Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 29 (1.9.1899)
- Date
- 1899-09-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Wien, Freitasr Jüdisches Volksblatt 1. September 1390 Seite? Eingesendet. Indische Hausierer. Wir erhalten folgende Zuschrift: Unter dieser Ueberschrift erschien in Nr. 23 Ihres geschätzten Blattes ein trefflicher Artikel, dem jedoch noch etwas hinzuzufügen wäre. In manchen Ortschaften muss nämlich der Hausierer eine Taxe bezahlen, bevor es ihm gestattet ist, seinem Gewerbe nachzugehen; in einem speciellen Falle beträgt dieselbe meines Wissens 60 kr. Welche enorme Extrabesteuerung! Was soll der arme Hausierer thun? Bezahlt er nicht die Taxe, so darf er im Orte nicht hausieren und hat seine Zeit verloren; bezahlt er sie, so kann es geschehen, dass er wenig oder nichts verdient und dann hat er beides, Zeit und Geld verloren. In jedem Falle zieht er nach dem nächsten Orte und dort geht es ihm vielleicht nicht besser. „Brauchen keine Hausierer, sollen was anderes treiben." Doch gibt es darüber auch andere Meinungen. Der Fabrikant, der seine Erzeugnisse absetzen will, weiß, welch wichtigen Factor er in jenem zu diesem Zwecke besitzt, und das große Publicum würde ihn gewiss nicht .patronisieren, würde er es nicht in den meisten Fällen besser, billiger und bequemer bedienen. Und die Wahl eines anderen Berufes ist leichter gesagt als gethan. In der Regel ist das Hausieren schon der letzte Beruf. Zumeist sind es ältere Leute, die in anderen Unternehmungen Schisfbruch gelitten und nothgedrungen in den sauren Apfel beißen mussten. Und wird man denn so mir nichts dir nichts Hausierer? Nein, das bedingt eine Concession. Wie schwer ist eine solche, namentlich für einen Juden, zu erlangen. Nun soll einer ganzen Kategorie dieser wenn auch bittere Broterwerb mit ^inem Federstrich entzogen werden! O wie grausam! Gibt es denn kein Erbarmen mehr in der Welt? David Fech ter. Wir erhalten eine von zwei Abonnenten gezeichnete Zuschrift, welche sich mit den Gemeindeverhältnissen in Göding befasst. Die Einsender, welche voll und ausschließlich die V e r a n t w o r t u ng für den Inhalt ihrer Einsendung übernehmen, sind uns namentlich und -persönlich bekannt. Die Red. Sehr geehrter Herr Nedacteur! Ein seltsames Gepräge hat unsere Cultnsgemeinde seit einem Vierteljahre erhalten. Fast glaubt man sich in die Ghetto- Zeiten zurückversetzt. Die seit jeher als sehr fortschrittlich bekannte Gemeinde muss nun Reformen über sich ergehen lassen, welche alle bisher errungenen Fortschritte illusorisch machen. Die Ursache dieser Veränderungen ist in der Person unseres neuen Rabbiners zu suchen, der sein Amt nach streng orthodoxen Grundsätzen verwalten will. So hat er anfänglich die vorgeschriebene Autorisation des Landesrabbinates für überflüssig erklärt, was die für ihn und die Gemeinde gleicherweise peinliche Folge hatte, dass er nicht bestätigt wurde. Auch sonst hat der junge Herr Rabbiner durch seine strengen Ansichten manche Schärfen hervorgerufen, die er — wenn er einmal abgeklärter sein wird — wohl selbst lieber vermieden hätte. Nun ist es gerade die Fleischfrage, in der ihm ein großer Theil der Gemeindeangehörigen nicht zustimmt. Es existieren hier drei jüdische Fleischhauer, von denen zwei in einem und demselben Locale neben gestattetem auch Schweinefleisch feilhalten. Der dritte, der in seiner Fleischbank ausschließlich Rindfleisch ausschrotet, ist infolge dessen, dass sein seit mehr als 40 Jahren bei ihm bediensteter Geschäftsführer Nichtjude ist, als nicht vertrauenswürdig bezeichnet worden, trotzdem dieser 40 Jahre lang unter Aufsicht des Herrn Rabbiners von Holics und des als orthodox