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Jüdisches Volksblatt · 1899-06-30 · 20 (30.6.1899) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
20 (30.6.1899)
Date
1899-06-30
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 30. Juni 1890 Seite 7 bompendien anfzuschlagen, um fast auf jeder Seite dieses iunige Verivobensein von religiösen mit rein weltlichen und wissenschaftlichen Fragen anzutreften. Und wenn es auch nicht immer strenge Wissenschaftlichkeit war, was hier geboten ward, wenngleich das siele Betonen des religiösen Momentes in der Folge eine gewisse Einseitigkeit der jüdischen Wissenschaft Hervorrufen musste, das Holk selbst war einmal empfänglich gemacht für dieselben und bezeugte dies am besten dadurch, dass neben dem Talmud später auch die Religionsphilosophen unter ihm ihre weiteste Verbreitung fanden. Von welch bedeutsamer Tragweite für die Fortexistenz des jüdischen Volkes gerade dieser Umstand in der langen Leidensnacht des Exils gewesen, ein wie starkes Bindernittel die Eontiguität des Geistes für das Judenthum gebildet, begann man erst in neuerer Zeit wieder zu ermessen; und dieser Erkenntnis versunken wir die Gründung einer stattlichen Anzahl von Vereinen, lvelche sich die Pflege jüdischer Geschichte und Wissenschaft zum Ziele setzen und neben Abhaltung von Vorträgen auf diesen beiden Gebieten auch durch Herausgabe von Schriften bezw. Jahrbüchern )ein Volke das erschließen wollen, ivas sonst nur einem ausnivählteu Kreise von Gelehrten zugänglich war. — Das verlegende Jahrbuch nun, herausgegeben von dem Verbände der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland, ist o recht geeignet, die Ansprüche, die an ein solches gestellt werden linnen, vollauf zu befriedigen. Nach einem politischen Rückilicke auf das verflossene Jahr, insoiveit dasselbe aus die Judenrage Bezug hat, folgt eine literarische I a h r e s r e v u c wn Gustav Karpeles, in rvelcher uns alle „roderiren Ercheinungen jüdischen Geistes vorgeführt werden. — Aus der Reihe >er nun folgenden wissenschafilich'en Aufsätze seien besonders her- »orgehoben: „Drei Bibelübersetzungen" voir Wilhelm 8 a ch e r, der nirs die große Bedeutung jener Uebertragungen des tznches der Bücher in die griechische Sprache, Septuaginta, in ne arabische durch Saadja lind in die deutsche durch Mendelsohn ,rs rechte Licht setzt. — In bekannter Meisterschast würdigt der iector Dr. S ch w a r z den Wert und die Bedeutung, welchen die ) o ch sch u le n in Pal ä st in a un d B ab y l o n besessen, und velchen erzieherischen Einfluss sie auf das Volk ausgeübt. Der n'rühmte Petersburger Gelehrte und Forscher Harkavy veracht mit seiner Studie „A n a n der Stifter der kara i s ch e n -ecte" so recht das Wesen derselben uns zur klaren Anchauung zu bringen, und in seinem „R. Naphtali Eohen in Kampfe gegen C h a j u n" führt uns Tr. Kauf m a n n nt seiner kraftvollen Diction die Verirrungen vor Augen, welche ie Kabbalistik noch im XVIII. Jahrhunderte anzurichten imstande rar. — Von großem Interesse dürften für manchen die „n a che l a s s e n e n Briefe S a l o m o n Munk s" sein, die uns on M. B r a n n übermittelt werden, zumal eine ausführliche Ilographie dieses für die Wissenschaft des Judenthums so hochedentsamen Mannes noch aussteht. — Den Schluss des Buches ilden zwei Erzählungen von äußerst spannender Form und erhütterndein Inhalte. Jork-Steiners Erzählungskunst, die is in das innerste Gemüth hinableuchtet, entrollt uns in der sten ein modern-jüdisches Lebensbild in ebenso wahrer wie rckender Weise, während in der zweiten D. L ö w e n b e r g an im tragischen Schicksale einer armen jüdischen Iran die schreckhen Folgen der Volksverhetzung und Volksverrohung in erceifenden Tönen schildert. M. St. (Palästina und seine Geschichte.) Sechs volksthümliche ortrüge von Prof. D. von Soden. („Aus Natur und Geisteselt." Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darellnngen ans allen Gebieten des Wissens. 