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Jüdisches Volksblatt · 1899-08-04 · 25 (4.8.1899) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
25 (4.8.1899)
Date
1899-08-04
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 4. August 1899 Seite 7 schnitten ist, dann prüft jede Seite für sich allein, die linke ist ernst und traurig, die rechte lächelnd — Jeaune, die weint und Jeaune, die lacht. Der erhabene Leonardo machte sie auf zwei Reisen. Eine Ateliercomödie, die seit vier Jahrhunderten wirkt — ein Bekenntnis künstlerischer Ohnmacht. Welche Sensationen, die Euch die Natur weigern würde, erwartet Ihr denn von einem Kunstwerk? Und warum sucht Ihr dieselben aus zweiter Hand, in den Ueberbleibseln der Sensationen anderer, zu erlangen, wenn dieselben, wie die Jocoude, nicht einmal Kunstwerke sind? Das Kunstwerk ist eine elassificierte, tobte Empfindung, die uns wohl ihr Handwerk, nie aber das Berstündnis des Lebens zu lehren vermag. Die „Schönen Künste" sind nichts anderes als Handwerk mtb Geschicklichkeit. Jedes voll empfundene Knnstwerk birgt zwei sehr verschiedene Theile in sich. Der eine hört dort aus, wo die Eingebung des Künstlers bereits befriedigt ist, der andere aber ist dazu bestimmt, das Interesse des Beschauers zu fesseln. So bildet der erste gleichsam die Kunst, der zweite den Handel. Ein wahrer Künstler arbeitet bloß für sich und wird eigentlich niemals fertig — im Sinne des Publicnms. An diesem ist es nun, das Werk durch eine Anspannung des Verstandes und der Einbildungskraft zu vollenden — und in diesem Momente erst würde eine wirtliche, künstlerische Vefriedigung existieren. Dies ist z. B. bei dem Balzac von Nodin oder den verstümmelten j Kunstwerken der 'Antike der Fall. Weim ich die „Victoria von Samvtürake" betrachte, so ist cs mir ein großes Vergnügen, ihr durch ein schöpferisches Spiel meiner Seele Kopf und Arme anznfügen, die mit ihrem schönen Körper harmonieren, ich tverde durch den Zwang zu schassen selbst zum Künstler, ich bin nicht mehr der weibliche, bloß betrachtende Factor des Bildhauers, ich schöpfe ans denselben Quellen der Begeisterung, wie er. Ich muss obendrein bekennen, niemals weder besser noch schlechter ans diesem physischen Sport hervorgegangen zu sein. VI. Woher statninen die „schönen Künste"? Ans dem Unvermögen des ersten Menschen, eine Abstrnction fassen und behalten zu können. Sie sind der Cultns der Götzenbilder, der bei uns so verworfenen Aboda Tara. Man setzte voraus, dass der Geist der Gottheiten in ihre Bildnisse herabsteige, was übrigens viele Katholiken auch heute noch glauben. Ueber die „schönen Künste" ist eigentlich schon alles gesagt worden. Porphyrius, Eusebius, St. Augustin in den ersten Jahrhunderten, I Maimvnides im zwölften, der Araber Abdul-Faradj im dreij zehnten, haben sich darüber ausgesprochen, ohne Moses' zn ge-! deuten, dessen Vorschriften uns die endgiltige Definition und die Kritik der „schönen Künste" bereits vermittelt hatten. Die christlichen „schönen Künste", welche an den Sarkophagen der Katakomben entstanden — denn drei Jahrhunderte lang war das Christenthnm jüdisch und hatte einen Abscheu vor Bildern — diese „schönen Künste" lassen sich bloß mit der Unfähigkeit der bekehrten Heiden vergleichen, ihre Götzen der Metaphysik zuliebe zu verlassen. Sie sind das Leitseil des Ungebildeten. Die Kirche begünstigte sie, um sich ihrer als Schirmwand gegen die menschliche Vernunft und das „Wort der Schrift" zu bedienen. Allein sie wurde in ihrer eigenen Schlinge gefangen. Die unterdrückte Vermrrrft schuf sich selbst ein Werkzeug der Rache. Was man nicht sagen kann, das singt man, was man nicht singen kann, das malt, meißelt, tanzt oder spielt man. Sv versinnlichten im Anschluss an die hellenische Kunst die männlichen Künstler, die zur Verweiblichung der „schönen Künste" gezwungen waren, ihre Heiligen, vermenschlichten sie bis hart an die Grenze der Zügellosigkeit eines Bouchnrd oder Fragonard. Dies war der im Sturm errungene Sieg der Freiheit des Gedankens über die Moral und die Askese. Während dieser Zeit setzte das protestierende Wort die Kirche zwischen zwei Feuer, und da der Gedanke sich immer freier entwickelte, gelangen wir zu der Massenslucht