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Jüdisches Volksblatt · 1900-03-02 · 9 (2.3.1900) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
9 (2.3.1900)
Date
1900-03-02
Page
Seite 7 (sequence 8)
Language
German
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Nr. 9 Wien, Freitag: Jüdisches Volksblatt 2. Marz 1900 Seite 7 Literatur. Semitisnms (Zwei Capitel für Wahrheit und Rech t.i Eine neue lesenswerte Flugschrift, welche der weitesten Verbreitung und Unterstützung der freisinnigen Elemente wühl wert wäre, ist soeben in Th. D o r f in e i st e r s Buchhandlung in Wien, fX„ Porzellangasse 28, erschienen und gegen Barcinsendung von Heller postfranco zu beziehen. Der Verfasser derselben vertritt den Standpunkt, dass im modernen Cultur- und Rechtsstaate jedem Staatsbürger die Pflicht erwächst, zu reden, zu schreiben oder sonstwie sich der Gesellschaft nützlich zu erweisen, wo er der Meinung ist, das Heimatland schwebt in Gefahr, gleichviel welcher. — Dem Umdinge, welches man Antisemitismus heißt, das die Geistlichen nicht vom Rassenstandpunkte, die Weltlichen angeblich gerade von diesem ausgehend, aufgefasst wissen wollen, gelang es, in unserem schönen Vatcrlande heillose Verhältnisse herbeizuführen, Zustände und Geschehnisse zu zeitigen, welch ähnliche bereits vor Jahrhunderten stattgesunden, die tiefsten Schatten aus die damaligen weltlichen und kirchlichen Machthaber für ewige Zeiten werfen. Wie strenge wird die Geschichte erst über die unserer Tage zu Gericht sitzen? — - Der Verfasser theilt seine Arbeit in zwei Capitel. Das erste behandelt den Semitismus und die aus diesem abgeleiteten Verhältnisse überhaupt, mit dem Bestreben, die der semitischen Rasse unterschobenen Specinlfehler eben als unterschoben darzuthun. Er weist auf die Verdienste der alten semitischen Völker für die Abendländer hin, erzählt, wie die .Kreuzfahrer mit Staunen dies und das von semitischen Völkern lernten und in die Heimat verpflanzten; er spricht von der Culturarbeit der Araber in Spanien für uns u. a. m. Der vorurtheilslose Leser wird schon im ersten Cnpitel den Antisemitismus als plumpe Mache, auf die niedrigsten Jnstincte verrohter Elemente berechnet, erkennen. Das zweite Capitel, speciell den Juden in den ^Abendländern gewidmet, enthält Gegenüberstellungen und Vergleiche derselben mit den Christen, aus den besten Quellen geschöpft, die Aufwerfung der Frage und deren Beantwortung: Sind unsere Juden wirklich Semiten? Einiges über den Talmud, dessen Commentare und Fälscher wie über Religionsbücher und deren verschiedene Auslegungen überhaupt.! Diese Form der Behandlung des Stoffes dürfte manchem! die Augen öffnen.- i Zur weiteren Hintanhaltniig und möglichster Verhinderung bekannter unbeschreiblich schmachvoller Hetzereien und schandbarer Geschehnisse, Fanatismus und bodenlosen Hass einzudämmen, kann nicht genug geschehen, weshalb wir dieser Flugschrift, im Interesse unserer geliebten, irregefübrcen Mitbürger, wie der gelammten Menschheit die weiteste Verbreitung wünschen. In erster Linie berufen, zur Verbreitung beizutragen, wären die freisinnigen Vereine und Corporationen, Cultusgemeinden re., welchen bei Abnahme einer größeren Anzahl Exemplare zu Agitationszweckeu ein bedeutender Rabatt gewährt wird. Gm erfreuliches Ieicherr -er Zeit. So arge Verwüstungen der fluchwürdige Antisemitismus — culturell, social und wirtschaftlich — in unserem lieben Oesterreich auch angerichtet haben mag, ein Gutes hat er doch auch im Gefolge gehabt: Der Sinn für jüdisches Fühlen und Wissen ist bei unserem Volke wieder erwacht; das jüdische Herz, der jüdische Geist, das Interesse für unsere heilige Religion wird immer reger; allenthalben können wir Anzeichen bemerken, die ein Besserwerden des religiösen und nationalen Judenthnms versprechen. Der wahrhaft rührende Ruf eines „schlichten Dienstmannes" in der letzten Nummer unseres Blattes um die Namhaftmachung einer populären, leichtfasslichen Lectüre für religiöse Fortbildung ist wahrlich ein erfreuliches Zeichen der Zeit. Dieses Streben nach Fortbildung steht nicht vereinzelt da, wir könnten tausende solcher Fälle anführen: jüdische Mütter uud Väter lernen selbst das „Dawene", damit sie mit ihren Kindern „üben" können, unzählig sind die Fälle, in denen sich jüdische Eltern an die Religionslehrer um Rath wenden, wie und wodurch sie sich in der „Religion" fortbilden können. So nwllen wir denn eines Merkchens erwähnen, das vor kurzem im Buchhandel erschienen ist und das thatsächlich einem lange gefühlten Bedürfnisse entspricht, und das Wichtigste und Schönste unserer Gesetzgebung in ebenso populärer als leichtfasslicher Darstellung vorführt. „Der israelitische Religionsunterricht an Bürgerschule n" betitelt sich das Merkchen*), das wohl in erster Linie als Lehrbuch