Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 24 (15.6.1900)
- Date
- 1900-06-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 15. Juni 1900 Nr. 24 Igkvb Tirado. Geschichtlicher Roman von Ludwig Philippsohn. (Fortsetzung.) Damals, wo es noch keine Zeitungen gab, welche täglich rin paarmal alles veröffentlichten, was geschieht, was die Leser interessiert und nicht interessiert, war die Welt nicht um ein Haar weniger neugierig als jetzt, und die mündliche Ueberlieferung stand in umso höherem Werte und wurde umso eifriger betrieben. Es gab Zwischenträger, die sich ein Gewerbe daraus machten, Neuigkeiten zu erfahren und in aller Weise zu verarbeiten, wobei dann auch Konsistenteres wie eine Flasche Ale, ein Frühstück oder Mittagsbrot für sie abfiel. Jedes ankommende Schiff war für diese Leute ein Wallfahrtsort, nach welchem sie sich unter allen erdenklichen Vorwänden drängten, wobei sie selbst mancherlei Verkleidungen nicht scheuten. War nun ein solches gar mit Geheimnissen umgeben, so ward es der Gegenstand des höchsten Verlangens, des unüberwindlichsten Eifers, bis die dunkle Hülle vor den Augen der Wahrheitsforscher gefallen. Dass die fremden Gesandten es auf solche Kundschafter am ehesten absahen und dergleichen in ihrem Solde hatten, kann man voraussetzen. Es lag in ihrem Geschäfte. Es kann daher nicht wundernehmen, dass die Sage von dem, wie es sich eigentlich mit jenem portugiesischen Fahrzeuge verhalte, das brausten in der Themse abgeschlossen vom User lag, sich bald verbreitet hatte und vielleicht zuerst der sioanische Gesandte, Herzog von Ossunna, davon vernahm. Die Voraussicht Elisabeths erfüllte sich daher schon am anderen Morgen, und der eben genannte Herzog bestürmte den Großsiegelbewahrer mit Protesten und Zurückforderungen und ließ nicht undeutlich verstehen, daß eine Anerkennung und Aufnahme des portugiesischen Prätendenten von seinem Hofe als ein casus belli angesehen werden möchte. Lord Burleigh dankte es daher im Stillen seiner klugen Königin, ihm ein Mittel gegeben zu haben, den Gesandten zu beschwichtigen, ohne ihm auch nur einen fingerbreit Zugeständnisse zu machen. Er wies auf die Gefangennehmung des Schiffscapitäns als einen Beleg hin, mit welcher Vorsicht seine Negierung diese verwickelte Angelegenheit aufnehme, welche Bedeutung sie ihr beilege und wie sie dieselbe wahrscheinlich im Sinne der spanischen Regierung erledigen wird. Umso wichtiger musste die Sitzung des Geheimen Rathes an diesem Tag erscheinen. Lord Burleigh sah ein, dass die Stellung zu Spanien bereits seit längerer Zeit durch mancherlei Händel, durch die beiderseitige Unterstützung ihrer Feinde, durch die Ablehnung der Bewerbung Philipps um die Hand Elisabeths und dergleichen mehr erschüttert, jetzt an einen Wendepunkt gekommen. Er selbst, im Herzen den Puritanern zugeneigt, war stets ein entschiedener Gegner Spaniens und hatte seit lange für den offenen Kampf mit dieser Macht gestimmt — Grund genug für Graf Leicester, der religiöse und kirchliche Gegenstände mit Gleichgiltigkeit, ja mit Spott ansah, und für ferne Partei, sich mit aller Macht dagegen zu stemmen und einen Stein des Anstoßes nach dem anderen, so gut es gieng, beiseite zu schieben. Es galt daher heute eine Entscheidungsschlacht nach innen und nach außen. Zur festgesetzten Zeit versammelte sich der Geheime Rath und harrte des Erscheinens der Königin. Diese, streng