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Jüdisches Volksblatt · 1900-08-03 · 31 (3.8.1900) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
31 (3.8.1900)
Date
1900-08-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 31 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 3. August 1900 Seite 3 muss man gleich ein Zeichen des Wohlwollens für die Juden geben. Es heißt also, Herr C a r p wolle ein Gesetz der Kammer unterbreiten, durch welches die jüdischen Cultusgemeinden endlich in die Lage kommen, ihren Pflichten gewachsen zu sein. Es handelt sich also um die Erlaubnis, eine Steuer einheben zn können, mit die Anerkennung als juridische Person der jüdischen Gemeindeinstitute u. s. w. Dies und das schon vollzogene Verbot des Ausfolgnng von Pässen mit dem Vermerke „Giltig nur für die Abreise, in keinem Falle aber für die Rückkehr", sollen den Beweis erbringen, dass die jetzige Regierung judenfreundlich ist. Leider finden wir dies selbst für den Anfang noch lange nicht genügend, und ohne eine weitere Thätigkeit des Herrn C a r p präjudicieren zn wollen, sehen wir uns veranlasst, zu wiederholen, dass allein eine tüchtige Organisation mit politischen Zwecken zu einer Verbesserung der Lage der Juden führe. In biefem Sinne aber ist die Nachricht mit Freude zu begrüßen, dass sich die jüdischen Reservisten in Rumänien, deren Organisation schon einmal Ersprießliches geleistet hat, wieder sammeln, um die Regiernng Carp in ihrer Action zu unterstützen, eventuell eine neue Action einzuleiten. * * Nach Schluss der Nedaction erhalten wir folgende Mittheilungen: Wir haben noch vor der Bildung des Ministeriums Carp angekündigt, dass, falls dasselbe zustande kommt, Herr Carp die Absicht hat, in erster Reihe den Juden das Wohnen auf dem Lande wieder freizngeben. Diese unsere Meldung bestätigt sich nun jetzt vollinhaltlich. Die officielle „Agence Roumaine" meldet nämlich vom 1. d. M. ans Bukarest: „Ein R n n d s ch r e i b e n des Ministers des Innern vom 30. Juli an die Präfecten erthcilt die Ermächtigung, dass sich die Juden in Marktflecken, selbst wenn sie den Charakter von Landgemeinden tragen, b ed i n g u n g l o s a n f h a l t e n können. Der Aufenthalt in wirklichen L a n d g e m e i n d e n wird allen Juden g e st a t t e t, welche d e r M i l i t ä r - D i e n sitz f l i ch t Genüge geleistet haben und ein kleines, zur Ausübung eines Handwerkes oder eines sonstigen Gewerbes hinreichendes Capital besitze n." Hoffentlich findet Herr Carp auch Mittel, die in Betracht kommenden Beamten zn zivingen, das erwähnte Rundschreiben, auf dessen Bedeutung wir noch zurückkvmmen werden, auch ivirklich zu respectieren. Bekanntlich sind rumänische Beamte für gewöhnlich nicht verlegen, wenn es gilt, Gesetze und Verordnungen zu missachten oder übertreten. Jedenfalls zeigt die obige Meldung, dass Herr Carp in Herrn O l a n e s c u, dem jetzigen Minister des Innern, einen aufrichtigen Mitarbeiter gefunden hat. Es ist die erste, die Juden betreffende erfreulichere Nachricht, welche seit Jahren uns Rumänien zu uns dringt. Ein weiteres Telegramm der „Agence Roumaine" bestätigt ebenfalls, dass die jetzige Regierung einen neuen Weg in der Behandlung der Juden einschlagen will. Dieses Telegramm lautet: 1 „Die „Agence Nonmaine" nieldet: Die ausgewanderten Inden kehren in Massen zurück. Die rumänischen Behörden versehen sie unentgeltlich mit