XVI., XVII., Müllers Gasthaus, XVI., Hubergasfe 10. XVIII., XIX., Cafe Schmidt, XVIII., Martinstraße «0. Hier werden alle Wahlauskünste ertheilt, Stimmzettel ausgefüllt und Agnoseiernngen besorgt. Zu den Cultuswahlen. Die Aufrufe der beiden im Kampfe stehenden Parteien innerhalb der Wiener Cultusgemeinde sind nunmehr an die Wühler abgeschickt worden. Der Wahlaufruf der vereinigten jüdischen Parteien ist bereits in der vorigen Nummer publiciert worden, und nun wollen wir in letzter Stunde zwischen diesem und dem Aufrufe der Assimilanten-Parteien, zwischen den Candidaten der einen und der anderen eine Parallele ziehen. Der Aufruf der vereinigten jüdischen Parteien ist eine programmatische Emanation, die in zwei Theile zerfällt. Der eine wirft Streiflichter auf das bisherige Verwaltungssystem, der andere stellt positive Postulats auf. Selbst der Voreingenommenste wird bei Prüfung des Aufrufes finden, dass es sich nicht um demagogische Mache handelt. Die Declaration einer Partei liegt vor uns ohne Phrasen, mit strengster Sachlichkeit, wie man sie überhaupt in den Wahlkämpfen selten findet. Es mag sogar viele geben, welche aus wahltaktischen Rücksichten streng sachliche, wohl anregend, aber nicht erregend wirkende Wahlaufrufe unmittelbar vor der Wahl perhorreseieren. Das Gesagte gilt auch von den Candidaten der vereinigten jüdisch-'volklichen Parteien. Nicht junge, überschäumende Stürmer sind die Candidaten, das gerade Gegentheil hiervon ist richtig. Reife und erfahrene Männer positiver Arbeit, welche sich um das Tempelwesen, Armenwesen, kurz um das gesammte jüdische Leben in Wien sehr verdient gemacht haben, und welche darum bei allen Schichten der jüdischen Bevölkerung und selbst bei ihren Gegnern in großem Ansehen stehen. Das beste Zeugnis stellen unseren Candidaten die Gegner aus, indem sie selbst Personen, welche auf Grund des jüdisch-nationalen Programmes kandidierten, aufnahmen. Die Oppositionspartei hat aber auch bewiesen, dass sie nicht generalisierend Kritik übt, sondern jeden einzelnen Cultusrath nach seinen Leistungen beurtheilt. Diesem Principe entsprechend, hat sie von den bisherigen Cultusvorständen zwei verdienstvolle Männer belassen. Wie anders geartet ist jedoch der Wahlaufruf des sogenannten Central-Wahlcomites. Er wirft seinen Gegnern Agitieren mit Schlagworten vor, stellt aber selbst kein einziges Postulat für die Cultusverwaltung auf. Dafür ist er so perfid, den gegnerischen Parteien die Absicht der Verwendung von Steuergeldern zu utopistischen Zwecken vorzuwerfen. Unterfertigt ist der Aufruf vonPersönlichkeiten, welche das Programm, wie es vondenve reinigten Opposition s-P a r t e i e n aufgestellt wurde, vor drei Jahren mit unterschrieben haben. Gedankenarmut und Gesinnungslosigkeit charakterisieren den Wahlaufruf der Gegner. Es n imm t un s d ah er n ich t Wund er, wenn schon heule viele der Unter fertiger erklären, dass ihre Unterschrift ohne Mittheilung des Inhaltes an sie beigesetzt wurde, wenn ferner die eigenen Candidaten des sogenannten Central-Wahlcomites in einer gegnerischen Versammlung erklären, dass sie dem Aufrufe ihrer »Wahlmacherfernstehen und sich mit dessen Form und Inhalt nicht einverstanden erklären. Es gibt kein vernichtenderes Urtheil, als dasjenige, welches die Candidaten über ihre Wahlmacher fällen; Candidaten, die sich ihres Wahlc o m i t ö s schämen, sind die n e u e st e E rscheittung in dieser W ah lc a m p a g n e. Die Auswahl der Candidaten des „Central-Wahlcomites" involviert nichts anderes, als Zurückdrängung neuer Elemente, Absage an den jüdischen Mittelstand, Verknöcherung des bisherigen Wahlunrechtes und eine Lobhudelei der bisherigen Macht. Servil bis auf die Knochen und unjüdisch sind die Wahlmacher vorgegangen. Wir wundern uns auch nicht darüber. Ein Wahlcomite, welches sich gegen die Bevölkerung hermetisch abschließt, welches seine Beschlüsse in liebedienerischen Cliquen fasst, kann keine anderen, als unjüdische Früchte zeitigen, es entzieht die jüdische Cultusgemeinde den Juden. In letzter Stunde richten wir an die jüdische BevölkerungdieMahnung: „Juden erwacht aus Eurer Lethargie, gedenkt Eurer bedrängten Brüder, eilet an die Urne und gebet unseren gemeinsamen Gegnern nicht das Schauspiel, dass sich in einer solchen Zeit imJudenthum einJnteresse am »jüdischen Gemeindeleben nicht geltend macht. Die Alten und die Jungen. Es gährt und brodelt, ein System scheint an seinem Lebensende angelangt zu sein. Das Neue pocht an die Thüre, schroff verweigert ihm das Alte den Eingang. So kommt der Kampf, und statt dem Gesammtwohle zu dienen, werden die entfalteten Kräfte vom Kriege untereinander absorbiert. Das ist der Inhalt des Kampfes im jüdischen Lager. Es können sich nicht zwei Feinde schroffer gegenüberstehen, als die heutigen Machthaber im jüdischen Volke, und ihre Oppositionen, die Nationaljuden, beide in dem Bewusstsein, für das Judenthum das einzig Gute zu wollen. Die einen, die Alten, sehen das Beste für die Judenheit in einem Verschwinden unter den anderen, in einem »unter den Völkern", die anderen, die Neuen, Jungen, in einem »neben den Völkern als Volk". Und so ist die Thätigkeit der einen dahin gerichtet, sich aller Eigenart, unabhängig von ihrem Werte, zu begeben, sich den anderen anzupassen, um von ihnen als gleichartig angesehen 3

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