Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 21 (7.7.1899)
- Date
- 1899-07-07
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 Wien, Freitag Jüdisches Volksblald 7. Juli 1800 Seite 7 andere der Ansicht sind, dass es sich hier nicht um Thorarollen, sondern um profane Nöllen mit ketzerischem Inhalte handelt. Hoffentlich wird der geehrte Verfasser noch Gelegenheit haben, über diese.unsere Auffaffuug sich zu äußern, und soll es uns freuen, seine Znstimnumq zu erlangen. — n. MarcnS-T Indien von Dr. H. P. C Hajes, Berlin, C. A. Schwetschke n. Sohn. IW.). - In keiner anderen Wissenschaft ist man mit leichtfertigen Hypothesen und vagen Vermuthungen so rasch bei der Hand, wie in der, welche den Namen biblische W i s s e n s ch a s t führt So kommt es, dass gerade hier so häufig die entgegengesetztesten Meimmqen und Ansichten in Bezug auf Abfassnngszeit und ganze Anlage eines Buches anzutreffen sind, Theorien, die als einziges Kriterium für ihre Wahrscheinlichkeit mitunter nur die mehr oder minder große Emphase aufweisen können, mit welcher sie in die Welt hinausgesetzt werden. Damit soll aber durchaus noch nicht einer streng sachgemäßen, wissenschaftlichen .Kritik jeder Werl für die biblische Forschung abgewerden, wie corrupt au manchen Stellen der Text^ des neuen Testaments trotz seiner verhältnismäßigen Jugend ist, und dass dies nur so zu verstehen sei, wenn man annimmt, es habe dem von den meisten Gelehrten bis nun als ursprünglich angesehenen griechischen Text eine hebräische Vorlage gedient, eine Annahme, die umso wahrscheinlicher klingt, „da lnan ja den evangelischen Berichten die Weihe und Heiligkeit des alten Testa- Vorläufer unserer politischen Parteien erblicken, aber es wäre absurd, ihre Discnssionen mit denen der Jansenisten und Malinisten vergleichen zu wollen. Die Theologie trat erst unter dem Einfluss der arabischen Philosophen, die ihrerseits aus der Schule der christlichen Philosophen schöpften, in das Judenthum ein. Nach Maimonides erst gab es Rabbiner, welche den Bannstrahl wider das Verbrechen der Meinnngsverschiedenheit schleuderten. Seitdem ist die Neigung zum Dogmatismus noch gewachsen, und viele von uns würden gegen ihre heiligsten Pflichten zu verstoßen glanben, wenn sie die geringste Veränderung an den „dreizehn Glaubensartikeln" vornähmen, obgleich dieses „Credo“ viel zu wünschen übrig lässt. Ich meine, dass man diesen, dem Mosaismus aufgenöthigten christlichen Anstrich bekäiupfen muss. Wir haben das Glück, eine Religion zu besitzen, die das freie Denken gestattet — also genießen wir dasselbe. Wir tverden darum nicht weniger unsere Thaten mit unseren Pflichten in Einklang bringen und das Band Hoch- Halten, welches die Inden miteinander verbindet und das zugleich eine Schutzwehr der Moral selbst ist. Infolge seines dogmatischen Charakters gefiel sich das Christenthnm darin, die Ohnmacht der menschlichen Vernunft gegenüber der Allmacht des Glaubens besonders zu betonen. Im Judenthnm ist ein solcher Widerstreit zwischen Vernunft und Glaube ganz unmöglich. Denn das, was die meisten unter „Glaube" verstehen, ist in Wahrheit nicht anderes als „Vernunft", wie unsere Väter sie begriffen. Der Conflict, wenn mentes verleihen wollte." Mit dieser Hypothese nun, die mit der Ansicht, Jesus habe aramäisch seine Reden gehalten und auch die sogenannten „Logia" seien