Hilfsmitteln und Geld für die Rückreise bis zu ihren Heimatsorten. Die Zahl der von den verschiedenen Ländern znrückgewiesenen Juden, welche in ihre hiesigen Aufenthaltsorte durch die Fürsorge und auf Kosten der Regierung zurückkehren, beträgt über 3000. Die Vertreter Rumäniens in Wie», Frankfurt und Rotterd a m intervenierten bei den betreffenden Regierungen, um die Ermächtigung zn erlangen, dass sich die Juden dortselbst bis zum Eintreffen von Hilfsmitteln, welche ihnen die Weiterreise zu befreien wünschte, bat ich ihn doch höflich, abzulegen und Platz zu nehmen. Der Jude war sichtlich erfreut, nach einer Weile saß er neben mir und jetzt konnte ich ihn genauer betrachten.?? Alle Züge, die geeignet sind, einem Gesichte das Gepräge der Hässlichkeit zu geben, schienen sich in meinem Besucher vereinigt zu haben. Er hatte eine dicke, birnenförmige, etwas schief gerathene Nase, durchdringende Habichtsaugen und einen keilförmigen Bart von der Farbe einer reifen Gurke; endlich eine niedrige Stirne, von dicken Haaren umgeben. Alles das hatte mein Gast, und doch niachte mir seine Erscheinung im allgemeinen einen angenehmen Eindruck, da sie von dem Ausdrucke großer Leiden verschönt war und außerdem Treuherzigkeit und Wohlwollen verrieth. „Sag' mir also, woher Du bist, wie Du heißt, was Du treibst und was Du von mir erfahren ivillst." „Ich bin Srul (Israel) aus Lubartow, Herr, vielleicht wissen Sie, das ist ganz nahe bei Lublin. Nu, sehen Sie, bei uns glauben alle, dass das sehr weit ist, früher glaubte ich auch so, aber jetzt", fügte er mit Nachdruck hinzu, „jetzt wissen wir, dass es von Lubartow nach Lublin sehr nahe, ganz nahe ist." „Bist Du schon lange hier?" „Sehr lange, beinahe drei Jahre." „Aber, das ist ja noch gar nicht so lange. Ich habe welche gesehen, die schon mehr als zwanzig Jahre hier wohnen; unterwegs ist mir ein Greis ans Wilna begegnet, der seit fünfzig Jahren hier ist. Das kann man lange nennen." Der Jude war entrüstet. „Was jene aubetrifft, so weiß ich nichts, aber ich, ich bin schon sehr lange hier." „Du bist sicherlich allein, daher kommt Dir die Zeit so lange vor." „Nein, mit Frau und Kind, einer Tochter nämlich. Bier hatte ich, aber das ist eine Reise, dass sich Gott erbarme. Wir giengen eiu ganzes Jahr. Wissen Sie, Herr, was das heißt, Etappe»? . .. Drei Kinder starben mir auf einmal, in einer Woche nämlich, das ist ja wie auf einmal. Drei Kinder!!! Eine Kleinigkeit zn sagen ... Es war nicht einmal, wo sie zu ermöglichen, aufhalten dürfen. Die rumänischen Consnln werden sich auch mit den israelitischen und christlichen Hilfscomites in Verbindung setzen und auch selbst Hilfsmittel beistellen." Es ist leider ein großer politischer Fehler gewesen, jüdische Auswanderer wieder nach Rumänien zn schicken. Da der Fehler aber schon begangen wurde, muss mau Gott danken, dass die rumänische Regierung den verzweifelten Menschen ihr Wohlwollen zutbeil werden lässt. Chronik des Jndenlhums. Inland. Wien. (Die Polnaer Affaire und das „Wiener Tagblatt".) Löbliche Redaction! Von einer Reise znrückgekehrt, werde ich darauf aufmerksam gemacht, dass das „Wiener Tagblatt" den Process mit der Familie H r u z a mit einer allerdings recht eigenthümlichen Erklärung beendet hat. Dadurch bin ich mm des ferneren Schweigens entbunden, zu dem mich während der Dauer des Processes der Anstand zwang, und glaube ich auch sprechen zn sollen, da