Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 36 (20.10.1899)
- Date
- 1899-10-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. :’.r, Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 20. Octobcr 1899 Seite 7 diesen Tagen aus dem jüdischen Volke nicht mehr bannen, er war stark und mächtig genug geworden, um das vierzigjährige Exil zu überdauern, und feierte seine glänzende Wiederauferstehung nach der Rückkehr der Juden nach Palästina. Nun bricht, dank der Bemühungen Esras und Nehemias, wieder eine Zeit an, wo „alles, wie geschrieben steht", auch gehalten wurde, vor allem die national-ökonomisch so wichtigen Bestimmungen bezüglich des Sabbaths, des siebenten und theilweise auch des fünfzigsten Jahres. Nur theilweise? Es mag ja ohueweiters eingeröumt werden, dass Gesetzesbestimmungen, wenn sie zur Zeit ihrer Erlassung noch so ausgezeichnet und wohl begründet sind, im Laufe der Zeiten bei geänderten Verhältnissen ihre Zweckmäßigkeit einbüßeu können und schließlich infolge dessen eventuell sogar außer Kraft gesetzt werden müssen. Ob dies auch bei jener mosaischen Norm zutraf, welche den Rückfall des veräußerten Grundstückes für das fünfzigste Jabr festsetzte, will ich dahingestellt sein lassen. — Thatsache ist, dass man dieses für das ganze so herrliche Gebäude des mosaischen Wirtschastsstaates charakterische Institut nicht reactivierte. Da mau aber ganz allgemein die Parole nusgegeben hatte, es müsse in jeder Beziehung der Zustand tviederbergestcllt und aufrechterhalten werden, wie ihn die Gebote der heiligen Schrift fordern, so bediente man sich in diesem Falle einer Ausflucht, die allerdings etwas weit hergehvlt erscheint, indem man erklärte: das oberwähnte Heimfallsrecht habe nach dem stricten Wortlaute der uiosaischeu Gesetzgebung nur solange in Geltung stehen können, als alle zwölf Stämme in Palästina beisammen gewohnt hatten. Dies sei nunmehr nach der babylonischen Gefangenschaft nicht mehr der Fall, und so entfalle auch jene Bestimmung! Nochmals erlebte das jüdische Volk eine Epoche des höchsten Wohlstandes — freilich nicht eines solchen int Sinne der salomonischen Zeit, welche einzelnen unermesslichen Reichthnm brachte, sondern — durch eine ziemlich gleichmäßige Verthcilnng der Glücksgüter unter der breiten Masse des Volkes. Die Periode der jüdischen Wirtschaftgeschichte in den letzten Zeiten des Perserreiches kann wohl als eine der glücklichsten bezeichnet werden, die unser Volk jemals durchlebt hat. Infolge dessen wuchs auch die Bevölkeriuagszahl so rapid, dass Alexander der Große, als er kam, die Welt zu erobern, immer wieder neues Soldatenmaterial aus dem kleinen Inda beziehen konnte. Aber nun beginnt wieder der unselige Kreislauf, wie er zwar in der Wirtschaftsgeschichte aller Völker beobachtet werven kann, dessen Voraussetzungen aber gerade beim jüdischen Volke kraft seiner mustergiltigen und — in des Wortes gesunder Bedeutung — echt wurzelhafteu wirtschaftlichen Gesetzgebung weit weniger gegeben waren als anderswo. Doch mau ertaubte sich in den maßgebenden jüdischen Kreisen, wie an dem obigen Beispiele vom Jubeljahre gezeigt wurde, Abweichungen von den durch Moses gegebenen Directiven, man tüftelte und mäkelte an manchen gesetzlichen Bestimmungen, die gerade nicht opportun erschienen, und begieng auf diese Weise grobe Fehler, indem inan hierdurch der normalen Entwicklung präjndicierte. Zwar lassen sich die Ansätze zu der gefährlichsten aller socialen Erscheinungen nicht genau verfolgen, wir stehen aber auch in dieser Epoche bald wieder vor einem schroffen Gegensätze zwischen Arm und Reich. Und weil mau nun bei jeder Gelegenheit den auf die Bahn des Capitalismus Geratheuen das Gesetz als das wirksamste Mittel vorhielt, sie von dem Missbrauche ihrer socialen Machtstellung abzubringen, so rächten sich diese Leute, da sie nicht willens waren, jene Bahn zu verlassen, indem sie sich offen l o s s a g t e n von ihrem Volke, von dem Glauben und von den Gesetzen dieses Volkes! Ihre Gesinnung ward eine a nationale, weil sie eine a u t i s o c i a l e gewesen . . . Dies konnte niemand erwünschter sein als dem Großkönig zu Antiochien, dem die jüdische Eigenart längst ein Greuel war, dessen er sich nicht ertvehreu konnte, solange die Juden wie e i n Manu zusammenstandcu. Als aber der sociale Kampf wieder anhob, als ein Theil des Volkes sich vom übrigen Volke abfvnderte, um es auszubeuten, als die jüdischen Capitalisten aus engherzigem Standesinteresse sich von ihren Brüdern, die eines Blutes waren tvie sie, ab wendeten, um gemeinsame Sache mit dem syrischen Könige zu machen, der es als seine Mission ansah, den zersetzenden Geist des Hellenismus ins jüdische Volk zu tragen: da besiegelten die Verblendeten durch den Abfall vom Glauben ihrer Vater den Bund mit dem Volksfeinde! Gafg 3o$ef Sdiuch II., Obere Donaustrasse 47 (vis-a-vis der Augartcnbr(lcke). Vier iißiiö Seifert-Billards mit Präcisionsaiantinelis. -fr- Täglich geöffnat bis 3 Uhr früh, -fr- Separierte Spielzimmer. — Vorzügliche Erfrischungen. Versäumen Sie ja nicht Leopold Bergers Restauration U/3 Lilienbrunngasse 9 wöchentlich mindestens CiHiTtä! zu besuchen. Sehet! 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Bader; 0. „Etwas Merkwürdiges vom ritten Baseler Gongresse“ von R. Brainin; 10. „Max Nordall“ (zu seinem. 50. Geburtstage), mit Titelbild von G. Bader; 1L „Rückblick auf die Ereignisse des Jahres 5659“ von G. B. Der Kalender ist 150 Seiten gr.»8° stark und kostet mit portofreier Zusendung: 35 kr. — 70 Pf. -- l Frcs. 40 Kop. Geid-endungen und Briefe sind zu richten an Verlag des „Jüdischen Volkskalenders“ in Lemberg. Drucksorten PORGES s Privat- HaadefisseSiaaSe WIEN, I.» Fleischmarkt 10. PlKdEät— S\utKpillinn fnr thnnni mul Dämon in j;oejjai CU tnmnUm (iiu-rtun, dio durch Altert Slollung, Vorbildung uml NescbäNig»»^ der Schule entrück, sind. Gründliche Ausbildung i'ilr das Bankuml Waroniaoh. Der Oi Unterricht wird dundi persönliche Unterweisung orthoilt. Vor- S buroilung für Hankprülungon. Knaben-Pensionat Porges Wien, I., Fleischmarkt 10. liefert billigst BUCHDRÜCKEREI „INDUSTRIE“ H- WM., Schlösseägasse 11. Die Triester Kaffee-Niederlage C. 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