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Jüdisches Volksblatt · 1900-02-02 · 5 (2.2.1900) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdisches Volksblat.t 2. Februar 1900 Nr. 5 Wii'ti, Fivjfag gewicht zwischen 33 und 45%» während derselbe bei den anderen in Betracht kommender« Thierarten erheblich geringer ist. Zieht man hierzu die Zahl der jüdischen Bevölkerung, welche ca. 2%, der gesammten Einwohnerschaft ausmacht, in Vergleich so erhellt, dass wohl die vorgenommenen Schächtnngen über die Anforderungen hinansgehen dürften, wenn auch theiltveise eine Erklärung hierfür in der Thatsache gefunden werden muss, dass die nicht geringe Anzahl jüdischer Metzger ihr gesannntes Schlachtvieh schachten lassen, obwohl die Abnehmer nur zum geringen Theile der jüdischen Bevölker«mg angehören/' Die israelitische Gemeinde in Aachen möge sich inacht nehmen. Es ist leicht möglich, dass sie eines schönen Morgens von unerwarteten 'Maßregeln überrascht werde. Berlin. (Die Zahl der jüdischen Lehrer in Deutschland.) Der „Kalender für das höhere Schulwesen" veröffentlicht unter anderem auch folgende interessante Daten über die Anzahl der jüdischen Lehrer in Deutschland: Es gab demnach jüdische Lehrer an höheren Lehranstalten in: Ostpreußen 0, Westpreußen 1 (Thorn), Posen 4, Pommern 0, Brar«der«bnrg 1 (Frankfurt a. O.), Berlin, Kgl. Gymnasium 1, Städtische 25, Schlesien 0, Sachsen 1 (Halle), Hessen-Nassau 23, Hannover, Schleswig-Holstein, Westfalen, Rheinprovinz 0, Summa 02 — 1'1 Perceut d e r Gesammtzahl 6247 (4959 evangelisch e, 1226 katholische). Noch ungünstiger stellt sich das Verhältnis, «venu man die staatlichen Anstalten allein in Betracht zieht. Dann erreicht der Percentsatz jüdischer Lehrer nur die Höhe von 0*3 Percent. Daralls ergibt sich, dass bei weitem die ineisten jüdischen Pädagogen an städtischen höheren Lehranstalten Anstellung gefunden Haber«. In der That entfallen die 6 Lehrer in Schlesien sämuckckch auf Breslauer städtische höhere Lehranstalten (Johaiines-Gyninasinm und Oberrealschule), in Posen ans das städtische sogenannte Berger-Realgymnasium, in Posen selbst 2, auf die gleiche Anstalt in Bromberg 1 und der vierte auf das Kgl. Gymnasium in Meseritz. In Berlin erreicht zwar der Percentsatz jüdischer Lehrer an städtischen höheren Lehranstalten 4 Percent der Gesammtzahl, jedoch entspricht dies noch nicht dcrn Percentsatze der jüdischen Einwohner der Reichshanptstadt und nicht im entferntesten de«n der jüdischen Schüler an den höheren Lehranstalten, der bekanntlich an einzelnen Gymnasien 60 Percent übersteigt. Die anscheinend recht hohe Ziffer jüdischer Lehrer in Hessen-Nassau kann nur den mit den einschlägigen Verhält««isscn nicht Vertranten überraschen. Es steht fest, dass die 23 daselbst angestellten jüdischen Pädagogen sich sämmtlich auf die beiden von Juden gegründeten und von jüdischem Gelde unterhaltenen höheren Reallehranstalten, das sogenannte Philanlhropm und die Htrsch'sche Realschule, vertheilen, au denen — nebenbei bemerkt — ohne dass sie im geringsten darauf Anspr««ch Hütten — auch fünf christliche Lehrer angestellt sind. Paris. („P a l a s ch a" - I u d e n i n A b e s s i n i e n.) Vor einigen dreißig Jahren waren einige englische Misionäre bis tief nach Abessinien gelangt. Dort sollen sie eine Art Juden gefunden haben, welche noch aus der Zeit der Zerstörung des ersten Tempels sich erhalten haben. Als im Jahre 1868 England — wohl den Missionären zuliebe — den Abessiniern den Krieg erklärt hatte, schickte damals die „ Alliance Israelite" den berühmten Professor Josef Halewi mit den englischen Truppen mit, un« die dortigen Inden aufzusnchen. Er kam zurück und berichtete, dass dort in Abessinien sich ungefähr 200.000 Juden