die Behauptungen des „Wiener Tagblatt" geeignet sind, d i e Sache zu schädigen. Ich hatte in meiner Rede, die zu dem Streitfälle Anlass gab, eine Darstellung des damaligen Standes des Polnaer Processes zu geben. Hierbei musste ich natürlich auf die in einigen Blättern erschienene Nachricht Hinweisen, dass die Staatsanwaltschaft Vorerhebungen gegen die Hrnzas plane. Die Gründe hierzu, bemerkte ich, seien mir natürlich nicht bekannt, könnten aber vielleicht mit verschiedenen Journatstimmen znsammetthängen, unter denen besonders ein mährisches Blatt sehr schwere Beschuldigungen erhoben hatte, die unwidersprochen geblieben waren. Das „Wiener Tagblait" hat nun meine Worte in völlig entstellter Form gebracht, indem es einzelne Sätze aus den fr ü h e r e rw ä h n t e n Zeitungen h e r a u s g e r i s s e n und — nebenbei bemerkt, auch noch in fehlerhafter Weise — mir a l s eigene Aussprüche in d e n M n n d gelegt hat. Diesen Jrrthum habe ich aus freien Stucken sofort nach Erscheinen des betreffenden Berichtes im „Wiener Tagblatt" selbst richtiggestellt, und hatte mithin keinen Grund, anlässlich meines Processes eine Erklärung zu vermeiden, die inhaltlich lediglich eine Wiederholung jener Berichtigung war. Die Angabe des „Wiener Tagblatt", dass ich „eine meine Behauptungen revocierende Erklärung" abgegeben hätte, muss ich demnach als durchaus haltlos bezeichnen und nur dazu bestimmt, dessen eigenen Rückzug zu decken. Ich hatte nichts znrückzunehmen und habe es auch nicht gethan. Für die Klarstellung der Polnaer Sache selbst konnte allerdings mit dieser ganzen Procedur nichts gewonnen werden. Dazu hätte nur ein Process gegen die betreffenden Blätter geführt, die ich citiert hatte; der Vorgang aber, die eigentlichen Angriffe ohne Antwort zu lassen und den, der sie einfach citiert, zu klagen, nmss eher eine Verdunkelung als eine Klärung bewirken. Das „W. T." hat aber durch seinen unrichtigen Versammlungsbericht unbewusst den antisemitischen Hetzern in die Hände gearbeitet und diesen Dienst durch seine nunmehrige Erklärung noch erheblich gesteigert. Wien, am 2. August 1900. Hochachtungsvoll Richard Nappaport. Wien. (Ein E x c e s s gegen S o m m e r g ä st e in Kierling.) In K i e r l i n g ereignete sich am letzten Sonntag nachnrittags ein roher Excess gegen mehrere dort zum Landaufenthalte weilende jüdische Sommergäste. Eine große Zahl der Sommergäste hatte sich, wie gewöhnlich, Sonntag nachmittags am Rande der an einem Bergabhange gelegenen Maithalwiese dort niedergelassen, wo die Wiese an einen Wald grenzt. Bald, nachdem sie sich dort gelagert hatten und zu begraben, denn dort gibt es keinen jüdischen Friedhof... Ich bin ein Chassid", fügte er leise hinzu. „Sie wissen wohl, was das heißt, ich hüte das Gesetz. . . Und Gott straft mich so hart..." Er schwieg erschüttert. „Mein Lieber, iu einer solchen Lage kann man an derlei Tinge nicht denken. Das ist im Grunde alleseins. Ueberall ist ja Gottes Erde," bemühte ich mich, ihn, so gut es gieng, zu trösten. Doch der Jude sprang empor wie abgebrüht. „Gottes Erde? Wieso Gottes? Was für Erde Gottes? Was sagen Sie? Eine Hundserde ist das! Pfui, pfui! Gottes Erde? Reden Sie nicht solche Sachen! Schämen Sie sich! Gottes Erde, die niemals aufthaut? Das ist eine verfluchte Erde! Gott will nicht, dass hier Menschen wohnen. Wenn Er wollte, wäre sie nicht so. Verflucht, niederträchtig ist sie, diese