Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 40 (17.11.1899)
- Date
- 1899-11-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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s Seite 4 Wien, Freitüg Jüdische* Volksblalt 17. November 1899 Nr. 40 es sind Arbeiter, welchen auch das Reisegeld geschenkt wird und die nur vom Hunger gepeitscht und mangels an lohnender Arbeit ihrem Vaterlande den Rücken kehren. Ist das nicht ein lehrreiches und warnendes Beispiel für Antisemiten, welche so blöd sind, sich eine Austreibung der Inden als Hauptpunkt ihres Programntes auszuhecken, und für jene Sorte jüdischer Politiker, welche als einzige Lösung der Iudenfrage deren Exportierung betrachten? Den einen wie den anderen muss es zuguterletzt noch in gleicher Weise ergehen: Tie Antisemiten müssen nach Hilfe rufen, um den Juden das Auswandern zu verbieten, die jüdischen Politiker besagter Qualität aber müssen begreifen lernen, dass die Ausfuhr einer allzu großen Judenmasse dem betreffenden Lande Wunden schlägt und folglich Repressivmaßregeln gegen die Auswanderung Hervorrufen muss. Die Judenfrage muss doch überall au Ort und Stelle gelöst werden, oder, wenn die Juden nicht begreifen und sich zu einer energischen Action liicht aufraffen wollen, so läuft sie Gefahr, zu ihrem Nachtheile oder gar nicht gelöst zu werden, was doch gewiss gleich ist. ■! Berlin. (Eine antisemitische N i e d e r l a g e.) " Die Wahlen für die Berliner Stadtverordneten-Bersannnlung I im dritten Wahlkörper haben hier am 0. d. M. stattgefunden. Dieselben gestalteten sich schon deshalb bemerkenswert, dass die Socialdeinokraten sich lebhaft um die sechs neugeschaffeneu Mandate bewarben und auch die bisherigen Antisemitenmaudate! in Anspruch nahmen. Aus dem Kampfe giengen die Svcialdemokraten als Sieger hervor. Tie Antisemiten haben eine 1 vollständige Niederlage erlitten. Ja. selbst der Hauptautisemit Stöcker blieb in der Minorität. Er brachte es auf ganze 369 Stimmen, während sein liberaler Gegner 685 erhielt und ' der socialdemokratische Caudidat mit 1282 Stimmen gewühlt ■ t 'wurde. Eine Säule der antisemitischen Partei ist auch der Rechtsanwalt Zeidler. Er erhielt in der That 325 j - Stimmen, während der Socialdemokrat S a s s e n b a ch es auf ' nur 453 Stimmen brachte und über beide der liberale Candidat Sutter mit 1145 Stimmen siegte. Berlin. (Die Juden in Transvaal uub die „Germani a".) Unter der Spitzmarke „Ueber deutsche Juden in Südafrika" bringt die „Germania" auf Grund einzelner englischer Zeitungsstimmen eine Reihe von Artikeln, in welchen die deutschen Juden als die Schuldigen an dem ' Kriege England-Transvaal erklärt werden. Auffallend ist dabei, dass auch die „Freisinnige Zeitung" solchen Gehässigkeiten gegen die Juden in ihren Spalten Raum gibt und Wort für Wort die „Germania" citiert. Das Borgehen der Freisinnigen hat hier nicht wenig Befremdung und Erregung hervorgerufen. I' ' Petersburg. In hiesigen jüdischen Kreisen setzt man auf die Ernennung des neuen Ministers des Innern S p i a g i n große Hoffnungen. Seine früheren Stellungen als Gouverneur von Charkow und späterhin von Kurland haben ihm Gelegenheit genug gegeben, die Juden kennen zu lernen, sowohl bezüglich ihres Charakters, als auch rücksichtlich ihrer Lage. Der Minister soll ein rechtschaffener Mann und nebstbei recht fleißig bestrebt sein, alles gründlich zu erkennen und auf die Wahrheit zu prüfen. Dies alles gibt den hiesigen Inden Anlass, auf bessere Zeiten zu hoffen. Petersburg. (Revision der Judengesetze) Wie bereits gemeldet, ist hier eine Commission ernannt worden , zur Prüfung der besonderen Gesetze für Juden. Wie der „Courier" berichtet, hat die Commission unter Vorsitz des f; Sectionschefs im Ministerium des Innern, von Goldenbrandt,!