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Jüdisches Volksblatt · 1900-11-16 · 46 (16.11.1900) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
46 (16.11.1900)
Date
1900-11-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Voiksblatt 16. November 1900 Nr. 4 6 Confisciert. Zwei Artikel unserer vorigen Nnminer wurden confisciert. Der eine enthielt eine Schilderung des Seelenzustandes der einvernommenen Zeugen, der andere Gutachten der Professoren Fuchs und Schnabel über das menschliche Sehvermögen auf weite Entfernungen, und des Professors K r a f f t - E b i n g über sexuelle Perversität mit Bezug auf den Process Hilsner. Wir bemerken, dass die Gutachten der Herren Professoren Fuchs und Schnabel in mehreren Blättern, darunter auch im hochofficiösen F r e m d e u b l a t t unbeanstandet erscheinen konnten. Wir haben nach der Confiscation noch rechtzeitig eine zweite Auflage hergestellt, die wir unseren geehrten Lesern und Abonnenten zukommen ließen. Zn den Cultusivahlen. Der Cultusvorstand der Gemeinde Wien hat es stets abgelehnt, sich als autonome Repräsentation der Wiener Judenschaft zu fühlen. Er sei nur ein Verwaltungskörper und fühle sich nicht berufen, gegen ein Unrecht, welches dem Einzelnen oder der Gefammtheit als Juden zugefügt wird, einzuschreiten oder mindestens zu protestiren. Wie ist es nun mit der Verwaltung? Kann man die Verwaltung einwandfrei nennen? Gewiss nicht. Wir müssen eine Reihe sehr berechtigter Beschwerden gegen dieselben erheben. Die Verwaltung wurde bisher mit' dem Resultate geführt: „Kostspielig und Schlecht." Der letzte Hauptabrechnungsabschluss sucht die Kostspieligkeit der Verwaltung zu verschleiern, indem er die Rubriken Verwaltungskosten und Wohlthätigkeit durcheinandermengte, so dass man kein übersichtliches Bild über die Verwaltungskosten erhalten kann. Oberster Grundsatz der Verwaltung bildet straffe Centralisation. Alles „Für die Seitenstettengasse und durch die Seitenstettengasse". Die Folgen dieses verfehlten Grundsatzes zeigen sich in einer Reihe von Mängeln in der Verwaltung. Der Cultusvorstand selbst besteht zumeist aus innerstädtischen jüdischen Mitbürgern, die sich in den anderen Bezirken gar nicht auskennen, mit den Schichten der jüdischen Bevölkerung in den äußeren Bezirken in gar keiner Berührung stehen. Es fehlt daher diesen ehrenwerten Herren jede Keuntniss der Bedürfnisse, Gebräuche ^uud Anschauungen dieser Beoölkerungsschichten. In genauer Würdigung dieser Sachlage stellte daher der Jüdische Volksverein bereits vor Jahren als wesentliches Erfordernis der Cultusversassung und Cultusorganisation „Wahlgeometrie nach Bezirken" hin. Die Candidaten sollen nach Wahlbezirken vertheilt und gewählt werden. Damit wäre der Abusus, dass ein Herr aus der Kantgasse über eine Angelegenheit der Judenschaft in der Brigittenau referirt, beseitigt. Wie kann der Cultusvorstand seine Informationen sammeln, wenn nicht auf Grund der unmittelbaren Berührung mit der Bevölkerung? Die Consequenzen bleiben auch nicht aus. Eine Armenverwaltung in einer aus 140.000 jüdischen Seelen bestehenden Gemeinde muss decentralisiert gefürht werden. Der Jüdische Volksverein hat dementsprechend seinerzeit die Forderung aufgestellt, dass Bezirksarmenräthe aufgestellt werden. (Elberfelder System). Wenn man solche Armenräthe aufstellt, die sich opferwillig, menschenfreundlich und mit Wärme der ihnen anvertrauten Armen und Pfleglinge annehmen, kann die Armenpflege eine