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Jüdisches Volksblatt · 1900-11-16 · 46 (16.11.1900) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
46 (16.11.1900)
Date
1900-11-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitng Jüdisches Volksblatt 16. November 1900 N.r 46 erfüllt. Wenn mich die Herren neuerlich mit ihrem Vertrauen beehren wollen, dann verspreche ich Ihnen, voll und ganz für das mir geschenkte Vertrauen eiiizusteheiP. Ist Herr Rofenthal, ein so bescheidener oder ein so unfähiger Candidat? Wir müssen uns für seine eclatante Unfähigkeit entscheiden. Sein College K a r p e l e s hat sich demnach selbst gerichtet, als er sich „im allgemeinen dem Vorredner anschlvss" und mit denselben originellen, aber lapidaren Gedanken seine Weisheit als Candidat für die Brünner Cultnsgemeinde erschöpfte. Wie doch die Herren über die Barrierestöcke Doctvr- Luegers sich erhaben fühlen! Uebrigens wurde der Wert des Berichtes und die Musterwirtschaft im Vorstand treffend und sarkastisch vom dritten Redner, Herrn Prof. Brecher, beleuchtet. Nachdem er offen zngestanden hatte, dass er sich auf keine besonderen Leistungen berufen könne, sagte er zum Schlüsse seiner Rede: „Wenn ich auf Grund meiner Leistungen um Ihr Vertrauen bitten sollten, dann wäre es recht schlecht um mich bestellt." Herr R o s e n t h a l und K a r p e l e s, das ist wohl deutlich genug gesagt, wie schlecht cs um Sie bestellt ist. Wie gefällt Ihnen die unzweideutige Anerkennung durch einen College«? Herr kaiserlicher Rath, was sagen denn Sie zn dieser Kritik Ihres Berichtes, zu dieser Frozzelei des wohllöblichen Ausschusses? Herr Sonderling, ein zionistischer Candidat, trat in längerer Rede ganz besonders für die Errichtung einer jüdisch-nationalen Volksschule, für die Regelung des Jugcndunterrichtes im nationalen Sinne und für eine gründliche Umgestaltung des Armenwesens ein. Als er geendet hatte, apostrophierte ihn der Vorsitzende mit den Worten: „Ich muss es dem Herrn Sonderling sehr übelnehinen, dass er es nicht der Mühe wert gefunden hat, seine Candidatnr bei mir anzumelden." Ja, seit wann werden denn gegnerische Candidaturen der herrschenden Clique zur Begutachtung und Censurierung vorgelegt? Auch so ein Pröbchen einfältiger Ueberhebung! Als dann Herr Hickl das Wort ergriff, um das jüdisch-nationale Cultusgemeindeprogramm zu entwickeln, gieng wiederum der Sturm los. Einzelne Fabrikanten und ihr Stab aus der Tnchbranche geberbeten sich wie halbtrunkeue Bauern bei einer Wirtshauspolemik, Es nützte ihnen nichts, Herr Hickl sprach weiter und wurde bei jedem Satz wie auf Commando j durch Lärm und Zwischenrufe unterbrochen. Man erkannte in dieser disciplinlosen, lärmenden Schar die „feinen" Salonritter und Gesellschaftsmenschen kaum wieder. Als sie endlich einsahen, dass alle Einschüchterungsversuche und aller Terrorismus nichts helfen, beruhigten sie sich. Herr H i ck l besprach die gewissenlose, schmähliche Haltung derjenigen jüdischen Chefs, die jüdische Angestellte nicht aufnehmen, und die wirtschaftlichen Schäden, die der Antisemitismus dem jüdischen Kaufmanne und Gewerbetreibenden zufüge. „Wir fühlen den Anitsemitisnius nicht," lautete der Zwischenruf eines der anwesenden Auch- Juden. „Sie wollen den Antisemitismus nach Brünn bringen," riefen sie beständig, die das hässliche Wort vom wirschäftlichen Antisemitismus kaum dem Hörensagen nach kennen. Der Haupttrumpf der Fabrikanten und ihres Generalstabes wurde am Schlüsse der Versammlung ausgespielt. Das schon erwähnte Vorstandsmitglied Herr S u b a k ließ das Licht gemeinderäthlicher Weisheit leuchten! Ohne jeden Zusammenhang mit dem Berhandlungsgegenstande