in dieser Sprache abgefasst. . , „ L P . . . . worden, durchaus nicht i'm Widerspruche steht, gelingt es dem : es schon einen solchen geben soll, liegt bloß in der, von der Verfasser, die Schwierigkeit der meisten bisher unverständlich ye- : unseren so verschiedenen Gedankenwelt unserer Vorfahren. Allein bliebenen Stellen zu losen, wobei ihm auch seine immense Be-; cg stehen sich hier keine in ihrem Inhalte entgegengesetzte Belesenheit und innige Vertrautheit mit den sonstigen Werken der r,prtplll;fipv. ganzen jüdischen Literatur zugute komnrt. Dass der Verfasser auch , b •> “ , r ., gelegentlich anfklärende Streiflichter auf andere Gebiete wirft,. Wenn man von wunderbaren Begebenheiten, von unverdass er im Gange seiner Untersuchungen auch zu anderen Fragen,! stäitdlichen Vorschriften spricht, so vergisst man, dass unsere wie z. B. zu beu Eosäern, Stellung nimmt, geben dem Buche j Väter die Natur mit anderen Augen betrachteten als wir, iind "m?»r9;w* di« die uns ,m-rMrlich schei»-» für di- «che« ' Israeliten ganz und gar nrcht diesen Anschem hatten. Die Bibel hat uns die Gedanken unserer Vorfahren über Natnrerscheiiulttgen und Metaphysik überliefert. Diese Gedanken sind sehr beachtenswert; allein wir haben das Recht, sie vollkommen unabhängig zu beurtheilen. Ein Mann, den man wohl keiner Ketzerei beschuldigen wird, der ausgezeichnete Ausleger der Mischma Rabbi Juda (der Heilige!) gibt uns ein Beispiel dieser Urtheilsfreiheit. Er erklärte die Ideen der Heiden, in Bezug ans Kosmographie, denen der jüdischen Gelehrten weit Judaismusu.Katholikisnms?) Von R. T. Bor einiger Zeit widmete mir ein zionistisches Blatt einige sarkastische Bemerkungen, weil ich behauptet hatte, dass die einzelnen Religionen in Verbindung miteinander stehen mit» uns deshalb der moralische Rückgang des Kathvlieismns keines wegs erfreuen könne müssen, dass wir den wenig wie den zwischen . , wenn die Toleranz nicht bloß leerer Schall sein soll. Außerdem! wohl aber kann zeigt uns doch die Geschichte, welch großen Einfluss die > machen. Religionen aufeinander ausüben, und eine der Fragen, die man; Das Judenthnm muss sich vor allem hüten, von der auf dem nächsten religionsgeschichtlichcn Congresse zu behandeln j Nachbarreligion die Geißel des Jesuitismus zu entleihen. Denn gedenkt, ist eben der Einfluss des Christenthums auf das > die Jesuiten sind es, welche jeden Fortschritt in der katholischen die Religion, der Wissenschaft zunutze Zudenthum. Derselbe ist ganz unleugbar, womit aber noch nicht gesagt ist, dass er auch ein glücklicher ist. Wir glanben im Gegentheil, dass gewissen Grundsätzen, die tvir dem Kathvlicismns entnommen und die derselbe früher oder später selbst aufgeben muss, wenn er sich der modernen Welt anpassen will, energisch entgegengetreten werden soll. Der Judaismus ist eine Religion der That. Er fordert vor allem von seinen Bekenneru, das Gute zu thun und das Böse zu meiden, und hat eine bestimmte Art von Ccremonien eingesetzt, die den Zweck verfolgen, dem Menschen den Gedanken an Gott und dadurch den Gedanken an die Pflicht in Erinnerung zu bringen. Das einzige wirkliche Dogma in der Bibel ist die „Einigkeit" Gottes, und diese ist die erste Bedingung für die Einheit des Sittengesetzes. — Die Religionen haben ihren Wert nicht in sich selbst, sondern in der Richtung, die sie unserer Lebensführung