befänden. Selbe wissen nur noch von der Thora (Thorat Mosche), und das nnr in Uebersetzungen, und bringen noch bis heute die daselbst gedachten Thieropfer dar. Professor Halewi brachte einen „Palascha"- Jüngling nach Paris mit. Seit damals sind 32 Jahre vergangen. Jetzt hat die „Alliance“ den Dr. S. Rappaport hingesendet, um Genaueres zu erfahren und Bericht zu erstatten. Herr Dr. Rappaport befindet sich bereits auf dem Wege nach Abessinien. Laut Zeitungsberichten soll er in Kairo (in Aegypten) mit einem hohen Würdenträger aus Abessinien zusarnmengetroffen sein, der ihm erzählt haben soll, dass von den „Palaschas" nunmehr in Abessinien keine Spur mehr vorhanden wäre. Sie hätten sich schon lange — unter König Johannes — getauft. Die übrigen wären sämmtlich an einer Pest(?), die vor 8 Jahren dort grassierte, gestorben. Dr. Rappaport nahm dies als einseitig übertrieben an und wurde in dieser Meinung dadurch bestärkt, dass er in Kairo selbst auf einige Abessinier stieß, welche fest behaupteten, dass wphl die »Palaschas" in Abessinien noch leben und existieren, von der Negierung aber stark unterdrückt lverden. Dr. Rappaport setzt seinen Weg unbeirrt fort und mit Spannung sieht man seinen Berichten entgegen. Paris. (Ehre, dem Ehre gebürt.) Bernard L a z a r e, der durch die Affaire D r e y f u s rühmlichst bekannte Pnblicist, ist in Marseille — ein bedeutsames Zeichen der geänderten Stimmung — zum Mitgliede des frailzösischen Cnltralcoirsistoriums an Stelle des verstorbenen Appellationsgerichts-Präsidenten Bedarrides gewählt worden. Bukarest. (I ü d i s ch e K u n st w e r k e.) Unlängst war hier eine Kunstausstellung, an der sich auch Juden betheiligten. Wie hervorragend ihre Theilnahine «var, beweist der Umstand, dass von den a u s g e lv ä h l t e n Werken, welche nach Paris zur Weltausstellung geschickt «verden sollen, sich viele, von Inden stammend, befinden. So vorn Porträtnraler Max Klang, von« Landschaftmaler Arthur S e g a l lj, vom Radierer A. Mendel und vom Bildhauer C a r n i o l. Bukarest. (Die Ausweisung D. Trietsch s.) Die zionistische Bewegung wurde hier in Rumänien von einem schweren Schlag getroffen HerrjDavid Tr i e t s ch, welcher schon auf dem Baseler Congresse die Colonisatiou von Cypern vorgeschlagen hatte, versuchte es im vorigen Monate, eine Action «n diesem Sinne unter den rumänischen Juden einznleiten. Nachdem er Cypern besucht und diese Insel als für eine größere Colonisatiou wirklich geeignet gefunden hatte, ka«n er nach Rumänien und begann mit Hilfe der zionistischen Organisationen ine eifrige Propaganda seiner Idee. Die ungeheure ökonomische Krisis, «velche in Rumänien jetzt herrscht, nebst der politischen Ungleichheit und der im Wachsen begriffenen antisemitischen Bewegung, ließen tausende von Juden eine wirkliche Rettung in der Auswanderung nach Cypern sehen — und Herr Trictsch hatte einen unerwarteten Erfolg zu verzeichnen. Aber die Juden denken und die rumänische Regierung lenkt. Schon vor einigen Monaten hatte letztere, «vie auch Ihr «vertes Blatt gemeldet, die Judenauswanderung zu verhindern gelvnsst. Diesmal gieng sie viel schneidiger vor. Gegen Herrn David T r i e t s ch wurde ein Ausiveisungsbefehl erlassen, und der sympathische Propagandist konnte sich nur durch eine zeitliche Flucht den Consequenzen entziehen, «velche die Einhändigung eines solchen Befehles in« Gefolge hat. Unter diesen Conseguenzen dürften die unangenehlnsten sein: Tie Abschiebung unter polizeilicher Aufsicht, das Verbot, bei Gefängnisstrafe rnnlünischen Boden jeinals «vieder zu betreten. Aber soviel nicht genug: Die Lecker der zionistischen Belvegung wurden zur Polizei berufen, und dort legte man ihnen ans Herz, ja nicht die den Staat schädigende Propaganda «veiter