Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 22 (14.7.1899)
- Date
- 1899-07-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Tifjl ger ens itbe l), )C1? ies seil ist, ls- Lie Nr. 22 Wien, Fra Rio; Jüdi.'ehes VolksbliiU 1 1. Juli 1S'.)0 Seite 7 tu!)ete! Die er eit tu ge eit s- >elle neit uer ist eeüin in it. )a fe- Die (.•jcfuitbeit und kräftigen Elemente sind ausgewandect. Einige Arbeiter wurden beim Straßenbau Boryslaw—Drohvbyez uerlueubct und im Oite selbst verblieben eine Masse von Greisen und Bindern, eine große Anzahl erwerbsunfähiger Armer und eine für die Bvryslnwer Verhältnisse riesige Zahl kleiner Gewerbslente nnd Krämer. Diese letzteren sind von dem Lrnnrigen Lose am härteren betroffen. Alle diese genossen früher einen Credit, nnd haben denselben ihren Kunden weiter gewährt. Die allgemeine Geschäftsstagnation infolge der iteiteit Verordnungen, welche im Verlaufe die ganze Barschaft absorbierte und die eonsnmierenden Arbeiter in die weite Welt binnnSjagte, bat dem kleinen Händler den Boden unter den Füßen entzogen, lveil ihm die Consnmenten verschwanden nnd mit diesen alle Außenstände bei vielen Familien, die ansgelvandert sind, ohne ihren früheren Verpflichtniigen nachgekommen zn sein. Die Lage dieser armen Krämer nnd Handwerker ist eine verzweislnngsvolle. Sie können ans Boryslaw nicht answandern, weil sie hier ihr Geschäft nnd mit diesem zahlreiche Verbindlichkeiten haben. Andererseits werden sie durch die Creditlosigkeit sehr bedrückt. Möge die hohe Staatsverwaltung dieser Leute gedenken, die in der Glanzepoche an Stenern und verschiedene n Abgaben, bedeutendes leisteten, denn, lvenn es so fortgeht, könnten mit Ablauf des 20. gcfmtnr 1900, völlig unberechenbare, anarchistische Zustände platzgreifen, für die irgendjemand doch verantwortlich gemacht werden müsste. — Als Schluss dieser traurigen Betrachtungen pnblieieren wir einige an Ort und Stelle gesammelte Daten, die nicht uninteressant sind: Mit Ende Mai d. I. betrug die Bevölkernngszahl in Boryslaw 12.389 Seelen, hat daher seit 10 Jahren um bloß 800 Seelen zngenommen. Mehr als die Hälfte der genannten Einwohnerzahl, 5857, bilben Kinder im allgemeinen. Dauernd beschäftigt waren bloß Aealitätenbesitzer, 33 an der Zahl, ebenso viel Grnbennnternehmer. Händler, Schänker nnd Handwerker zählte Boryslaw zusammen 01.8. Bergleute mit Inbegriff der dauernd beschäftigten Beamten 1.041, Diener und Taglöhner 352, Familien unterstützende 144, periodisch beschäftigte Arbeiter 401, total beschäftigungslos 284 Personen. Alle diese Zahlen sind bloß einfach zn nehmen, das heißt ohne die Familienmitglieder. Wenn wir mm ein annäherndes Bild der Nothlage entwerfen, führen wir an, dass zu den fällig arbeitslosen 284 noch 938 zur Familie gehörende Personen zuzurechnen sind, deren Erhaltung den arbeitslosen Familienvätern obliegt. Jedermann wird daher begreifen, wie schrecklich die Noth und wie problematisch der Wert der Unterstützung ist, wenn ein Almosen von bloß einigen hundert Gulden vertheilt wird. Sehr interessant wäre die Erwägung, wieviel Boryslav für das staatliche Experiment durch Verluste an Menschenmaterial zu zahlen hat. Die Sammlung von Daten an Ort und Stelle ist nicht möglich, weil hier niemand eine „Statistik der Emigranten" führte. Auch ist es nicht möglich, in den Bilanzen der einzelnen Institute, welche glaubwürdige Daten liefern könnten, Einsicht zu nehmen. („Monitor" Nr. 28 vom 9. Juli 1899.) Theater, Kunst und Literatur. Man schreibt uns aus Czernowitz: Das hiesige jüdische Theater erfreut sich großer Beliebtheit und