pünktlich in allen Staatsgeschästen, ließ auch uicht lange auf sich warten und eröffnete die Sitzung. Sie forderte Lord Burleigh auf, seine Relation über den vorliegenden Gegenstand zu verlesen, und er that dies mit der Bündigkeit und dem Applomb, welche ihm eigen waren. Elisabeth .nickte ihm beifällig zu und forderte ihn auf, nunmehr auch seine Ansicht auszusprechen und einen Antrag daran zu knüpfen. „Myloros," sagte sie, „Ihr werdet einsehen, dass Uns zwar eine doppelte Frage vsrliegt, die aber im Grunde doch nur eine und dieselbe ist. Wir müssen Uns entscheiden, ob Wir den portugiesischen Prätendenten in seinen Rechten als König des Uns verbündeten Landes anerkennen und mit. königlichen Ehren empfangen wollen, und ob derselbe einen thätkrästigen Schutz und die möglichste Unterstützung zur Wiedererlangung seines Thrones von Uns erhalten solle. Aber Ihr werdet alle fühlen, dass es Unserem königlichen Herzen nicht anstehen werde, ihm die erstere zu gewähren und den letzteren zu versagen. Und^darum sind beide Fragen doch nur eine." Sie sagte diese Worte mit einem erkünstelten Tone der Rührung, von einem schlauen Blick aus ihren blauen Augen begleitet, dass ihre erprobten Höflinge wohl verstanden, woran sie mit dieser zur Schau getragenen Logik wären. Lord Burleigh nahm aber hiervon wenig Notiz und erhob sich mit aller Würoe und Kraft, die ihm zugebote standen. Er entwickelte die Gründe für die Anerkennung Dom Antonios von allen Seiten, immer voraussetzend, dass ein Bruch mit Spanien hiermit unvermeidlich sei. Was die Rechtsansprüche beträfe, so seien sie durch die Huldigung des portugiesischen Volkes genugsam entschieden. War der Widerstand nicht kräftig genug, so lag dies an der erbärmlichen Regierung, die vorangegangen, die völlig müßig gewesen, während Philipp ein furchtbares Heer an der Grenze längst ausgestellt hatte. Falle Portugal in die Hände Spaniens, so habe England einen treuen Bundesgenossen verloren und Philipp einen bedeutenden Machtzuwachs erlangt, ein doppelter Nachtheil für Britannien. Der Kampf sei unvermeidlich. Die erhabene Königin von England habe sich zu sehr als Hort aller Anhänger der gereinigten Lehre in Europa, Philipp zu sehr als der unbedingte Vorkämpfer des Papstthums erwiesen, als dass der furchtbare Zusammenstoß ausbleiben könnte. Philipp sei hierbei jedenfalls der angreifende Theil. Er habe geschworen, alle Andersgläubigen als verdammte Ketzer auszurotten, und besonders England, einst das schönste Kleinod in der dreifachen i Krone des Papstes, diesem wieder zu unterwerfen, und müsste; es mit Blut überschwemmt werden. Philipp sei es, der unaufhörlich die Irländer zum Aufstande Hetze, sie mit Waffen und , Munition unterstütze und ihnen die Landung eines spanischen i Heeres für baldige Zeit verheißen habe. Es lägen die Beweise : vor, dass dre Zurüstungen in Cadix bereits getroffen würden. 