•. ihre erste Sitzung abgehalten. Es ist zu hoffen, meint das! Blatt, dass die Arbeit schnell vor sich gehen wird, und dass! i endlich ein Leitfaden in diesem Labyrinthe gefunden werden wird. ^Warschau. (Die Juden in Türke stau.) In letzter Zeit brachten verschiedene Zeitungen die Nachricht, dass man daran gehe, die Juden Turkestans noch mehr zu ver- . kürzen. Hierdurch veranlasst, hat. laut dem „Warschauer Kurier",; die Börse in Lodz 2 Großfabrikanten daselbst be ollniächtigt, dem Handelschef im Ministerium der Finanzen die Resolutionen ' der Lodzer Börse zu unterbreiten, aus denen unter Anführung zahlreicher klarer Eiuzelfacteu hervorgeht, dass für den russischen Handel in Mittelasien die Juden in Turkestan eine hervorragende Rolle spielen, da sie die Mittelspersonen zwischen den; dortigen Kauflenten und den Lodzer Fabrikanten bilden. Würden nun die Rechte der Juden in Turkestan eingeengt, erwüchse hieraus für die Lodzer Fabrikanten ein großer Schaden.! Lodz. (Die jüdischen Arbeiter.) Unter der - Geldkrisis, welche die Kaufleute in Russland im allgemeinen i durchwachen, leidet unsere Stadt am meisten. Biele kleinere f! Svinn- und Webhäuser mussten die Arbeit einstellen und über ■'': 1500 jüdische Arbeiter wurden enverdlos. Wohl zeigte sich ,>■ das jüdische Herz der selbst unter der Krisis schwer leidenden ij jüdischen Fabrikanten, indem sie am 20. October d. I. eine I i Versammlung emberiefen, einen Sammelbogen zur Unterstützurtg j der nothleidenden jüdischen Arbeiter auflegten und ca. 20.000 Rubel zu diesem Zwecke gleich zeichneten, wobei sie sich der ' j Hoffnung Hingaben, dass dieser Betrag sich durch alkdere ' Spenden noch vergrößern werde. Die hebräische Zeitschrift „Hazefira" bemerkt richtig hierzu, dass Almosen in der Roth; zwar nothwendig sind, aber ganze Hilfe können die Almosen nicht bringen. „Warum?" fragt die „Hazefira" mit Recht, f „Warum sollen die jüdischen Lodzer Großfabrikanten nicht Juden in ihren Fabriken beschäftigen? Die Gebrüder Buckt und manche andere Fabrikanten hatten es mit jüdischen Arbeitern versucht und haben diesen Schritt ganz und gar nicht zu bereuen. Und warum?" führt weiters die „Hazfira" aus,; ./beschäftigen unsere anderen jüdischen Großfabrikanten, wie , Posnanski rc., keinen einzigen jüdischen Arbeiter in ihren ,1 Fabriken? Das wäre doch jüdischer, wichtiger und heilsamer Wals Almosen spenden." ff Bukarest. (Eine neue Bewegung.) In der s . letzten Zeit ist hier eine neue Bewegung entstanden, welche dabiil geht, die Auswanderung nach der Insel Cypern, die bekanntlich unter englischer Verwaltung steht, zu leiten. Der theoretische Vater dieser Idee Herr Davis Tri et sch, war dieser Tage hier, augenscheinlich bloß zu dem Zwecke, um diese Frage zuerst an Ort und Stelle in den verschiedenen Städten Rurnäiiiens zu studieren. Bon hier ans wird Herr T r i e t s ch, wie wir von verlässlicher Quelle erfahren, sich nach Cypern begeben, um auch dort eingehende Informationen sich zu holen. — Diese, wie bemerkt, vorerst nur theoretisch vom Herrn T r i e t s ch ausgestellte Frage der Colonisation Cyperns bot hier die Veranlassung zur Gründung eines Vereines, der unter dem Namen „Agudas-Achim" sich cvttstitnierte. Er zählt 130 Mitglieder uitb soll ein Vereinsvermögen von 50.000 Francs