Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 30 (27.7.1900)
- Date
- 1900-07-27
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2432763-2432811-2432841--0625-2434294- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 30 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 27. Juli 1900 Seite 7 wältigung ihres Herzens ein Wort hervorbringen z« können, reichte sie ihm nnter strömenden Thränen die Briefe, die er voll Schreckens über den Zustand seiner Schwester entgegenuahm und las. Die Geschwister blieben lange zusammen, klagten und trösteten einander und beriethen sich, welche Schritte sie zunächst zu thun hätten. Marie Nunes verlangte fort vom Hofe; sie wollte sich in der Trauer um ihren Vater zurückziehen; sie ersehnte ein einsames Asyl, wo sie der Ankunft der Mutter entgegenharren könnte. Manuel konnte es ihr anbieten; das Haus des Zoega stand ihr offen und entsprach ihren Wünschen vollständig. Er begab sich alsbald dahin, um die nothwendigen Einrichtungen zu treffen. Marie aber erbat sich eine Audienz bei der Königin, und diese wurde ihr bereitwillig gewährt. Elisabeth war voll stolzer Siegesfreude. Die Berichte Sir Francis Drakes, die ihr das mit reicher Beute heimgekehrte Schiff gebracht, boten ihr nicht allein einen gegenwärtigen Triumph, sondern auch die Bürgschaft zukünftiger Siege. Vermochte eine so kleine Schar dem Feinde so ungeheuren Schaden zuzufügen, über hundert Schiffe zu vernichten, ungefährdet an den feindlichen Küsten hinzusahren und den stolzen Gegner zu verhöhnen: so brauchte sie nicht mehr zu zittern, wenn sie die ganze Kraft ihres Volkes den drohenden Gefahren entgegenstellen wurde. Die Nachrichten über die kolossalen Rüstungen Spaniens waren daher ganz ohne Beängstigung für sie, ja hatten einen verlockenden Reiz für ihren muthigen ©um. Mag er kommen, der übermüthige Herrscher, der nur Sclaven, niedergeworfen vor seiner Gemalt, haben wollte, und seine riesenhafte Armada für unüberwindlich halten und mit diesem stolzen Namen benennen: eine freie Nation beugt sich nicht, in einer freien Nation vereinigen sich alle Kräfte, erheben sich alle Geister und alle Arme, und in solchem Bunde liegt die Gewährschaft des Sieges. Elisabeth wusste, dass mit dem Augenblicke, wo die spanische Flotte an Englands Küste erscheinen werde, es keine politischen und keine religiösen Parteien in ihrem Volke mehr geben, dass Katholik und Puritaner, Hochkirchlicher und Dissidenten sich vereinigen würden, um den letzten Hauch und den letzten Penny für die Freiheit Englands einzusetzen. So überließ sie sich in dieser Stunde ganz dem Gefühle des Glückes über die schon setzt errungenen Erfolge. Als Marie Nunes in das Gemach der Königin eintrat, empsieng sie Elisabeth mit dem wohlwollendsten Lächeln. „Bist Du wieder einmal da, mein krankes Vögelchen!' rief sie aus, „sei Uns willkommen; Du triffst Uns in guter Stunde . . . aber wie" — hielt sie plötzlich inne — „was ist Dir? Deine Augen schwimmen in Thränen? Hat jemand gewagt. Dir etwas zu Leide zu thun? . . ." „Gewiss nicht, erhabene Königin," antwortete Marie, sich tief verbeugend. „Wen die Majestät unter den Strahl ihrer Gnadensonne stellt, dem erkühnt sich niemand zu nahe zu treten. Ach, königliche Hoheit, Ihr habt das Füllhorn Eurer Huld so ganz auf ein armes, verlassenes Mädchen ausgeschüttet — und doch komm; ich, um eine neue Gunst