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Jüdisches Volksblatt · 1900-03-30 · 13 (30.3.1900) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
13 (30.3.1900)
Date
1900-03-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Soite 2 Wien. Freitag Jüdisches Volksblatt :}<). März 1000 Nr, 1:1 und die infolge der allgemeinen Geschästsstocknug, Arbeits- und Erwerbslosigkeit bis zur Unerträglichkeit gesteigerte 4kvthlage namentlich der zahlreichen moldauische» ^ndenschaft machen es leicht begreiflich, dais die auch allerdings auch durch zionistische Einflüsse geförderte Auswandernngsbewegnng unter den rumänischen Israeliten immer größere Kraft zieht. Um den meist von allen Mitteln entblößten Answandernngslnstigen die nöthige materielle Unterstützung bieten zu können, haben sich die israelitischen Wohlthätigkeitsvereine zum gemeinsamen Vorgehen geeinigt. Wie verlautet, soll bereits im Frühjahre eine 6000 Köpfe starke Expedition nach Cypern abgehen, wo die israelitischen Ansiedlnngen nicht mit solchen Hindernissen zu kämpfen haben, wie in Kleinasien. Vom Tage. Die Mandatsniederlegmrg der Wiener Gemeinderaths-Minoritat hat für uns Juden ein nur untergeordnetes Interesse. Das Wohl und Wehe des Judenthnms hat diese Minorität stets so wenig gekümmert, dass auch ihr Verzweiflnngsschritt uns höchstens sympathisch berühren kann; ein tieferes Interesse dafür können wir nicht haben, weil der Contact all dieser Herren mit beit Inden ein ebenso seltener, wie gezwungener war. Ein solches könnte nur dann erwachen, wenn sich die jüdische Wählerschaft Wiens für die bevorstehende Wahl zur A u f st e l l u n g von Z ä h l c a n d i d a t e n entschließt. Ob es dazu kommt, das wird von dem Umstande abhängen, ob es zu einer Auflösung des Gemeinderathes und zur Ausschreibung allgemeiner Wahlen kommt. Die Pietät eines Getauften. Nicht nur aus der Lectüre der antisemitischen Blätter, auch aus dem Jnseratentheile der jüdisch-liberalen Blätter kann man die Schattenseiten des Judenthums kennen lernen. Da ist vor wenigen Tagen der reiche Industrielle Hermann H a b e r gestorben. Im „Wiener Tagblatt" hielt ihm der „Gomle Chesed"-Vereiu einen ehrenden Nachruf, in welchem er die Treue, Bescheidenheit und Charakterreinheit des Verstorbenen preist. In der „Neuen Freien Presse" erschien seitens der Familie nur eine kurze Anzeige, in welcher anstatt der Zeit und des Ortes der Leichenfeier, wie das sonst Sitte ist, nur der Passus enthalten war : „Der Herr schenke ihm die ewige Ruhe." Der „Gomle Chesed" war so boshaft, seinen Nachruf am nächsten Tage auch in der „Neuen Freien Presse" zu veröffentlichen, so dass der pietätlose Sohn, der als „Gawlier" und Cavallerie-Officier es offenbar nicht für angezeigt hielt, öffentlich bekanntzugeben, dass er der getaufte Sohn eines „juif“ ist, sich nun „gebrandmarkt" sieht. Wir aber denken, dass um einen solchen Juden nicht schade ist, wenn er sich taufen lässt; das Christenthum gewinnt nicht viel. . . Trauerandacht für Agnes Hruza. Unter diesem Titel veröffentlichte das „Deutsche Volksblatt" die folgende niederträchtige Notiz: Am 29. d. M. jährt sich der Tag, an dem im Polnaer Herrschaftswalde „Brezina" die 19jährige Näherin Agnes Hruza unter den schmutzigen Händen jüdischer Mörder ihre reine Seele verhauchte. Ein Jahr ist seit jenem grauenvollen Morde, der die ganze Welt in Aufregung versetzte, verstrichen und noch immer harrt dieses blutige Verbrechen seiner Sühne. . . Die christlichen Frauen Wiens haben das unglückliche Mädchen, das in der Blüte seiner Jahre dem Kreise der Ihren für immer entrissen wurde, nicht vergessen. Christliche