eingehende, erträgliche und productive sein. Wie steht es aber mit der derzeitgen Armenpflege? Die Erhebungen über die discretesten Verhältnisse eines Petenten, hiemit Vertrauenssachen im strengsten Sinne des Wortes, sind in Händen von bezahlten Armendienern, und auf Grund der Berichte bezahlter Organe wird die Armenpflege gehandhabt. Es ist höchst bezeichnend für die Armenverwaltung, dass bis heute noch ein Armenkataster nicht errichtet ist. Die Verwaltung der Ritualien zwingt uns eine ganze Reihe von Beschwerden vorzubringen: Man kann für das Classensystem bei Trauungen und Leichenbegängnissen sein, allein man kann in der Handhabung dieses Systems jenen Tact und jene Rücksichten beobachten, welche in solchen Momenten in der Regel nothwendig sind. Es muss das Ceremoniell so gehandhabt werden, dass nicht Familien und Gäste verletzt werden und insbesondere öffentliches Aergernis vermieden wird. Es finden z. B. an einem Tage mehrere Trauungen statt. Nachdem die Trauung erster Classe absolviert ist, kommt die Trauung einer billigen Classe. Auf einmal werden alle Flammen gelöscht, eine Finsternis herrscht im Tempel, und sohin findet die Trauung des zweiten Brautpaares unter Beschämung des Brautpaares und öffentlichem Aergernis statt. Was schadet es, wenn die paar Flammen noch einige Minuten brennen. Es ist nicht nothwendig. die Fiscalität so rücksichtslos zu treiben. Ebenso rücksichtslos wird bei Leichenbegängnissen vorgegangen. Beim Grab stummer 1 wird die Leiche mit einer maschinellen Vorrichtung ins Grab gesenkt. Unmittelbar hierauf wird die Leiche eines ärmeren Glaubensgenossen mit einem Strick ins Grab gesenkt. Dem armen Waisenkinde, welches diese Rücksichtslosigkeit wahrnimmt, wird ein harter Schlag versetzt. Die Vorschriften über den Verkauf des „Koscher"- Fteisches sind in der heutigen Zeit ein Hohn auf die Würde des Judenthumes. Antisemitische Wahlagitatoren und Fleischhauer, blutrünstige Judenfeinde, verkaufen unter Aussicht des Wiener Rabbmates „Koscher"-Fleisch. In den Bezirken macht sich der Mangel an Tempeln sehr empfindlich fühlbar, während in der Seitenstettengasse und Tempelgasse der Tempel mit Functionären ausgestattet ist, die Ministergehälte beziehen, und andererseits eine Reibe von Sinecuren für Nichtsthuer und Missiggänger geschaffen ist. Arme Leute, die Entree nicht bezahlen können, können an hohen Feiertagen keinem Gottesdienste anwohnen. Die Finanzgebarung und die Steuereinschähung stehen nicht auf der Höhe der Zeit. Das Subventionswesen wird nach der Parteistellung der zu bedenkenden Institutionen gehandhabt. Das ist eine kleine Blnmenlese über das System der Verwaltung in der Cultusgemeinde. Betreffend die Stellung des Cultusvorstandes zum Judenthum und die principielle Anschauungen in den maßgebenden von uns bekämpften Kreisen, wolle auf einen prägnanten Satz verwiesen werden, den der Herr Präsident der Cultusgemeinde kaiserlicher Rath Kling er in der letzten Versammlung sprach: „Wir wollen in dem Cultnsvorstande Personen haben, welche Juden sind oder erst Juden werden wollen/' Diese letzte Sorte von Candidaten möge sich Herr kais. Rath Klinger behalten. Personen, die Juden werden wollen wegen der Wahl in den Cultusvorstand, sind entweder unfähig oder Heuchler. Wir lehnen diese beiden Sorten höflich aber entschieden ab. Pisek. Das Urtheil. Das Verdick der Geschworueu lautete: „Die Geschworuen haben nach bestem Wissen und Gewissen die ihnen vorgelegten Fragen in folgender Weise