Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 33 (29.9.1899)
- Date
- 1899-09-29
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 29. September 1899 Seite 7 schaftlichen Misere, welche durch die zersetzende Tendenz des Capitalismus hervorgerufen wurde, gesellte sich in immer wachsendem Umfange auch das Missgeschick von außen. Fremde Fürsten holten sich den Tribut aus dem Laude Israel, das sie mit dem Schwerte heimsuchteu, und in grauenvoller Weise gieng der Fluch in Erfüllung, den Moses für den Fall der Außerachtlassung seiner Gebote verkündet batte: des Volkes Arbeit kam nicht diesem, sondern den wenigen Ausbeutern zugute, und diese wieder durften sich des auf uugerechte Weise Erworbenen nicht freuen, weil der mächtigere Nachbar es ihnen abuahm, mit dem sie gelegentlich auch gegen ihr Volk gemeinsame Sache machten, um Gewinn ans ihrem Verrathe zu ziehen. Schließlich macht einer der fremden Eroberer der Sache ein Ende, indem er den Staat Israel vernichtet und seine Bewohner wegfnhrt. Wohin sie kamen, was ans ihnen geworden — darüb er streitet man noch heute, denn sie sind verschollen; aber das eine ist sicher, dass sie zugrunde giengen an der gänzlichen Verkennung des Wesens und der Ziele der — Nationalökonomie drs Indenthu m s. Literatur. von geprüften Lehrkräften in 12 Lectionen zn Geschäfts- Stenographen ansgebildet und erhalten nach Ablegung der Schlnssprüfung Zeugnis und kostenlosen Stellennachweis. Als Anmeldung genügt eine Correspondenzkarte an den Centralverein für „Vereinfachte Stenographie" in Wien, VIT/2, Nenstiftgasse 3. Eingesendet. Gafe uosef Schuch II., Obere Donaustrasse 47 (vis-ii-via dar Augurtnnbrdc.ke). Yier neue Seifert-Billards mit Präcisionsraantinells. Separierte Spielzimmer. — Vorzügliche Erfrischungen. Anlässlich der eben begonnenen Schulzeit richten wir an unsere Glaubensgenossen das höfliche Ersuchen, bei Vergebung von Privat- und Nachhilfe- Unterrichtsstunden für Volks- und B ü r g e r s ch ü l e r in erster Linie die jüdischen Lehrer zu berücksichtigen, welche unter dem derzeitigen Regime durch Präteriernngen rc. in ihrer Existenz schwer betroffen sind. Adressen von Lehrkräften stehen in der Redaction zur gefl. Verfügung. Die Redaction. D. Frischmann: Kssowim nibcharim (Anserwählte Schriften, hebräisch) Lieferung I und IT. Verlag „Tuschijah", Warschau 1899. Mit dem Bilde des Autors und einer biographisch-literarischen Einleitung von Dr. L. Kantor. — David Frischmann ist schon seit fünfzehn Jahren einer der tüchtigsten und talentvollsten Schriftsteller der neuhebräischen Literatur. Seine literarische Thätigkeit ist eine sehr reiche und herschiedenartige. Schon im Jünglingsalter übersetzte er, neben selbständigen dichterischen Productionen von Wert — denn Frischmann hat auch ein anmuthiges dichterisches Talent — die „Naturwissenschaften" von Bernstein, daraus Lippert's „Eulturgeschichte der Menschheit", Eliobs „Daniel Deronda" und noch andere Werke, deren Uebersetzung ins Hebräische bedeutungsvoll war. Ich hebe besonders seine Uebersetzung der Andersen'schen Märchen hervor, in der der Uebersetzer wirklich der Dichter des Dichters ist, wie Novalis es von der Uebersetzung eines künstlerischen Werkes verlangt. Als Uebersetzer kenne ich nicht in der neuhebräischen Literatur seinesgleichen. Aber Frischmann ist nicht bloß Uebersetzer und das sagt uns auch Herr Doctor Kantor in seiner trefflichen Einleitung. Frischmann war der erste (und vielleicht auch der letzte) Feuilletonist in der neuhebräischen Literatur. Wer die Entwicklung des neuhebräischen Schriftthumes kennt, weiß, was für einen colossalen Wert der Feuilletonist Frischmann für das hebräisch lesende Publicum hatte. Jedes Wort, jeder Buchstabe, die aus seiner Feder kamen, waren neu, brachten neues Leben in die alte, morsch und todtgeborene Journalistik. Seine in der besten neuhebräischen, leider früh Heimgegangenen Tageszeitung „Hajom" (deren Redaeteur Dr. Kantor gewesen) veröffentlichen Feuilletons verdienten es besonders, wie es in den zwei vorliegenden Lieferungen auch geschehen ist, verlegt zu werben". Sein Ton erinnert viel an Heine, doch ist er selbständig. Frisch mann trinkt aus seinem eigenen Glase. In einer Literatur