Frauen find es, die sich zusammengefunden haben, um an dem Tage der Ermordung des unglücklichen Christenmädchens desselben'durch eine Trauerandacht in würdiger Weise zu gedenken. Donnerstag den 29. d. M. u m 9 U h r m o r g e n s, werden in der Pfarrkirche zu St. Ulrich am Neubau (Ulrichsplatz) zu gleicher Zeit drei heilige Seelenmessen für die Verstorbene gelesen werden. An die christlichen Vereine Wiens ergeht die Aufforderung, sich an dieser Trauerseier, die dem Andenken eines unglücklichen Christenmädchens gilt, in imposanter Weise zu betheiligen. Jns- Verfasser angeführten Parallelstellen seine Hypothese zu bestätigen scheinen, so geht er doch über einen wichtigen Punkt leicht hinweg. Er zeigt uns nicht die historisch beglaubigten Berührungspunkte zwischen Juden und Indern, wo dieser den jüdischen Monotheismus erschütternde Einfluss hätte zur Geltung kommen können. — Der zweite philosophische Artikel von Dr. S. Rubin entrollt uns mit Hilfe der vergleichenden Mythologie in geistreicher Fassung ein Bild voni „Roman im Himmel". Er ist ein Seitenstück zu Bölsches „Liebesleben in der Natur". Während aber der geniale Naturforscher die allumfassende Liebessehnsucht in glühenden poetischen Farben malt, ist die Sprache des himmlischen Ronians etwas matt und hölzern, bent schönen Gegenstände wenig angemessen. Wie alles Leben in der Natur nach Liebe strebt und lechzt, so hat auch die Phantasie des Menschen von jeher die himmlischen Körper und Mächte mit Liebesverlangen ausgestattet. Und diese Liebesrollen spielen im Romane Sonne. Mond und Sterne, Gottheiten, Engel und Seele. Die Liebe zwischen Osiris, dem Sonnengvtte, und Isis, der Mondgöttin, aus deren Vereinigung andere Gottheiten stammten, der Wettkainpf unter den männlichen Gottheiten beim Werben um die weiblichen, wie ihn Homer in grandioser Weise schildert, die Mysterien, in denen die Vereinigung Amors mit Psyche dargestellt wurde, als Symbol der Verbindung der Seele mit dem Körper — alle Phasen der Liebe, von der leidenschaftlichen Umarmung bis zu jenen unsagbaren Schmerzen, die zugleich ein Zeichen freudiger Hoffnung sind, werden an der ägyptischen, indischen, griechischen und kabbalistischen Mythologie demonstriert und zum Entwürfe des Romanes herangezvgen. In der Mythologie dem Liebestverben nachzuspüre», ist vielleicht leichter, als es in schöner, lyrischer Form zum Ausdrucke zu bringen. Das gelang Libuschitzki in seinen „Liebesgedichten". Da sprühen und glühen die Worte von heißer Leidenschaft, die in der lechzenden Seele stürmt. Es thut wohl, f besondere an die christlichen Frauenvereine ergeht die Aufforderung, zur Trauerfeier recht zahlreich erscheinen zu wollen. Es scheint, als ob die Judenhetze nun von der Kirche ans besorgt werden soll. Ist das nicht auch ein „concreter Fall" für den Ministerpräsidenten? Armer Stojalowski! Selbst die Antisemiten in Galizien schämen sich seiner. Der galizische Landtag will doch seine Schlachzizenehre aufrechterhalteu, und ein Pater S t o j al v w s k i passt ihnen, trotz ihrer antisemitischen Gesinnungen, nicht in ihre Mitte. Der „Dziennik Polski", das Organ der Antisemiten Galiziens, bringt die Nachricht, dass man sich in Kreisen der Landtags-Abgeordneten Galiziens mit der Absicht trage, die jüngst erfolgte Wahl Pater S t o j a l o w s k i s zum Landtags-Abgeordneten zu annullieren. Dies kann ans einfachste Weise geschehen. In den galizischeu Landesstatuten befindet sich nämlich der § 01, welcher besagt, dass dem Landtage die Entscheidung der Zulassung der Ageordueten zuftehe. Es ist nach diesem Paragraphen bloß nöthig, dass der