Erde! Pfui, pfui!" Er fieng an ausznspucken, stampfte mit den Füßen, mit zusammeugepressten Zähnen und krampfhaft geballter Faust drohte er der unschuldigen jakutischen Erde, flüsterte glühende Flüche, bis er erschöpft von der Anstrengung auf den Sessel zu meiner Seite niedersank. Alle Verschickten, ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Nationalität, lieben Sibirien nicht. Doch diese kräftige Natnr schien nicht getheilt hassen zu können. Ich wartete, bis er beruhigt war. Der in einer harten Lebensschule erzogene Jude bemeisterte bald seine Aufregung, und als ich ihm nach einer Weile fragend in die Augen ^blickte, antwortete er mir sofort : „Verzeihen Sie, bitte, ich spreche hier mit niemandem davon, denn mit wem sollte ich sprechen?" „Gibt es denn hier keine Inden?" „Sind das Juden, Herr? Keiner von ihnen hütet das Gesetz" . . . Da ich einen neuen Ausbruch fürchtete, ließ ich ihn nicht zu Ende kommen und beschloss, das Gespräch abznkürzen. Daher fragte ich ihn direct, worüber er mit mir sprechen wollte. „Ich möchte erfahren, was man dort hört, Herr. Ich unterhalten begannen, erschien plötzlich eine Bäuerin und forderte in heftiger, erregter Weise die Sommergäste auf, die Wiese sofort zn verlassen. Während sich die meisten Wiener bereits erhoben hatten, um sich in den angrenzenden Wald zn begeben, stürzte ein Mann hervor, der die Gäste in unflätiger Weise beschimpfte. Inzwischen war die Bäuerin in ein nahegelegenes Wirtshaus geeilt und feuerte die dort befindlichen Bauernbnrsche an, „auf die Juden zu gehen". Die Bursche bewaffneten sich sogleich mit Knütteln und Heugabeln und eilten über den Bergabhang hinauf der Wiese zu. Die Gefahr der Situation erkennend, hatten die Sommergäste inzwischen die Wiese geräumt, und ohne auf die Beschimpfungen des Mannes zu erwidern, zogen sie sich in den Wald zurück. Ein junger Mann aus Wien namens B e l l a k, der die Wiese gar nicht betreten hatte, suchte den Mann, der sich sehr aufgeregt geberdete, in Güte zu beschwichtigen. Doch kaum hatte er einige Worte gesprochen, so stürzte ein Bursche namens Sedlaczek auf ihn zu und versetzte ihm einige Schläge ins Gesicht. Als B e l l a k sich zur Wehre zu setzen suchte, hieben die Bursche mit ihren Knütteln ans ihn ein. Ein Bruder des jungen Mannes wollte denselben den Händen der rohen Angreifer entreißen. Da packte ihn ein Bursche mit beiden Händen am Halse und begann ihn zu würgen. Die Braut des so misshandelten jungen Mannes, Fräulein Martha Fischer, sprang hinzu und suchte ihn zu befreien. Nun richtete sich die Wuth des Burschen gegen das Mädchen. Er packte sie an den Haaren und zerrte sie im Kreise herum, indem er ihr zugleich Püffe und Stöße versetzte. Als sie endlich zu Boden sank, versetzte er ihr noch einen Fußtritt gegen die Brust. Im Hintergründe hatte sich noch eine größere Schar von Bauern und Burschen gesammelt, die gleichfalls mit Knütteln bewaffnet waren, und deshalb wagten die Sommergäste, die sich in den Wald geflüchtet hatten, nicht, den Misshandelten beizuspringen, da es ihnen jedenfalls ebenso übel ergangen wäre. Fräulein Fischer erlitt Verletzungen an der Brust und am Halse und verfiel bald nach der Misshandlung in einen Herzkrampf. Sie musste in einem Wagen nach Kierling befördert und sofort zu Bette gebracht werden, und ist heute noch nicht ganz hergestellt. Den Brüdern Bellak haben die Burschen mit den Knütteln