Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 23 (21.7.1899)
- Date
- 1899-07-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 21. Juli 1899 Keile 7 Bon oberösterreichischen Städten zählte Linz im Jahre 1880 555 (18 pro nulle). Steyr 144 (8 pro nulle) jüdische Einwohner. Die Stadt Salzburg beherbergte 108 (4 pro mille) Inden. Was die bedeutendsten Städte Steiermarks betrifft, so lebten in Graz 1211 (12 pro mille), Marburg 87 (2 pro mille) und Cilli 10 (2 pro mille) Glaubensgenossen. Klagenfurt wurde von 94 (5 pro mille), Laibach von 74 (8 pro mille) Personen mosaischer Confession bewohnt. Von Triest hatte die Stadt selbst eine jüdische Bevölkerung von 4025 (55 pro mille), die Vororte eine solche von 601 (10 pro mille) und das „Gebiet" eine solche von 14 (1/8 pro mille) Seelen. In Görz lebten 256 (12'5 pro mille), in Rovignv (Istrien) 22 (2-5 pro mille) Inden. In Tirol zählten Innsbruck 112 (5\5 pro mille), Bozen 24 (2*5 pro mille), Rovereto 04 (8 pro mille) Personen jüdischer Nationalität. Unter den dalmatinischen Städten leben am meisten Juden in Spalato, wo man im Jahre 1880 deren 155 (4 pro mille) zählte. In Böhmen wurden Prag von 16.754 (104 pro mille) und Reichenberg von 674 (24 pro mille) Glaubensgenossen bewohnt. Die am stärksten von Juden bevölkerten Bezirkshanptmannschaften des Landes Böhmen, Carolinenthal und Pilsen, waren erstere von 4176 (50 pro mille), letztere von 8442 (27'5 pro mille) Angehörigen der mosaischen Confession bewohnt. Von mährischen Städten tvaren in Brünn 5498 (02'5 pro mille), Jglau 1415 (68 pro mille), Kremsier 783 (81 pro mille), Olmütz 1254 (61 pro mille), Ungarisch- Hradisch 488 (125 pro mille) und Znaim 498 (40 pro mille) Juden ansässig. Die schlesische Stadt Troppau zählte 1061 (mehr als 50 pro mile), Bielitz 1660 (110 pro mille) und Friedeck 217 (86'66 pro mille) jüdische Bewohner. In Galizien wurde für Lemberg eine jüdische Bevölkerung von 40.961 (282 pro mille), für Krakau eine solche von 10.209 (307 pro mille) eonstatiert. Die am zahlreichsten von Inden bewohnten Bezirkshanptmannschaften dieses Kronlandes sind Juden pro mille der Gesammtbevölkernng Brody. 28.090 190 Drvhobycz. 21.968 198 Tarnopol. 19.027 175 In der Bukowina hatte Czernowitz allein eine jüdisch^ Einwohnerschaft von 14.449 (317 pro mille) und die jubeir reichste Bezirkshauptinannschast des Landes, Wisnitz, eine solche von 10.417 (185 pro mille) Seelen. — Wie sich diese Zahlen auf Grund der am 81. Deeember 1890 vollzogenen Zählung verschoben Huben, ist ans meinen! in Nummer 12 des Blattes erschienenen Artikel „Statistisches" zu ersehen, wenigstens soweit die Gesammtziffern für die einzelnen „im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder" in Betracht kommen. Nur die Verhältnisse in Wien, wie sie sich nach den letzten Ergebnissen der Volkszählung gestalten, will ich hier nachtragen. Die Reichshauptstadt hat eine Bevölkerung von 1,841.894 Köpfen. Zum Judenthume bekennen sich in Wien 118.495 Personen, also 88'3 pro mille. Diese Differenz von dem Verhältniffe des Jahres 1880 ist darauf zurückzuführen, dass seither zu den zehn alten Bezirken neun neue mit einer weit schwächeren jüdischen Bevölkerung hinzukamen. In den einzelnen Bezirken wurden folgende Ziffern festgestellt: Juden Civilbevölkernng 1. Bezirk 12.819 67.026 2. ,r 49.098 158.374 3. 7.304 110.279 4. 2.329 59.135 5. 2.658 84.031 6. 4.632 63.901 7. 4.494 69.859 8. 2.031 48.976 9. 11.951 81.1 70 10. 2.098 84.813 11. tf 450 28.685 12. 1.417 60.866 13. 11 675 44.003 14. 2.260 54.341 15. 2.268 44.162 16. 