zu betreiben, da sonst die Regierung mit größtem Bedauern . . . Ein rnmäniicher Polizist pfleg« hier gewöhnlich abznbrechen, ein rumänischer Jude aber zu verstehen, dass seine Aus- «veisung in Aussicht genommen «st. Leider haben einige der z««r Polize« berufenen ziviiistischen Leiter auch sofort ihre Ehrenämter niedergelegt. Dies ist umso trauriger, als solche Beispiele sehr demoralisierend «virken. Zun« Schlüsse sei noch erwähnt, dass infolge der Propaganda des Herrn Trietsch die rumänische Regierung überhaupt die Ausgabe von Answandernngspässen suspendiert hat. Petersburg. (In einer russischen Adelsv e r s a n« n« l n n g.) In dem Knrsker Gouvernement fand vor kurzem eine interessante Adelsversammlung statt, die mit einer völligen Niederlage der Antisemiten endete. Der bekannte Kampfhahn Kossatkin beantragte ans Anlass des Ankaufes eines Landgutes von einem bankerotter« russischen Edelmanne durch einen Inden einen Protest „«vegen Ueberganges eines russischen Gutes in jüdische Hände". Im Namen der Knrsker Adelsversamnilnng legte der Gutsbesitzer S ch i r k o f f Verwahrung dagegen mit den bezeichnenden Worten ein: Der engherzige nationale Standpunkt, den K v s s a t k i n vertritt, ist an und für sich verrverflich; dies umso mehr, als er in eine Standes Versammlung getragen «vird, die nationale Gegensätze nicht kennen dürfe ... K o s s a t k i n s Alltrag «vurde abgelehnt. Die Abstimmung hielt jedoch Herrn Kossatkin nicht ab, mit einem neuerlichen Anträge hervvrzutreten, der dahin lautete, die Adelsversammlung möge an das Ministerium mit dem Ansinnen herantreten, den Juden den Erlverb von Landgütern im Gouvernement Kursk zu verbieten, und als die Bersanlmlung auch dieses Ansinnen ablehnte, überreichte der biedere Herr im Vereine mit einigen Gesinnungsgenossen eine in vorerwähntern Sinne verfasste Bittschrift an das Ministerium. Da das Ministerium tvohl vorerst die Adelsversammlung befragen dürfte und diese entschlossen ist, von ihrem Standpunkte nicht abzulveichen, dürften Herrn K o s s a t k i n s Bemühungen rvohl vergebliche sein. Gin großer Erfolg für die russischen Juden. Wie russische Blätter melden, hat die zur Berathung der Juden eingesetzte Specialcommission die Aufhebung des Wohnungsverbotes beantragt u««d der Czar diesen Antrag mit seiner Bestätigung dem Staatsrathe überwiesen. Damit wird den russischen Juden das ganze Reich eröffnet, eine Verfügung, die für das Judenthnm in Russland von größter Bedeutung ist. Die jüdisch-nationale Kemegung. Die jüdisch-nationale Beivegung schreitet mit Riesenschritten vorwärts. Nicht das Lächeln der Kleingeister, noch das Achselzucken der Indifferenten hält sie in ihrer Entivicklung zurück. Sie hat gute Chancen: die Jugend. Ganz Jung-Jsrael steht in ihrem Dienste. Jung-Jsrael hat auch Alt-Israel aus seinem Schlafe gerveckt. Jung-Jsrael rüttelte Alt-Israel. Hierin steckt die Charakteristik der jüngsten jüdisch-nationalen Beivegung. Von der Jugend «vard sie zuerst gezüchtet und aus das Alter übertragen. Den ersten Schritt hat die Jugend gemacht und das Alter ist erst später in die Fußstapfen derselben getreten. Die Jugend ist der Gonfaloniere der nationalen Bervegung gewesen und die Alten folgten hinterdrein. Bon den alten Weisen Athens wird erzählt, dass in ihren Universitäten den Platz auf dein Katheder die Jugend eingenornmen und daselbst ihre Kollegien gelesen hatte, uno die Alten hatten auf den Schulbänken gesessen. Das war bei der jetzigen jüdisch-nationalen Bervegung der Fall. Die Alten sind in die Schule«« der Jungen gegangen und haben sich dort manch gute Lehre geholt. Die Sache ist auch ganz natürlich. Die neuanflodernde Nationalflamme musste zuerst das junge Reis aufsuchen, das leicht Feuer fängt, und