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Jüdisches Volksblatt · 1899-08-18 · 27 (18.8.1899) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
27 (18.8.1899)
Date
1899-08-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seile X Jüdisches Volksblatt IS. August 1899 Wim, Freitag Nr. 27 Bö sing. (R a b b i n e r - I n st a l l a t i o it.) Am 8. d. M. raub hier die feierliche Installierung Sr. Ehrwürden des Rabbiners Philipp Rosenberg statt. Am Bahnhose erwartete rhu die Gemeindevertretung und Dr. B i l h e i m, Rabbiner aus Maros Vasarhely, begrüßte ihn, worauf der neugewählte Rabbiner für den schönen Empfang dankte. Nach dem Zuge zum Tempel hielt der Rabbiner seine Atttrittspredigt, in welcher er betonte, dass er keiner Partei sich anschließe, sondern seiner eigenen Ueberzeugung folgend, stets nur das Wort Gottes verkünden und sich bestreben werde, immer nur Frieden und Einigkeit zu stiften. Gödtttg. (E i n b r n ch s d i e b st a h l.) Durch bisher unbekannte Diebe wurde in den hiesigen Tempel eingebrochen. Die Thäter öffneten die Thüre mit einem Nachschlüssel, drangen in das Gotteshaus ein, erbrachen den Opferstock und raubten der.selben ans. Auch den Altar erbrachen sie, in der Meinung, dais dort Gold- und Silbergegenstände sich befinden. Dieselben werden jedoch immer in der Wohnung des Vorstehers aufbewagrt. Die Einbrecher mussten sich daher mit der kleinen Beute von 2 bis 3 Gulden begnügen, welche in dem Opferstock waren. Aus Uumuth hierüber machten sie, bevor sie die Synagoge verließen, mit einer anderwärts gestohlenen Stampiglie Abdrücke auf den Wänden, so dass die Malerei ruiniert ist. Binnen kurzer Zeit ist dies der zweite Einbruch in den hiesigen Tempel, ohne dass man von den Thätern eine Spur besitzt. Nngar.-Hradisch. Die jüdisch-akademische Ferial- Verbinonng „Achiwah" veranstaltete am 13. d. M. in Straßnitz einen Commers, der sich jedoch nicht der Gunst der sogenannten Spitzen der Gesellschaft und Gemeinde erfreute. Trotzdem nahm derselbe einen würdevollen und animierten Verlauf und wird dieser Abend allen Theilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben. Graz. (Z u m d e u t s ch - ir st e r r e i ch i s ch e n G ew erb cl a g e.) Am Sonntag begannen die Berathungen des deulschöfierreichischen Gewerbetages, der aus Veranlassung und unter thätiger Mithilfe der deutschnationalen Partei einberufen wurde. Bereits zuin ersten Punkte der Berathungen erklärte der Referent Reichsrathsabgeordneter B ö h e i m bei Erörterung der gemeinsamen Selbsthilfe der Gewerbetreibenden, dass durch Errichtung von Verkaufsständen, so z. B. bei Schneidern, den Gewerbsleuten eine wesentliche Hilfe entstände, und wäre es auf diesem Wege auch möglich, den jüdischen Waren hallen eine starke C o n c u r r e n z e n t g e g e n z u st e l l e n und die Judenüberhaupt unmöglich zu machen. Auch die Besprechung der Hausierfrage bot mehreren Rednern Anlass, diese Angelegenheit vom antisemitischen Standpunkte aus zu besprechen. Ausland Paris. Der in der Armee künstlich gezüchtete Antisemitismus hat schon zu recht unangenehmen Conseguenzeu geführt. Eine der bedeutendsten aber ist das Duell, das kürzlich zwischen zwei Uutervfficieren des 18. Chasseur-Regimentes in St. Germain-en-Laye stattgefuudeu hat. Unterofficier Klein, ein Jude, war durch die fortwährenden antisemitischen Hetzereien seiner Kameraden so zur Verzweiflung gebracht, dass er den nächstbesten, der ihn wieder in dieser Weise beleidigte, thätlich