hielt er eine Declamation über sein Staatsbürgerthum und seinen Brünner liberalen Localpatriotismus. „Ich lasse mir mein Staatsbürgerthum nicht aus dem Herzen reißen." Aber, aber, wer wird denn gleich das Aergste denken? Wenn der Herr S u b a k unter Staatsbürgerthum eines Juden nur das eifrige Streben versteht, auf dem Rücken irregeführter jüdischer Wähler in die Culiusvertrelung zu gelangen, um dort „kaiserlicher Rath^ oder sonst dergleichen zu werden, ja, dann sind jene Versammlungstheilnehmer, denen wohl eine Moralpauke über Staatsbürgerthum gehalten werden sollte, allerdings recht schlechte Staatsbürger. Wie das von ihm geforderte „friedliche Bewahren des Judenthums und Hegen und Pflegen des Verhältnisses der Confessionen" ausschaut, wissen wir sehr gut, wollen aber doch nicht immer schön an der Wand gehen und den deutschliberalen arischen und jüdischen Wahlmacheru eine geduldige Herde abgeben. — Die Wählerversammlung ist der erste Schritt zu jener Säuberung, die jetzt beginnen soll. Wir wissen wohl, der alte Schlendrian, der sich in der Cnltusgemeinde eingenistet hat und fsstsitzt, wird nicht auf einmal auszurotten sein. Es wird dazu jahrelanger Arbeit und Agitation bedürfen. W i r w e r d e n und müssen sie leisten, bis die Geschicke unserer Cnltusgemeinde nicht mehr liberale Mastbürger, sondern Männer aus dem Volke leiten, die ohne jede Scheu vor der Oeffentlichkeit als nackensteife und uationaXe Juden dieJnteressen des jüdischenVolkes und nicht einer Clique vertreten. Nss. Ursache und Wirkung. (Zur Besetzung von Gemeinde- und Districtsarztensstellen.) Vor Kurzem war in der »Bohemia" folgendes zu lesen: .Der Landesausschuss hat die Beobachtung gemacht, dass sich um Krankenhaus-, Gemeinde- und Districtarztensstellen, obzwar der Concurs im Amtsblatts, in Tag- oder Loealblätteru veröffentlicht wurde, entweder nur Bewerber, welche für diese Stellen weniger qualificiert waren, meldeten, oder dass sich überhaupt keine Aerzte um diese Stellen bewarben, welche vorher von bewährten Kräften mit Erfolg versehen wurden." Der in Rede stehende Artikel gelangt zu dem Schluffe, dass die Ausschreibung der zu besetzenden Stellen den Bewerbern nicht recht zugänglich sein dürste. Aus den oben angeführten Worten kann unschwer gefolgert werden, dass es um die Besetzung der Aerztestelle» nicht besonders gut bestellt sei. Die Ursache liegt aber ganz anderswo, als in der unzulänglichen Bekanntmachung, sie wurzelt im — Antisemitismus. Wenn noch so viele Krankenhaus- oder Districtsarztensstellett ausgeschrieben wären — dem Inden sind sie unerreichbar. In erster Reihe bemächtigt sich die antisemitische Presse des Falles und droht mit Feuer und Schwefel und Pestilenz, wenn einem Juden die Stelle zuerkannt werden sollte. Nebenbei gesagt, sind diese „Blätter* dem Inden gegenüber mitunter sogar zuvorkommend, sofern es sich nämlich um Inserate handelt. So wird also gleich von Vornherein gegen den Inden Stimmung gemacht. Den Lesern der antisemitischen Ergüsse bleibt nun freilich nichts übrig, als in dasselbe Horn zn blasen, denn theils hat das ansgespritzte Gift bereits seine Wirkung gethan, theils fürchten sie bei anderen als der ihnen .vorgedrnckten" Meinung an den Pranger gestellt und zu „Jndenknechtrn" gestempelt zu werden. Kommt dann der jüdische Bewerber, ausgerüstet mit bestem Wissen, versehen mit glänzenden Zeugnissen, so hat man für ihn nur ein bedauerliches Achselzucken, im besten Falle die zweideutige Versicherung: „Man wolle sein Möglichstes für ihn thun." Das Möglichste aber ist io geringfügig in seinem praktischen Werte, dass die zu besetzende Stelle einem, wie es in der Kundmachung des Landesansschusses