Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 28 (25.8.1899)
- Date
- 1899-08-25
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. CJ8 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt Seite 7 2J. August. 1899 Eingesendet. Löbliche Redaktion. Der „Jüdische V o l k s v e r e i n" beabsichtigte, anlässlich der bevorstehenden Feiertage in seinen Aereinslocalitäten einen Gottesdienst zu veranstalten, an welchem mittellose Juden, i" erster Linie Vereinsmitglieder, kostenlos theilnehmen können ft ten. Dazu war die Erwägung maßgebend, dass sehr viele jüdische Familien nur deshalb an den hohen Feiertagen dein Gotmsdienste ferne bleiben, weil sie nicht über die Mittel verfügen, üch einen Sitz in irgendeinem Tempel zu kaufen. Dieser Umstand wurde in einer an die israelitische Cnlrusgemeinde in Wien gerichteten Eingabe nachdrücklichst betont, so dass der „Jüdische Volksverein" vollkommen überzeugt war, der vollsten Anerlennung seitens der competenten Factoren, keinesfalls aber einer Abweisung zu begegnen. Unsere Eultusgemeinde hat jedoch in dieser wie in vielen anderen Angelegenheiten bewiesen, dass sie bloß eine Vertretungsbehörde des jüdischen Eapitnls sein will und für die armen Juden absolut lein Herz hat. Die Eingabe des „Jüdischen V o l k s v e r e i n e s" wurde mit dem Bedeuten znrückgeleitet, dass zur Bewilligung der Gottesdienstabhaltung die Zustimmung des Obmannes eines in der Itembrandtstraße 32 befindlichen Tempelvereines erforderlich sei. Besagter Tempelverein gibt unter 8 fl. keinen Sitz in der ihm gehörigen Synagoge ab, und hat wohl Jntcreise daran, dass in seiner nächsten Nähe (Haasgasse 8, das Local des „Jüdischen Volksvereines") keine Gelegenheit gegeben sei, einem kostenlosen Gottesdienste anzuwohnen. So hatte denn auch der zweimalige Besuch unseres Vereins-Seeretärs bei dem Obmanne der „Nembrandtschule", Herrn S. S i m o n, keinen anderen Erfolg, als dass Herr Simon erklärte, diese Zustimmung in keinem Falle geben zu können, weil der Fall eintreten könnte, dass einer oder der andere Glaubensgenosse, der sonst bei ihm mindestens 3 fl. bezahlt hätte, beim jüdischen Volksblatte ohne Entrichtung eines Tributes seinen religiösen Pflichten Nachkommen würde. Diese durch nichts beschönigte Gewinnsucht des in der Rembrandtstraße etablierten Tempelvereines ist umso schärfer zu charakterisieren, als die Eultusgemeinde dieselbe unterstützt, indem sie ohne die Einwilligung des Herrn S. S i m o n den Gottesdienst in unserem Vereinslocale nicht gestatten will. Wir mussten sohin unsere Absicht aufgeben. Die hundert Juden, welche kostenlos einem Gottesdienste hätten beiwohnen können, werden nun wieder sehen, wer ihre Interessen am besten vertrat. Genehmigen Sie, geehrter Herr Nedacteur, u. s. w. Wien, 23. August 1890. Das Secretariat des „Jüdischen V o lk s v e r e i n s." Aus den . Wischen Organisationen. Wien. (S i m m e r i n g e r T e m p e l b a u v e r e i n.) Am Donnerstag nachmittags wurde der in der Braunhabergasse 7 aus freiem Platze sich erhebende Tempel bei zahlreicher Theilnahme der Bevölkerung in solennster Weise das neue Gotteshaus, zu welchem am 2. December v. I. erst der Grundstein gelegt wurde, eingeweiht. Unter den erschienenen Festgästen bemerkten wir Negierungsrath Frankl, Polizeibezirksleiter-Stellvertreter von Simmering Eommissär Dufik, Commissär Dr. Klecka, Bezirksarzt Dr. Wen graf, Oberlnndesgerichtsrath Schober, die Seeretäre Dr. Soeben und Dr. Adle r, Obmann des Vereines der Gewerbetreibenden, S. B r o d vom polit. Volksverein, I. H. Ellbogen, Vertreter des 3., 