angriff, so dass ein Duell die Folge war. So fand der Zweikampf zwischen dem Unterofficier Klein und dem Unterofficier Biancarelli statt, in dem Klein siel. Am 31.Juli fand das feierliche Begräbnis statt, bei dem Oberst M e n e u st dem allgemeinen Mitgefühl Ausdruck gab und den ausgezeichneten menschlichen und soldatischen Eigenschaften volle Gerechtigkeit widerfahren ließ. London. Abermals ist ein Glaubensgenosse als Candidat für das englische Unterhaus vorgeschlagen worden. Die Conservativen von Accrington haben einstimmig Air. Edward Micholls zu ihrem Candidaten für die nächste Wahl bestimmt. Mr. Micholls ist ein hervorragender Kaufmann in Manchester, der eifrigen Antheil an den jüdischen Gemeindeangelegenheiten genommen hat. Insbesondere ist er Präsident der großen jüdischen Schule, die 2500 Schüler zählt und nur der Londoner jüdischen Freischule an Größe nachsteht. Wird Mr. Micholls gewählt werden, so wird er als specieller Fachmann in Schulangelegenheiten einen schönen Wirkungskreis im Parlamente haben. Die jüdischen Abgeordneten im englischen Unterhause werden alsdann Minjan machen können, da bereits neun in dieser. Körperschaft sitzen. London. Die „Pall-Mall-Gazette" schreibt über den afrikanischen Stamm der Fulbe oder Fellata und erwähnt dabei die Sagen, mit denen der Ursprung dieses Erobererstammes verbunden ist. Die Fulbe, welche bekanntlich viel hellfarbiger als die Negervölker im Centralafrika sind, die sie sich unterworfen haben,/- behaupten von Weißen abzustammen und aus dem Osten gekommen zu sein. Sie sind Muhammedaner, haben aber besonders viele Erinnerungen an das alte Testament und zählen Moses und Abraham zu ihren Patriarchen. Einige Gelehrte stellen daher die Hypothese auf, dass die Fulbe in einer entlegenen Geschichtsperiode in Aegypten gesessen hätten und dort von Inden beeinflußt worden seien. Es wird dies besonders mit der schon erwähnten ausgiebigen Erkenntnis der biblischen Erzählungen begründet, die weit über das bei den Muhammedanern üblicheu-Maß yinausgeht. Manchester. Auch in unserer Stadt hat sich nach dem Londoner Beispiele eine jüdische Knaben-Brigade gebildet, in der Knaben im Alter von 10—17 Jahren eine Art militärischen Drills erhalten, was ihnen sowohl körperlich sehr nützlich ist, als ihr Benehmen verbessert. Diese Brigade hielt in der ersten Augustwoche eine^Felddienstübung in Lyrham ab, die von beinahe 240 Knabeh mitgemocht wurde. Bei dieser Gelegenheit inspicierte OMst' Brownrigg die Knaben und äußerte sich sehr zufrieden mitf* ihrer Haltung. Diese Felddienstübnng ersetzt für die Knaben itntö Feriencolonie völlig. | Amsterdam. Unter den Delegierten zur Friedensconserenz hat sich unser Glaubensgenosse Asser, einer der holländischen Vertreter, besondere Achtung erworben, sowohl durch sein großes Wissen im internationalen Völkerrechte, als durch den Tact, mit dem er die widersprechenden Anschauungen in den Commissionen, denen er angehörte, zu versöhnen wusste. Wie es heißt, ist Asser für den Posten des Generalsecretärs in Aussicht genommen, wenn das permanente, internationale Schiedsgericht zustande kommen sollte. New-Aork. In der letzten Zeit sind wieder eine Reihe von neuen Synagogen in den Vereinigten Staaten erbaut worden. Am 12. Juli wurde in Binghampton in New Jersey die neuervante Synagoge der Orthodox Hebbew Society eingeweiht. In New-Hampshire wird auch demnächst die erste jüdische Synagoge eingeweiht werden, welche in diesem Staate erbaut ist. Dieselbe