Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1900-10-05 · 40 (5.10.1900) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
40 (5.10.1900)
Date
1900-10-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2432763-2432811-2432851--0711-2434390
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 40 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 5. October 1900 Seite 3 rismus" — ist' denn die Solidarität des Polen-Clubs, für den er so lebhaft eiutritt, etwas Anderes, als »der Ausdruck des nationalen Terrorismus?" Unter den obwaltenden Verhältnissen ist eine allgemeine Alliierung der Juden mit den Ruthenen allerdings nicht rathsam, aber auch das zweite Recept des Dr. Vy k„ dass die Juden sich mit dem Polen-Club solidarisch erklären sollen, ist durchaus nicht geeignet, uns Heil zu bringen. Dagegen könnten wir, wenn wir als dritte Nation im Lande in den bevorstehenden Wahlkampf treten würden, zweifelsohne zahlreiche Vortheile für uns erringen. Es ist uns wohl bekannt, dass wir im Reichsrathe nicht als maßgebende Partei auftreten könnten, dazu sind wir zu klein in der Zahl, aber bei den bevorstehenden Wahlen könnten wir eine Kraft entfalten, dass andere Parteien mit uns rechnen müssten. Und wenn Abrahamowicz meint: „der Polen-Club ist keine Jnteressen-Vertretung, sondern die Repräsentanz der Nation," so müssen wir bei den Wahlen auch unsere Nation repräsentieren. Auch uns handelt es sich gegenwärtig nicht blos um eine Jnteressen- Vertretung — obwohl wir auch eine solche dringend benöthigen würden — sondern auch in bedeutendem Maße darum, die Würde unserer Nation aufrecht zu erhalten. " Die jüdische Solidarität könnte dies zustande bringen, und sie soll bei den bevorstehenden Wahlen unsere Parole sein. 6. Chronik des Judenthums. Inland. Prag. (W a h l b e w e g u n g unter den Jude n.) Ihr letzter Prager Brief hat hier allgemeine Aufmerksamkeit erregt und fanden die darin enthaltenen Gedanken nur Zustimmung. Wurde doch die Idee eines Zählcandidaten selbst im Ausschüsse der „Ceskozidovskä Jednota“ sehr lebhaft ventiliert. Auch bei jenen, die socialdemokratisch gesinnt sind, jedoch noch als Juden sich fühlen, hat dieser Ausweg Anklang gefunden. Als Resultat Ihrer Notiz kann es betrachtet werden, dass am 27. September im Hotel Roubitschek eine vertrauliche Besprechung der jüdischen Wähler Prags stattfand, welche Mittel und Wege zu finden suchte, alle jüdischen Wähler der fünften Curie auf einen Zählcandidaten zu vereinigen. Der Besprechung wohnten circa 60 Angehörige aller Parteien, derer es in Prag nicht wenige gibt, bei. Nur jene aus den oberen Schichten betheiligten sich wie gewöhnlich nicht. Zum Glücke scheinen die Zeiten vorüber zu sein, wo sich die Juden Prags aus einer x-beliebigen Advokatenkanzlei commandieren ließen, und wenn diese Herren binnen Kurzem nicht einen anderen Weg einschlagen, werden sie völlig isoliert dastehen. Denn dass eine jüdische Wählerversammlung aus allen Parteilagern überhaupt möglich war, beweist, dass es sich in der hiesigen Judenschaft um eine Emancipation ans der schon allzulange andauernden Abhängigkeit von den „großen" Juden handelt. Wenn sie es noch nicht merken, so ist es ein Beweis, wie sehr sie die Fühlung mit dem Volke verloren haben. Der Verlauf dieser Besprechung hat die politische Unreife der jüdischen Masse klar zutage gefördert. Es ist auch kein Wunder: diese Juden haben nie überlegt, dem einen war der Oberrabiner cvmpetent, dem anderen das Deutsche Casino, dem dritten die „''ä.rordni Listy“. Und jetzt sollen sie selbständig Vorgehen. Sie benehmen sich auch dabei wie kleine Kinder, die gehen lernen; aber sie werden es erlernen und dann werden sie Abrechnung halten mit denen, die sich die Führung anmaßten ohne die Fähigkeit dazu zu besitzen und ihre Macht für fremde Dienste missbrauchten. Das Resultat einer mitunter sehr aufgeregten Debatte, war die Bildung eines fünfzehngliedrigen Comites, in welchem die fünf Hauptparteien ihre Vertreter haben sollen, und zwar drei, die politisch vollständig farblos dies nicht zu fühlen, um dies vergessen zu können, bedurfte es eines königlichen Glanzes, einer königlichen Autorität ohne Gleichen, zu der nur dem Adel der Zugang offen stand. 