10. und 18. Bezirkes, Tempelvereins-Obmann, H. Beck, Eultns-Borstand und Canior von Baden u. v. a. Nach einem feierlichen Präludium recitierte Cantor Ad. Schäfer in wirkungsvollster Weise das M a t o w u in Begleitung des städt. Tempelchors und eines Harmoniums. Hierauf begrüßte Obmann Alex. Vogel dieTheilnehmer an diesem patriotisch-religiösen Weiheaete in kurzer, kräftiger Worten und brachte ein begeistertes Hoch aus aus den allverehrten Landesvater, in welcher die Anwesenden dreimal einstimmten. — Nachdem noch Herr Stein der vereinten gemeinnützigen Wirkung der Herren Dr. Alfred B u g e r und kais. Rath Friedrich Vogel, wie auch der Munifieienz der Eultusgemeinde rühmend gedachte, dankte Herr Friedrich Vogel allen Mitwirkenden, ebenso den Damen, die sich, wie bei der Errichtung des Stiftszeltes, eifrig am guten Werke bethätigien — Baurath v. G o l d s ch m i d t gedachte lobend des Architekten Gärtner und Stadtbaumeisters Melcher, die mit bescheidenen Mitteln einen solchen Prachtbau, die Zierde des Bezirkes, ein wahres Juwel erbauten, und gab der Hoffnung Ausdruck, dass der Tempel eine Stätte des Friedens sein und bleiben werde, manifestierend den Geist der Einigkeit, der Energie und des Gemeinsinnes. — Nach dem feierlichen Umzuge mit den Thorarollen und dem Entzünden der ewigen Lampe durch Prediger L ö w y hielt Rabbiner Dr. Schmied! die kurze, ideenreiche Festrede, dann schloss der denkwürdige Act mit dem Gebete für Sr. M. dem Kaiser und der Absingung der Volkshymne. Wien. (Ein u eu es A m b tt l a t v r i u m f ü r a r NI e k r a u k e K i n d e r.) In einer vor kurzem abgehaltenen Versammlung hat sich ein Verein constituiert, welcher es sich zur Aufgabe gemacht hat, in Wien Krankenanstalten für arme Kinder ohne Unterschied der Confession, und zwar in erster Linie ein Ambulatorium, späterhin, wenn die Vereinsmittel es ermöglichen sollten, ein Kinderspital zu errichten. Dem Vorstände des Vereines, welcher den Namen „Verein zur Errichtung und Erhaltung von Krankenanstalten für Kinder ohne Unterschied der Confession" führt, gehören an : die Herren Cäsar D a n o n Cassier, Banrath Theodor Ritter v. G o l d s ch m i d t, Univ.- Dvcent Dr. Josef G r ü n f e l d, kaiserl. Rath Heinrich K l i n g e r, Dr. Gustav K o h n, Viee-Präsident, Leopold L v u r i e, Arthur Edler von Mises, Cvmmercialrath W. P o l l a c z e k, Max Q u i t t n e r, Fritz Redlich, Moriz S i l b e r st e r n, Dr. Moriz Singer, Schriftführer, Heinrich T e l t s ch e r, Julius Wulf; dem Revisionsausschuss die Herren: Dr. Marcus Spitzer, Albert Stein und B. P e r s i k a n e r. Die Wahl des Vereinspräsidenten wurde einem späteren Zeiträume Vorbehalten. Da sich das Bedürfnis nach Errichtung von Krankenanstalten für arme Kinder in Wien von Tag zu Tag fühlbarer macht, so hofft der Verein, durch werkthätige Unterstützung der vielen in Wien lebenden Menschenfreunde baldigst in der Lage zu sein, seine Vereinsthäiigkeit mit der Eröffnung eines Kinderambnlatoriums zu beginnen. Der Mitgliedsbeitrag betrügt jährlich 3 fl. und werden Beitrittserklärungen an den Vereinsschristführer Herrn Dr. Moriz Singer, Hof- und Gerichtsadvocat in Wien, i., Kohlmarkt 18, erbeten. (Am IS. d. M. fand in KierUng das sogenannte Schnlkränzchen) statt, dessen Neinerträgnis armen Schulkindern zugute kommt. Die jüdischen Sommer- Parteien Kierlings, die ans politischen Gründen das Local, in dem das offieielle Schnlkränzchen stattfand, nicht besuchen, veranstalteten an demselben Abende für denselben Zweck einen Unterhaltungsabend in Schlägels Gasthaus. Als Reinerträgnis