beantwortet: Erste Hauptfrage: Ist Leopold Hilsner schuldig, dass er am 20. März 1899 um 0 Uhr abends im Walde Brzezina bei Polna gegen Agnes Hruza in der Absicht, sie zu tödten, derart gehandelt hat, dass hierdurch der Tod herbeigeführt wurde, und dass der Mord in heimtückischer Weise verübt worden ist? 12 Stimmen Nein. Zweite Hauptfrage: Ist Leopold Hilsner schuldig, dass er in der Nacht vorn 17. zum 18. Juli 1899 int Walde Mrschnik bei Polna, als gegen Marie Klima in der Absicht, sie zu tödten, derart vorgegangen wurde, dass hierdurch ihr Tod herbeigeführt wurde, in dieser Absicht, th ätigen Ant h e i l g e n o m m e n hat? 12 Stimmen Ja. Dritte Hauptfrage: Ist Leopold Hilsner schuldig, dass er in den Monaten September und Oetober 1899 den Josua Erb mann und Salomon Wassermann beim Kuttenberger Kreisgerichte fälschlich der Ermordung der Agnes Hruza beschuldigt hat, infolge dessen gegen die Genannten die Untersuchung eingeleitet wurde? 12 Stimmen Ja. Vierte Frage (E v e n t u a l f r a g e im Falle die Geschwornen die erste Hauptfrage zu verneinen befinden würden): Ist der Angeklagte Leopold Hilsner schuldig, dass er, als am 29. März 1899 gegen 6 Uhr abends im Walde Brzezina bei Polna gegen Agnes Hruza in der Absicht, sie zu tödten, derart gehandelt wurde, dass hierdurch ihr Tod herbeigeführt wurde, unv dass der Mord in heimtückischer Weise verübt wurde, in derselben Absicht thätigen A nt heil genommen hat? 12 Stimmen Ja. Worauf der Gerichtshof verkündet, dass Hilsner Zum Tode durch den Strang vernrtheilt wurde. „Hanba Auredniezek!" Wer hat sich je der Bedrückten angenommen, ohne vom Pöbel mit Steinen beworfen worden zu fein? Wer hat je Recht und Wahrheit gegen Aberglauben und Lüge vertheidigt, ohne von einem aufgehetzten Pöbel in seinem Leben bedroht zu werden? Wenn in einem rasend gewordenen Volke nur ein Gerechter sich erhebt, so ist dem betreffenden Volke die Sünde vielleicht verziehen. Das Plaidoyer des Dr. Auredniezek hat bewiesen, dass er ein solch Gerechter ist, es hat bewiesen, dass dieser Mann seine Aufgabe Hochernst anfgefasst hat, dass er alle einschlägigen Fragen mit heißem Bemühen studiert, dass er aus dem Acten- und Zeugenmaterial die heilige Ueberzengung gewonnen, das Recht sei ans Seite seines Clienten... Er hat sich auch über den Ritualmord verbreitet. Wir Juden brauchen wohl diesbezüglich kein Wort zu verlieren. Ein Volk, dessen Abscheu vor Verbrechen am menschlichen Leben sich in so eclatanter Weise in der Criminalstatistik aller Länder und Zeiten äußert, sollte zu seinen rituellen Zwecken Morde begehen müssen? Uns erscheint der Anwurf so ungeheuerlich, dass wir nicht wissen, ob wir über die Dummheit seiner Urheber lachen oder aber über die Frivolität und Gemeinheit derjenigen, die ihn zu selbstsüchtigen Zwecken breittreten und verbreiten, unserer gerechten Empörung den im wörtlichen Sinne schlagenden Ausdruck geben sollen. Herr Dr. Auredniezek hat, wie es sich im Gerichtssaale ziemt, die elenden Verleumdungen nicht nur energisch zurückgewiesen, sondern auch deren vollständige Haltlosigkeit klargelegt. Aber wie konnte die Stimme der Vernunft über den Wahn eines verhetzten Volkes siegen!.. . Und wie derjenige, der dem Wahne schmeichelte, von dem Volke mit „Hoch!" begrüßt wurde, so wurde Doctor Auredniezek von der heulenden Menge mit „Hanba“- Rufen begleitet. So war es, und so wird es bleiben, so lange es eine unwissende Menge und gewissenlose Menschen geben wird! „Hoch