ist von der Ben Abraham Society in Nashua errichtet worden. — In Fall-Niva in Massachusetts baut jetzt die Congregation Adass Israel ein Gotteshaus mit einem Aufwand von 60.000 Mark, welche Summe die kleine jüdische Gemeinde dieser Stadt selbst aufgebracht hat. — Auch tue Shaare Sholem Congregation in St. Joseph in Montana wir? ebenfalls binnen kurzem einen Tempel errichten. Bon den dazu nothwendigen 7000 Dollars haben die 65 Gemeindemitglieder bisher 2000 Dollars selbst aufgebracht. New-Hork. Welchen Umfang die jüdische Armenpflege hier in Amerika hat, beweist der Jnni-Bericht der United Hebrew Charities. Während dieses Monats wurden 5010 Personen bedacht, theils mit Geld, theils mit Kleidung und Nahrungsmitteln. 558 Besuche hatten die Armenärzte zu machen, lind 35 Armenpflegerinnen waren auf Kosten des Vereines in Dienst. 780 Bewerber ließen sich im Arbeitsnachweis einschreiben, von denen man für 433 Arbeit fand. Die Ausgaben iur alle diese Zwecke betrugen während des einen Monates 45 000 Mk. Die Hebrew Loan Society, welche zinsfreie leicht Aick;ahlbare Darlehen an arme Inden gibt, hat während der e sten sechs Monate dieses Jahres rund 200.000 Mark an 2593 Personen ausgeliehen. Es stehen gegenwärtig rund 900.000 Mk. bei den verschiedenen Schuldnern aus. Trotz dieser großen Summe aber ist das Gebaren der Gesellschaft so vorsichtigt, dass ui dieser Zeit nur etwa 1000 Mk. verfallene Darlehen abznschreiben waren. . Cnth-Asrika. Die jüdische Gemeinde in Bulowajv hatte sich kürzlich durch die drei Herren, Rev. Singer, Rev. Benda und Mr. N. S. Joseph, einen Rabbiner empfehlen lassen Die einstimmige Wahl aller drei Herren fiel auf Rev. M. I. Cohen, einem früheren Schüler des Jewish College. Cohen gilt als sehr tüchtig und die Gemeinde in Bnlowajo kann sich zu seiner Requisition beglückwünschen. — In Port Elisabett, fand am 18. Juli eine Massenversammlung statt, um zur Transvaalfrage Stellung zu nehmen. Bei dieser Gelegenheit waren der Bürgermeister Max Gampert, der Stadtrath A. H. Sydner und der Rev. Philipps die Hauptsprecher. Rev. Philipps hielt auch kürzlich im Port Elisabeth-Institute, einer Art Volks-Universität, einen Vortrag über das mosaische Sanitäts - Gesetz der sehr beifällig ausgenommen wurde. Ueberhaupt ist derselbe mit Erfolg bemüht, die Wertschätzung der jüdischen Gemeinschaft in den Augen der Nichtjuden zu heben. Die National-Oekonomie des Judenthums. Von Dr. E. H. II. Wie schon gesagt, will Moses ebensosehr den extremen Reichthum wie die extreme Armut verhüten. „Reichthum und Armut gib mir nicht, lass mich genießen mein tägliches Brot, damit ich nicht übersättigt werde und leugne und spreche: Wer ist der Herr? Und damit ich nicht verarme und stehle und mich vergreife am Namen Gottes." Zu dieser jüdischen Weisheit vermochte sich weder die Smith'sche Schule, also die Vertreter der „elastischen Nationalökonomie", aufzuschwingen, noch auch vermögen es die allermodernsten Nationalökonomen, die Vorkämpfer der Solialreform. Eine der vielgenannten Größen auf dem Gebiete der Socialpolitik, ein Mann, der selbst in Wort und Schrift gegen den Manchesterstandpunkt aufgetreten ist, sagt doch selbst wieder gelegentlich *): Bei einer für den Einzelnen noch so günstigen Bertheilung der zur Zeit bezogenen Einkommen müsste der Bersorgungsstand noch ein mäßiger sein, so dass das Ziel aller Reformen in diesem Punkte nicht sowohl eine andere Bertheilung der heute bezogenen Einkommen als eine andere Organisation der Production