12monatliche ändchen zu je bO Ps., geschmackvoll gebunden zu je Mark 1'lü, >er 54wöchentliche Lieferungen zu je 20 Pf.) Verlag von . G. Teubner in Leipzig. Den Zielen der Sammlung „'Aus Natur und Geisteswelt" tsprecheud, hat der Verfasser hier aus Grund einer Reise durch glästina ein Bild gezeichnet nicht nur von dem Lande selbst, udern auch von all dem, was aus demselben hervor- oder über B hingegangen ist im Laufe der Jahrtausende — ein wechsellles, farbenreiches Bild — die Patriarchen Judas und die lenzfahrer, David und Christus, die alten Assyrer und die charen Muhammeds lösen einander ab, Jerusalem als Stadt der Juden, als heilige Stadt der Christen und dann der Muhammedaner taucht vor uns auf. Ein gewaltiges znsammenhängendes Stück Weltgeschichte zieht an uns vorüber. Und vor allem oie Entwickelung der drei großen Religionen und ihre Eigenart wird uns lebendig. Wir sehen sie hinein gezeichnet auf den Boden, auf dem sie sich entfaltet haben. Und es wird beides klar, welch eine gewaltige Geistesarbeit da gethan wurde und wie doch die letzten Wurzel aufzudecken dem Menschengeist unmöglich ist, wie sie als die reifste Frucht einer langen Geschichte erscheint und doch aus dieser Geschichte und den in ihr waltenden Kräften nicht ohne Rest zu begreifen ist. Das Merkchen darf mit Recht als ein auf wissenschaftlicher Grundlage ruhendes Volksbuch bezeichnet werden, das die Kenntnis des Gegenstandes wirlich zu vertiefen geeignet ist und dem wir bei dem billigen Preise darum eine recht große Verbreitung wünschen. Zwei sorgfältig ausgeführte Karten und ein Plan von Jerusalem sind zum Verständnis des Textes beigefügt. Man schreibt uns aus Stanislan unter dem 26. d. M.: Die jüdisch-deutsche Operetten-Gesellschaft unter der Directivu des Herrn I. B. Gimpel aus Lemberg hat sich hier für sechs Vorstellungen angekündigt. Diese Gesellschaft ist eine der besten Theatergesellschaften in Galizien. Herr Gimpel ist durch seine zwanzigjährige Thätigkeit als Theaterdireetor allseits bekannt. Ihm ist es zu verdanken, dass heute das jüdische Theater nicht mehr verpönt wird, sondern von allen Schichten der jüdischen Bevölkerung, ja sogar von Christen besucht wird. Der beste Beleg dafür ist das eigene Theaterhaus iu Lemberg, | welches die Gesellschaft Heuer bezogen hat und um welches sie so manches uichtjüdische Theater beneiden könnte. Wiltheilmigen aus dem Publicum. Der Kaiser hat dem Inhaber des Unternehmens für Zeitungsausschnitte Observer (Wien, IX., Türkenstraße Nr. 17), Herrn Alexander Weigl, mit dem Ausdrucke der allerhöchsten Anerkennung die mit dem kaiserlichen Namenszuge in Brillanten gezierte Busennadel gespendet. Diese Auszeichnung wurde Herrn Weigl für eine Collection zntheil, welche alle anlässlich des Ablebens der Kaiserin Elisabeth in der ganzen internationalen Presse erschienenen Nekrologe enthält. Gleichzeitig hat der Kaiser angeordnet, dass die Weigl'sche Nekrologensammmlnng der Familien - Fideicommiß - Bibliothek einverleibt werde. Samstag, den 8. Juli d. I., um 8 Uhr vormittags, findet im israelitischen Tempel, II., Webergasse 20, die Bar- Mizwah-Feier des Gymnasialschülers Siegfried P l a s ch k e s, Sohn unseres Parteigenossen Hermann P l a s ch k e s, II., Standingergasse 8, statt. Aus den jüdischen Organisationen. (Jahresbericht des Witwen- und Waisenfonds-Bereines „Montefiore" für das Jahr 1898.) Die Bereiusleitung drückt allen Spendern den wärmsten Dank ans und theilt zugleich mit, dass im vorigen Jahre drei Sterbefälle vorkamen. Die Witwen erhielten 500, 450 und 210 fl.; in letzterem Falle verzichtete Frau Marens Spiegler in hochherziger Weise auf die ihr zugewiesene Summe zugunsten des Fonds für zahlungsunfähige Mitglieder. Der Verein zählt 442 Mitglieder, der Obmann desselben ist Herr Marens Bondi und die Vereinskauzlei (II., Rothe Sterngasse 10) wird zugleich vom Krankenverein „Montefiorc" als Betlocal verwendet. Die Ausgaben betrugen 1734 fl. und der Cassastand beläuft sich ans 1996.90 fl. Eingesendet. Danksagung. Für die unseren unglücklichen Armen aus eigener Initiative gespendeten circa 000 fl. sprechen wir, als zur Vertheilnng dieses Geldes gewählt, dem hochherzigen Spender, Herrn S. Gr ü n feld in B en t hen (Oberschlesien), sowie dessen Vertreter Herrn Heine, der bei der Vertheilnng werkthätig mithalf, unseren besten Dank aus. Herr G r ü n f e l d hat auch mehrere brotlose Arbeiter von hier in sein galizisches Holzgeschäft mitgenommen, und hat ans seine Veranlassung auch die Oberschlesische Holzindnstrie- Acticngesellschaft