zu erflehen —" Marie sank vor der Königin auf die Knie, und hob ihr schönes Antlitz bittend zu ihr auf. Die Königin sah verwundert auf sie nieder und streckte ihre Hand ihr entgegen. „Steh auf, Marie. Kind, was hast Du denn Großes, Du setzest Uns in Erstaunen ..." „Gnädige Königin" — und das Haupt Mariens senkte sich woll tiefer Trauer — „ich bin eine vaterlose Waise geworden — ich habe die Rachricht empfangen, dass mein Vater heimgegangen . . ." „Hm, hm," sagte Elisabeth und legte die Hand auf das Haupt Mariens, das sie sanft streichelte; „armes Mädchen, ich bedaure Dich —" „Und nun erflehe ich von Eurer Majestät, mir zu gestatten, mich wegen der Trauer um meinen Vater vom königlichen Hofe zurückziehen zu dürfen." „Ei, ei, das thut mir leid. Wir werden ein glänzendes Siegesfest feiern, prächtig wie noch keines, da hätte ich mein schönes Kind gern um mich gehabt — doch ist Deine Bitte gerecht — es thut mir sehr leid, dass dies gerade jetzt gekommen, um meinet-, Deinet- und noch eines anderen wegen — und wohin willst Du Dich zurückziehen? Wir wollen —" „In das Haus des alten, bewährten Freundes meiner Eltern", unterbrach Maria schnell die Rede Elisabeths, „in das taus des Zoega, wo mein Bruder Manuel mit mir die Zeit der rauer verleben wird." „So, so. Zoega, der Katholik," murmelte die Königin, und war offenbar verdrießlich hierüber. „Wir Hütten Plätze genug, wo Du in Einsamkeit leben könntest. Ich kenne die Bräuche Eures Landes nicht, wie lange dauert denn die Trauerzeit bei Euch? Wanu gedenkst Du, zu Uns zurückzukehren?" „Ach, Majestät", erwiderte Marie, und in ihrer Stimme klang ein Zittern der Beängstigung — „es ist nicht bloß der Brauch und die Sitte, denen ich folge; mein Herz ist der Trauer so voll, dass ich nicht weiß, wann das Lächeln der Freude zu mir zurückkehren werde. Erhabene Herrscherin, mein Platz ist nicht au Eurem königlichen Hofe. Von niederer Herkunft, von einem Volke, das man verachtet, das man öffentlich dem Hohne und der Verspottung preisgibt, von einem Glauben, den man nicht duldet und innner wieder aus den Grenzen der Reiche weiset, ihm keine Spanne Raum, keinen Fuß Erde zu friedlicher Stätte gönnend — wie sollte ich die Vermessenheit besitzen, mich noch ferner in die glänzenden Reihen der Großen und Mächtigen 311 drängen, die um Den leuchtenden Thron Eurer Majestät sich scharen!" Elisabeth runzelte die Stirn. Ein boshafter Blick fiel aus ihren Augen auf das Mädchen, das zitternd vor ihr stand, und doch mit so vielem Freimulh und mit so vieler Bestimmtheit sprach. Sie fühlte den Vorwurf wohl heraus, der in Mariens Worten lag. „Willst Du da hinaus? — Du bist eine Thörin, und ich will von dergleichen nichts hören. Alles, was Du da sagst, ist nichtiger Kram, Einbildung kindischer Phantasie. Gott's Wunder, der Herzog von Devonshire hat Dir seine Hand angeboten, und die Herzogskrone meines lieben Nevil deckt alle die Schwächen Deines Stammbaumes. Und was diese nicht deckte, vermag meine königliche Hand, die aus jeglichem Holze einen Edelmann schnitzen kann." Aber auch Marie Nunes hatte bei der Rede der Königin die ganze Kraft ihres Charakters wieder gewonnen. Sie blickte ruhig der Königin ins Antlitz und sprach mit fester Stimme: „Eurer Majestät tiefer Blick ins Menschenherz weift sehr wohl, dass des Menschen Glück und Unglück sich nach dem Maße seiner Gedanken und Gefühle