heißt, „weniger qualisicierten" Bewerber verliehen wird; es genügt, wenn er den Beweis erbringt dass er kein Jude ist. Merkwürdig aber ist und bleibt es doch, dass selbst diejenigen, die nur ausschließlich im antisemitischen Fahrwasser sich frisch und munter fühlen, dem jüdischen Arzte, seinem Wissen, seinem Vorgehen, seiner Gewissenhaftigkeit, Unermüdlichkeit, Billigkeit und Rücksichtnahme vollauf Gerechtigkeit widerfahren lassen, nur wollen sie aus ihrer Ueberzeugung nicht die nöthigen Consequenzen ziehen und der Besetzung einer Arztenstelle durch einen Inden das Wort reden. Dieses Vorgehen ist wohl kaum etwas anderes, als die Furcht vor der durch die antisemitische Presse angedrohten Bloßstellung, und so geschieht es, dass jeder einzelne, dessen Stimme bei der vorzunehmenden Besetzung von Einfluss ist, den anderen durch sein energisches „Nein" zu überbieten sucht, um nur nicht den schlimmen Verdacht der Judenfreundlichkeit auf sich zn laden. Die bösen Früchte solcher Saat scheinen aber schon sehr reif zu sein, denn die am Eingänge dieses wiedergegebene Kundmachung gibt wahrlich zu denken und dürfte man kaum fehlgehen, wenn man annimmt, dass für gewisse Stellen nur darum so wenige Bewerber sind, weil die Juden a priori von der gänzlichen Resultatlosigkeit eines Versuches, die ausgeschriebene Stelle zu erhalten, überzeugt, lieber ganz und gar auf eine Bewerbung verzichten. Wenn man aber an maßgebender Stelle sich dieser Einsicht nicht verschließen und in entsprechender Weise die Körperschaften, welche die Besetzung vornehmen sollen, belehren möchte, dass nur die Fähigkeit und Tüchtigkeit des Arztes und nicht seine Confession den Ausschlag geben müsse, würde dem Uebelstande sehr bald abgeholfen sein. R. CT“ ' ■ '‘ -r/• - "V Wischer Mmrem in Wien. Der „Jüdische Volksverein" hat den Zweck, überall dort, wo die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Juden geschädigt werden, helfend und schützend einzugreifen, den Geist der Zusammengehörigkeit unter den Juden zu fördern und zu heben und alle Theile zu einem festen Ganzen zu vereinigen. Wer nur einen Funken Gefühl für die politische Drangsalierung, wirtschaftlichen Boycotts und gesellschaftlicher Missachtung, unter denen wir Juden zu leiden haben, hat, muss einsehen, dass unser Verein nur dann Ersprießliches zu leisten vermag, wenn in unseren Reihen das gesummte jüdische Volk steht. Es ist daher nolhwendig, dass ein jeder Jude dem jüdischen Bolksvereine als Mitglied beitrete. Die Höhe des Mitglieds" beitrages wird dem eigenen Ermessen jedes Einzelnen anheimgestellt. Anmeldungen werden im Vereinslocal II., Leopoldsgasse 49 entgegengenommen. I Verzeichnis der den Mitgliedern des Jüdischen Bvlksvereines zugestandeuen Preisermäßigungen Vivarium, Thiergarten und Uraniatheater h 50 Heller, 40 Heller nnd 30 Heller, an Sonn-und Feiertagen h 20 Heller. Jantsch-Theater im Prater blos an Wochentagen 25u|0 alle Plätze. (Vereinsanweisungen.) Deutsches Volkstheater 20 Heller bei Stehparterre. Balkonsitze durch Vereinsanweisungen Tags zuvor ohne Vorverkaufsgebühr. Theater an der Wien: Karten ohne Vorverkaufsgebühr. Colosseum: 20% Ermässigung. s? Demus- und 7 ' ' / ’7. Wien (Eröffn u n g s-C ommers der jüdischa k a d e m i s ch e u Verbindung „U nita s".) Am 10. d. fand in» Hotel Central der Eröffnungs-Commers deS XIII. Semesters der jüdisch-akadernischen Verbindung „Unitas" statt. Zahlreiche Damen und Herren der Wiener Gesellschaft,, eine große Anzahl Verbindungsstudenten und Finken hatte der Ein-' ladung der „Unitas" Folge geleistet. Unter den erschienenen Ehrengästen bemerkte man Primarius Dr. Kornfeld, Prof. Dr. Weiß, den Vertreter des „Jüdischen Volksvereines" Redacteur M u»k, sowie viele alte Herren der „Unitas" und ihrer Brnderverbindungen. Nach einer kurzen Eröffnungsrede des Präses techn. Fürst, ergriff jur. Walther Nagelstock das Wort zur Tendenzrede und legte die idealen Aufgaben und Ziele der zionistischen Verbindungen dar. Nachdem noch der alte Herr der „Unitas", Dr. Martin Engländer, auf die Brnderverbindungen toastiert und Herr L ö w e n st e i n durch sein virtuoses Geigenspiel die Zuhörerschaft entzückt, trat der Tanz in seine Rechte und hielt die Gesellschaft bis lange nach Mitternacht vereint. W. N. Wien. („A das? Jisroe I".) Der Verein „Adaß Jisroel", im Volksmunde „Schiffschul" genannt, entwickelt eine geräuschlose, aber für das altgläubige Jndenthum höchst segensreiche Thätigkeit. Derselbe hat für seinen Interessentenkreis die Schächtfrage längst in einer Weise gelöst, die den strengsten rituellen Anforderungen genügt, sorgt für Befriedigung aller religiösen Bedürfnisse seiner Mitglieder, speciell für Thorastudium in althergebrachter Weise. Einen Vorwurf müssen wir diesem Vereine machen: „Man spricht nicht von ihm." Vergebens sucht der Freund dieses Vereines in den publicistischen Organen Nachrichten über die Thätigkeit desselben, während das unbedeutendste Vorkommnis bei anderen Vereinen die Spalten der jüdischen Blätter füllt. Auf die Gefahr hin, bei den maßgebenden Personen des Vereines Missfallen zu erregen, will ich das geehrte Publicum aufmerksam machen, dass der Verein soeben eine Privat-Religionsschule ereiert, in der nicht nur jüdisches Wissen gepflegt, sondern auch altjüdischer Geist den Kindern eingeprägt werden soll. MMHeilnrrgerr aus dem Publicum. Wir lenken in unserer heutigen Nummer die Aufmerksamteit auf das Inser t des Clavier-Etnblissement Anton Dom. Klang, II., Taborstraße 3. Genanntes Etablissement führt ein reichhaltiges Lager von Flügeln, Pianinos, Harmoniums rc. zu den billigsten Preisen, auch auf bequeme Theilzahlung und ganz niedriger Leihgebür. Der Chef der Jdeal-Gltthlampen-Unternehmung Hugo Pollak, VI., Wallgasse 34, wurde anlässlich des Besuches des Erzherzog Rainer in der Lichtausstellung einer hohen Ehre theilhaftig. Der Erzherzog betrat das mit vornehmen Geschmacke decorierte Zelt der Unternehmung, reichte dem Firma-Inhaber Herrn Hugo Pollak die Hand, und richtete an denselben mehrere Fragen bezüglich der Dauer des Bestandes des Unternehmens und der Verbreitung der Lampen, deren überaus klares und helles Licht den Erzherzog sichtlich überrascht hatte. ..^ISHMÜfTsCHE CÜLTU8liH?INDirwiEM. — Oebef-Stunden. Freitag, den 16. November.Abends 4 Uhr 30 Min Samstag, den 17. November. „ 5 , — a Vom 18. November bis 22. November. „ 1 , 30 , Freitag, den 23. November. „ 4 „ 30 „ Samstag, den 24. November. „ 4 „ 50 „ Vom 25. November bis 29. November. „ 4 „ 30 „ Freitag, den 30. November .. „ 4 „ 30 „ Samstag, den 1. Deccmbor. „ 4 , 45 , Vom 2. Decomber bis (5. September. „ 4 „ 15 » Freitag, den 7. Deceinber .. „ 4 „ 15 „ Samstag, den 8. Deccmbor. „ 4 , 45 , Vom 9. Docember bis 13. Decembor. „ 4 „ 15 „ Der Gottesdienst an Wochentagen beginnt um 7 Uhr früh, an Samstagen um 8 Uhr früh. Israelitischer Bethaus-Verein Brigittenau. T rauungstaxen. I. Classe II. III. IV. .. Kronen 200.— .. 180.- „ 80.- 40.- Anmeldungen bei dem Vereins-Obmanne Herrn Herman Ellbogen, XX., Rafaelgasse 12. CARL LEITER American Dentist, schmorzloses Zahnziehen mit Lustgas, Local-An.’isthetik mittelst Cocain und Clilorythil. Gold-Email. Almngnm- und Ceinont-Plomhen. Ziilinoperntionen, zuhntochnischo, sowie Kronen- und Brtlekonarboiten werden auf das Doste ausgoführt. 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