3.369 106.861 17. lf 3.245 74.657 18. 3.366 68.862 19. „ 1.328 31.890 Personen dem Militär an, während die Civilbevölkemng mosaischen Glaubens sich in folgender Weise vertheilte: pro mille Juden der Bevölkerung' Ungarn. 518,165 45 Siebenbürgen. 24.848 ' 12 Croatien mit Fiume. 3547 5 Slavonien. 5196 14 Militärgrenje. 377 1 Am 31. December 1880 zählte Transleithanien eine Gesammtbevölkernng von 15,788.982 Seelen; davon waren 641.131 (41 Percent pro mille) Inden. Folgende Tabelle veranschaulicht die Verbreitung der verschiedenen Confesslonen: Ungarn mit Croatien- Fiume Siebenbürgen Slavonien s. Gebiet Katholiken .... . 8,026.809 1,365.280 21.133 Evangelische . . . . 3,148.086 25.019 325 Griechisch-Orthodoxe . 1,945.934 500.300 57 Israeliten . . . 627.279 13.749 104 Die Juden Wiens sind nach ihrer Zahl, ihrer socialen und finanziellen Stellung, ihrer, intellectuellen und materiellen Macht, ein Factor, über welchen man — beim schlimmsten Willen — sich nicht hinwegsetzen kann. Gibt sich die Wiener Jndenschaft, die, wie gezeigt, fast den zehnten Theil der Bevölkerung der Reichshauptstadt bildet, die ihr bisher mangelnde stramme Organisation — und sie ist auf dem besten Wege hierzu — geht sie solidarisch vor mit ihren Connationalen im ganzen Reiche, dann vermag sie einen so maßgebenden Einfluss ans den Gang der Dinge zu nehmen, dass mau sich darüber wundern tuirb, wie es möglich war, die Kraft dieses Volkes lahmzulegen und überdasselbe zur Tagesordnung überzngehen. Das publicistische Sprachrohr der Wiener Christlich- Socialen meinte vor einigen Tagen, Liberale und Socialj demokraten seien einig nur in der aufopfernden Hingabe, mit! der sie dem Judenthume dienen. Das Blatt mag ruhig sein,! nicht die Liberalen und nicht die Socialdemokraten, sondern die j Juden allein können und werden dem Judenthume helfen, sie! werden ihm die Stellung verschaffen, die ihm zukommt als! Station unter den Nationen.! In den Ländern der u u g a r i s ch e n K r o n e gab es! am 81. December 1869 eine jüdische Bevölkerung von 553.641! Köpfen (88 Percent pro mille). Von derselben gehörten 1508 Nach der neuesten Zählung vom Jahre 1890 ergab sich für die Länder der ungarischen Krone eine Gesammtbevölkernng von 17,449.705 Köpfen. Die Zahl der Juden war ungefähr die gleiche wie zehn Jahre vorher, was durch die Auswanderung — insbesondere nach Oesterreich, Deutschland und Nordamerika — zu erklären ist. — Schließlich sei noch des Occupationsgebietes unserer Monarchie Erwähnung gethan. Bosnien und Herzegowina zählten zur Zeit der Besetzung durch Oesterreich-Ungarn — laut Berechnung vom 16. Juni 1879 — 3439 Einwohnbr jüdischer Nationalität. Sechs Jahre später war die Zahl unserer Glattbensgenosfen im Occupationsgebiete ans 5805 (4-4 Percent pro mille) angewachsen und vertheilten sich dieselben auf die sechs Kreise des Landes wie folgt: Gesammtbevölkernng Juden Sarajewo .... . 192.919 3080 Banjaluka .... . 265.456 667 Bihac. . 158.224 151 Dolnja-Tuzla. . . . 313.746 1051 Travnik. . 218.172 717 Mostar. . 187.574 139 Damit ist das Bild, welches die heutige Diaspora bietet, vervollständigt, und ich schließe mit dem dringenden Wunsche, es möge die Zuversicht, welche die Judenschaft allmählich zu erfüllen beginnt, sich immer mehr steigern und auf Grund der I u d e n st a t ist i k eine richtige Judenpolitik inauguriert werden. Kein Staub mehr! Keine Nässe mehr! A I I I II für Hotels, Curhäuser, Sanatorien, Bäder. Farbloser ilesiniicierender Anstrich für weiche, harte und Linoleum-Fussböden. 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