richtet. Blag es Phantasie, mag es Borurtheil und beschränkter Sinn sein, er kann nur von dem leben, was seinen Geist erfüllt, was sein Herz durchlebt. (Fortsetzung folgt.) KRANKENFAHRSTUHLE solid gebaut und in eleganter Ausführung v. tl. 3.C0 aufwärts Eisenmöbelu. Kinderwagenfabrik H e 0 p 0! c! Walker, Wien V/„ Diehlgasse Nr. 19 (nächst dem Hundsthurmerplutz). Illustrierte Preiscourante gratis und franco. | Bestbekanntes I Restaurant 1 Bernhard Kohn WIEN II., Treustrasse 12 Vorzügliche Küche. Naturweine. Biere aus den renommiertesten Brauereien. — Massige Preise. Abonnement billigst. Ein jüdisches Mädchen sucht Posten als Brantweinverschleisserin. Angebote erbeten an J. Tandler, X., Humboldtgasse 12,3. Stock, Thür 32. fhierheilanstalt Thierarztes S. REISS WIEN XVI/,, Grundsteingasse 29 u. 31 Übernimmt kranke Thiere in Behandlung. Preis pro Tag und Kopf fl. 1.20, für kleinere 50 bis 75 kr.!Auf Thetlzahlung! ohne Preiserhöhung. fjcrrcnhlribcr und) Maß solid und elegant ausgeführt bei H. Schmetterling IX., Liechtensteinstraste Nr. 10 A. Correspondenzkarte genügt. Auf Wunsch! komme ich m tMuster-Colleetion inSHauS. Vis Triester Kaffee-Niederlage C. Jacober, Wien, IX., Althanplatz II versendet täglich frisch gebrannten Kaffe« in anerkannt vorzüglichen Qualitäten zu den fabelhaft billigen Preisen, pe. Kilo k fl. 1.30, 1.60, 1.70, 1.90, 2.10, ferner rohen Kaktee per Kilo k fl. l.lo, 1.30,1.50, 1.70 1.90, in Postpaketen k 5 Kilo franco jeder Poststation. — Sparkaffee per Kilo 86 kr. 142 nw Restauration ISIDOR HIRSCH in „zum goldenen Widder“ II., Taborstrasse Nr. 36 vorzügliche Küche, Lager-Bier aus den renomiertesten Brauereien. Ausschank von Original österr. und Ungar. Weinen. Praclitlocalitäten für Hochzeiten, Diners etc. Täglich Vorstellung der besten Kunstkräfte. - Nach dem Theater frische Küche. - Garten-" ' im Kofel Central, II., Taborstrasse 8. Einladend schattiger, staubfreier, prachtvoller Garten. — Elektrische Beleuchtung. Schön gedeckte Veranda. Springbrunnen und Fischteich. Zu jeder Tageszeit frische Fische. Exquisite Küche, civile Preise. Pilsnerbier aus der Genossenschafts-Brauerei. Lager- und bayrische Biere aus den renommiertesten Brauereien. Grosse Saallocalitäten und Chambres separees für Vereine, Hochzeiten, Banketts etc. etc. stehen jederzeit zur Verfügung. SändOP Golrillßr, Restaurateur. Magnetische Behandlung naturgemässes Heilverfahren, vorzüglich bewährt gegati acute und chronische seihet veraltete Krankheiten, insbesondere Gicht, Rheumatismus, Neurasthenie, Nervosität, Nervenschmerz, Lähmungen, Krämpfe, Kopfschmerz, Migräne, Sclilafosigkeit, Her/-, Magen, Darm-, Lungen- und Irauenkraukheiten, Geschwüre und Drüsenschwellungen, sowie Entkräflungszustände aller Art, in der Ordinations-Anstalt des Dr. Robert Schmidt Ordination: 10—12 und 2—5 Uhr, IX., Nussdorferstrass8 16. Lieferant des Vereines der k. k. Staatsbeamten Oesterreichs. Reichhaltiges Lager aller erdenklichen handgearbeiteten Schuhwaren za concurrenzlosen, auf den Sohlen ersichtlichen Preisen. R-i BosUilungun genügt die Massangabo laut oben im Gliche ersichtclier Nummern mi r die gewöhnliche Schuhnummer. Provinzuufträge werden gegen Nachnahme effectuiert u. Mchtconenierendes boroitwil igst umgetauscht. Mitglieder obgonannten Vereines erhalten 5% Rabatt. Schuhwaron*Etablissement „FORTUNA“ Wien, IX., Nussdorferstrasse 