137. Ein Jesus Christus war nur in einer jüdischen Landschaft möglich, ich meine in einer solchen, über die fortwährend die düsteren und erhabenen Gewitterwolken des zürnenden Jehovah hiengen. Hier allein wurde das seltene plötzliche Hindurchleuchten eines einzelnen Sonnenstrahles durch die grauenhafte und andauernde Nacht wie ein Wunder der Liebe empfunden, als der Strahl der unverdienten Gnade. Hier allein konnte Christus seinen Regenbogen und seine Himmelsleiter träumen, auf der Gott zu den Menschen herab stieg; überall sonst galt das helle Wetter und die Sonne zu sehr als Regel und Alltäglichkeit. 140. Zu jüdisch. Wenn Gott ein Gegenstand der Liebe werden sollte, so hätte er sich zuerst des Richtens und der Gerechtigkeit begeben müssen — ein Richter und selbst ein gnädiger Richter ist kein Gegenstand der Liebe. Der Stifter des Christenthums empfand hierin nicht fein genug — als Jude. 141. Wie, ein Gott, der die Menschen liebt, vorausgesetzt, dass sie an ihn glauben, und der fürchterliche Blicke und Drohungen gegen den schleudert, der nicht an diese Liebe glaubt. Wie? — verclausulierte Liebe, als die Empfindung des allmächtigen Gottes. Eine Liebe die nicht einmal über das Gefühl der Ehre und der gereizten Rachsucht Herr geworden ist, wie orientalisch ist das Alles. Hier bricht überall ähnlich wie bei Heine, nur im verstärktem Maße der Gegensatz zwischen dem finstern richtenden, strahlenden Judenthum und dem hellen, sonnigen, alles begreifenden, daher alles verzeihenden Hellenismus durch. sind, drei von den Deutschen, drei von den Czechen, ebensoviel von den Socialdemokraten und endlich drei von den Zionisten. Nenn Mitglieder dieses Comitös wurden sofort gewäblt, und nachdem die anwesenden czechischen und socialdemokratischen kein Mandat hatten, wird jede dieser Richtungen officiell anfgefordert werden, drei Bertranensmänner in dieses Comito zu entsenden. Diese fünfzehn Männer, die sich keineswegs aus den hohen Kreisen recrutieren, werden die Pflicht haben, alle vorbereitenden Schritte einzuleiten, damit binnen Kurzem eine jüdische Wählerversammlung auf der breitesten Basis abgehalten werden kann, von dieser werde ich Ihnen seinerzeit genauen Bericht erstatten. I,. Pilse»». (Freitisch-Verein. — Ein U e b e r t r i t t.) Am 17. September wurde hier der neugegründete israelitische Freitisch-Verein für die Schüler der hiesigen Bürger-, Mittel-, Handels- und Gewerbeschulen feierlichst eröffnet. Der Gesammtvorstand — 10 Herren, zwei hatten ihr Fernbleiben entschuldigt — mit dem Präses Herrn Simon Hoffman n, Rabbiner Dr. P o s n a n s k y, Präses des Eultüsoorstandes Herr JUDr. Schauzer u. s. w. fanden sich um 12 Uhr mittags im Restaurant O h r e n st e i n ein, um mit den beschenkten Schülern, 40 an der Zahl, ein gemeinsames Mittagessen einzunehmen. Präses Herr H o f f m a n n begrüßte die erschienenen Herren, dankte für ihre Bemühung und hielt an die Zöglinge eine sehr schöne Ansprache, in der er dieselben aufforderte, eingedenk zu sein jener Wohlthaten, die ihnen dieser Verein, der sich von gleichen Tendenzen leiten lässt, wie die übrigen in der hiesigen Cultusgemeinde bereits bestehenden Wohlthäligkeitsvereine, als Chewra