hat ganz besonders auf die niederen Schichten der jüdischen Bevölkerung nicht nur große und stets sich steigernde Anziehungskraft ausgeübt, sondern ans dieselben außerordentlich bildend und erziehlich gewirkt. Die Gesellschaft ist sehr gut, auf die Art derjenigen zusanunengestellt, die in Polen und Russland häufig mit den besten Erfolgen auftreten. (Stauislau.) Der Erfolg, welchen das jüdisch-deutsche Theater unter der Direetion des I. B. Gimpel mit der Aufführung der historischen Operette „Esra, der ewige Jude" erzielte, war sensationell. Mit dieser Operette wurde gezeigt, dass das jüdische Theater auch etwas Vortreffliches zu leisten imstande ist. Chor und Orchester waren vorzüglich. Der Kapellmeister, Herr A. Gimpel, verdient ein speeielles Lob. Die Decvrativnen nnd Costüme blendeten die Augen. Director Gimpel hat alles anfgeboten, so dass man dieser Aufführung das Beste nachsagen kann. Die Rollen waren trefflich besetzt. Herr Graf bot in der Titelrolle eine tüchtige Leistung. Seine iiuifaugreiche Stimme nnd sein schauspielerisches Können müssen hoch geschätzt werden. Die entzückende Stimme der Frau Zwiebel wirkte bezaubernd ans das Pnblienm und musste die Sängerin mehrmals hervortreten und für dn stürmischen Beifall danken. Fräulein Finkelstein verdient für ihre Gesangsleistung in der Rolle der Katharina volle Anerkennung. Auch Herr Schorr nnd Herr Melzer haben ihre Rollen zur Geltung gebracht. Das Hans war bis ans das letzte Plätzchen ansverkanft. Ms den jüdischen Organisationen. Biclitz. Die jüdischen Abiturienten von Bielitz, Jägerndorf, Toschen und Krakau veranstalten am 18. Juli l. I. im großen Saale des „Hotel Kaiserhof" einen Festcommers in Verbindung mit einein Tanzkränzchen, zu welchem zahlreiche Einladungen verschickt wurden. — Für diesen Festabend entwickelt sich lebhaftes Interesse sowohl in Bielitz-Biala als auch in anderen Städten und selbst in Wien, so dass ein glänzender Verlauf prognosticiert werden kann. Miltheilungen ans dem Pndlienm. Trauung. Sonntag den 23.. Juli um 1 Uhr uachmittags findet im israelitischen Tempel, IX., Müllnergasse, die Trauung des Herrn Arthur W i l h e i m mit Fräulein Gisela Pollatschek statt. (Mir die Boryslawer Arbeitslose») sind uns ferner zugegangen unter dem Motto: Dr. K., Floridsdorf, 50 kr.; A. S., Wien, 2 sl. 20 kr.; ein Ungenannt sein wollender (Berann) 7 fl. Mit den bereits ausgewiesenen 34 fl. 20 kr. zusammen 43 fl. 90 kr. Wir sind gerne bereit, weitere Spenden entgegenzunehmen und in jeder Nummer auszuweisen. Briefkasten. Zugsführer : Die gewünschten Exemplare dürften Sie bereits erhalten haben, da dieselben sofort znr Post kamen. Lexator: Ihr Prognostieon war also richtig — fahren Sie nur fort, zn prvgnosticieren. H. Deutsch: Nur Geduld! Schwarz in F.: Leider wieder unverwendbar. Eveline H.: Wird dankend zur Kenntnis genommen. Maurus: Professor M. ist noch hier, dürfte aber in den nächsten Tagen die Ferienreise antreten. The Automatic Cyclostyle .ZX, Schrift «Wervielfälfigungs-Apparat Geueral-Depöt bei: (78) S. SALZER Wien, I., Weihburggasse 9 für Handu. Schreibmaschmenseliritt <3.3 a ßH 2»= Hotel und Prachtvoll ge- |^estaurant Guth räumige Säle. Wien, [I., Stefaniestrasse Nr, 6 u, 8, lur Diners, Hochzeiten nnd festliche Veranstaltungen. Uostrenoniniirte Kiiche, proste Speisn-Salß uni eieganle Pas«agierziinmer. Elekl risch beleuchtet. Gros.-e Auswahl bester Gat tungen Oesterreich., Ungar, und Ausländer Weine, Schwechater und Pilsner Biere. (85) Trotz höchster Elegance decente Preise. 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