9. "1^3 Hotel und “sait Restaurant Guth Wien,!!., Stefaniestiasse Nr. 6 u. 8 für Diner*, Hochzeiten u. festliche Veranstaltungen. Bestrenommierte Küche, grosse Speise-Säle und elegante Passagierzinmier. Elektrisch beleuchtet. Grosse Auswahl bester Gattungen Oesterreich., Ungar, und Ausländer Weine, Schwechater und Pilsner Biere. Trotz höchster Eleganz decente Preise. Reservierte Locale' für Vereine u. geschlossene Gesellschaften. Möbellager undTischlerei H. Schwarz Wien, XU., Migazziplatz 7 (Meidlinger Kirche) Möbel billigst gegen bar oder auch Theilzahlung. Kinderwagen Besondere Specialität: modernster Conslruction u. vorzdg- _ liebster Qualität, von 4 fl. aufwärts. Sitz- und Liegewagen Hier J. Ffuzicka Wien IX., Liechtensteinstrasse 6, Ecke Kolingasse. Billigste Bezugsquelle in Bettwaren. (Reparaturen billig.) Rouge - Decken von fl. 1.60 aufw., Satin u.Allas-Satin-Decken von fl. 3.— aufwärts, Flanelldecken, Kotzen u. Kinderdecken, 3thei!. Seegras- Matratzen fl. 4.50. aus Afrique fl. 5.50, 3theil. Rosshaar-Matratzen von fl. 7.— aufwärts, Bottgamituren und Bettwäsche, Kinderwagen um jeden Preis, Kastenbetten, tapezieit fl. 11.—, mit Drahteinsatz u. 3theiL Matratze fl. 15.50, verspannt mit Btheil. Matratze fl. 11.50, Draht-Einsätze von fl. 5.—aufwärts, Kinderbetten staunend billig, Bettfedern und Flaumen und ganze Brautausstattungen sehr billig. JENNY Specialistin in Haarfärben und NageIpfiege VI., Mariahilferstrasse Id, 1. stock, Casa picola. -Billigste Preise. - -.~=- Solideste feinste Bedienung. Englische und französische Conversation. — Von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. 3 Cafe Sfosef Schuch II., Obere Donaustrasse 47 (vis-ä-vis der Augartenbrücke). Vier neue Seifert-Billards mit Präcisionsmantinels. 4- Täglich geöffnet bis 3 Uhr früh. 4- Separierte Spielzimmer. — Vorzügliche Erfrischungen. Brettel-Jalousien d mit Bändern oder Ketten J in allen Farben und Ausführungen. £ Schattendocken für Gewächshäuser, Holz* Roleaux in allen Farben und Dessins, Fenster* Flachen (Leinen-Roleaux), Selhstthätige Eoleaux (echt amerik. „Fios“) neuester Systeme. ä JL. J anak vormals Ignaz Roidner Wien, V/1( Sonnenhofgasse 6 (sonnenhot). tr i M Kaffeeu. Thee- —— Versandt-Haus Karl fJeides Wie». XV!., Grimdsteingasse Nr. 6t, offeriert: fl. fl. 1 Kilo feinst Santos- Kaffee, roh 1.10, gebrannt l.:-X) 1 „ Rio-lave „ „ 1.25, „ 1.48 1 „ Jamaika- „ „ 1.50, „ 1.73 1 * Perl- „ „ 1-30, „ 1.53 1 „ „ Portorico- „ „ 1.60, „ l.üO 1 „ Liberia- „ „ 1.50, „ 173 (Riesenbohneu) Zwei beliebige von diesen angeführten Sorten eignen sich als Mischung und geben den feinsten, kräftigsten, aromatischen Kaffee. 1 Kilo garantiert echter Sultan-Feigenkaffee . . 33 kr. 1 „ Malzkaffee.30 h. Dieser Malzkaffee ist aus dem kräftigsten Bierbrauer- Malz hergestellt und ist für Kinder und Magenleidende bestens zu empfehlen. fl. V, Kilo Thee, feinst Souchong.1.25 1:„ „ „ „ Mandarin.1.80 v2 „ „ „ Ningschow ©OH0O.2.— V, „ „ hochfein Kaiser-Melange.3.— „ „ „ Mandarin (Orange-Geschm.) 3.25 >/, „ „ „ Moskauer Mischung . . . h— 1,2 „ „ „ Karavanen-Pecco-Blüte . . 3.— 1 Liter echter, alter Jamaika-Rum.2.50 WW- Provinz-Versandt per Nachnahme ab Wien oder gegen Vorhereinsendung des Betrages. IIS Emballage wird nicht berechnet. Loco Wien von 5 Kilo an franco ins Haus gestellt. Kaffee- und Feigenlraffee-Köffeeei mit Dampfbetrieb. ^79481