bekannten Schächters Müller, später sieben Jahre lang unter Aufsicht des Herrn Rabbiners Groß in Lundenburg sich des größten Vertrauens erfreute und seit ungefähr 11 Jahren hier das Amt des Schächters bekleidete. Der junge Herr Rabbiner suchte auch nach einem Ersatzmann und seine Wahl fiel ans einen alten Mann, der sich nicht eines unbestritten guten Rufes erfreut und in seinem Aeußeru ganz au die typischen Figuren der Kohn'schen Ghettogeschichten erinnert. Da der oberwähnte Fleischhauer die Beaufsichtigung seiner Bank durch diese Persönlichkeit ablehnte, wurde letzterer zur Aufsicht über das Koscherfleisch in einer der anderen Fleischbänke bestellt, nachdem ein Verschlag von 2 Quadratmetern gemacht wurde, der das Schweinefleisch von den übrigen trennt. Diese Maßregel steht zwar im Widerspruch mit der geäußerten Ansicht des Herrn Rabbiners, dass von den beiden Fleischhauern, welche auch Schweinefleisch halten, gänzlich abzusehen sei, wird aber noch räthselhafter, wenn man erfährt, dass die Beaufsichtigung des Koscherfleisches dem hiesigen Herrn Obercantor deshalb nicht übertragen wurde, weil sich dieser mit einem Messer rasiert. Der jugendliche Eifer des Herrn Rabbiners hat ihn schon in dieser Frage bedenklich inconsequent gemacht, und diesem Eifer ist es auch zuzuschreiben, tvenn sich der Herr Rabbiner in eine persönliche Agitation von Haus zu Haus eingelassen hat, um die Juden zn bestimmen, ihr Geflügel bei dem von ihm bestimmten Maschgiach schlachten 51t lasse», trotzdem diese Verrichtung zu den Einnahmen des zweiten Kantors gehört. Ebenso wird der Herr Rabbiner später einmal vielleicht finden, dass er allzu strenge war, wenn er einem armen Teufel, der oft genöthigt ist, am Sabbath die Uebernahme von Getreide zu überwachen, und der sich ans dem Blasen au Neujahr einen Beruf und Gelderwerb machen musste, die Stelle eines Baal tokea entzieht. Dass sie jetzt der genannte Maschgiach bekam, sei nur nebenbei erwähnt, obwohl viele Gemeindemitglieder behaupten, dass die Anstellung dieses Mannes eine überflüssige Belastung der Gemeinde sei. Zum Schlüsse sei noch auf die Jnconsequenz des Herrn Rabbiners hinsichtlich der Bethätigung seiner orthodoxen Principien und seinem persönlichen Verhalten hingewiesen. Wenn er auch noch nicht die behördliche Genehmigung zur Vornahme von Trauungen und anderen Functionen hat, so sollte er doch, so er bei ersteren functioniert, nicht die Hälfte der Zeit seines Hierseins (es sind dies drei Monate), gewiss aber nicht in den ersten Slichestagen von Göding abwesend sein. Man soll zwar mit einem jungen. Rabbiner, :deir in einer Gemeinde moch fremd ist, nicht allzu scharf ins Gericht gehen, aber andererseits sollte auch er sich vor Augen halten, dass man gegen alte Rechte und Gebräuche nicht zu rapid und drastisch Vorgehen darf. Hochachtungsvollst Göding, 29. August 1899. N. N. Mittheiirmgen ans dem Publicum. (Die Thatsache,) dass die k. und k. österr.-ungar. Marine-Section, nachdem sie mehrere Jahre hindurch eingehende Versuche mit allen möglichen Arten von Schreibmaschinen für den Land- und Seedienst gemacht hat, nunmehr, nach Außerdienststellung der früher gekauften Maschinen anderer Markest, nicht tveuiger als fünfzig Hammond-Schreibmäschiuen auf einmal nachbezogen hat, spricht jedenfalls mehr als alles andere für die außerordentliche Ueberlegenheit dieses durch wehr als em Jahrzehnt bewährten, ungemein soliden nnd leistungsfäligest Fabricates, dessen alleinigen Vertrieb eb^üso wie in'Deutschland und in der Schweiz die bekannte Firtitii Mrdinaüd Schrei), Wien, I., Kärtnerstraße 26, seit mhr ä'ls 'W Jahren inne hat. Kaffeeu. 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