Baxa!" Wenn das Plaidoyer des Herrn Dr. B a x a in mancher Beziehung schwach war, so muss doch jeder rechtgläubige Antisemit zugeben, dass Logik die stärkste Seite des dreifach bei der Staatsprüfung durchgefallenen Candidaten gewesen sein muss. Oder wagte es ein Jude, dem Herrn Dr. B a x a Unlogik vorzuwerfen? War es nicht der Gipfel der Logik, als er in seiner Replik hervorhob: „Ja, meine Herren, sprechen wir es beim rechten Namen aus, es liegt ein Ritualmord vor. .. Ich erinnere an den charakteristischen Schnitt.. . und dann, wo ist das Gebetbuch? Wo ist der Rosenkranz?" Ja — hätte er znfügen können — wissen Sie denn nicht, dass die Juden Gegenstände des christlichen Ritus gar nicht berühren dürfen? Ja, sie habe» das Gebetbuch und den Rosenkranz gestohlen, versteckt!... Und folglich ist es ein Ritualmord, denn, wenn es kein Ritualmord wäre, wo bliebe den der Zopf — der Klima nämlich! Ich schreie es in die Welt hinaus: Es ist ein Ritualmord! Das Gebetbuch fehlt, der Rosenkranz fehlt, der Zopf fehlt! Es ist ein Ritualmord! Und dem großen czechischen Volke wird die Ehre gebüren, dies durch mein heißes Bemühen der Welt beigebracht zu haben! Dies wird die Geschichte dem czechischen Volke gutschrciben! ... So sprach oder konnte Herr Dr. Baxa sprechen. . . Von draußen her aber tönten Rnfe hinein: Hoch Baxa!... Prof. Masaryk und Dr. Baxa. Aber die Geschichte wird auch verzeichnen, dass das „czechische Volk" des Dr. Baxa nicht mit der Gesammtheit des czechischen Volkes identisch ist. Prof. Masaryk war das Sprachorgan jenes Theiles des czechischen Volkes, in dem noch die alten freiheitlichen Traditionen der großen nationalen Helden fortleben, als er im „Cas" über die Rede des Dr. Baxa schrieb: „Wir bedauern, dass diese Rede in Prag confisciert wurde; nicht nur aus journalistischen, sondern aus sachlichen Gründen. Wir bedauern, dass dieses Document unserer Zeit der böhmischen Oeffentlichkeit vorenthalten wurde. Stach unserem Dafürhalten wird die Confiscation dem Antisemitismus und Cleriealismus mehr nützen, als das Lesen dieser Rede. Denn diese Rede, dessen sind wir überzeugt, hätte alle nur einigermaßen denkende Leute stutzig machen müssen. Die Rede des Dr. Baxa ist ein Spiegel unseres Radicalismus. Dr. Baxa hat die Tribüne eines Vertreters bei Gericht mit einer geradezu janitscharenmäftigen Kühnheit missbraucht, um den rituellen Aberglauben feierlichst zu vertheidigen und ihn ex cathedra als radicales Dogma zu proclamieren. Für den Dr. Baxa existiert keine Wissenschaft, existieren keine Fachleute, die durch jahrelange Mühen das Wesen des rituellen Aberglaubens enthüll und seine Unberechtigung bewiesen haben. Dr. Baxa scheute sich nicht, sich gegen die czechische medicinische Facultät zu stellen und sie einer unlauteren Handlungsweise zu bezichtigen. Die czechische medicinische Facultät ist gewiss unser höchstes wissenschaftliches Forum, dce Facultät ist eine Körperschaft von ungefähr fünfzig Männern, die wissenschaftlich arbeiten, und sie alle sind nach Dr. Baxa Phantasten, es sind Leute, welche die Sache der Menschheit und des Volkes verkauft haben. Wern? Das wird sich der freundliche antisemitische und clericale Leser leicht beantworten. Der Präsident des Gerichtes hat heute Dr. Baxa wegen des Auftretens gegen die medicinische Facultät gerügt und dieser Präsident ist von Geburt ein Deutscher. Wenn ein Deutscher die czechische medicinische Facultät in Schutz nehmen muss, ist dies für uns doppelt beschämend. Der