geben. Der Judaismus legt bloß auf die Thaten Gewicht und lässt deshalb dem Geiste seine volle Freiheit. Er kennt keine vfsicielle Theologie und obgleich der Talmud die Meinungen der Gelehrten über den Ursprung und die Bestimmung des Mosaismus verzeichnet, machte er nicht einmal den Versuch, diese in Übereinstimmung zu bringen. Ein Rabbi durfte behaupten, der Messias habe zur Zeit des Ezechias gelebt, ohne der Ketzerei beschuldigt zu werden. Es gab Secten im Judenthum, die sich zeitweilig aufs leidenschaftlichste bekämpften, allein der Kampf entbrannte um thatsächliche Dinge, nicht um Dognien. Man kann wohl in den Saddneäeru und Pharisäern *) Wir entnehmen diesen hochinteressanten Artikel dem „L’Univcrs Israeli to“, sind aber verpflichtet, die Anonymität des Verfassers zu wahren. Die Redaetion. Religion hindern und nach immer tieferer Knechtung der Geister und Herzen trachten. Um ihr Ziel, die materielle Beherrschung der Welt, zu erringen, haben sie eine eigene Moral geschaffen. Ihr Grundsatz lautet: „Der Zweck heiligt die Mittel". Darum schrecken sie vor den schändlichsten Thaten nicht zurück; ihnen wird ' Hinterlist und falscher Eid zum Erlaubten; sie haben eine Entschuldigung für jedes Verbrechen. Nur zu oft hat man dies während der letzten Jahre gesehen. Die Religion ist ihnen bloß ein Borwand, dessen sie sich bedienen, um die intellectnelle und politische Freiheit zu unterjochen. Wir wollen gerne annehmen, dass man bei uns nicht viele solcher „Gesalbten" findet, die bescheiden die Augen zu Boden schlagen und von Zeit zu Zeit gen Himmel blicken, wie um ihn zum Zeugen für die Reinheit ihrer Absichten anznrnfen — die mit Thränen in der Stimme sprechen — die sich unter dem Titel des „frommen Mittlers" in die Familien einschleichen — die feige Verdächtigungen gegen gerade, offene Naturen ansstreuen — die solche, welche sie des Widerstandes fähig wissen, niemals von vorne angreifen, sondern geheimnisvolle Künste anwenden, um ihnen ihre Stellung, ihren Verdienst zu entreißen, damit ihre Creaturen sich bereichern — die den Misserfolg immer anderen aufbürden, um sich der Verantwortlichkeit zu entziehen und die ihre Unredlichkeit endlich unter dem Mantel der Religion verstecken. Goit wolle unsere jüdische Jugeud vor der Uebertragung einer solchen Pest bewahren. Wir sehen, welche Verheerungen sie anrichtet, wie sie gesunde Seelen zerstört, indem sie deren ganze Güte und Redlichkeit untergräbt. Die Christen wussten sich noch nicht von der verhängnisvollen Bruderschaft der Jesuiten zu befreien — wir aber werden es nie dulden, dass unsere Jünglinge dort ihre Vorbilder suchen. §| Ans den jüdischen OrMisationen. (Fünfrmdvierzigster Bericht des Allg. öfterr.- israel. Taubstummen - Institutes in Wien vom Jahre 1898.) Das Institut zählte 81 Zöglinge, u. zw. 52 Knaben und 20 Mädchen, davon 07 taubstumm geborene (davon die Hälfte aus Verwandtschafts-Ehen) die übrigen taubstumm geworden durch Scharlach, Fraisen, Gehirnhantentzündung, Typhus, Mittelohrentzündung, Masern, Sturz. Die Aufnahme erfolgte bei 3 Zöglingen durch die n.