Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 31 (15.9.1899)
- Date
- 1899-09-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. :N Wien. .Indisch (,s Wl’-sblatt 15. September 1899 Seite 7 dem Nimbus verloren, mil welchem die ganze Sendung Moses' ausgestattet ist. Dies ist durchaus nicht die uothwendige Consequeuz der schwer wegzuleugnenden Thatsache, zumal wenn man sich dabei den ebenfalls schon erwähnten Umstand vor Augen hält, dass Moses im dritten Buche zu jener Generation des jüdischen Volkes spricht, die er als erwachsene Leute ans Aegypten herausgeftthrt hat, im fünften Buche dagegen zn jener, die er sich selbst in der Wüste erzogen, welcher ec daher auch, weil sie nicht in den während der ägyptischen Selaverei erhaltenen unauslöschlichen Eindrücken der Knechtschaft befangen, vielmehr für seine fortgeschrittenen nationalen Wohlfayrtsideen empfänglich war, die Dinge ganz anders vorrragen und innndgerecht machen konnte. Ich will das Gesagte an dem speeiellen Beispiele der Sabbathrnhe demonstrieren. Im zweiten Buche, dessen legislativer Theil in dieser Beziehung auf eine Stufe mit dem dritten Buche zu stellen ist, heißt es im 31. Capitel 13: „Haltet meinen Sabbath, denn derselbe ist ein Z e i ch e n z w i s ch e u mir und E u ch, auf Eure Nachkommen, damit Ihr wisst, dass ich der Herr bin, der Euch heiligt", nachdem bereits im 20. Capitel 9—1.1 noch deutlicher gesagt worden ist: „Am siebenten Tage ist der Sabbath des Herrn, Deines Gottes; da sollst weder Du ein Werk verrichten, noch Dein Sohn, noch Deine Tochter, noch Dein Knecht, noch Deine Magd, noch Dein Vieh, noch der Fremdling, der in Deinen Thoren ist. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel n n d Erde erschaffen und das Meer und alles, was d a r i n i st, und r u h t e a m s i e b e n t e n T a g e Darum segnete der Herr den Sabbathtag und heiligte ihn". Im fünften Buche wiederholt Moses bekanntlich die zehn Gebote, deren drittes die Sabbathrnhe betrifft. Aber nun spricht er selbst, nicht mehr wie an den oben edierten Stellen, Gott durch ihn. Er sagt: „Am siebenten Tage ist der Sabbath des Herrn, Deines Gottes. Da sollst weder Du eine Arbeit verrichten, noch Dein Sohn, noch Deine Tochter, noch Dein Knecht, noch Deine Magd, noch Dein Ochse, noch Dein Esel, noch all Dein Bieh, noch der Fremdling, der in Deinen Thoren ist, a u s dass Dein Knecht u n d D e i n e M a g d r u h e, g l e i ch iu i e D ii. Denn Du sollst Dich erinnern, d a s s D u au ch Knecht im A eg y p t e n l a n d e warst, und der Herr. Dein Gott, Dich herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgestrecktem Arme. Darum — ich bitte diese zwiefache Begründung hier und dort wohl zu beachten — hat Dir der Herr, Dein Gott, geboten, dass Du den Sabbathtag halten sollst!" Mau sieht deutlich: im zweiten, beziehungsweise dritten Buche muss Moses seinen Leuten noch mit der Fuchtel in der Hand kommen; ohne das Grollen der im Donner gesprochenen göttlichen Worte ist ihnen nichts plausibel zn machen, sie müssen in seliger Erinnerung an die entschwundene Zeit der Knechtschaft immer noch die Knute auf ihrem Rücken fühlen, wenn sie gehorchen sollen. Sie sind aller Traditionen bar, die ein Volk besitzen niuss, uni selbständig zu denken, zu fühlen und thätig zu sein, und welche ein Volk nie verlieren darf, wenn es nicht dcr Atomisierung anheimfallen will. Ganz anders verhält sich Moses den frcigeborenen Söhnen der Wüste gegenüber, die in ihm nicht bloß ihren Befreier aus der Knechtschaft, sondern ihren Bolkslehrer verehrten. Ihnen gestattet er einen tieferen Einblick in die großartige Culturarbeit, die er zu vollbringen sich vorgesetzt hat, sie lässt er wenigstens einen Theil der großartigen Ideen ahnen, die sein Geist erfasst hat. Man höre nur: „Auf dass Dein Knecht und Deine Magd ruhe gleich wie Du!" und ferner: „Dass auch Du Knecht warst im Acgyptenlande". Ganz abgesehen davon, dass solche Ideen mehr als dreitausend Jahre vor der Aufhebung der Leibeigenschaft eine kolossale Errnugenschaft des jüdischen Volkes bedeuten, wo ist hier in den letzten Citaten der Hinweis auf die Analogie mit der Erschaffung der Welt durch Gott in sechs Tagen und seiner Ruhe am siebeuteu Tage? Sie hat eben dem Raisonuement Platz gemacht, dass es eine Humanitätspflicht, ein