1 Philipp fei es, der die Widersetzlichkeit der Papisten in Schott- ' land nähre, alle schottischen Aufrührer mit Geld unterstütze, und < seine Ennffare bis in die Schluchten des Hochlandes sende, um die Clans zur Erhebung der Waffen gegen ihren angestammten i Herrn und gegen England zu bewegen. In diesem gesegneten; ande selbst stehe er mit den Katholischen in heimlicher Veri bindung und unterwühle durch seine Ränke den ganzen Boden, auf welchem der strahlende Thron der jungfräulichen Königin stehe. Man dürfe daher nicht warten, bis Spanien mit allen seinen übrigen Feinden Frieden geschlossen, wie dies binnen kurzem geschehen sein werde, die Niederlande zu Boden geworfen, , was in naher Aussicht stehe,, und seine.Lanze riesige Macht : gegen dieses gesegnete Jnselreich vereinigen werde. Er stimme : daher mit ganzer Seele für die volle Anerkennung des Königs , von Portugal und für den Angriff auf Spanien in diesem , usurpierten Lande. Die britische Nation würde ihre Anfgabe , glücklich lösen: Gott segne die Königin!" i Diese mannhafte Rede machte auf die Anwesenden einen : tiefen Eindruck; bald aber erhob sich Graf Leicester und sprach : ungefähr: „Er müsse sich geradezu gegen ein Unternehmen eri klären, welches England in einen Kampf stürzen würde, dessen j Ende nicht abzusehen sei. Die Rechtsansprüche des Priors von Erato seien durchaus zweideutiger Art. Das flüchtige Zujauchzen l einer kopflosen Menge habe keine Bedeutung für ihn, sondern! ein Rechtsanspruch sei nur nach legitimen Pergamenten zu be-; urtheilen, nicht nach Angaben ungewisser Natur." Bei diesen i Worten fiel ein scharfer Blick von Seiten der Königin auf den I Redner, denn dieser hatte damit unbedacht den Schatten berührt, t der auf die Rechte Elisabeths in sehr ähnlicher Weife fiel. Er erblasste, denn er fühlte schnell, welchen Fehler er bei gangen, und suchte ihn mit einer umso erhabeneren Stimme und hochklingenden Worten zu verdecken. „Wie," rief : er aus, „will man das große Segenswerk, das die Hand unserer; erhabenen Königin in ihrer Weisheit und Thatkraft allein zustande gebracht hat, diesen Frieden aller Parteien, aller Glaubens- : Meinungen, wieder in Gefahr bringen? Alle Gründe, die der edle Lord aufgeführt hat, sprechen geradezu gegen seine Meinung. Sobald der Krieg gegen Spanien erklärt ist, wird der Papst alle seine Bannflüche loslassen und die katholischen Unterthanen Ihrer Majestät von dem Eide der Treue entbinden und sie zum verzweifelten Aufstande auffordern; die Spanier werden in Irland landen und den Brand auf dieser Insel entzünden; die schottischen Räuber werden in Scharen über unsere Nordgrenze einfallen und , die Verwüstung mitten in das Herz unseres Vaterlandes tragen. Ich weiß es, glänzend wird auch aus diesem Kampfe das Seepter unserer erhabenen Königin hervorgehen und alle seine Feinde zerschmettern. Wir werden ihren Thron umringen und mit unseren Schwertern decken, von denen getroffen, alle unsere Gegner verbluten werden. Aber wozu diesen Kampf Hervorrufen, bevor er nothwendig? Wozu von den Tafeln der Geschichte, auf welche die Größe Englands, die ihm Elisabeth geschaffen hat, verzeichnet ist, auch nur eine mit Blut zu bespitzen? Man hat sich gewöhnt, mit Leichtsinn und Leichtfertigkeit nachzureden — aber ich frage, wer ist der Leichtsinnige, wenn nicht der, welcher uns kopfüber in einen I Krieg um unsere Existenz hineinstürzt, selbst bevor die nöthigen Rüstungen gemacht worden sind. Ich stimme also dafür, diesen flüchtigen Mcknn fallen zu lassen, der sich keine Woche in seinem Lande zu erhalten verstand. Nicht wir wollen den Vorwurf auf uns laden, den Krieg hervorgerufen zu haben. Kann er dereinst nicht vermieden werden, so werden wir ihn um desto siegreicher bestehen, je mehr das Unrecht aus Seiten des Gegner liegt." So sprach Graf Leicester und führte es mit vielen, theils bilderreichen, theils spitzen Worten aus. Lord