dienen soll, seiner ganzen Anlage und dem Inhalte nach aber jedem Laien ein treffliches Mittel bieten dürfte, sein religiöses Wissen zu fördern und zu mehren. Der Verfasser — durch mehr denn 50 Jahre in der Schule thätig — hat es verstanden, seine reichen pädagogischen Erfahrungen praktisch zu verwerten und so ein Merkchen zu schassen, das unserer Schuljugend in leichtfasslicher, interessanter Form alles das bietet, was zu wissen ihr noththut, dass dem Laien aber auch viel Anregung und so manches Neue bietet, dem jungen Lehrer aber auch ein trefflicher Wegweiser sein soll auf dem schwierigen Wege des Lehramtes, wo Mangel an Zeit (gesetzlich nur zwei Stunden wöchentlich) ein Zuviel als Hemmnis, ein Zuwenig aber wiederum eine Schädigung für unsere Kinder wäre. So möge denn das treffliche Büchlein allenthalben Anklang uud weile Verbreitung uud in maßgebenden Kreisen jene Anerkennung finden, die es thatsächlich »erbteuL Sch. Rabbi Jochanan bar Nappafha. Lebensbild eines talmudischen Weisen des III. Jahrhunderts. Nach den Quellen dargestellt. I. Theil. Von Dr. Samuel Alexander I o r d a n, Rabbiner zu Fogoras (Siebenbürgen). Diese sehr lehrreiche und interessante Monographie Rabbi Jochanans, welche wahrscheinlich mit Einverständnis des Autors in der „Ungar. Wochenschr." (Jahrg. 1898—1809) nicht complet abgedruckt wurde, ist noch im Jahre 1895 zu Budapest (im Selbstverläge des Verfassers) erschienen. Quellen, um das Leben dieses talmudischen Weisen darzustellen, hat der Verfasser, wie er selbst (Seite XV, Anmerk. 27) angibt, G r ä tz, L ö w e n in a y e r, F r a n t e l, Weiß und Heilprin (idicl. ist verdorben Heilprinz gedruckt) gehabt und diese meisterlich bearbeitet. Wer nur einen treuen Blick dieser interessanten Studie spendet, wer die Lebensgeschichte R. Jochanans, seine Zeit und Verhältnisse aus diesem schönen Buche näher kennen lernte, erkennt bald die erstaunliche Versiertheit des Verfassers auf dem weit ausgebreiteten Gebiete der jüdischen Literatur und Wissenschaft. Um alles leicht, schnell und bequem auffinden zu können, hat der sehr belefene Autor geschmackvoll vor dem Eingänge deS Büchleins noch eine „Uebersicht des Inhalts" angebracht. Eine in kurzer, aber schöner deutschen Sprache abgefasste „Einleitung", die den Leser zuerst mit der Zeit der Zerstörung Jerusalems durch Titus (70 n. Ehr.), in der Rabbi Jochanan gelebt und gewirkt, sowie mit den damaligen äußeren und inneren Verhältnissen des jüdischen Volkes vertraut macht, geht diesem hundertseitigen Opus voraus. Schon im ersten Capitel (Anmerk. 1) verweist uns der Verfasser auf Excurs D. (Seite 92). Hier wird sachlich das Geburtsjahr dieses talmudischen Gelehrten geprüft, gesicherter Ertrag desselben einverleibt. Zweifelhaftes weggelassen und Irriges verbessert. So hat auch der gelehrte Verfasser es verstanden, seinem Producte eine vornehme und splendide Ausstattung und Eintheilung zu geben. Das Werk, aus sechs Capiteln bestehend, enthält noch, um das Auftreten Rabbi Jochanans lückenlos vorzuführen und nur Gesichertes aufzunehmen, vier Exeurse beigefügt, wo die im Texte nicht angeführten Lehrer R. Jochanans, die Ordination zu seiner Zeit, Rabbi Jochanan über das Bath-Kol, die Chronologie dieser Schrift ausführlich und sachlich behandelt werben. Diese Arbeit bietet in Correctheit und Zuverlässigkeit einen Beitrag zur altjüdischen Literatur und darf auf dem Studiertische der jüdischen Geschichtsforscher nicht fehlen. Wir rufen dem gelehrten Verfasser die Worte zu: »NVN TllN*? ’UWI '*13. «Seine Lampe bestrahlt mein Haupt, sein Licht leitet mich durchs Dunkel." (Hiob 29, 8.) Möge es ihm gelingen, die Fortsetzung (II. Theil) seiner verdienstvollen Studie bald erscheinen zu lassen. Hermann Kahan. *) Zweite, vermehrte und verbesserte Auflage der „Materialien zum Religionsunterrichte" von Josef P l o h n, emerit. Jnstitutsdirector, Religionslehrer der israel. Cultusgemeinde, Wien 1899. Im Selbstverläge des Verfassers, II., Blumauergasse 20. JÜDISCHER VOLKSVEREIN. Mittwoch den 7. März 1900, 8 Uhr abends, findet im Vereinslocale, II., Haasgasse 8 (Untere Augartenstr. 19). ein freier 0&iscussions-Mßend statt. — Tagesordnung: „Dar Fall Arsten“. — Referent Herr Dr. Carl Lifczis. Mit anschliessender freier Diseussion. Hiezu werden sämmtliche Mitglieder eingeladen. Gäste, auch Damen, willkommen. Die Vereinsleitung. PrätatU.rt reit i{bv ESatUM«. y ERSTE PRA«5ER| ^rlSELCHWARENFABRJK § mit DampHjeirleb Gegründet 1869 SSM PRAG Gegründet 1869 W! F. N Helnrlchsgnsse? I., Franz Josephs-Quai 3 und Adhfrgasso empliofttt all« Sorten »elfter reii'wtmte-'ten, Anerkennt b.<.-sum }>.-et>*•«•«» na«;? P/ftijjair Äff »rzäeufjl. (65) Sa. Mastochscruungen. Rauchfleisch, sowie alle Sorten feinster Aufschnitte. 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