besitzen. — Da mm einzelne Inden bereits nach Cypern auszuwauderu begannen, glaubte Herr Tri et sch vor dieser Voreiligkeit warnen zu müssen. Er veröffentlichte im „Reßerikul" in Jassy einen längeren Artikel, worin er hervorhebt, dass viele der rilinäilischen Zeitungen nicht die richtige Auffassulig der Bewegung hätten. Die Colonisation könne vorläufig noch nicht realisiert werden, da diese wichtige Angelegenheit noch im Stae.ium des Studiums sich befinde. Erst nach Ablauf voll 4 — 5 Monaten dürfte ihre Verwirklichung erfolgen. Wer daher gesonnen sei, nach Cypern auszuwandern, dürfe sich wohl der Hoffnung hrngebeu, keinesfalls aber schon jetzt es wagen, ohnewett rs dorthin zu emigricren. Conftautinopel. (Das Erdbeben i m S m y r n a). Von den letzten Erdbeben, welche vor etwa einem Monate in per Gegend von Smyrna stattgefundeu haben, sind uns erst i'iu ausführliche Berichte zugekommen. Am meisten hat die Stadt Aide n gelitten, gegen 400 Häuser sind cingestürzt. In dem Stadtviertel, wo Juden wohnen, war der größte Schale. Von 52 Todten waren 24 Juden. Zwei Schulen sind eingestürzt. Die Excesse in Mähren. Das „schöne, friedliche" Mähren, das Land, „in dessen Landtag nicht gestritten, sondern nur gearbeitet wird", hat nun den Ruf, den man ihm künstlich gemacht, gründlich rviderlegt. Dem Kenner der Verhältnisse konnte die Explosion der Vvlk'sleidenschaften, die vor kurzem iu Mähren erfolgte, nicht ganz überraschend sein. Es dürfte allerdings einigermaßen erstaunlich sein, dass nicht die unmittelbare Umgebung von Polna und Knttenberg, die ja durch Monate hindurch der directe Angriffspunkt der wüstesten und wildesten Aufhetzung war, sondern entfernte Bezirke Mährens der Schauplatz der heftigsten Ausbrüche der aufgepeitschteu Volksleidenschaften waren. Man geht wohl nicht fehl, wenn mail daraus schließen zu dürfen glaubt, dass nicht die anlässlich des Polnaer Mordes und des Kuttenberger Pcocesses betriebene Hetze und auch nicht die aus Anlass der Aufhebung der Sprachenverordnnngen in die Massen hineingetragene Erregung wirklich die alleinigen Ursachen der schrecklichen Excesfe von Holleschau und Wsetin seien, sondern dass diese in einer tieferen und längeren Gährung, in einem durch lange Zeit genährten Haffe ihre wahre Ursache haben, der nur eines Anstoßes von außen bedurfte, um in brutalen Gewaltthaten sich Luft zu machen. Warum ist es aber gerade Mähren, in dessen slavischer Bevölkerung der Hass gegen die Juden ein so leidenschaftlicher ist? Gerade die mährischen Czechen hatten ja den Ruf größerer Friedfertigkeit und viel weitergehender nationaler Mäßigung als ihre Stammesbrüder in Böhmen. Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Mährens geben darauf die Antwort. Dort herrscht infolge eines küristlichen ' Wahlsystems, der berühmten oder berüchtigten Schmerliiig'schen Wahlgeometrie, eine Minorität von 29 Percent über eine Majorität von 71 Percent. Was die Schmerling'sche Wahlgeometrie allein nicht vermag, dazu muss das Geld helfen, welches in Mähren bei den Wahlen in alle Vertretungskörper eine große Rolle spielt und zur Aufrechthaltung eines ausgedehnten Systems von Stimmenkauf dient. Aber nicht etwa gegen die eigenen Connativnalen, die einem Prvmber und anderen „Stutzen" des Deutschthums ihre Stimmen gaben, kehrt sich die Wuth der Czechen, sonderii gegen die Juden, die durch ihre „bewährte Treue und Opferwilligkeit für die deutsche Sache" zur Stärkung des Wahlfonds beitragen. Wie weit die Inden an dem System der Wahlcorrnption schuld sind, wird