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Jüdisches Volksblatt · 1900-05-18 · 20 (18.5.1900) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
20 (18.5.1900)
Date
1900-05-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 18. Mai 1900 Nr. 20 tiven und 35 in die der provisorischen. Es stehen von den ersteren im 19. Dienstjahre.1 „ 18. .. .1 ,17.t 15 •> während die provisorischen folgende Dienstzeit besitzen: im 14. Dienstjahre.1 , 0. 11 .1 tt ö. „ Bei dieser trockenen, statistischen Betrachtung drängt sich uns die Frage auf, welcher materielle Vortheil demjenigen erwächst, der das Definitivum erreicht? Die ganz unbedeutende Zulage, die sich Quartiergeld nennt, von 240 Kr. bei männlichen und 180 Kr. bei weiblichen Lehrpersonen. Man beachte dies Quartiergeld genau! 240 Kr. jährlich für eine Familie, die mindestens Zimmer, Küche und Cabinet benöthigt — in der Großcommune Wien! Bon weitaus größerer Tragweite gestaltet sich bei Erlangung einer definitiven Stelle das berufspolitische Moment, ein durchaus öconomischer Factor: Alterszulagen (Quinquennien), Pensionsberechtigung und Festigung des Dienstverhältnisses. Und dieser ohnedies nicht mit Rosen besäete Weg wird den jüdischen Lehrkräften von der christlich-socialen Partei in brutalster und rücksichtslosester Weise nunmehr seit vier Jahren verrammelt. Präterierung auf Präterierung häufen sie aus politischer Programmflunkerei: Aus „principiellen" Gründen lassen die Männer mit den christlichen und socialen Anschauungen Familien darben. Trotz aller Bestrebungen seitens der Schulbehörden, trotz der Neben- und Bürgerschul-Prüfungen, die mehrere der jüdischen Lehrpersonen besitzen und trotz vorzüglicher dienstlicher Qualification, werden die jüdischen Unterlehrer und Unterlehrerinnen, von weitaus dienstjüngeren Competenten überflügelt. Landläufig bezeichnet man solche Art von Avancement als Protections- Wirtschaft. Wie arg diese aber bei Lehrstellen-Besetzungen getrieben wird, sollen einige Zuschriften, die in unserer Redaction einliefen, beweisen. Wir lassen nur jene folgen, welche die ernstesten Fälle darthnn, um so unserem Leserkreise über das „humane" christliche und sociale Wirken unseres Stadtrathes die Urtheilsfällung leichter zu machen. S. F., 10 Dienstjahre, prov. Unterlehrerin, wurde präteriert, weil diese Stelle eine Lehrperson, die erst 3 Dienstjahre zählte, aber „Schriftführerin des Wiener christl. Frauenbundes" ist, erhalten sollte. M. G., 15 Dienstjahre, des. Unterlehrer, seit (> Jahren an Bürgerschulen, Vater von 5 Kindern. R. G., 14 Dienstjahre, des. Unterlehrer, besitzt fünf Belobungen, ertheilt den Unterricht an schwachsinnige Kinder freiwillig. R. M., 18 Dienstjahre, des. Unterlehrer, hat für eine jüngere Schwester, die in einer Heilanstalt bei Wien Gesundung erhofft, durch fast 800 Kr. jährlich aufzukommen. Es ist nur zu begreiflich, dass Verzweiflung diese Lehrkraft zuweilen unterrichtsunfähig macht. I. F., 14 Dienstjahre, des. Unterlehrer, an Bürgerschulen thätig, im Besitze von Belobungen, Vater von 4 Kindern. Th. K., 14 Dienstjahre, des. Unterlehrerin, erzählt, dass ihr immer und immer wieder Colleginnen mit 3—4 Dienstjahren vorgezogen wurden. Diese Reihe von Martyrien jüdischer Lehrpersonen könnten wir noch durch einige Seiten fortsetzen. Wir haben nur die trostlosesten Fälle vorgeführt. Wir erwarten aber zuversichtlich, dass die jüdische Wählerschaft, aber nicht nur diese, sondern auch die wahrhaft freisinnig und fortschrittlich denkenden Wählerkreise, von der Schmach und Schande, die mit der Präterierung jüdischer Lehrkräfte — nur wegen ihrer Volks- und Glaubenszugehörigkeit — der Reichs- Haupt- und Residenzstadt Wien zngefügt wird, überzeugt, fest gewillt sind, bent Thun und Treiben der christlich-socialen Partei im Wiener Gemeinderathe mittelst des vielvermögenden Stimmzettels ein überraschendes Ende zu bereiten. Und dies nur ganz allein: dem Wohle und der Ehre unserer Stadt zuliebe! Praeceptor. 