-ö. Statthalterei aus der Müllner'schen Stiftung, 5 wurden durch die Commune, 6 ans dem mährisch-jüdischen Landesmassafonds, 25 auf Grund von Privatstiftungen, 7 mit vollem Verpflegsbetrage, 10 bei ermäßigter Bezahlung und 24 unentgeltlich ausgenommen. Ungeachtet der ansehnlichen, von der seligen Frau Baronin Hirsch im Jahre 1807 der Anstalt gewidmeten Spende und anderer beträchtlicher Widmungen, und trotzdem die Ausgaben auf die Befriedigung der allerdringendsten Bedürfnisse beschränkt wurden, schloss das verflossene Verwaltungsjahr wieder mit einem Fehlbeträge, so dass der Vorstand sich neuerdings zur dringenden Bitte an Menschenfreunde und Gönner des Institutes veranlasst sieht, demselben, als einer Wvhlthätigkeits-Anstalt im eminentesten Sinne die werkthätigste Unterstützung angedeihen zu lassen. Im abgelaufenen Jahre spendete die Direction der Ersten österreichischen Sparcasse 000 fl., das k. k. Polizei-Präsidium 20 sl., durch Herrn Paul Schiff 100 fl., von den Erben des seligen Herrn Bernhard Kohn 250 sl. Die Sammelbüchsen ergaben 588 fl. Bei besonderen Anlässen spendeten Frau Josefine Paul- Schiss 50 fl., die Herren Sam. Rieß 50 fl., Mor. Bauer 40 fl., Th. v. Taussig 50 fl., Jul. Herz 25 fl., Frl. Emma Schiff 100 fl. und Herr Paul Schiff 100 fl. Gelegentlich der im Jnstituts-Bethanse abgehaltenen Gedächtnisfeier spendeten Baron W. v. Königswarter und Frau Josefine Paul Schiff je 25 fl., letztere beim Requiem nach dem seligen Herrn Mor. Freiherr von Königswarter 50 fl. Außerdem die Herren Maximilian Paul Schiff, Rud. Paul Schiff und Frau Rosa Schiff je 50 fl., Frau Olga Schiff 100 fl., Frau Emma und Herr Paul Schiff je 50 fl. Ferner für den Lehrer-Pensionssonds Herr Paul Schiff 50 fl. und Frau Rosa Schiff 05 fl., Herr Jgn. R. v. Ephrussi 250 fl., Frau Jda v. Guttmann 50 fl., Frau Amalie Löwenstein-Todesco beim Requiem nach Herm. Freiherrn v. Spinnger 100 fl., Frau Friederike Nirenstein 25 fl., Herr Heinr. Nirenstein 50 fl. Bon den Angehörigen des seligen M. H. Weikersheim 45 fl., von denen des Herrn Friedr. R. v. Boschan 120 fl. Die ärztliche Hilfe leisteten uneigennützig die Herren Dr. I. Lackenbacher, Dr. A. Mittler und Dr. L. Ornstein. Aus der Chronik der Anstalt ist der Tod des verdienstvollen Präses Herrn I. Hieldburghäusser zu verzeichnen, wodurch die Anstalt einen schweren Verlust erlitt, und soll alljährlich am Geburtstage (!) des Dahingeschiedenen (4. Nov.) eine Dank-Gedächtnisfeier veranstaltet werden. Der nunmehrige Vorstand wühlte zum Präses Herrn Dr. Arthur Kuranda, als dessen Stellvertreter und Controlor Herrn Paul Schiff und zum Cassier Herrn Max v. Postheim. Danksagung. Durchdrungen vom Gefühle innigster Dankbarkeit gegen meine Chefs, den Herren Heinrich und Fritz M e n d l, welche mich, als einen Familienvater von fünf Kindern während meiner Erwerbsunfähigkeit, herbeigeführt durch eine Quetschung des Oberarms, mit dem ich in die Knetmaschine hineingerieth, in so großmüthiger Weise unterstützt haben, sage ich hiemit meinen tiefgefühlten herzlichsten Dank. Möge Gott es ihnen vergelten. Wien, 5. Juli 1899. David G u t t m a n n, Bäckergehilfe. uKutSHauanu Mütter» wollt ihr Euere Kinder gesund erhalten, kauft keine 11 Kinderwagen aus Korbgeflecht, dieselben sind Träger der Jnfeetionskraiikheiteii und Brutnestcr der Wanzen. Kaust blos hygienische Kinderwagen, mit waschbarer Adjustierung, zum Liegen und Sitzen verstellbar, und Patentkbrben ans Metall. Empfohlen von ärztlichen Capaeitäten! Grvstte Reinlichkeit! Höchste Eleganz! lü BAUMANN *• u* Privilegiums-Inhaber, Wi n. VI.. 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