Kadischa, Frauenverein, Waisenverein u. s. w., dem Glauben ihrer Väter stets treu zu bleiben, Dankbarkeit gegen ihre Eltern, und wenn sie einst als selbständige Männer dastehen werden, des Freitisch- Vereines zu gedenken und in Treue und Loyalität für Kaiser und Vaterland zu verharren. Während des Mahles ergriff Herr Dr. Posnansky das Wort, um in von Herzen kommender Ansprache die Schüler zu Fleiß, Ordnung, Reinlichkeit und Dankbarkeit zu ermuntern. Der als Gast anwesende Rabbiner A. Stein aus Radnitz dankte namens der Beschenkten, unter denen auch sein Sohn ist, dem Vorstande, den Herren Mitgliedern, sowie allen, die an dem Zustandekommen dieses wirklich wohlthütigen Vereines Antheil haben. Er verwies auf die Talmudstelle: Hisoharu bibne anijim, ki mehem teze tour o, dass aus dieser Versammlung der arrnen Kleinen die künftigen Functionäre unserer Cultusgemeinden und viele wackere Männer hervorgehen dürften, die das Judenthum zu Ehren bringen sollen und werden. Ihre Dankbarkeit sollen die Zöglinge durch ein wahrhaft anständiges frommes Benehmen, durch Fleiß und gute Sitten darthun. Nun sind die Zöglinge enthoben des erniedrigenden Hausierens von Haus zu Haus, jeden Tag in einer anderen Küche speisend. Wir wünschen dem neuen Vereine, dass er wachse, blühe und gedeihe, dem löbl. Vorstande, dass er nicht ermüde in seinem humanitären Walten. Sabbath den 29. d. M. ist in dem nahen Liblin der dortige Großgrundbesitzer Herr Golds chmidt sammt Frau, geb. v. Goldschmidt aus Wien, die im Monate März 1900 ihre Trauung im Stadttempel in Wien gefeiert, zum Katholicismus übergetreten. Was dieses junge Ehe. paar zum Uebertritte veranlasste, ist unbekannt, weder wollte er öffentliche Aemter und Würden erlangen, noch wurde Herr- Go ld schm idt von den Antisemiten bedrängt, da er als sehr reicher Mann von niemandem abhängig ist. Dass eine solche Handlung in der Gegenwart mindestens eine Feigheit ist, muss jeder bekennen. Allgemein wird auch hier das Cherchex la femrae gerufen, nicht aber, dass er sich aus Liebe, dieselbe heiraten zu könne»», getauft, sondern, weil es sein junges Weibchen wollte — that er den Schritt. Es »nag ihrn vielleicht nicht viel Ueberwindung gekostet haben, da er leider bloß ein „Auch-Jude" war — aber vom Judenthun» selbst nicht viel rvusste. Die junge Frau »nag vielleicht diese Aufklärung von Wien »nitgebracht habe»», denn hier in Böhinen, trotz des Jndifferentis»n»»s unter den J»rden, ist eine Judentause etwas höchst Seltenes — aus Wien musste es kommen! Lemberg. (Eine Judendebatte im G em e i n d e r a t h.) Bei der letzten geheimen Sitzung des hiesigen Gemeinderathes referierte der G e m e i n d e r a t h Doctor D u l e m b cr namens der Theater-Commission über das Programn» der Eröffnung des neuerbauten National-Theaters, deren Terinin für den 2. October «»»beraumt »vurde. Der Gemeinderath Moriz Jonasz verwies darauf in erregter Weise, dass es eine Provoeation der Juden bedeuten »vürde, deren es in Lernberg über 40 000 gibt, wenn am Vorabende des Versöhnungstages die Eröffnung stattfinden sollte, und drohte für diesen Fall mit der Boycottierung seitens der jüdischen Intelligenz, welche das größte Contingent des Theatec- Dass Nietzsche, der Philosoph mit den leichten Füßen und dem heiligen Lachen, der Entdecker des Dyonisischen, sich mit ganzer Seele dem.Hellenischen zuivandte, ist selb stverstündluch, aber er wird der finsteren Majestät des Judenthurns gerecht. Das Stück 137, zeigt überdies uns ein Beispiel von sinniger Naturbetrachtung in der Nietzsche unübertroffen ist. Europa ist gerade iu Hinsicht auf Logisierung auf reinliche Kopfgewohnheiten den Juden nicht wenig Dank schuldig; voran die Deutschen, als eine beklagensiverte deraisonable Rasse, der man auch noch heute immer zuerst „den Kopf zu waschen hat". Ueberall, wo Juden zu Einfluss gekomruen sind, haben sie feiner zu scheiden, schärfer zu folgern, und heller zu schreiben gelehrt, ihre Aufgabe ist es immer ein Volk zu Raison zu bringen. 