Verletzungen am Kopfe beigebracht. Als mau die Intervention des Bürgermeisters anrufen wollte, erklärte er, dass ihn die Sache nichts angehe. — Sonntag abends fanden noch auf den Straßen in Kierling Zusammenrottungen statt, und es wurden Rufe gegen die Juden ausgestoßen. Seit Sonntag haben sehr viele jüdische Sommergäste Kierling verlassen, da sie eine Wiederholung solcher Vorgänge befürchten. Wien. (Zur Auswandererfrage.) Wir erhalten folgende Mittheilung: Von wohlunterrichteter Seite werden haarsträubende Dinge erzählt, wie mit den armen auswandernden rumänischen Juden seitens einzelner Functionäre der Israel. Allianz in Wien verfahren wird. Auswanderer und Augenzeugen berichten übereinstimmend über das brutale Vorgehen einzelner Herren, die offenbar der großen Aufgabe, die sie auf sich genommen, nicht gewachsen sind und der ganzen Welt das klägliche Schauspiel bieten, wie jüdische Unglückliche, die, um dem Hungertode und unmenschlicher Behandlung zu entgehen, den Wanderstab ergriffen haben, aus dem Regen in die Traufe gerathen sind. Den mitleidenswerten Emigranten wird wirklich die Wahl schwer, ob es angenehmer ist, von rumänischen Antisemiten oder von Functionären der Wiener Allianz brutalisiert zu werden. Es wird sich noch Gelegenheit ergeben, all die traurigen Erfahrungen, die anlässlich des Durchzuges der Auswanderer durch Wien gemacht worden sind, zur Sprache zu bringen. Für heute begnügen wir iTff MUH—I «Uli—«M—PWffciWKittTWMgfcaU) rgf? bin schon so viele Jahre hier und habe noch nicht gehört, was dort vorgeht, Herr." „Du fragst aber etwas wunderlich. Ich kann Dir doch nicht alles auf einmal erzählen. Ich weiß nicht, was Dich interessiert. Vielleicht die Politik?" Er schwieg. In der Meinung, dass mein Gast sich für die Politik interessiere, ohne den Namen dieses Gegenstandes zu kennen, fieng ich an, die infolge der häufigen Wiederholung bei mir stereotyp gewordene Schilderung herzusagen, indem ich mich über die Lage Europas und die unserige verbreitete. Der Jude machte eine unwillige Bewegung. „Also das interessiert Dich nicht?" „Ich habe niemals an diese Dinge gedacht," gestand er offenherzig. „Ah, jetzt weiß ich, was Dich angeht. Du möchtest gewiss erfahren, wie es den Leuten dort geht, wie der Handel steht?" „Ihnen geht es jedenfalls besser, wie mir." „Nichtig. Dann möchtest Du sicherlich wissen, ob das Leben bei uns theuer oder billig ist, wie hoch die Preise ans den Märkten stehen, wieviel man für Mehl, Fleisch uns bezahlt?" „ Was würde mir das nützen, da ich mir hier doch nichts kaufen kann?" „Noch richtiger, aber schließlich, was zum Teufel willst Du von mir?" „Ja, sehen Sie, Herr, ich weiß nämlich nicht, wie ich das sage» soll. Sehen Sie, zuweilen denk' ich und denke, dass Rifka meine Frau zu mir sagt: Srul, was ist Dir? Was soll ich ihr sagen, da ich doch selber nicht weiß, was mir ist? Die Leute würden mich vielleicht gar auslachen," fügte er hinzu, gleichsam forschend, ob ich nicht auch lachen werde. Aber ich lachte nicht. Meine Neugierde war angeregt. Offenbar bedrückte ihn etwas, wovon er sich selber keine Rechenschaft geben konnte, und das in der ihm nicht ganz geläufigen Sprache auszndrücken, ihm nicht leicht fiel. Um ihm znhilfe zu kommen, beruhigte ich ihn, dass es keine Eile hätte, dass meine Arbeit nicht dränge, und dass es mir keinen Schaden

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