Gebot der Menschlichkeit, ein unentbehrliches Ingredienz der Menschenwürde bildet, dass allen denen, welche sich an sechs Tagen in der Woche redlich abgemüht haben, der siebente Tag zur physischen und geistigen Erholung und zur Erfüllung aller jener Pflichten gegen Gott, sich selbst und ihre Nebeumeuschen übrig bleibe, welche im Drange der beruflichen Arbeit vergebens ihrer Berücksichtigung harren. Moses will ganze Menschen haben, nicht körperliche oder geistige oder moralische Krüppel, und deshalb ist ihm eine der wichtigsten Bestimmungen seines socialen und wirtschaftlichen und nationalen Progrannües: die Sonntagsruhe. „In der ganzen Culturwelt wird durch die Gesetze vom Sinai dem rastlos schaffenden Volke alle sieben Tage wenigstens ein Ruhetag gesichert", sind die Worte eines englischen Staatsmannes. Eingesendet. D o l i n a, den 9. September 1899. Löbliche Redaction! Ein tragisches Ereignis, welches unsere Glaubensgenossen in größte Aufregung versetzte, spielte sich Samstag, am 9. d. M., 1 Uhr nachmittags, auf öffentlicher Straße ab, n. zw.: Zwei christliche Maurer passierten ein Hans, neben! welchem drei erwachsene jüdische Knaben saßen. Einer der Maurer verlangte von den Knaben Zündhölzeln. Die Knaben antworteten, dass sie Samstags keine Zündhölzeln bei sich trügen, worauf der Maurer drohte, die Knaben zn misshandeln, falls sie keine Zündhölzeln gäben. Ein jüdischer Fiakersmann, namens Abraham Hersch S t e r n b e r g, der zufällig vorbeigieng, fragte die Maurer, was sie eigentlich von den Knaben wollten, worauf einer von ihnen den Juden am Arme packte und der zweite ihm einen Messerstich in die Herzgegend versetzte. Das Herz durchbohrt, stürzte der Jude bewusstlos zu Boden, ohne wieder znm Bewusstsein zn gelangen. Der Mörder flüchtete sich in ein dem Thotorte naheliegendes christliches Geschäft und durch eine Ncbenthür entkam derselbe und verbarg sich bei einem anderen Christen. Es gelang jedoch der Gendarmerie mit Hilfe unserer Glaubensgenossen, den Mörder ausfindig zu machen und dem Gerichte einzuliefern. Der Ermordete hinterlässt eine arme Witwe mit sechs u n e r w a ch s e u e u 5k i n d e r n, von denen das älteste k a n m 10 I a h r e zählt. Da dieselben jedes Lebensunterhaltes entbehren, stellen wir an Sie die ergebenste Bitte, diesen tragischen Vorfall in Ihrem gesch. Blatte zu veröffentlichen und in rührenden Worten unseren Glaubensgenossen, sowie anderen edeldenkenden Menschen ans Herz zu legen, sie mögen die Witwe des Ermordeten mit Spenden bedenken und nach Möglichkeit unterstützen. ■ Die Spenden nimmt der Verein „Bnei Zion" in Doliua (Galizien) sowie die Redaction des „Jüdischen Volksblatt" entgegen. Hochachtungsvoll Leib L i t w a k. C. E h r l i ch. undausgebildet und für solche, welch« sich, zu Musiklehrern öder -Lehrerinnen heraubilden und diesbezüglich ein staatsailuaes Zeugnis erwerben wollen, besteht ein Eurs zur Vorbereitung für die k. k. Musikstaatsprüfung in welchen auch Richt- ,zöglinge) Herren und Damen, welche das 18. Lebensjahr zurückgelegt haben, einlreten können. Der Lehrkörper besteht nur aus staatlich geprüfter Lehrern und Lehrerinnen, welche in. moralischer und politischer Hinsicht unbescholten sind und unparteiische ^Tendenzen verfolgen! Trotz des sicheren Erfolges, den die Anstalt bietet, sind die Schulgelder iin Verhältnis zu anderen Schulen sehr mäßig gestellt, um jedermann leichter Zugang zur gründlicher! Erlernung der Musik zn verschaffen. Seit dem Bestände erfreut sich die Schule des besten Wohlwollens und dass dieselbe von Jahr zu Jahr eine höhere Stufe erklimmt und heute schon einen ersten Rang einnimmt ist einziges Verdienst des Direclors derselben, welcher im Vereine mit den besten Lehrkräften die Anstart musterhaft leitet und durch dessen loyale Bestrebungen die Schule nicht nur in Fünfhaus, sowie den angrenzenden Bezirken sondern weil hinaus sich des besten Rufes erfreut. Möge unsere Empfehlung nicht verhallen, ohne dass sich das musiklieben^e Publicum von dcr Sache überzeugt hat. Die Einschreibungen an der Schale haben bereits begonnen und werden im Laufe des gan;en Jahres neue Schüler aufgenommen. Für auswärtige Schüler oder Schülerinnen wird für deren Unterbringung bestens ge,orgt. Kaffeeu. 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