361. Was aber die Juden betrifft, jenem Volke der Anpassung par excellence, so möchte man in ihnen diesem Gedankengang nach von vornherein gleichsam eine welthistorisch^ Veranstaltung zur Züchtung von Schauspielern sehe»», eine eigentliche Schauspielbrutstätte. Und in der That ist die Frage reichlich an der Zeit, »velcher gute Schauspieler ist heute nicht Jude. Auch der Jude als geborener Literat, als der thatsächliche Beherrscher der europäischen Presse, übt diese Macht auf Grund seiner schauspielerischen Fähigkeit aus. Denn der Literat ist »vesentlich Schauspieler. Er spielt nämlich den Sachkundigen, den Fachmann, 'Nietzsche hebt in diesen zwei Stücken zwei Hauptseiten des jüdischen Charakters hervor, ihr scharfes Denken und ihr schauspielerisches Talent. Das letztere bringt er sehr richtig in Beziehung mit ihrer Stellung in der europäischen Presse. (Schluss folgt,) publicums bildet, wobei er bemerkte, dass doch die Juden zur Errichtm»g »md Erhaltung des Theaters mindestens soviel beitragen, wie ihre christliche»» Mitbürger. Infolge dieses energischen Eingreifens des Herrn Gemeinderathes Jonasz beschloss thatsächlich der Gemeiilderath die Eröffnung des Nationaltheaters auf den 4. October (Donnerstag) zu verlegen. Hierauf stellte der Gemeinderath W a l i ch i e »v i c z (Antisemit) den Antrag, dass »nan z»»r Eröffnungsfeier das Präsidium des Wiener Gemeinderathes, sowie »nehrere hervorragende dortige Gemeinderäthe (Z»vischenruf des Herrn Jonasz: Steiner, Gregorig und Bielohlawek!) officiell einladen möge, da er (W a l i ch i e w i c z uub Genossen) gelegentlich des Besuches des Wiener Gewerbetagcs im vorigen Jahre den Obgellannten die Zusicherung abgegeben hat, ihnen für die zntheil ge»vvrdei»e Aufrrah»ne bei Eröff»»u»»g des Theaters Revanche zu geben. Zn diesein Anträge nahm Herr Gemeinderath I o n a s z in der ihm eigenen schneidigen und mannhaften Weise Stellung; er frng unter anderem, wer W a l i ch i e w i c z »lnd Collsortcn ermächtigt habe, »in Namen des Gemeinderathes eine solche Einladung abzugeben. Ob etlva Herr Lueger den hiesige»» Gemeinderath zur Eröffnung des Jubiläums-Theaters eingeladen hätte; er sagte ferner, dass, wenn Jan D o b rzanski, der verstorbene Redacte»»r der „Gazeta Narodowa", auferstehen »vürde und sehen »nöchte, »vie dessen ehernaligen Trabanten — Walichiewicz und Consorten —, welche früher den galizischen Juden den Vorwurf zu »nachen pflegten, dass sie „nach Wien gravitieren", jetzt bei jeder Gelegenheit „es gibt nur a Kaiserstadt, es gibt nur n Wien" singen, er sich gleich »vieder ins Grab zurücklegen »vürde. Herr Jonasz bemerkte weiters, dass durch solche „illnstre" Gäste gereizt, die hiesigen Juden die Eröffnungsfeier mit einer solchen Katzenmnsik-Ouverture einbegleiten »vürde»», »velche den Betreffenden lange in den Ohren gellen würde. Der nächste Redner, Hofrath Prof. Dr. Rhd ») g i er, welcher von den Antisemiten als zu ihnen gehörig reclainiert wird, »»nterstützte zu deren Ueberraschung w ä r m st e n s die Auseinandersetzungen des Herrn Gemeinderathes Jonasz, wobei er zur Beschwichtigung des Antragstellers hervorhob, dass man die Wiener Herren „vielleicht zu einer anderen Gelegenheit" einladen könnte. (Zwischenruf des Herrn Jonasz: „Jawohl, zur Eröffnung des Schlachthauses!") Honrerisches Gelächter und Beifall im Saale, da Herr Hofrath Dr. R y d y g i e r, diesen Scherz ernst auffassend, sich damit einverstanden erklärte. In seinem