Vorsitzende das Haus befragt, ob der Gewählte zur Ausübung seines Mandates für würdig erachtet werde. Und wenn die Majorität des Hauses dies verneint, so bleibt die Wahl ungiltig, tvtzdem die Majorität der Wähler sich für dieselbe ausgesprochen habe. Dieser Paragraph, meint der „Dziennik", sei auch gegen S t o j a l o w s k i anzuwenden. Interessant wäre es, zu sehen, wenn es zur Wiederwahl in B o ch n i a käme, wie die Juden sich dann S t o j a l o w s k i gegenüber verhalten würden ... Ein christliches Krankenhaus im Schwnrgerichtssaale. Die christlich-socialen Blätter sind in heilloser Verwirrung. Ein christlicher Schriftsetzer hat gegen das ch r i st l i ch e „St. Josefs-Spital" eine Broschüre veröffentlicht, gegen welche die christlichen Spitalsärzte die Klage angestrengt haben. Was nun da im! Gerichtssaale in den letzten Tagen an die Oeffentlichkeit trat, ist allerdings nichts weniger als ch r i st l i ch. Läuse, Ungeziefer, Misshandlungen, Brutalitäten wurden von allen durchwegs christlichen Zeugen nachgewiesen; den Nonnen des Krankenhauses wurde nachgesagt, dass sie mit dem Krampus (!) spielen, wenn die Kinder im Sterben liegen. Dem Arzte Dr. M e l z e r wurde nachgewiesen, dass er todtkranke Kinder geohrfeigt hat! Man kann sich denken, wie schwer es den Herren Vergani, Doctor Wähn er,?. Opitz und Consorten wird, über solche Dinge berichten zu müssen. Sie thun es denn auch mit den groteskesten Wahrheitsoerrenkungen und geben der unerhörten Schlachthausgeschichte den unverfänglichsten Titel. Man erinnert sich aber wohl, was man seinerzeit schrieb, als es sich um die Versuche mit Cholerabacillen handelte, die ein jüdischer Arzt unternahm. Da heulte die christlich-sociale Meute wie Schlachtfeldhyänen. Jetzt säuseln sie von einem . Scandal". Ja, Gott straft die Pharisäer mit den Waffen, mit denen sie sündigen; die Ohrfeige, welche das clericale Krankenhaus erhält, fallt auch auf die Presse dieser Sippe zurück.??? So lautet der Titel der neuesten Ostermordgeschichte, die sich Herr Vergani aus Galizieil verschreibt. Einen Mord, einen wirklichen Mord konnte Herr Schneider, der Ritualmordgeschichten-Lieferant non plus ultra bis dato noch nicht auftreiben; da hat man vorläufig einen „Versuch" dazu hergenommen. Ein Mädchen, hinten in Russland irgendwo, soll von ihrem jüdischen Dienstgeber mit einem Rasiermesser angefallen worden sein, und als sie entfloh, habe sie in der Küche mehrere Juden erblickt. Eigentlich ist es noch ein bisschen zeitig für solche Geschichten. Die jüdischen Ostern sind erst in 14 Tagen, bis dahin könnte das Blut zu sehr eintrocknen. Herr Schneider, der gar nichts von sich hören lässt, wird bis dahin sicher etwas Neueres, Prägnanteres ausfinden. Und wenn er sich früher den Ort aussuchen sollte, wo zu Ostern wieder ein „Ritualmord" geschieht. Herr Vergani ist ein Stümper; sein Fach sind Gemeinde-Obligationen, dabei soll er bleiben. unter den zahlreichen hebräischen Gedichten, die von des Gedankens Blässe angekränkelt sind, eines zu finden, das reine Gesühlstöne anschlägt. Sein leiser Anklang an Heine thut ihm deshalb keinen Abbruch. Die modernen hebräischen Dichter tändeln nicht mehr in geistreicher Art mit Bibelversen, sondern schaffen neue Worte für neue Formen. Zu dieser jungen Dichtergeneration gehören Tschernichowski und Bialik. Ans dem Gedichte des ersteren spricht Kraft und Muth und Todesverachtung, als gälte es, eine zaghafte Kriegerschar zum Kampfe anzufeuern. In dem reizenden, kleinen Gedichte „Ans dem Gvttesberge" von Bialik ringen die drei Weltreligionen um die Herrschaft. Hoch oben, auf dem Gipfel des Berges, steht