wurde von Herrn Dr. Vogel und Herrn Ko m m e r der Betrag von 28 fl. zu Händen des Herrn Oberlehrer M e i e r für die armen Schulkinder abgesührt. Wir können diesem Vorgehen nur unser nngetheiltes „Bravo" zurnfen. Wir kämpfen wohl gegen unsere Feinde, die Antisemiten, aber wir kämpfen nicht gegen unschuldige arme Schulkinder. Das ist der Unterschied zwischen uns und der Luegerbaude. P. MittheUmMN m# dem Pulüimm. Heute erschien in unserem Bureau der 11 Jahre alte Abraha m Isaak aus Brest Litewski (Russland) in Begleitung seines Vaters und noch eines Herrn und legte uns Zeitungsausschnitte vor, worin seine Drohsches (Predigten) sehr lobend hervorgehoben werden, die er seit längerer Zeit in den Bostei midroschim und Synagogen in Russland und Galizien abhielt. Der junge Wanderprediger machte aus uns den besten Eindruck. — Sein bildhübsches Kiudergesicht verräth Klugheit, sein ganzes Gehaben ist aber das eines gereiften Mannes. — In Wilna und Lemberg hat der Wunderknabe 23 Drohsches gehalten und wird man am 27. d. M., um 4 Uhr nachmittags, Gelegenheit haben, ihn bei „ 5k h a l ch a s s i d i m" II., I m W e r d 9t r. 15 z u höre n. Vethans „LiwraS Chen", 11., Obert Donanstraffe 89. Der Verkauf der Betsitzkarten findet täglich morgens von 7 bis 9 Uhr und abends von ti bis 8 Uhr im Vereinslocale U., Obere Donaustraße 89 statt. Briefkasten. Dr. M. D. in S. Verzeihen Sie, Geehrtester, aber wir verstehen nicht, wie Sie zn dieser Deutung kommen. Wenn es heißt, Sprechstunden an Wochentagen von 4—9 und Sonntagen von 10—12, so ist doch damit der Sabbath nicht als Wochentag bezeichnet. Des Sabbaths zu erwähnen, halten wir überhaupt für überflüssig, weil wir an dem Tage,.geschlossen halten. Es hat auch seit Bestand der Redaction an dew Tage noch niemand vorgesprochen. Den Sonntag haben wir aus Achtung vor der hierzulande vorherrschenden Confession angesetzt Es ist eine ganz irrige Ansicht Ihrerseits, die besondere Nennung des Sabbaths zu reclamieren; das sehen Sie wohl nach unseren Mittheilungen ein. Ihre sonstigen Mittheilungen haben wir der Administration übergeben. Für Ihre Bemühungen besten Däuk; es wäre wünschenswert, wenn der Volksidee noch recht viel solche Agitatoren erwachsen würden. Besten Gruft. Neuer Abonnent, Grybow. 1. Jüdische Tagblätter existieren in Oesterreich nicht. In Budapest erscheinen zwei: „Budapester jüdische allgemeine Zeitung" und „Jüdisches Tagblatt". 2. Jüdische Zeitungen gibt es in Oesterreich folgende: „Hamagid" und „Der Jüd" in Krakau, hebräisch und Jargon, und „Hoiwri" in Lemberg, Jargon. Im Ausland erscheinen: zwei hebräische Tagblätter: „Hcrzefirah", Warschau und „Hameliz" in Petersburg, ferner Wochenblätter: „Hajehudi" in London, „Hapisga" in Chicago, „Hachawazeles" in'Jerusalem. S. Jsraelowicz. Bei Josef Schlesinger, Wien, I., Seitenstättengasse. F. B. in Cz. Wollen Sie uns das Feuilleton einsenden, dann werden wir Ihnen die Höhe des Honorars bekanntgeben.— Manuscripte retournieren wir nur bei Einsendung der entsprechenden Briefmarken für Retourporto. Kaffeeu. Thee ■ i in— ■ BSä Versandi-Haus KARL PERLES Wivn, XVI., GrimdstLmgaffe Br. (51, offeriert: fl. fl- \ Kilo fein.st Santos- Kaffee, roh 1.19, gebrannt 1.39 Rio-lavv- Jamaika- Verl- Portorico- Liberia- (w'seiibohneil) i>.!». diesen cm.jfiflftvi'Mt Sorten eignen fidj als Mischung und gcde» den feinste», kräftigsten, aroiuatischeu Kaffee. I Kilo garantiert echter Snllan-Feigenkaffee . . 33 kr. 1.25. 1.59, 1.39, 1.99, 1.59, 1.48 1.73 1.53 1.99 1.73 Zwei delienge 30 Fr. 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