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Jüdisches Volksblatt · 1899-07-28 · 24 (28.7.1899) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
24 (28.7.1899)
Date
1899-07-28
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24 Wien. Freitiisr Jüdisches VolksblaU 28. Juli 1890 Seite 7 Die Literatur ist die Brücke zwischen der Kunst der Lhat und den „schönen Künsten". Der männliche Künstler »der der Künstler der Handlung, welcher von seinem Milieu gefesselt wird, verweiblicht sich zum Philosophen. Daher stammen die Psalmisten, die Propheten, oder ein Goethe. Wenn er aber seine Ketten bricht, so entsteht ein Mathatias ein Bar- Kochba. Eine weibliche Seele in einem männlichen Körper, in einer freien Umgebung entwickelt sich zu einem Josephus Flavins. Ein Demosthenes ist weiblich, wie alle Redner, die niemals die Gesellschaft fruchtbar machten. Moses war kein Redner, Aaron dagegen ein Schönthner für leichtgläubige Ohren. Der Künstler der Handlung nährt sich von den unsichtbaren Quellen der Manneskraft, theils durch natürliche Anfnahmsfähigkeit, theils durch die Begeisterung. Der betrachtende Künstler, zu weiblich für die That, vergräbt sich in den unbelebten Stoff, um sein Bild darin auszustellen. Hat er eine kriegerische Seele, so singt er sich wie Beethoven eine Symphonie deren siegreicher Führer, oder wie Wagner eine Oper, deren Lohengrin er selbst ist. Oder er schafft ein „Letztes Gericht", dessen Gott er ist, wie Michel Angelo. So sind also die „Schönen Künste" der Ausdruck eines weiblichen Lebens, eitles Strebens nach einseitiger unfruchtbarer Handlung. Doch verknüpft eine ununterbrochene Kette den niedrigsten Handwerker, der seine innere Glut in der Materie §n localisieren versteht, mit Gott selbst. Die Qualität der Begeisterung ist dieselbe, bloß die Quantität und die Kraft der Darstellung unterscheiden sie voneinander. (Fortsetzung folgt.) <Dcr Todterrcnlt in Israel.) Herr Professor Alfred B e r t h o l e t hielt jüngst in Freiburg im B. einen öffentlichen Vottrag über die Vorstellung der Israeliten vom Zustande nach dem Tode, der nun im Drucke vorliegt. Indem der Gelehrte die Gebräuche in einem jüdischen Hause beim Eintritte eines Todesfalles schildert, sucht er der ursprünglichen Bedeutung derselben auf die Spur zu kommen. Bald hat er auch den Sinn dieser jüdischen Traditionen herausgefunden: es sind die Reminiscenzen an die „einstige culturelle Verehrung der Todten in Israel". Der Todtencult habe allmählich zur Todtenbefragung und Todtenbeschwörung geführt, und allmählich habe sich dadurch die Vorstellung eines hoffnungslosen Schattenreiches entwickelt. Allerdings gibt der Herr Professor zu, sei diese Vorstellung unklar, eine Volksanschauung, eine Mythe, keine Religionsvorschrift. Nur vereinzelt wird 'in der hebräischen Literatur dem Gedanken an die Unsterblichkeit der Seele, die, befreit aus denr irdischen Kerker, zu Gotr zurückkehre, Ausdruck gegeben: dieser Gedanke sei außerhalb der eigentlichen jüdischen Vorstellungswelt gestanden. Denn, meint Bertholet, sonst hätte es niemals zu dem Streite zwischen den Pharisäern und Saduccäern kommen können. Auch der Verfasser des Buches Daniel erklärt noch, dass nicht alle, die im Erdenstaube schliefen, wieder erwachen würden. Ich