erst später zu den alten Bäumen sich kehren. Darin besteht die Wertschätzung einer jeden Beivegung, lvenn die Jugend begeistert an ihrer Spitze fleht. Denn sie ist rhatkräftig, Energie entfaltend und besonders für Ideale empfänglich. Ihr gehört auch die Zukrrnft. Die Alten müssen nur zu diese««« Zwecke an der Bervegung theilnehinen, um der Jugend mit gutem, von längerer Ersahrnng gereiftem Rathe zu dienen oder un« bloß dieselbe bei ihrer Arbeit «richt zu enragieren. Wer hat die jüngste jüdisch-nationale Beivegung ins Leben gerufen? Nichts ist leichter als die Beantrvortung dieser Frage: Der jüdische Nationalismus. Er ist der Hauptfactor, der diese Bewegung in Fluss brachte. Freilich haben noch andere-Factvren «nitgeivirkt, die Hauptrolle aber gebürt ««nstreitig dem jüdischer« Nationalgefühl. Wie oft haben «vir es von Assirnilations-, nicht minder von nationalen Juden des Ostens — indern sie auf die westeuropäischen Jüdisch-Nationalen anspielten — zu hören bekommen, die jetzige jüdisch-nationale Bervegung habe ausschließlich ihren Ursprung im Antisemitismus zu suchen. Mit anderen Worten: die «nttfemi tischen Hetzereien und Verfolgungen hätten zurück bei den Juden ein Gefühl der Zusammengehörigkeit angefacht, das ohne diesen Windstoß gänzlich vergloinrnen «väre. Das heißt so viel: Wir hätten unser Leben unseren Todfeinden zu verdanken. Unser Sein wäre von einem äußeren Sein bedingt, das an« «venigsten ««nser Dasein «vünscht. Wie hyperweise diese Ausführungen arrfangs auch erscheinen, und ««««« «vieviel die «vesteuropäischen Jüdisch-Nationalen zu thatkräftigen Beiveisen ihnen auch dienen «nögen — so sieht man ihneir doch einen gervissen Mangel an Einfluss und richtigem Urtheile an. Die «vortklaubrige und «vortnussharte Philosophie, die jüngst hierüber ein hebräischer Schriftsteller, der, nebenbei bemerkt, ein Feind des Popularisierens zu sein scheint, entioickelte, entbehrt jeder gesunden, mit dec Logik zu vereinbarenden Basis. Nach ihm «vären rv i r nicht, «veil ,v i r sind, sondern «vir sind, «veil s i e, die Völker, sind. Wären sie, die Völker, nicht das, «vas sie sind, d. h. judenfresserisch, antisemitisch, so «vären auch «vir nicht das, «vas «vir sind, d. h. jüdisch-national. Un« kurz zu sein, «vollen «vir u««s aphoristisch a««sdrücken: Wir sind, «veil «v i r sind. Denn, natürlich verstanven, m««ss es so sein. Die Bedingungen zun« Sein müssen im Seiende«« selbst iininanieren. Eine jüdische Zusammengehörigkeit, eine jüdische Solidarität hat es in««««er gegeben. Sie «v««rde von ««««seren Feinden ernnd von uns selber verkannt. Eine jüdische Solidarität bestand, ohne dass «vir es «vilssten und wollien, oder «velche z«« spüren vorzugeben «vir uns fürchteten. Aus der Erkenntnis der Gr«md- und Fruchtlosigkeit unserer Furcht und unseres Versteckenspieles platzte die jüngste jüdischnationale Erkennt««is heraus. Das jüdische Volk durfte nicht erst die Ankunft des so viel belobhuc-ellen ueunzehiuen Jahrhunderts abrvarte»«, un« dem Natioualitätspri««cip z«« huldigen. Es hat stets gehe«««« oder offenkundig ihm gehuldigt. Einen jüdischen Nationalismus hat es im jüdischen Volke immer gegeben, trotzden« die Feinde ihin den Kosniopolitisinns vorwerfen. Das Ideal des J«ldenthl«ms, «vie es von den Propheten begründet und in der Zerstreuung sortentwickel« «vurde, «var nicht der Koslnopolitisinus, sondern die Internationale. Dieses Kind «vard nicht beiin rechten Namen genannt. Ein beredter Beiveis ist der Begründer des «nodernen internationalen Gedankens: der geborene Jude Marx. Aus Marx spricht nicht das Jahrhundert, souvern der ererbte jüdische Geist. Aber sind «vir gerecht. Das jüdische Nationalgesühl hat sich ei««e längere Zeit hindurch versteckt gehalten und scheute das