Herr Präsident hätte darauf Hinweisen können, dass hier gegen die Facultät ein Mensch auftritt, der, wie in den Blättern zu lesen war, seine Prüfungen dreimal machen musste, bevor er sie bestand. Und darin liegt der Kern der Sache; heute darf sich in Böhmen die Denkfaulheit und Unbildung breitmachen, sie darf eine ganze politische Partei bilden, und sie darf als nationales Programm die abcheulichsten Reste des mittelalterlichen Fanatismus ausrufen. Die moralischen Erfolge dieser Politik zeigten sich bereits in Pilsen. Dort argumentieren die Parteigenossen des Herrn Dr. Baxa mit Knütteln und Messern, die geistige Gewalt führt die physische." Ritualmord und Bibel. „Es gibt einen Ritualmord! Die Juden brauchen das unschuldige Blut christlicher Jungfrauen zu ihren rituellen Zwecken", — schreiben und sagen Schneider, Baxa und wie sie sonst heißen mögen. — „ . . . Die ganze Menschheit anerkennt als natürliches Sittengesetz das, im Dekalog (wenn wir nicht irren, ist der Dekalog ein jüdisches Gesetz. Anm. der Red.) enthaltene göttliche Gesetz : Du sollst nicht tödten!" — so schreibt das bischöfliche Coniite in einer Erklärung.über das Duell. „Seid so gut!" In der Donnerstag-Nnmmer seines Blattes veröffentlicht Herr V e r g a n i einen Leitartikel über den Piseker Process. Resümiert und ohne journalistische Umschweife, würde der Artikel lauten: „Meine theueren, guten Inden! Ihr habt' mir schon so oft zu Geld verholsen, denn welm Ihr nicht gewesen wäret, wer hätte mich beachtet: so aber bin ich I ch! Nun, jetzt, da das alte Lied abgeleiert ist, bitte ich Euch, seid so gut, thut mir den Gefallen, gesteht doch ein, dass Ihr Blut zu rituellen Zwecken braucht! Ich will ja mit mir handeln lassen, ich will gerne zugeben, dass Ihr „Reform"jnden nicht zu den Ritualmördern zu zählen seid, dass nur eine kleine Secte unter Euch, ja sogar nur einige Personen, den Ritualmord prakticieren, aber ich bitt' Euch, seid so gut, ich brauch halt Stoff, erklärt, das wenigstens einer unter Euch Ritnalmörder ist!" Dies der „tiefe" Sinn des langen Bergan t'schen Artikels. Man kann sehen, er speculiert auf das auch gegen Antisemiten oft bewährte Barmherzigkeitsgefühl der Juden! Aber er kann noch so viel bitten und handeln, es ist doch nicht die Panschalie irgendeiner mit jüdischem Capitale arbeitenden Unternehmung im Spiele!... Epilog. Pisek, 14. November. Kleine Gruppen durchziehen die Stadt mit S ch m ä hrufen gegen die Juden; sie schreien „Hepp, Hepp". Ein junger Bursche warf bei Juden zwei Fenster' ein und wurde verhaftet. Bei eintretender Dunkelheit sperrten die Juden die Geschäftsläden und die Menge zerstreute sich. Bei der Bezirkshauptmamrschaft sieht man den Vorgängen in der Umgebung mit Besorgnis entgegen. Im Brau Hause derPisekerBrauberechtigt e n, zu denen einige hier ansässige Juden gehören, wurden abends 22 Fensterscheiben eingeworfen. Wegen Aufreizung zu Demonstrationen wurden der Staatsanwaltschaft der B u chh alter des Aetien-Brauhauses, JosefSkork v v s k y, und ein angesehener B ü r g e r s s o h n angezeigt. Die Fenstereinwerfer sind zumeist junge Bursche. Mehrere derselben wurden gleichfalls verhaftet. Die Polizei hält alle Punkte, wo derartige Demonstrationen möglich wären, besetzt. In der Stadt selbst war es abends ganz ruhig. Im „Hotel Universita" wurde heute abends zu Ehren Dr. Baxas — als Feier des Todes urtheiles - - ein Festconcert veranstaltet.

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