muss gestehen, Herr Professor Bertholet hat mich Neues gelehrt. Von einem Todtencult — so wie er es versteht — oder gar von einer Todtenbefragung und -Beschwörung in Israel ist mir bisher wenig bekannt gewesen, es wäre denn die gruselige Geschichte vom alt und abergläubisch gewordenen König Saul. Ich erinnere Herrn Bertholet' an David, der, als sein Kind sterbenskrank darniederlag, fastete und betete und seine Kleider nicht wechselte, dann aber, als es gestorben war, sich sogleich wusch, zu essen verlangte und ausgieng. Allerdings wunderten sich seine Leute darüber — ungefähr so wie ich mich über Herrn Bertholet — aber so traditionell kann die Todtenverehrung in Israel demzufolge denn doch nicht geivesen sein. Der Herr Professor hat ganz einfach der großen Pietät der Juden für ihre Todten eine missverständliche Auffassung entgegengebracht. —Ii. A. S. Puschkin: „Auscrwählte Gedichte", übersetzt von D. Frisch m a n n, mit einer biographisch-literarischen Einleitung von Dr. L. Katsnelsohn. St. Petersburg, 1809. Verlag der Vereinigung zur Aufklärung der russischen Inden. (Hebräisch.» Diese Uebersetzung ist anlässlich der hundertjährigen Feier des größten russischen Dichters Alexander Sergejewitsch Puschkin | herausgegeben worden. In der neuhebräischen Literatur ist bislang j nichts übersetzt, was keine Beziehung zu Juden oder Judenthum^ hätte, mit Ausnahme einiger culturhistorischer Bücher und einiger > künstlerischer Werke aus d'e»n Verlage „Tnschijah". Die Einleitung; zu dieser Puschkin'schen Uebersetzung aber, die von Dr. Katsnelsohn j besorgt wurde, spracht nur von der dichterischen Persönlichkeit! Puschkins und dessen Production, ohne irgendwelche Beziehungen i zum Juden und Judenthume zu suchen. Puschkin ist ein großer Dichter und das genügt uns, dass er hebräisch übersetzt werden soll. Die Uebersetzung der Gedichte, die von Frischmann besorgt wurde, muss als eine sehr gute bezeichnet werden. J. M. Wittheilungett aus dem Prrlüicum. Ein ujähriger Künstler. Der 14jährige Talmudjünger Simon Fleischer in Neuhänsel (Ungarn), Sohn eines dortselbst wohnhaften, mit Glücksgütern wenig, mit Kindern aber umso reicher gesegneten, braven, armen Gewerbetreibenden namens Jacob Fleischer,! hatte die Absicht, über die ersten vier Mittelschnlclassen, die er! als Sohn eines strenggläubigen orthodoxen Inden nicht öffent-! lich besuchen durfte, Prüfung abzulegen. Da er jedoch sah,! dass seine Eltern nicht in der Lage seien, die Prüfungstaxe; im Betrage von circa 00 fl. für ihn zu erlegen, so begann! der kleine Simon nach einem Mittel zu sinnen, um sich das! nöthige Geld s e l b st zu erwerben. Und da tauchte in ihm eine originelle Idee auf, die er nun auch zur Ausführung! gebracht hat. Der Knabe, der eben nicht nur im Studium,? sondern auch im Malen und Zeichnen ein ungewöhnliches! Talent an den Tag legt, zeichnete nämlich das Bildnis! des Kaisers, indem er dasselbe aus B u ch st a b e n zusammensetzte, welche das hebräische Gebet für Monarchen (Psalme, Cap. 21 und 45), ferner einige Verse, welche sich auf die Herrscher beziehen, ans den Psalmen, Cap. 72, 110 und 85, sowie die ungarische Uebersetzung derselben und 1 die beiden ungarischen Bolkshhmnen von B ö r ö s m a r t y und Kölcsey enthalten. Dieses Bckd ließ der Kleine nun litho *! graphisch vervielfältigen, um die Bilder verkaufen und durch den Erlös sich das zur Prüfung benöthigte Geld verschaffen zu können. Das Bild, welches vollkommene Porträtä h n l i ch k e i t besitzt, ist 50 Centimeter lang und 40 Centimeter breit. Die Buchstaben, aus welchen es besteht, sind zwar von außerordentlicher Winzigkeit, aber trotzdem selbst mit bloßen Augen gut lesbar. Es wäre sehr zu wünschen, dass die monatelange, mühselige Arbeit des arineu Knaben, die ein wahres Knnstwerk bildet, durch einen hübschen Erfolg belohnt werde. Das Bild kostet bloß eine Krone. Jmin X2N anöir 'JD2 mn „Gebet acht auf die Kinder der Armen, denn aus ihrer Mitte gehen die Männer der Wissenschaft hervor!" Talmud (Babl.), Neddarim 81. (Für die Boryslaiver Arbeitslosen) sind uns ferner zngegangeu von Markus Welsch, Znckmantel 2 fl. Mit den bereits ausgewiesenen 40 ft. 96 kr. zusammen 45 fl. 96 kr. Wir sind gerne bereit, weitere Spenden entgegenzunehmen und in jeder Nummer anszuweisen.! Briefkasten.! B. L. „Hamanitas"-Briefe sind zu richten an .Herrn Hugo! Warm holz, Obercontrolor der Nordrvestbahn, Schriftsteller,! Wien II"], Obere Donaustraße 1. David Engel. Abonnementbetrag richtig erhalten. Eveline L. Nein! Bis mm hat es noch keinen Bürgermeister in Wien gegeben, der bei seinen Ausfahrten des poliz etlichen Schutzes bedurfte. Wohl »vurde am 11. Juli 1400 der Bürgermeister Konrad V o r l a u f von Schrannenknechten bewa cht, aber bloS auf bem Wege vom Schrannengebäude ain Hohen M arkt bis zum heutigen Lobkowitzplatz — wo er wegen Widerstan dsleistung gegen ungerechte Forderungen des Herzogs Leopold IV. enthauptet wurde. Ignatz Roller, Alfred Traub: Abonnementbetrag dankend erhalten.' Kalman K. Die Danksagung »var ganz überflüssig. Werndl. Mit „solchen Sachen" befassen wir uns nicht. Josef Lange, Neutra. Kennen Sie die Sage von dem Analphabeten, der trotz aller Brillen nicht das Lesen lernen konnte? Sie befinden sich offenbar in der gleichen Situation. Nur handelt es sich bei Ihnen nicht mn das Lesen, sondern um den Verstand. Wolf Bank, Lnbien. Wie meinen Sie das? Rabb. Nenmann in B. Wir haben Ihr Abonnement als bis 00. October beglichen eingetragen. Dr. Rudolf K. in P. Jederzeit herzlich willkoimnen. Frieda H. Wenn Sie unseren Rath befolgen wollen, dann unterlassen Sie jeden Versuch zu schriftftelleru, denn es wäre nur vergebliches Veinühen. „Deborah" Cincinnati. In Europa ist es üblich, wenn man Feuilletons oder Artikel einer anderen Zeitschrift wörtlich abdruckt, auch die Quelle anzugeben, woher man das Betreffende „entlehnt" hat. Kein Staub mehr! Keine Nässe mehr! für Hotöls, Curhäuser, Sanatorien, Bäder. Farbloser desiniieierender Anstrich für weiche, barte und Linoleum-Fussbüden. Unentbehrlich für Kanzleien, Institute, Schulen, Verkaufslocale, Magazine, Arbeitsräume, Gast- und Kaffeehäuser etc. elc. Kein Aufspritzen, kein Aufwaschen mehr! Heine, gu»utule Luft, überraschende Wirkung. Preis per Kilo 00 Kreuzer. Poslcolli netto 4 Kilo fl. 3.— franco. Josef Schlesingers Buchhandlung 109 Wien, I., Seitenstettengasse 5, Budapest, Königsgasse!. Grösstes Lager von hebräischen Büchern, Gebetbüchern und Ritualien Woll- und Seiden-Tahs etc.. 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