Schlussivorte bemerkte der Referent Dr. D u l e m b a gleichfalls, dass er die Anscha»lungen des Herrn Jonasz vollkommen theile, dass er als guter Pole und Katholik den Antisemitismus verdamme, »velcher als B i s m a r ck'sches Gewächs auf polnischer Erde nicht Wurzel fassen sollte. Bei der hierauf erfolgten Abstinunung erklärten sich für den Antrag Walichiewicz 13 Stimmen (Zwischenruf des Herrn Jonasz: „Gute Nummer, einein solchen Anträge entsprechend!") homerisches Gelächter; für die Ablehnung desselben stimmten die übrigen anwesenden 39 Gemeinderäthe. Nicht nur die hiesigen jüdischer» Insassen, sondern auch eine große Anzahl unserer christlichen Mitbürger beglückwünschten Herrn Gemeinderath Jonasz zu diesem schönen Erfolge. T. H. Lemberg. (Eine s o nd e rb ar e V e r u r t Heilung.) Das Abendblatt des „Slovo Polskie" vom 1. October l. I., Nr. 457, enthält in der Rubrik „Landes-Chronik" folgende Notiz: „Aus Neusandec schreibt man uns: Leibisch F l a ch n e r in Krynice gieng am Tage des Frohnlerchnamsfestes zum Arzte, als ihm in der Nähe der Kirche der feierliche Aufzug einer Procession entgegeukam. Er wurde also im Weitergehen aufgehalten, jedoch er nahm den Hut nicht ab. Der anwesende Gendarm betrachtete es als a n ti k a t h o lische Provoeation und verhaftete F l a ch n e r. Heute fand gegen ihn vor dem Kreisgerichte in Neusandec die Verhandlung wegen Beleidigung der katholischer» Kirche statt und ungeachtet der wackeren Vertheidigung des Dr. P a s i o n k, der ausführte, dass derJude just beide »»allergrößte »»Feierlich ketten sich bedecke, verurtheilte ihn der Gerichtshof zu vierzehn Tagen strengen Arrests." Hohenems in Vorarlberg. (Erzherzog Eugen in einer Synagoge.) Es rvar eine hohe Auszeichnung, die der hiesigen, sehr alten Jsraelitengerneinde, der einzigen in Tirol und Vorarlberg, a»n 20. September l. I. zntheil »vard. Seine k. und k. Hoheit Erzherzog Enge n, der neuerna»»nte Corpscommandant in Innsbruck, der »vährend »nehrerer Stunden hier rveilke, zeichnete zunächst die ihm vorgestellte Deputation der Jsraelitengemeinde, bestehend aus dem Rabbiner Dr. Tänzer und den beiden Vorstehern Michael M e n z und Ivan R o s e n t h a l, dr»rch huldvolle Ansprachen aus, »vobei er sich des Näheren nach den Verhältnissen der Gemeinde erkundigte und den Besuch der i»»»posanten, alten Synagoge in Aussicht stellte. Nach Besichtigung der hiesigen Pfarrkirche fuhr denn auch Se. k. und k. Hoheit in Begleitung seines Adjutanten, des Kreisgerichtspräsidenten v. Larcher, des k. k. Bezirkshauptlnannes v. Z i e g a u, des hiesigen Bürger- »neisters und Gen»ei»»derathes vor der Synagoge vor. An deren Eingang vorn Rabbiner mit begeisterten Worten begrüßt, dankte der Erzherzog z»»nächst für den Empfang und unterzog sodann u»»ter Führung des Rabbiners das schöne, große Gotteshaus einer eingehenden Besichtigung. Lebhaftes Interesse brachte der hohe Besucher den jüdischen Cultuseinrichtungen entgegen, von denen ih»n einzelne bereits bekannt »varen. Der Rabbiner öffnete vor ihr»» das Allerheiligste, entrollte eine Thora-Rolle, »vobei sich der Erzherzog Einiges über die Schriftzeichen und die Lesart erklären ließ. Ebenso ließ sich der Erzherzog einen sogenamrten „Schofar" bringen und verlangte die Erklärung, rvar»»m dies eben ein Widderhorn sein rnüsse. Auf die A»»fklär»»ng des Rabbiners »var de»»» Erzherzog die biblische Erzählung von der Opferung Jsaks sofort in Erinnerung. Mit Interesse vernäh»»» der Erzherzog auch die historischen Erörterungen des Rabbiners über die Deckengernälde in der Synagoge, ein Geschenk des ersten in der ehemaligen Reichsgrasschaft Hohenen»s amtierenden österreichischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.