Tageslicht. Erst die Wirkungen vvn außen, die Hetzereien und Verfolgungen haben es mit auffallender Jntenfivität zum Borschein gebrach«, Aber die Fei««de haben cs uns nicht «ni« Peitschenhieben nach innen hineingezwängt, sondern das im Innern verborgene Nalionalgefühl nach außen gelockt. Wie ist es gekoininen? Ganz einfach. Wir sind zu naiv, man möchte fast sagen — duinrn ge- «vesen. Wir schlossen die Augen zu und meinten, dass die anderen nicht sehen. Die Erfahrung, die in uns reifie, dass die Sache sich anders verhält, hat ««ns z««rück die Augen geöffnet. Das ist die ga««ze Lösung der Frage, «vie die jüngste jüdisch-i«ationnle Bervegnng entstanden ist. Also der jüdische Nationalisrn««s ist kein Nationalismus, dec von ihnen, sondern von uns selber stamint. Sie geben bloß den Anstoß zu einem Aeußerlichwerden eines irn Innern Existierer«den. Es ist kein f»«nkelnagelneuer Nationalisrnus, sondern der «vohlbekai«nte alte. Es ist derselbe Nationalisrnus, der die Mauern von Jericho siebeninal umkreiste, bis die Mauer siel. Es ist derselbe, der Bar-Kochba kämpfen und Rabbi Jochanan den Sacchai die Jabne sarnmt ihren Weisen beim rörnischen Feldherrn sich ausbieten hieß. Es ist derselbe, der die Scheiterharifen Torquemadas bestieg ««nd den Folterbänken Albas trotzte. Es ist der alte Nationalisinrrs, der, oftmals tvdtgegla««bt, noch inrnrer lebt. Vielleicht hat er sich in den Kopf gesetzt, als letztes Schauspiel die große krachende Scene des Weltunterganges zu schauen! Przeinysl. 8. Meiseis. Aus den Organisationen. (Im „Indischen Bolkverein") hielt Herr Doctor M. Roseufeld am 31. Jänner vor einem überaris zahlreichen Auditorium einen höchst interessanten Vortrag über das Therna: „Nationalismus und Religiosität im Judenthnm". Redner verstand es, so spröde a«lch der Gegenstand für den Laien erscheint, in leicht fasslicher, eleganter Sprache die beiden obschwebenden Begriffe gründlich zu defilieren und durch geschichtliche Thatsachen zn illustrieren. An der darauffolgenden Discnssioi« betheiligten sich die Herren Brandes, Doctor Fink, Dr. K a d i s ch, Dr. L i p s ch i tz, B u ch s b a u m rc. Herr Brandes betonte mehr den nationalen Standpunkt, das Cvnfessionelle erst in zweiter Linie stellend, zumal das religiöse Kriterium in verschiedenen Zeitläuften variierte. Herr Dr. K a d i s ch und Lipschitz empfahlen, das Ha««ptgewicht auf die ökonolnisch-sociale Entivicklung zu legen, nainentlich in unserer so kritischen Zeit. Herr B u ch sbnn m und Dr. Fink opponierten Herrn Brande s, der für Toleranz und Fortschritt eintrat ««nd die Bethätignng der jüdischen Cardinaltugende» befürwortete, während Referent im Schlussworte die religiöse Basis berücksichtigt wissen will. —n. (Jüdischer Volksverein.) Der außerordentlich geist- und i««haltsreiche Vortrag des Herrn Dr. M. Rosenfeld über N ati o n ali s u« n s u«« d Religiosität im Judent h««m hat eine so interessante Diseussion hervorgerilsen, dass über allgemeines Verlangen die Fortsetzung derselben auf Mittwoch den 7. Februar verlegt «verden musste. Es findet daher Mittwoch den 7. Februar l. I., 8 Uhr abends, in unserem Bereinslocale, I I., Haasgasse 8 (Untere Augartenstraße l!>) ein freier Discnssions- Abend statt, mir der Tagesordnung: Fortsetzung d e r Debatte über N a t i o n a l i s rn u s und R e l i g i o s i t ä t i m I u d e n t h u m. Die Mitglieder «verden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen und in ihren Bekanntenkreisen recht fleißig für einen zahlreichen Besuch zu agitieren. Die Vereinsleitnng. Ausweis. Unter der Chiffre: „Ein Unbekannter aus der Umgebung von Beraun" ist dem Brigittenauer Tempelverein eine Spende in« Betrage vvn 20 Kr. zngekommen.

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