ein Greis, in seiner Hand die Gottestafeln. Und am Fuße drohen zwei kraftvolle Niesen, mit Waffen gerüstet, den Berg zu erstürmen. - Doch vergebens. — Des Geistes majestätischer Blick, der sanfte Milde ansstrahlt, verschüchtert sie, und sie weichen. Diese drei Dichter sind Beweis dafür, dass ein neuer Geist die hebräische Lyrik durchzieht. Die Formfehler, die ihre Prvdncte noch aufweisen, werden bei weiterer Selbstzucht und -Entwicklung hoffentlich leicht schwinden. Der Ruf nach neuen dichterischen Formen und Ausdrucksmitteln, den Berdyczewski und andere in unserer Zeitschrift erheben, kommt etwas zu spät. Was diese den Stürnrern und Drängern des jüngsten Deutschland, Hermann Bahr, Arno Holz, Otto Julius Birnbaum und anderen anno 1800 abgeguckt, vergaßen sie rechtzeitig zu verkünden, und unterdessen ist ohne sie unter den Begabten eine Zeit der Sammlung und Bethätignng eingetreten, deren Frucht vielversprechende Schöpfungen sind. Eine solche eigenartige Schöpfung ist auch das „Winterlied" von Samuel Gordon. Im heulenden Winde irrt ein jüdisches Weib mit seinem Kinde umher, starr vor Kälte, doch mit glühender Liebe im Herzen. Ihr Wimmern wird vom pfeifenden Sturme übertönt, und kaum vernehmbar ist ihr Klageruf: „Aus Deiner Wiege wurdest Du, mein Wurni, geschleudert, Chronik des Judenthums. Inland. Wien. (Aus der P l e n a rs i tz n n g) des Vorstandes vom 22. Mürz 1900. An Spenden sind eingelaufen: Von den Erben nach Herrn Ignaz Ritter von Ephrussi durch Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann für den Talmud' Thora-Verein.K>. oim). - Für den Prediger Mannheimer.. ooo.- Von Frau Ottilie Goldschmidt-Przibram aus Anlass der Vermählung ihres Sohnes Robert mit Fräulein Daisy von Goldschmidt für die israelitische Kinderbeivahr- Anstalt. 100.- Für den Theresien-Kreuzer-Verein.. 100. - Für Arme. 100.- Von Fräulein Daisy von Goldschmidt anlässlich ihrer Vermählung mit Herrn Robert Goldschmidt für das Blindeninstltnt . ... 100.- Für die Kinderbewahr-Anstalt. 200.- Für das Taubstummen-Jnstitut. 100.— Für den Waisenverein. loo.~ Für den Handwerkerverein. 100.— Für Arme. 100.- Von Herrn Dr. Paul K l e m p e r e r anlässlich des Ablebens der Frau Pauline Foges s. A. zur Vermählung an "Arme.. loo. - Von Herrn Victor Eisenstndter von Bnzias für den Waisenverein. 00.— lieber Ansuchen des Vethaus-Vereines „Beth Jsral" wird Herr Rabbiner Mayer Mayersohn im Sinne des § 00 der Cultusgemeinde zmn Gemeinderabbiner bestellt. Dem Tempelvereine für Wieden und Margarethen wird als restlicher Beitrag zu den Kosten der Tempeladaptierung außer dem im Vorjahre gemährten Beitrag von Kr. 2000.— der Betrag von Kr. looo.— bewilligt. lieber Antrag der I. Section (Referent Hr. Dr. Steineri werden bezüglich der Vertretung der Gemeinderabbiner bei Trauungen neue Bestimmungen getroffen. Director Simon referiert namens der Unterrichts-Seetion über Aenderung der Bestimmungen für die Prüfungen der Religionslehrer an Volks-, Bürger- und Mittelschulen. Die beantragten Aenderungen werden angenommen und dein Referenten der Dank votiert. Die Zinsen der I. L. und L. Weinbcrg'schen Stiftung im Betrage von Kr. 000.— werden an einen nach Bukarest zuständige» .Hochschüler verliehen. ' Die Zinsen der Salomon Goldschmidk'schen Stiftung im Gesammtbetrage von Kr. 191.