Burleigh blieb ihm nichts schuldig und erwiderte: „Es ist die Frage, ob das wirklich Leichtsinn ist, wenn nach besonnener Ueberlegung der reckte Zeitpunkt zum Kampfe gewählt wird, oder wenn man in den Tag hineinlebt und von einem zum anderen verschiebt, was doch nicht ausbleiben kann. Uebrigens begreife ich, dass der die Schrecken des. Krieges fürchtet, welcher bisher immer die Trompeten seines Heeres nur zum Rückzuge blasen hörte." Das war ein scharfer Hieb auf die kriegerischen Thaten des Grafen. Er biss sich auf die Lippen und erwiderte mit scharfem Tone.- „Ei freilich, die Herren Federfuchser haben es bequem, den Krieg zu oecretieren, oessen Strapazen und Nöthen, dessen wechselndes Glück sie nicht erfahren.- „Die Herren Federfuchsers, lautete die Antwort, „müssen sehr oft wieder gut machen, was die Helden an der Spitze ihrer flüchtigen Truppen schlimm gemacht. Uebrigens steht es nicht gut an, auf Revolutionäre zu schimpfen und die Legitimität zu verfechten, wenn man gern einmal das gefürstete Haupt der Aufständischen geworden wäre; es sieht dann aus, als ob man diesen nachtrage, dass, sie uns abgewiesen, besser abgeschüttelt haben." Dies war zu viel für einen wunden Fleck in der Vergangenheit des Grafen Leicester. Dieser sprang von seinem Sitze auf, und sein schönes, sonst so ebenmäßiges und lächelndes Angesicht zeigte sich dermaßen von Leidenschaften verzerrt, von Zorn entflammt, dass das Schlimmste zu erwarten stand. Die Königin, die an Wortgefechten vielen Gefallen fand, und deren Augen bei diesem Kampfe ihrer Günstlinge vor Vergnügen funkelten, schlug jetzt mit der Hand leicht auf die Tafel und erhob ihre klangvolle Stimme, die einen imponierenden Nachdruck anzunehmen verstand. „Mylord Burleigh und Graf Leicester," sprach sie, „ich habe Eure Meinungen nun genugsam kennen gelernt, und möchte nun auch die Ansichten meiner anderen weisen Näthe vernehmen; Lord Grey von Vilton, sprechet jetzt Ihr, was ihr von der Sache denkt." Die Worte der Königin waren so entschieden, dass selbst der jähzornige Graf ihnen gehorchen musste. Er ließ sich nieder und schwieg. Aber wenn Blicke durchbohren könnten, so würde an diesem Tage Lord Burleigh nicht nach seinem Hotel zurückgekehrt sein. Lord Grey nahm das Wort: „Ich fürchte, gnädige Königin, wenn Ew. Majestät Dom Antonio jetzt nicht anerkennt, so hat sie dieses nützliche Werkzeug auf immer aus den Händen gegeben. Spielen wir dasselbe Spiel, wie König Philipp gegen uns. Ec sucht Verschworene und Bundesgenossen in unserem Lande, nehmen wir seine erzwungenen Unterthanen zuhilfe, um den Krieg auf die pyrenäische Halbinsel zu übertragen. Eine Nichtanerkennung Antonios wäre eine Anerkennung der Rechte Philipps." Hiergegen erhob sich der Ritter Francis Knollis: „England ist eine Insel und kann sich daher nicht an seinen Grenzen vergrößern wie Spanien, Frankreich und andere Staaten. Wir müssen Besitzungen jenseits des Meeres suchen. Erkennen wir Lake 3osef Schuch II., Obere Donaustrasse 47 (vis-k-vis der Augartenbrücke). Yier neue Seifert-Biilards mit Präcisionsmantiiiels. -+• Täglich geöffnet bis 3 Uhr früh. ■+■ Separierte Spielzimmer. — Vorzügliche Erfrischungen. Zahntechnisches Atelier VITUS NUKI Atelier für die Mitglieder des Lehrerhausvereines WIEN, Döbling, Hauptstrasse (Postgebäude). Halbe Stadtpreise. Sprechstunden 9—6. liefert billigst Buchdruckerei „INDUSTRIE“ Wien, VIII.) Schlösselgn8se 11. HEVER* Büsten L Puppen für Herren- und Damenschneider genau nach Körpermass beim Erzeuger Wien, XIV. Bez., Geibelcjasse 25. Dom Antonio an, so. haben wir nicht das Recht, in die Portugiesischen Colonien einzufallen und sie uns zueigen zu machen, da sie dann zu den Besitzungen unseres Verbündeten gehörten." „Ich möchte das Gegentheil behaupten," wandte der tapfere John Norris ein. „Da die Spanier sie jetzt besetzt halten und sie der spanischen Krone gehuldigt haben, sind wir verpflichtet, sie dem Feinde zu entreißen, und können uns bei dem künftigen Friedensschlüsse einen nickt unbeträchtlichen Theil als Entschädigung für unsere guten Dienste ausmachen." „Ei, meine Herren," warf lächelnd Elisabeth ein, „da wären Wir ja bereits wieder beim Friedensschlüsse angelangt und beriechen dessen Präliminarien, bevor Wir noch zu dem Entschlüsse gekommen, Uns zum Kriege zu rüsten. Ich danke Euch Allen für Euren offenen und guten Rath und möchte zum Schlüsse nur noch diesen schweigsamen William Rogers hören. Willst Du Uns denn ganz Deines Beistandes berauben und Deine Weisheit ganz für Dich behalten, wackerer Rogers? Oder läßt Du Uns hier im Schweiße Unseres Angesichts streiten und denkst dabei nur an tie Kniffe und Listen, mit welchen Du auf der nächsten Jagd den Fuchs ganz sicher aus dem Loche bringen willst?" Sie hatte sich hierbei zu dem Angeredeten hingewendet und lächelte ihm mit einer schlauen Miene zu, der bis jetzt allerdings der heftigen Debatte schweigend, wenn auch mit großer Aufmerksamkeit gefolgt war. Jetzt erwiderte er: „Ach, erhabene Königin, mögen alle Eure Gegner so gewiss in ihren eigenen Löchern verenden, wie es mit denen geschieht, die um Rogerstown ihre rothen Schwänze auf der Erde schleifen lassen. Was aber die Sache betrifft, die hier verhandelt wird, so habe ich das Herzeleid, dass ich nicht einmal mit Ew. Majestät übereinstnnme. Ich mag ein Fuchs werden, wenn ich einsebe, warum meine Königin ihrem großmüthigen Herzen nicht folgen und jenem guten, vertriebenen Manne nicht alle Ehra anthun solle, ohne es nicht in ihrer Hand zu behalten, wann und wie sie ihm helfen wolle. Mag beides immerhin eines sein, wie Ew. Majestät gesagt, aber in der Zeit kann es sehr weit voneinander liegen, und habet Ihr dann einen Stachel mehr für den König Philipp, mit dem Ihr ihm so lange droyen könnet, bis es Euch gefällt, ihn in seine schwächste Seite einzuschlagen." Elisabeth lachte hell auf, als ob sie nun endlich vernommen hätte, was sie vom Anfang an hören gewollt, und was jene Streithähne um ihres persönlichen Kampfes willen übersehen hatten. „Gott's Wunder," rief sie aus, „Du hast schon wieder einmal das Schlüsselloch getroffen, das meine weisen Räthe vergebens gesucht. Du hast recht, Lord Burleigh, Wir müssen dem Könige von Spanien zum Trost die unzweifelhaften Rechte Dom Antonios anerkennen. Das Weitere wird sich finden. Wir schrecken vor dem Feinde nicht zurück, und er muss sehen, dass wir ihn nicht fürchten. Das ist vorerst genug. Wir müssen daher Dom Antonio feierlich empfangen und ihm alle Ehre anthun, ohne ihm das geringste Versprechen zu geben. Ihr werdet aber alle einverstanden sein, dass dies ein Geschäft ist, wozu allein unser Graf Leicester befähigt ist. Mein lieber Graf, Du allein kannst mit ritterlicher Würde Unsere Person bei dem Könige von Portugal vertreten, und Wir schmeicheln uns, dass