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Der Eigenthiimer des bekannten, in Wien altrenommierten Uhren- Etablissements Herr Wilhelm Köllmer hat einen neuen, mit etwa too Illustrationen versehenen Preis- und Musterkatalog erscheinen lassen und versendet denselben unentgeltlich. In diesem Buche findet man Uhren verschiedener Systeme und Ausstattungen. Herr Köllmer wendet sein Augenmerk hauptsächlich auf Uhren mit nur verlässlicher Construction, sicherem und doch wenig eompliciertem Mechanismus und eleganter Ausstattung. Die Uhrenwerkstätte des Herrn Wilhelm Köllme r (Wien, IX., Servitengasse 1) empfiehlt sich als billigste Bezugsquelle anerkannt dienstbarer Uhren und leistet drei Jahre Garantie. Briefkasten. R. Politzer, hier. Ihr Schreiben hat uns recht amüsiert. Antworten Sie jeder Redaction so, die Ihre Arbeiten nicht ausgenommen hat, dann werden sich noch viele amüsieren. Wenn Sie deutsch so könnten, wie Sie lateinisch zu können vorgeben, dann können wir ja am Ende doch noch etwas von Ihnen annehmen. Daran soll uns Ihre elastische, nein, Ihre jüdische Grobheit nicht hindern. Adolf L. Gewiss. Der Volksverein befasst sich nicht mit religiösen Fragen; er wirkt nur im nationalen Sinne. S. I. in M.-W. Eine Firma, die I a h r z e i t t a b e l l e n verkauft, kennen wir leider nicht. Vielleicht meldet sich auf diese Auskunft hin eine solche, dann werden wir Ihnen ihre Adresse bekannt geben. P., Lemberg. Den Namen der Betreffenden können wir ohne Ermächtigung nicht nennen. Auch wir verfolgen die Idee; leider sind unsere Eapitalisten augenblicklich gar nicht unternehmungslustig. Sobald wir einen ernsten Interessenten finden, werden wir ihn an Sie weisen. Turnverein „Bar-Kochba". Ihr Antrag ist uns ivillkommen, das Blatt geht Ihnen zu. Glück auf den Weg! U. G., hier. Dass Oblomow d. I. ein Jude ist, konnte man sich denken; ein Christ muss schon sehr verkommen sein, wenn er das Judenthum so verhöhnt. Dem jüdischen Journalisten geht eben ein wenig Geistreichthum über jede Ehre. Er verspottet seine eigene Nase, wenn er nur geistreich sein kann. H. L., Boryslaw. Leider lag der in Ihrem Schreiben avisierte Aufsatz nicht bei. Vielleicht senden Sie ihn nach; er könnte eine kleine Schilderung der Zustände enthalten. S. H., Krakau. Wir können Nachweisen, dass Ihr Manuscript abgegangen ist und es ist uns unerfindlich, wieso gerade dieses verloren gegangen sein sollte, während alle anderen, gleichzeitig abgesandten, angekommen sind. Wir beharren auf unserem Rechtsstandpunkte, da wir für derartige Angelegenheiten keine andere Norm kennen. Magnetische Behandlung naturgemäSSOS Heilverfahren, vorzüglich bewührt gegen acute und chronische selbst veraltete Krankheiten, insbesondere Gicht, Rheumatismus, Neurasthenie, Nervosität, Nervenschmerz, Lähmungen, Krämpfe, Kopfschmerz, Migräne, Schlaflosigkeit, Herz-, Magen, Darm-, Lungen- und Frauenkrankheiten, Geschwüre und Drüsenschwollungon, sowie Entkräftungszuständo aller Art, in der I Ordinations-Anstalt des Dr. Robert Schmidt Ordination: 10—12 und 2—5 Uhr, IX., Nussdorferstrasse 16. I Heute u. täglich h,8 Uhr abends: „Persien“ Grosses Manege-Schaustück. Original-Pantomime des Circus Busch, dargestellt von 500 Personen. Sensationellster Erfolg. Ausserdem: Auftreten der erstclassigen Künstler- und Künstlerinnen sowie der besten Clowns. Vorführen und Vorreiten vorzüglichster Freiheils- und Schulpferde. Jeden Sonn- und Feiertag 2 grosse Vorstellungen, um 4 Uhr und '/,8 Uhr. (Nachmittags Kinder auf Sitzplätzen halbe Preise.) 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