— werden an fünf würdige Gymnasiasten verliehen. Schluss der Sitzung 9 Uhr abends. Wien. (Eine Deputation beim Ministerpräsidenten.) Eine Anzahl unabhängiger Personen israelitischer Confession aus verschiedenen Berufsstünden, bestehend aus dem Reichsrnths- Abgeordneten A u s p i tz, Hof- und GerichtsadvocatenDr. K a tz a u, Regierungsrath Professor O s e r, Karmnerrath L. P o l l a k, Commerzialrath L. Trebitsch und Hof- und Gerichtsadvoeaten Dr. Zucker, sprachen beim Ministerpräsidenten Dr. von Koerber vor, um ihm abermals nachdrücklichst die großen Schäden und Gefahren darzulegen, die nicht bloß die Mitbürger israelitischer Confession, sondern das Gedeihen des Staates durch die ungehinderte Ausbreitung des Antisemitismus erleidet. Der Führer der Deputation, Abgeordneter A u s p i tz, wies darauf hin, wie sehr der Antisemitismus durchseine gegen jeden geistigen und wirtschaftlichen Fortschritt gerichtete Spitze sich zu einer zerstörenden und direct culturfeindlichen Bewegung gestaltet hat. Ein anderes Mitglied der Deputation hob besonders hervor, dass einerseits durch die Duldung, deren sich der Antisemitismus zu erfreuen hat, auch in nicht antisemitischen Kreisen sich die Meinung verbreite, er sei au maßgebender Stelle willkommen, und dass hierdurch, wie auch andererseits durch die Furcht vor dem antisemitischen Terrorismus selbst solche Kreise, die ihrer Gesinnung nach von diesem Treiben fernab stehen, auch zu Handlungen ähnlicher Art verleitet werden. Mit Lebhaftigkeit und unter Anführung einer Reihe schlagender concreter Thatsachen legten die weiteren Erschienenen die großen Schäden dar, die der Fremdenverkehr, sowie Handel und Industrie in Oesterreich und speciell in Wien dadurch erleiden, dass fremde Kauflente Oesterreich meiden und österreichische Kaufleute alle Unternehmungslust verlieren und sich entweder ganz zurückziehen oder ihre Thätigkeit in mein Herz, mein Herz ist Dir aber die Wiege. Hier lodert das flammende Liebesfener, das Dir Wärme spendet gegen den eisigen Frvst." Und das Weib wandert mtd wandert, von Häschern verfolgt, findet nirgends ein wärmendes Heim. bis es endlich das peitschende Unwetter auf den Gottesacker treibt, wo es in seinen Armen das Kind entseelt findet. Es ist ein ergreifeildes Bild mit modernen Farben auf nationalem Grunde gemalt. Aehnliche Bilder finden wir auch in den belletristischen Beiträgen der Revue. Da ist zunächst die mit feinem psychologischen Verständnisse entworfene Skizze „Dreyfus" von Ch. Horowitz zu nennen. Die Nachricht von dem Schicksale des unschuldig Bernrtheilten war auch in ein kleines, weltentrücktes Städtchen gedrungen. Hier wohnte ein Mann, Chasan von Beruf, den der Plötzliche Tod seiner Frau so sehr erschütterte, dass er keinen Schlaf mehr finden konnte, und wie geistesabwesend sich in den Gassen umhertrieb, ohne von seiner Umgebung Notiz zu nehmen. Die Meldung von der Teufelsinsel durchzuckte dieses betrübte Gemüth tuie ein elektrischer Schlag. Er wollte ans und davon in eine große Stadt gehen, sich zu einem musikalisch gebildeten Cantor ansbilden und dann — auch seinen Brüdern wohlthun. Doch die heranfbeschworenen Geister verließen ihn nicht mehr. Wenn er nach durchwachter Nacht des Morgens ein wenig einschlummerte, stand Dreyfus, weiß gekleidet, gramgebeugt und mit flehenden Augen vor ihm und erzählte ihm seine Leiden und Qualen. All sein Denken wendete er von nun ab dieser einen Idee zu, Dreyfus zu befreien. Sie wurde zur alleinherrschenden in seinem Vorstellungsleben. Und als er eines Nachts im Beth-Hamidrasch lag, bald mit weit geöffneten Augen starr auf einen Punkt blickend, bald fluchend und schimpfend, schnellte er plötzlich auf und schrie mit kreischender Stimme: „Weg, fort, Du schwarzer Teufel!" Dem Thora-Schrein war ein schwarzer Mann entstiegen, der sich dem Geistesmnnachteten langsam näherte: „Ich bin Dreyfus" ....

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