der männlichen Künstler in die höheren Formen der Philosophie, die Encyklopädie. Bon diesein Tage an verfällt die weibliche Formel der „schönen Künste". Die Nevolntion und das Kaiserreich liefern bloß niedrige, von den Verivorfenen der Idee ansgesührte Illustrationen. Der geschriebene Gedanke, nochmals unterdrückt während der Restauration, wird wieder Maler unb Bildhauer, fristet sich unter dem zweiten Kaiserreich, um als „Wort" während der Republik sich zn erheben. In i unseren Tagen sehen wir ein neues Aufblühen der „schönen Künste", da dem Spiritualismus und dem Ideale der Freiheit der Krieg erklärt ist. Alles drängt sich zur Kunst, der Geist wird methodisch verweiblicht und selbst vor der Reihe zum Schaffen gezwungen. Und dies ist die eivige Scheidewand, welche zwischen die Erhebung der Menschheit zur absoluten Gerechtigkeit und den göttlichen befruchtenden Einfluss gesetzt wird, und deren Aufbau die Despoten wohlweislich begünstigen. Das plötzliche Anfschießen der Mystiker, der Symbolisten, der Decadenten war die Rache des Geistes durch die weiblichen Mittel der Knust. Noch einmal hat die Asfaire Dreysns den Ruf „Gerechtigkeit" ins Volk getragen und das „Wort" entfesselt. Die gegenwärtige Stunde ist der Vorläufer einer wunderbaren Epoche des menschlichen Gedankens. Das „Wort" und die „That" werden an Schnelligkeit wetteifern, die; „Schönen Künste" aber treiben dem „Krach" zn, dem Untergänge des Weiblichen. Wir hoffen, dass das jüdische Volk männlich bleiben wird, dass es sortfahren wird, beim Anblicke eines Buches zu sagen: „Was enthält es?", beim Anblicke eines Gemäldes aber: „Was kann man dabei gewinnen?", obwohl das Bild als Illustration des Textes, nicht als symbolische Ergänzung, seinen Beitritt zur Idee nochbeschleunigen wird. Kein Stau5s mehr! Itcine Kläss© mehr! für Hotels, CurMnser, Sanatorien, Bäder. Farbloser dosinlicierender Anstrich für weiche, ltarle und Linolemn-Fussbüden. 'Unentbehrlich für Kanzleien, Institute, .Schulen, Verkaufslocale, Magazine, Arbeitsräume, Gastutu.l Kaffeehäuser etc. etc. Kein Aufspritzen, kein Aufwaschen mehr! lteine, gesunde Luft, überraschende Wirkung. Preis per Kilo öO Kreuzer. 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Man schreibt uns ans Prag: Der neugegründete Humanitätsverein „Zedoko" zur Unterstützung armer Israeliten in Prag hielt am 28. Juni seine constituierende Generalversammlung ab. Der Verein ist aus einer kleinen Tischgesellschaft im Restaurant Stnppart entstanden, der cs sich zur Aufgabe machte, in Roth gerathene Stammesgenossen die erste Hilfe durch Gelduuterstütznngen angedeihen 51t lassen und auf diesem Gebiete bereits eine erspriessliche Thäligkcit, entwickelt hat. Nach Bestätigung der Statuten hat nun der Verein seine Thätigkeit begonnen. In den Vorstand wurden 10 Mitglieder gewählt und ans diesen wurden eutuommen der Obmann Herr M. Lissan, zu dessen Stellvertreter Herr Ph. Kaufmann, zum Cassier Herr Marcus Robitschek, zu dessen Stellvertreter Herr S. Löwy; zum Schriftführer Herr Teweles. UMtheiluuSeu üm dem Publicum. Wien. (Trauung.) Dienstag, den P>. August, um 3 Uhr nachmittags findet im isr. Tempel 1., Seitenstettengasse die Trauung des Frl. Ernestine Dohan, Tochter des Herrn Samuel Do hau, mit Herrn Guido F u ch s g e l b, Beamter der Wiener isr. Cultnsgemeinde, statt. <Unentgeltlicher Gesangsenrs.) Der rühmlich bekannte Obereantor I. Abras, elöve clu eouservatoir de musique a die/ Prof. Hoger de l’Opera de Paris, eröffnet einen unentgeltlichen Gesangsenrs für Amateure. Herren, die geneigt sind daran theilznnehmen, event. einem neu zu gründenden jüdischen Gesangsvereine beizulreten wünschen, wollen sich ehestens I., Eschenbachgasse 9, 2. Stock von 3—4 Uhr nachmittags anmelden. Prämiiert mit ür>r silberaeu Medaille. ERSTE PRAGERl “1^3!SELCHWARENFABR1K mit Dampfbetrieb ' PRAG WIEN Heinrichsgasse s XII., Schönbruiinerstr. 167 Wien, Franz Josepks-6u?.l 3 und Adicrgosse 8. empfiehlt alle Sorten seiner renommierten, anerkannt Losten Selchwaren nacSa Prager Air* erzeugt. (65) la. Mastochsenzungen, Rauchfleisch, sowie alle Sorten feinster Aufschnitte. Specialilät: „Italiener“ (Ugger-Würste). 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