eine größere Anzahl Arbeitsloser für ihre galizischen Etablissements ausgenommen. Boryslaw, 27. Juni 1899. Moses L i n d e n b a u m, Juda S ch ö n f e l d, Isidor Rotenberg, Jona Kleiner. Briefkasten. Dr A. K. in Lemberg. Besten Dank und Gruß. Qberlient. H. Ob Dr. Lueger Osficier war, wissen wir nicht — den Commandoton hat er sich angewöhnt, seitdem er am Ruder ist und seine „Barriärestöcke" zum'Abstimmen und auch zu anderem — — commandiert. Albert M. in M. Bedauern lebhaft — wieder unverwendbar. Erwin K. Erscheint in nächster Nummer mit einigen Aenderungen. Cnltnsgemeinde in B. Ist im Gewerbegesetze begründet. Jnlins W. in D. Sie Schlaumeier! Sie senden uns eine Uebersetzung und geben es für Ihr eigenes Geistesproduct aus. — Oder haben Sie die Beifügung „Ans dem re." vergessen? — Wir können den Aufsatz erst dann erscheinen lassen, wenn Sie uns die Autorisiernng zum Uebersetzen Nachweisen. Ludwig L. in N. Verspätet angelangt und für die nächste Nummer wertlos. liefert billigst Buchdruckerei „INDUSTRIE“ Wien, VIII., Schlösselgasse 11, Mutter, wollt ihr Euere Kinder gc- _ sund erhalten, kauft keine Kinderwagen aus Korbgeflecht, dieselben sind Träger der Jnfectionskrankheiten und Brutnester der Wanzen. Kauft blos hygienische Kinderwagen, mit waschbarer Adjustierung, znm Liegen und Sitzen verstellbar, und Patentkorbeu aus Metall. Empfohlen von ärztlichen Capacitätcn! Größte Reinlichkeit! Höchste Eleganz! MM mm Tj "RA TTM A NN 1 “• *• Privilegiums-Inhaber, Wk », VI., Millergasse a * * Bor werthloseu Nachahmungen wird geivarnt; nur echt wenn obcnstehende Schutzmarke am Boden des Wagens ersichtlich ist. (81 Illustrierte Cataloge gratis und sraneo. M. Freilich, kaiserl. königl. privilegierter Bandage-Erzeuger, Lemberg, Grodecka Nr. 35, Garantierte sichere radicale Hilfe ohne Operation und ohne Medicamente für gefährliche und älteste Bruchleiden, auch Nabelbrüche, durch meine ncncrfundenen patentirten Bandagen, welche ich selbst an legen muß. Ebenso werden die Leidenden im richtigen Selbstanlegen der Bandagen unterrichtet. Hunderte von ärztlichen Zeugnissen und Danksagungen liegen zur Einsicht vo. Das Honorar lvi d nach der Art des Leidens berechnet. — Prospekte gratis und franco. Uebersetzung ans dem Journal „Bomba" in Braila. M. Freilich oder ein Wundermenseh. Unter dem obigen Titel erhalten wir zur Veröffentlichung vou unserem Landsmann Herrn Eno D. Gagiuloscu folgende Zeilen, welchen wir mit Vergnügen Raum in unserem Blatte geben: H e r v Direktor! B rail a, 15. März I89‘J. dir das vcirfjfcit ftWllc Krankheit nicht los zu werde», erfuhr ich von einem Bekannten aus Lemberg, "ag 'sich dort ei» "gewisser Herr Freilich, ei» wahrer Wuuderuieusch, befiu et uiid dasi sämmtliche Aerzte iiud Gelehrte über ihn und seine Behandlung, lvelche nur kurze Feit dauert, staunen. . . uiclits mehr zu verlieren hatte, reiste ich sofort »ach Lemberg, kehrte in die Anstalt des Herrn M. Freilich, welche veriewe selbst leitet, ein iiud ivie durch ein Wunder wurde ich von ihm ohne jedlvede Schmerzen im Berlaufe von jey» -ragen vollständig geheilt und befinde mich jetzt in bester Gesundheit, gerade als lveiin ich nie krank gewesen lväre.?-c llw’ mitt) n »ri'pfUct)tct, Herrn M. Freilich, der es verstanden, mich aus meinem schmerzvollen Leiden zu traten, ülfeutlich meinen besten Dank hiemit ansziisprecheu mit »ein Bemerke», dag ich ihm lebenslang dankbar sein lverde i»d glaube auch Denjenigen durch Berüsfentlichuiig > ieser geilen eine Wvhlthat zu erweise», lvelche an der schrecklichen rhalteii ilicht wissen^" ^k>steuz des Herrn M. Freilich, eines Menschen, lvelcher Wunder schafft und unzählige Belobungen jechachtlmg '" iu‘lL' Direetor, für die Berüffeutlichung dieser Zeilen danke, empfangen Sie gleichzeitig meine '_ 01 Ene D. Gagiuloscu. lemhard Iriiwarz Goldarbeitei- — Specialist (64) in Goldketten eigener Erzeugung Wien, Vi/i, Dürergasse 4. MÖBEL politiert, altdeutsch u. Barock (73) in grosser Answahl. Ig. Grünauer III., Seidlgasse 37. Reich illustrierte Preis - Courante gegen Einsendung von 30 kr. Briefmarken. O fl. S c li u 1 a n z u g O ii. Knaben-Havelock 7«. Knaben-Üb erzieh er bei Jacob Rot Iib e r g e r, k. u. k. 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