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Jüdisches Volksblatt · 1900-08-24 · 34 (24.8.1900) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
34 (24.8.1900)
Date
1900-08-24
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 34 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 24. August 1900 Seite 7 stachen nicht allein von den Bekennern der neuen Lehre bewohnt, und in manchen Städten haben die Römisch- Katholischen noch die Oberhand. Ich setzte es daher durch, dass ein Hauptpunkt des Utrechter Bundes die Sicherung des Religionsfriedens wurde, dass überall die Reformierten und Katholischen des gleichen Rechtes und der gleichen Freiheit sich zu erfreuen haben sollen, wozu dann noch als ein geheimer Artikel hinzugefügt ward, dass es dem Rathe jeder Stadt freistehen sollte, den Anhängern auch anderer Secten eine gleiche Befugnis zuzugestehen, ohne dass jemand das Recht hätte, hiergegen zu protestieren. Tirado, ich sage es Euch offen, ich dachte hierbei des Wortes, das ich Euch gegeben; ich dachte, dass sich bald die Ansichten meiner Niederländer auch dahin klären würden, allen Menschen das Recht zu gewähren, welches sie für sich mit so großen Opfern erstritten, und einzusehen, dass dem Fanatismus, von welcher Seite er auch kommt, die Spitze nur abgebrochen werden könne durch seinen geraden Gegensatz!" Tirado ergriff die Hand des Prinzen und rief lebhaft aus: „Dank, hoher Herr, tausendfacher Dank! Ihr habt die Nacht gelichtet, durch die mein Weg geführt, und in die er sich noch immer bis auf diese Stunde verlor. Ich sehe klar, ich bin glücklich." „Gemach, Freund," erwiderte Wilhelm mit dem Lächeln der Befriedigung, „das Ziel ist doch noch nicht erreicht. Jetzt komme ich zu dem, was am nächsten vor uns liegt. In Holland ist es das mächtige Amsterdam, das uns noch widerstrebt. Der Rath dieser Stadt, der noch die Macht in Händen hält, und ein großer Theil der Bürgerschaft sind römisch-katholisch. Sie haben bis heute dem Staate den Gehorsam verweigert und schwächen dadurch doppelt die Kraft desselben. Andererseits wollen die in Utrecht versammelten Staaten Holland nicht eher als vollberechtigt anerkennen, solange Amsterdam im Bunde noch fehlt. Die Vertreter Hollands haben daher beschlossen, Amsterdam mit Gewalt zu unterwerfen, und mir aufgetragen, zehn Fahnen Fußvolk unter den tapferen Obersten Helling und Ruikhaver zu einem Ueberfall auf die Stadt zu beordern. Ich kann mich dem nicht entziehen, und doch erweckt dieser Plan, dem ich mich vergebens widersetze, die schwersten Besorgnisse in mir. Amsterdam ist nicht die Stadt, die sich der Gewalt fügt: der feindselige Angriff, der boshafte Ueberfall wird auch den Theil der Bürgerschaft auf die Seitz des Feindes treiben, der uns zugeneigt ist. Wir müssen dem auszuweichen suchen, und in dieser schwierigen Lage habe ich meine Augen auf Euch, Tirado, geworfen. Ihr seid der Mann, der meine geheimsten Entwürfe auszuführen vermag und Selbstaufopferung gewiss genug besitzt, um bei etwaigem Misslingen den Urheber zu decken." Tirado erwiderte: „Ich sehe zwar noch nicht, Herr, wie ich hierbei Mitwirken könne, aber zeigt es mir, und ich übernehme alles, was in meinen Kräften steht." „Ich will es. Ich habe in Amsterdam einen mächtigen Verbündeten, einen Mann von unbedingtem Einflüsse auf den reformierten Theil der Bürger. Er heißt Bardes. Mit Unwillen trägt er das Joch der Katholischen, und seit langer Zeit strebt er, es abzuschütteln. Dies muss geschehen, aber auch hier ohne großes Blutvergießen, ohne einen Sturm heraufzubeschwören, den wir nicht bannen könnten, und der die noch lose geknüpften Bande wieder zerreißen würde. Hört