mit Vermehrung der Einkommengüter sein müsste, an welche sich dann erst eine verbesserte Bertheilungsart anschließen könnte." Ganz im Gegensätze zu dieser heute noch allgemein begünstigten Ausbreitung des Reichthums hat der jüdische Gesetzgeber davor eine meines Erachtens wohl begründete Scheu. Er hat die wahre Volkswohlfahrt im Auge. Die H i n t a n h a l t u n g der Armut sucht Moses ans den verschiedensten Wegen dnrchzusetzen. Jedem armen Volksgenossen soll es gestaltet sein, seinen Hunger ans dem Felde und im Weinberge des anderen zu stillen. Bei der Ernte soll speciell darauf Bedacht genommen werden, dass für die Armen etwas zurückbleibe. Die Aehren, die zu Boden gefallen sind, die Garben, die vergessen wurden, sollen auf dem Felde bleiben, damit die Hungernden sie finden. Aber noch viel systematischer wird für die Armen gesorgt: „Nach drei Jahren (d. h. in jedem dritten Jahre) sollst Du aussondern alle Zehnten Deines Ertrages desselben Jahres und sollst es *) Dr. Eugen v. Philippovich; Grundriss der politischen Oekonomie. / liegen lassen in Deinem Thore; nrr) es komme der Levite, der kein Theil noch Erbe mit Dir hat, und der Fremdling und die Waise und die Witwen, die in Deinen Thoren sind, und sollen essen und sich sättigen." (5. Buch, Mos., 14. Cap. 28—29.) Desgleichen gehört den Armen alles, was im Schemittajahre, dem, wie noch zu erörtern sein wird, im wirtschaftspolitischen System des Jndenthums überhaupt eine hohe Bedeutung znkommt, von selbst — ohne Hinzuthnn menschlicher Arbeit — wächst, denn im siebenten Jahre soll es keine Saat und keine Ernte geben. Abgesehen von diesen speciellen Bestimmungen ist die Fürsorge für die Armen den Inden ganz allgemein zur Pflicht gemacht, denn mit dem erfahrenen und vorausschauenden Blicke des Weisen hat Moses sehr richtig erkannt, dass auch die beste Bolkstvirtschaft nicht imstande ist. die Armut gänzlich zu beseitigen. Wie herrlich schön drückt er dies in schlicht ergreifenden Worten aus: „Es werden a l l e z e i t A r m e sein i m L a n d e. Darum gebiete ich Dir und sage, dass Du Deine Hand anfthnest Deinem Bruder, der bedrängt und arm ist in Deinem Lande!" (5. Buch, 15. Cap. 11.) Alle alten Bolksrechte, die wir kennen, haben äußerst barte und strenge Bestimmungeir bezüglich des Schuldners, der seinen Verpflichtungen nicht nachzukommen vermag. Nur dte mosaische Gesetzgebung macht davon eine Ausnahme. Doch ist hier eine bemerkenswerte Differenz zwischen den Bestimmungen des dritten und des fünften Buches §u coustatieren. Das Deuteronomium — Der griechische Name ist hierfür sehr treffend gewählt — steht auf einem weit vorgeschrittenen socialrewrmatorischen Standpunkte gegenüber dem Leviticns. Ein Menschenalter, das darüber hinweggegangen war, hatte genügt, um dem genialen Gesetzgeber des jüdischen Volkes aus Grund der in der Zwischenzeit gesammelten Erfahrungen manche Correctur an seinem Werke angezeigt erscheinen zu lassen. Welches sind nun die Institutionen, durch die Moses den Hauptzweck seiner nationalen Gesetzgebung erreichen will, die Erhaltung eines M i t t e l st a n d e s, der nie und n immer der Gefahr eiit er P r o let ar is i er un g ausgesetzt ift? Es sind vornehmlich drei Einrichtungen: Der Sabbath, das Brachjahr und das Jubeljahr; der siebente Tag, das siebente Jahr und das siebente Jahrsiebent. Was das Brachjahr betrifft, so muss hervorgehoben werden, dass dieser Ausdruck schlecht gewählt und von eineuk mehr äußerlichen Umstand hergenommen