wie in der neuhebräischen, die, ohne sich vom Leben berühren zu lassen, ohne auf den Pulsschlag der Zeit zu horchen, deren Beziehungen nicht zum lebenden Menschen, sondern zu einer Ueberlieferung fühte, in einer solchen Literatur, die sozusagen noch am Mittel alter hieng, taucht plötzlich ein junger, kampfeslustiger Mann, der notabene auch ein feines Talent hat, und schafft einen Kalender, der den Unterschied von „Gestern" und „Heute" zeigen soll. Vernichtende Kritik war sein erster Versuch. Er rang nach Luft. Er schrieb Hebräisch, aber ein Hebräisch, das ausdrückte, was er trachtete und empfand, was er ahnte und dachte, und nicht Jonas, Habakuk und Hagai. In seinen Feuilletons hat sich Frischmann gefunden; doch darf er'nicht mit einem Feuittetonisten verwechselt werden, mit einem Causeur, der deutsch oder französisch schreibt. Der in einer europäischen Sprache plaudernde Feuilletonist will uns nur eine halbe Stunde amüsieren, unsere halbe Stunde todtschlagen, lachend todtschlagen. In der neuhebräischen Literatur ist es ganz anders. Dem hebräischen Feuilleton liegt mehr Ernst zugrunde, mehr dem Herzen kommende Accorde, wie das jüdische Leben unserer Tage überhaupt bitter-ernst ist. Im hebräischen Feuilleton gilt es eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Und das hat Frischmaun. Seine Feuilletons hatten immer das jüdische Leben, die Heiligkeit der Aussichtslosigkeit zur Achse, um die sich sein Plauder drehte. Die neuhebräischen Zeitschriften unserer Tage sind farblos, matt und was noch mehr bedeutet, unehrlich (Haschiloah ausgeschlossen.) Wer eine „Hazefirah" zur Hand nimmt und den Leitartikel liest, sieht ein, dass der Redacteur selbst beim Schreiben desselben darüber lachte, aber doch erscheinen täglich diese Artikel, und das arme hebräisch lesende Publicum nimmt sie ernst. Frischmann debütierte aber in einer Zeitung, die ein Protest gegen die hebräische Journalistik bedeuten sollte, und auch ein schreiender Protest war — im „Hajom". Leider, musste sie, weil sie ehrlich im Karnpfe und in Wahl der Mittel war, untergehen. Frischmann schreibt seitdem mehr keine Feuilletons, er schreibt überhaupt seitdem wenig, ebenso wie Doctor Kantor. Sott es Resignation bedeuten? Die in der zweiten Lieferung wiederabgedruckten Briefe mt§ Finnland verdienen vom hebräischen Publicum studiert zu werden. Ueber alles wurde in der neuhebräischen Literatur geschrieben, dass aber ein gesunder Mensch und dazu ein Schriftsteller nach Finnland geht, um nacher begeisterte Feuilletons über seine Natur zu liefern, das war neu und sogar befremdend... Frischmann und dem „Hajom" gehört dies Verdienst.- Und dies Verdienst darf nicht leicht angeschlagen werden.— I. M. Der löbl. Redaction des „Jüdischen Volksblatt". Wien. Ich bitte Sie, diesen Zeilen Raum zu gewähren in ihrem werten Blatte. In seiner Erwiderung hat Herr L. S. meine Einwürfe, wenn sie sich auch nur auf Kleinigkeiten beziehen, nicht widerlegt, denn meistens stammen seine Ungenauigkeiten aus den benützten Quellen. Ich muss auch dagegen protestieren, dass ich mich durch Nichtnennung meines Namens getroffen gefühlt habe, denn Herr L. S. wird mir zngeben, dass ich nicht die Mode mancher junger Rabbiner mitmache, wöchentlich über sich Berichte beu jüdischen SÖlättevn einzusenden, die ihre Spalten für diese Selbstlobhudelei offen halten. Ich sehe übrigens mit Freude den weiteren Berichten des Herrn L. S. entgegen und hoffe ihm in puneto der älteren Geschichte der croatischen Jndenschaft in Bälde verlässliche Angaben und Daten bieten zu können. Genehmigen Sie, Herr Redaeteur, meinen wärmsten Dank für die Freundlichkeit, meinen Zeilen Raum gegeben zu haben in Ihrem geschätzten Blatte. Hochachtungsvoll Dr. G. Schwarz, Rabbiner. Karlstadt, 25. September 1899. ÄusUr jüdischen Organisationen. (Der Einzelverein Wieden-Margarethen des Berbandes österreichischer Vereine „Zion") hielt am 27. September d. I. in Jellineks Saallocalitäten eine öffentliche Vereinsversammlung ab. Nachdem der Vorsitzende Herr H. Jork-Steiner die zahlreich erschienenen Vereinsmitglieder und Gäste begrüßt und der Versammlung den Regierungsvertreter Herrn Ritter von T a l a ck o vorgestellt hatte, gab er seinem