Du dies mit der gewohnten Courtoisie vollbringst, die Dich Uns stets so wert gemacht." ,1 Graf Leicester verbeugte sich. Er war etwas verwirrt, den » es klang ihm aus diesem schmeichelhaften Lobe doch etwa! > Ironie hervor. Aber es war ihm zu angenehm, überall aii der erste Vertreter und vertraute Günstling der Königin vor der'' Welt zu erscheinen, als dass er nicht, die vorangegangene Aufregung schnell vergessend, sich diesem Austrage willig unterzogen hätte. Dabei tröstete es ihn nickt wenig, dass auch sein Gegner im Grunde genommen nicht Recht behalten. Er beschloss daher, bei dem Empfange des fremden Gastes den möglichsten Pomp zu entfalten. Einige Tage später kam die Nachricht, dass die „Volocitas" sammt der spanischen Prise die Themse heraufiegle. Es wurden alle Vorbereitungen getroffen, um sie, sobald sie im Hafen die Anker ausgeworfen, zu empfangen. Die Königin hatte bestimmt, dass Dom Antonio in das prächtige Montaguehouse ausgenommen werde. Dieser Palast, berühmt wegen seiner Fresken, die von der Hand großer Künstler herrührten und die ganze Bevölkerung des Olymps in den mannigfaltigsten Situationen darstellten, und wegen der glänzenden Ausrüstung an Möbeln, Teppichen und Vorhängen, lag nicht weit vom Strande, ein wenig nördlich von Holburne, von einem herrlichen Garten und Park umgeben und doch an Weiden und Kornfelder grenzend, so dass er dem damals vornehmsten Stadtviertel angehörte und trotzdem die Freiheit und die Freuden des Landlebens gewährte. Graf Leicester konnte den erlauchten Gast zu Wasser bis nahe an den Palast bringen, zu dem dann vom Ufer her eine mit Teppichen belegte Straße führen konnte. Am Morgen des nächsten Tages, nachdem die beiden Schiffe angekommen, fuhr eine kleine Flotille von Jachten zu den Schiffen hin. Alle diese kleinen, bequemen, leichten Fahrzeuge waren mit verschwenderischer Pracht ausgerüstet. In den mannigfaltigsten Formen, mit den buntesten Schnitzereien in kostbaren Hölzern verziert, waren sie mit Teppichen, Baldachinen, Flaggen und Wimpeln in allen Farben behängt, und blitzende metallene Zieraten überall angebracht. Ebenso waren die Ruderer aufs feinste und zierlichste gekleidet, dem Charakter entsprechend, welchen die Form und die Farben der Jacht hatten. Einem Fahrzeuge, welches von einer zahlreichen Musikbands besetzt war, folgte zuerst die Jacht der Königin, in wrlcher sich der Graf Leicester mit einigen Hofbeamten höheren Ranges befand; hierauf kam die Jacht Lereesters selbst, die an Pracht und reicher Verzierung der königlichen nichts nachgab, von Hausbeamten des Grafen besetzt; und hieran schlossen sich viele Jachten von der Partei Leicesters. Es verstand sich von selbst, dass dieses Schauspiel eine ungemeine Menschenmenge herbeizog, die theils am Ufer sich drägte, die Strandhäuser bis a lf die Dächer besetzte, theils in Kähnen und Nachen aller Art aus dem Flusse sich hin- und herbewegte und, soweit es angieng, der Flotille des Grafen folgte (Fortsetzung folgt.) Restauration ISIDOR HIRSCH „zum goldenen Widder“ II., Taborstrasse Nr. 36 vorzügliche Küche, Lager-Bier aus den renomiertesten Brauereien. Ausschank von Original österr. und Ungar. Weinen. Prachtlocalitäten für Hochzeiten, Diners etc. Täglich Vorstellung der besten Kunstkräfte. .— Nach dem Theater frische Küche. >>-> > Die Triester Kaffee-Niederlage C. 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