also meinen Plan. Ihr begebt Euch in der verborgensten Weise nach Amsterdam zu Bardes. Den Weg Euch dahin zu eröffnen, ist meine Sache. Ihr macht Bardes mit dem beabsichtigten Ueberfall bekannt. Zur Zeit desselben er die Bewaffneten seiner Partei versammlen, aber nicht soll mit gegen die holländischen Fahnen ausziehen. Wenn die Schar des katholischen Rathes gegen die heranstürmenden Holländer ausgezogen und mit ihnen im Kampfe begriffen ist, sollBardes das Rathhaus überfallen und einnehmen, den Rath verjagen und von dem versammelten Volke sich und seine besten Anhänger zum neuen Rathe wählen lassen, dann sich derjZeughäuser bemächtigen und die Söldner des abgesetzten Rathes vom Innern der Stadt abhalten, bis sie sich in den neuen Zustand der Dinge ergeben haben. Zu diesem entscheidenden Handstreich werde ich Bardes, wie Ihr hören werdet, meine Hilfe leihen. Allein zuvor muss Bardes einen förmlichen Vertrag unterzeichnen, in welchem er verspricht, dass Amsterdam zum Staate von Holland und damit zum Utrechter Bunde übertrete, ferner, dass in der Stadt völliger Religionsfrieden und Rechtsgleichheit aller Personen, welcher Religion sie auch angehören, gesetzlich herrschen soll, wenn auch bis zur friedlichen Entwicklung der Dinge die Reformierten die Gewalt in der Stadt in ihren Händen haben sollen. Es ist Eure Sache, Tirado, dem Manne weder von dem Ueberfalle, noch von unserer Hilfeleistung bestimmte Kunde zu geben, bevor er diesen Vertrag eingegangen. Ist dies geschehen, so harret Eurer eine zweite Sendung. Der Oberst Helling, der mit vier Fahnen zu Naarden liegt, hat bereits meine Ordre, zur bestimmten Zeit vor das Haarlemer Thor von Amsterdam zu rücken. Ihr habet nun dem Obersten Ruikhaver, der sich mit sechs Fahnen zu Leyden befindet, meine Ordre zu bringen. Ich gebe Euch zwei mit, die eine gleichlautend mit der an Helling, die andere mit den Worten: „Vor das Thor von Haarlem". Welche von beiden Ihr Ruikhaver einhändigen sollet, muss von Eurem Erfolge bei Bardes abhängen. Hat dieser in den Vertrag gewilligt, so bringt Ihr dem Obersten die letztere. Sie wird später als ein Missverständnis erscheinen. Es werden dann die vier Fahnen zwar in Amsterdam eindringen, aber umso leichter von den katholischen Parteigängern zurückgedrüngt und verfolgt werden, während die sechs Fahnen Ruikhavers nach Haarlem marschiert sind. Bardes hat dann Zeit, unseren Plan auszusühreu. Amsterdam wird frei und gesellt sich seinen natürlichen Bundesgenossen zu. Größeres Blutvergießen wird vermieden, es wird eine friedliche Revolution sein. Solcher Erfolg rechtfertigt wohl die Zuflucht zu geheimen Mitteln, und Ihr, Tirado, Ihr werdet am Ziele Eures Strebend sein. Ich bürge Euch mit meinem Ehrenworte: Amsterdam wird sich nicht länger weigern, Euch und Euren Genossen eine sichere Freistatt zu gewähren — wenige Monde, und ich werde Euch als einen Bürger dieses Landes begrüßen .. Tirado sann einige Augenblicke nach. Dann sprach er: „Ich danke Euch, gnädiger Herr. Ich übernehme mit Freuden den Auftrag, mit welchem Ihr mich beehrt. Ich erkenne Eure Absicht wohl, gerade mir dieses Geschäft zu übertragen, um mich mit den Männern in die nächste Verbindung zu bringen, in deren Händen mein und der Meinigen Geschick liegen wird. Ich bin Euch tief verpflichtet, mein Prinz. Möge es mir vergönnt sein, dass der Erfolg Eurem Vertrauen ganz entspreche." (Fortsetzung folgt.) 3 Tapezierer u. Decorateur J. MARSCHALEK WIEN, V., Wienstrasse 53 übernimmt alle in sein Fach einschlagenden Arbeiten, in und ausser Haus sowie Vorhänge und Teppiche zum ««- Reinigen und Waschen. 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