lebhaften Bedauern Ausdruck, dass der Anlass, der die Versammelten heute zusammensühre, durchaus kein freudiger sei. Das Kuttenberger Uctheil über den Polna er Mord hat das alte Märchen vom Blutrituale wieder aufleben lassen und der ungeheueren Beschuldigung gegenüber müsse man bemüht sein, die volle Wahrheit ans Tageslicht zu bringen. Sodann ergriff der Referent Herr Dr. Fu x-Jelensky das Wort und besprach in prägnanter, oft von stürmischem Beifall unter brochener Rede die Beschimpfung und Ungeheuerlichkeit, welche in dem Blutritualmürchen für uns Juden liegt. Diese Niedertracht unserer Gegner ist weit größer, erläuterte der Redner, als alle bisherigen Unterdrückungen, welche die Juden von ihren Feinden, feit der Diaspora bis auf unsere Zeit herab, erdulden müssen. Mit aller Macht haben wir Juden daran zu arbeiten, dass die volle Wahrheit aufgeklärt werde; es gibt keine Secte und keine Schattierung unter den Juden, die zu irgendeiner Zeit das Blutrituale als ein Gebot der Religion verzeichnet hätte, dass vielmehr gerade das Gegentheil, die Abscheu vor Blut gelehrt wird. Schließlich verwies der Redner noch auf den überaus betrübenden Umstand, dass es gerade ein Land von hoher Cultur sei, bewohnt von einer tüchtigen Nation, in welchem sich das erniedrigende Schauspiel fitifteveu Aberglaubens sich abgespielt hat. Eine politische, freiheitliche Partei hat ihre einst so edlen Grundsätze für immer beschmutzt. Nach dem Referate ergriff nochmals der Vorsitzende das Wort und brachte eine Resolution zur Verlesung, in der die Gerichtsbehörden „zur Anfhellnng der dunklen Affaire aufgefordert werden, zugleich aber auch dem tiefen Bedauern Ausdruck gegeben wird, dass die ofsiciellen jüdischen Kreise, welche die confessionellen Steuern auferlegen, so wenig gethan haben, um diesen Vorgängen zuvorzukommen". Nachdem diese Resolution per acclaraationem angenommen wurde, sprach noch Herr Rabbiner Dr. Reich zmn Gegenstände des Referates und befürwortete einen allgemeinen Congress sämmtlicher Rabbiner Oesterreichs, ohne Unterschied der Schattierung, auf welchem in friedlicher Form ein entschiedener Protest gegen die Beschuldigung des Blntritnales eingelegt werden möge. Nach dem Schlussworte des Vorsitzenden Herr»: Port-Steiner endigte diese Versammlung. KNimumü UMtlMililgerr ans dem JIuIiücuul (Unentgeltlicher Stenographie - Curs.) Der Ceutralverein für „Vereinfachte Stenographie" eröffnetAinfangs October in allen 10 Bezirken unentgeltliche Ansäuger-Cnrse in der „Vereinfachten Stenographie". Die Theilnehmer werden Versäumen Sie ja nicht Leopold Bergers Restauration II/, Lilienbrunngasse 9 wöchentlich mindestens GHHTIcll zu besuchen. 8ehen Sie sich die Ausstellung in Getränken an, Qt'iiinnn müssen Sin über die Filllo und Heidihaltigkcit, des für Oirtuilvll wenig Geld Gebotenen. _ . , Sie nur die unübertroffenen liiere der weltberühmten Trinken Nranoikien Xulmhacher Pslzhräu, vrig. Pilsner und i.gggrbfer mm Drehers Brauerei. Qtäpi/on Sie rieh mit einem echten niederüBlerreichischen Wein Olcll IVCll iLiter von 9 kr. aufwärts. Jeden Donnerstag grosses Schlachtessen. OTfimT—i *'•" Für die Witwe des ermordeten Fiakers Dolina sind bei «ns eingegaugen: Benjamin Fischl, Prag.fl. B. M. S., Olmütz.. Zionistische Jugend, Straßnitz.. Adolf Neu, Trzynietz.. Chevra Kadischa, Agram.. Sigmund Stransky ... In der Gemeinde Wall.-Meseritsch und Crasna gesammelt von den jüdischen Hochschülern Sam. Klein und Rud. Schreiber.. ttt 2.— 1.— —.50 10 — 9.— 36.- Kaffeeu. Thee- Versandt-Haus KARL PERLES Wien, XVI., Grundsteingasse Nr. 61, offeriert: fl. fl. i Kilo feinst Santos- Kaffee, roh 1.1V, gebrannt 1.3V „ „ „ Rio-lave- „ „ 1.35. „ 1.48 „ „ „ Jamaika- „ „ 1.50, „ 1.73 „ „ „ Perl- „ „ 1.30, „ 1.53 „ „ „ Portorieo- „ „ 1.60, „ 1.90 „ „ „ Liberia- „ „ 1.50, „ 1.73 (Riesenbohnen) Zwei beliebige von diesen angeführten Sorten eignen sich als Mischung und geben den feinsten, kräftigsten, aromatischen Kaffee. \ Kilo garantiert echter Sultan-Feigenkaffee . . 33 kr. „ „ Malzkaffee. 30 kr Dieser Malzkaffee ist aas dem kräftigsten Bierbrauer-Malz hergestellt und ist für Kinder und Magenleidende bestens zu empfehlen. fl. 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