ist. Die andere deutsche Bezeichnung „Erlassjahr" ist sogar unrichtig, denn der hebräische Ausdruck schamot (5. Buch, 15. Cap. 2), der den Kern der Sache trifft, will gar nicht besagen, dass in diesem Jahre die Schulden erlassen werden sollten: nur eingefordert dürfen sie nicht werden, sie sollen gestundet werden. Für den Juristen lässt sich dies am besten so ansdrücken, dass trotz Eintritt des siebenten Jahres für den Schuldner eine naturalis obligatio bestehen bleibt, also zwar keine klagbare, aber doch eine moralische und im Interesse des Credits nicht belanglose Verpflichtung zur Bezahlung der Schulden. Dafür, dass das siebente Jahr nicht zerstörend ans den Credit wirke, ist auch noch in der Weise vorgesehen, dass das Pfand, welches für die Schuld gegeben worden war, nicht zurückgegeben werden musste; es verfiel, wenn bis dahin nicht gezahlt war. Andererseits ist es aber ausdrücklich jedem ans Herz gelegt, sich durch die Nähe des Schemirtajahres nicht von der Creditgewährung abhalten zu lassen: „Hüte Dich, dass nicht in Deinem Herzen eine Belialstücke sei, die da spreche: es naht das siebente Jahr, das Schemittajahr, und sehest Deinen armen Bruder unfreundlich an und gebest ihm nicht, so wird er über Dich zum Herrn rufen und Dir wird es zur Sünde gereichen. Vielmehr sollst Du ihm geben und es D e i n H e r z nicht v e r d r i e ß e n l a s s e n, d a s s D u i h m gibst". (5. Buch» 15. Cap. 9—10). Ueber Ravbinerscminare. (Schluss.) Was die Disciplinen betrifft, wäre gewiss zu wünschen, dass alle Hörer beim Verlassen der Anstalt die ganze jüdische Geschichte, wie oberflächlich immer kennen. Es darf keinem Rabbiner der gerechte Vorwurf gemacht werden können, dass ihm manche Großthaten des jüdischen Volkes völlig unbekannt seien. Ebenso billig wäre lvohl die Forderung, dass jeder Hörer ohne Ausnahme, der als Rabbiner in die Oeffentlichkeit hinaustritt, zumindest ein Citat aus der Bibel correct zu lesen imstande sei. Mit einer gnt memorierten Predigt hat man für seine rabbinischen Pflichten lange nicht genug gethan. Angesichts solcher beschämenden, wenn auch seltenen Thatsachen ist es freilich beim besten Willen nicht gestattet, Schönfärberei zu treiben. Ich würde mich sogar erkühnen, in meinen Forderungen, die ich an die modernen jüdischen Rabbiner zu stellen hätte, einen Schritt weiter zu gehen; ich würde unbedingt verlangen, dass diese, da ihnen das weite Gebiet der talmndischen Literatur, trotz der apodiktischen Behauptung mancher Nörgler, dass zuviel des Talmud studiert werde, und trotzdem ein Mann von eminentem talmndischen Wissen diesen lehrt, zumeist verschlossen bleibt, dass diese wenigstens einen klaren Begriff von der neuen hebräischen Literatur haben, dass sie die großen umgestaltenden und den jüdischen Volksgeist befruchtenden Strömungen innerhalb derselben kennen und endlich, last not least, dass diese, wenn die Nothwendigkeit einmal an sie, die jüdischen Rabbiner, herantreten sollte, auch der hebräischen Sprache sich bedienen können. Gewiss hat HerrProfessvrM üller anregende Versuche gemocht, mit btcfei* allein ist für diese große Aufgabe nicht genug geschehen. Freilich kann Herr Professor Müller ebensowenig als die anderenLehrer an dem Wiener theologischen Institute für all diese Mängel verantwortlich gemacht werden. Dieses wurde, wie bereits gesagt, auf der historischen Basis der früheren Seminare aufgebaut, und so geschah es, dass man all

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