freilich nicht untersucht. Wo es sich um Machtfragen handelt, sind subtile Fragen der Wahrheit und Gerechtigkeit nicht am Platze. Es genügt, dass einzelne Inden — sei es aus wahrhafter Anhänglichkeit an die deutsche Sache, sei es aus Ehrgeiz, weil sie eine politische Rolle spielen wollen — dem gefährdeten Deutschthnm mit Geld unter die Arme greifen, um daraus die Anklage zu schmieden, dass die Jndeil die Unterdrücker des czechischen Volkes in Mähren sind und die Feinde des CzechenthumS überall uitb auf jede Weise unterstützen. Zu dem politischen Kampfe kommt auch noch der wirtschaftliche. In Mähren, wie in Böhmen sehen wir eine junge, erst im Werden begriffene czechische Industrie um ihre gesicherte Existenz, um ihr Absatzgebiet ringen; iu beiden Ländern streben die Czechelr nach Nationalisierung des Handels. Während aber in Böhmen ein großes geschlossenes czechisches Sprachgebiet der Nationalisierung der Industrie und des Handels wesentlich zustatten konrnlt und die nationalen Handels- und Gewerbekammern mächtige Hebel dieser Bestrebungen darstellen, haben der czechische Handel und die czechische Industrie in Mähren infolge der weniger scharf gesonderten Vertheilung der deutschen und czechischen Bewohnerschaft des Landes einen viel schwierigeren „Kampf um den Raum" zu führen. Dazu kommt, dass die Czechen in den Handelskammern von Brunn und Olmütz gar nicht vertreten sind, und zwar sind es dieselben Manöver, die bei den Wahlen in die politischen Vertretungskörper, die den Deutschen die Majorität bei den Handelskammerwahlen verschaffen. Vor einigen Jahren kam es in die Oeffentlichkeit, dass einer in einem sonst slavischen Orte befindlichen Judeugemeinde gedroht wurde, dass ihr die Subvention seitens des mährisch-jüdischen Landes Maffafonds entzogen würde, falls die der Gemeinde angehörenden Wahlberechtigten für die Handels- und Gewerbekammer nicht im deutschen Sinne wählen sollten. Und ist es möglich, dass ein derartiges Borgehen der jüdischen „Führer" nicht auch zur Kenntnis der Czechen kommt'? Und ist es dann ein Wunder, wenn der Hass der Czechen gegen die Juden ein so heftiger wird und in so roher Weise sich äußert? Darf man dann darüber stannen, dass die Vertreter der .,Svruj k sveiuu"-Politik jeden äußeren Anlass za einem Vorstöße gegen die utibeqnemen jüdischen Concurrenten mit Erfolg benützen können, dass sie jederzeit mit Sicherheit ans die Entfesselung der Bolksleidenschaften rechnen dürfen, und dass sie durchaus nicht peinlich in der Wahl der Mrttel sind, wenn es sich darum handelt, das vorgestreckte Ziel der Verwirklichung näherzubriilgen, den Inden ohne Unterschied alle Adern ihres Erwerbslebens zu niiteibinden. Traurig ist es, dass dies das Facit der Weisheit der jüdischeil „Führer" ist. viel trauriger aber ist cs, dass die Masse des jüdischen Volkes solchen Führern Gefolgschaft leistet. In einem Lande wie Mähren darf man von Leuten, die sich zu Führern der Inden anflverfen, etwas mehr verlangen, als dass sie die jüdischen Kräfte dem „bedrohten Deutschthnm" znführen, den wahrsten und wesentlichsten Interessen der Jndenschaft gegenüber aber blind und tailb sind. Durch die bisherige Taktik können wohl einzelne Individuen Vortheile erlangen, und man kann auch gelegentlich schöne Worte von den Führern der Deutschen zu hören bekotnmen; der wirtschaftlichen Nvth der Gesammtheit, die immer drohender wird, hilft man mcht ab, weriu man den Gegnern noch Waffen liefert. Den gegen uns herrschenden Hais werden wir nicht zum Schwinden bringen, aber wir muffen uns hüten, ihnl Nahrung zu gebe». Helfen können wir uns nur, wenn wir unsere eigene Lage richtig ersassen und uns ernstlich bemühen, den Weg der Selbsthilfe zu betreten. Danik erst dürfen wir hoffen, die Mittel zur Abhilfe zu finden. Bon Leuten aber, die in erster Lmie an sich selvst denken uitb in der Anlehnung an andere das Heil sehen, darf die jüdische Gesammtheit keine Hilfe erivarten. EingesenÄet. Wir erhalten folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie mir, mit aller Prägnanz, mit der ans Ueberzeuguugstrene entspringenden Schärfe diejenigen Anwürfe des famosen antisemitischen Hetzapvstels und des auf gleicher sittlicher Hohe steheudelt „Deutschen Volksblatt" zu entkräften, die sich auf das Kol-Nidre-Gebel beziehen, und soll der Sinn dieses, auch von auberer Sette missverstandenen Gebetes hier richtig gedeutet und klargelegt sein. Um den Sinn des Kol-Nidre richtig erfassen zu können, muss zuvörderst der Tractat Jumu, Pagine 85II, Zeile 28, verzeichnet werden. Er lautet: „Nur die Sünden des Melischen gegen Gott fordern Sühne und Vergebung am Versöhnungstage, eine an den Mitmenschen jedoch verübte Sünde, eilt Unrecht des Menschen, an Menschen vollzogen, findet nur daun die Versöhnung, wenn solche unter Zustimmung des sich gekränkt Fühlenden herbeigeführt wurde." Als Beispiel gelte: Wenn jemand aus Büßfertigkeit ein Gelöbnis oder einen Schwur leistete, sich Entbehrungen oder Enthaltsamkeit von Unterhaltungen oder irgendwelche Kasteiungen aufzulegen, jedoch dies Gelöbnis nicht zur Ausführung gelangeil ließ, so sind solche Gelöbnisse oder übereilte Eide durch das Kvl-Nidre-Gebet vergeben und verziehen. „Nie und n i m m e r jedoch w i r d ein an den N e b e n m e n s ch e u begangenes Unrecht aufgehoben oder wettg e m a ch t." Es wäre selbstverständlich Pflicht der Abgeordneten jüdischen Bekenntnisses, für diese liiizweifethafte, klar vorliegende Wahrheit einzutreten und sie mir den unanfechtbareil Gründen der siegreichen Ueberzeugung zu verfechten. So zerrinnen alle Anwürfe und Ausstreuungen in ein leeres Nichts, wenn dieselben auf ihre» wahren Gehalt geprüft werderl. Genehmigen Sie. geehrter Herr Redacteur, u. s. w. Wien, am 15. November 1899. EliaS Lehr. Wir erhalten folgende Zuschrift: Jüdische H a n d e l s a n g e st e l l t e und Arbeiter! Immer offener und schärfer, immer gefährlicher und verderblicher wird das Wüthen des Antisemitismus. Es gibt keinen unter Euch, der das nicht täglich sieht, keinen, der es nicht zu fühlen bekommt. Jüdische Handelsangestellte und Arbeiter, sie sind diejenigen, die physisch und seelisch dem Judenhaffe am meisten ausgeliefert sind. — Nicht nur ihrejüdische, i h re Men scheue h re, ihrStückBrot, müssen sie dem Antisemitismus gegenüber vertheidigen. Jüdische Hanbelsangestellte und Arbeiter! Jeder von Euch ist heute schon so weit, dass er weiß: die jüdischen Angestellten und Arbeiter leiden nicht allein, weil sie wirtschaftlich schwächer sind, sie leiden, leiden in erster Linie, weil sie Juden sind. Nicht dem Angestellten, dem Juden sperrt man den Eingang zu den öffentlichen Unternehmungen, nicht den Arbeiter, den jüdischen Arbeiter stößt der jüdische und nichtjüdische Fabriksherr und Geiverbsmann zurück. Nicht das Fach, nicht die Arbeit, der Jude wird boykottiert. Nun denn, Ihr jüdischen Handlungsgehilfen und Arbeiter, wenn Ihr als Juden angegriffen, wenn Ihr als Juden getroffen werdet, so vertheidigt Euch auch als Juden. Nichts ist logischer, nichts ist ehrenvoller, nichts ist klüger.