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Jüdisches Volksblatt · 1899-05-19 · 14 (19.5.1899) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
14 (19.5.1899)
Date
1899-05-19
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 19. Mai 1899 Seite 7 Volkes zu sagen. Alle Männer, die um die jüdische Geschichte sich verdient gemacht, Nappaport, Krochmal u. a., fristeten dank diesen großen Ungeistern ein bitteres und leidenvolles Dasein. Auch die „Chassidim“ fassten ihre ganze Weltanschauung in der Schnapsflasche zusammen. Graetz u. a. verpönten den Gliassidimismns itttb machten ihn für die Entartung dieser verkommenen Kerle, die vom Ghassidimismns keine Ahnung hatten, verantwortlich. Kurz und gut: es war eine glanzvolle Periode der Verkommenheit im Zelte Jacobs. Das Neue nmsste sich doch bahnbrechen. Perl, Mises, Rappaport, Krochmal, Goldberg, Erter u. a. scheuten weder Verbannung noch Verfolgungen; ste machten sich kühn und muthvoll an ihre Sache heran. Isaak Erter war zu allererst ein Autodidact. Erst in seinem dreiunddreißigsten Lebensjahre begann er Medicin zu studieren und wurde praktischer Arzt. Er begann schon in retfeat Alter Bibel und hebräische Grammatik zu studieren und schuf nachher einen Stil, von dem Graetz schreiben konnte: „Zitzei Jahrtausende nach dem Verstummen der Propheten erklang noch eine Stimme, welche sich zugleich alt und tagesneu auhörte. Und in dieser Mischung des Alten und Neuen im Erter'schen Stile, der zugleich an Jesaia und an Heine erinnert, liegt ein außerordentlicher Reiz". Erter hat bloß ein Buch geschrieben, „Hazophe l'beis Israel“, ein Buch, das ihn, in der hebräischen Literaturgeschichte seinen Namen auf ewig gesichert hat. Es existierte damals überhaupt kein Stil. Erter schuf ihn. Sein Buch ist ein humoristisches. Es bespöttelte und verhöhnte die Geisteszustäude seiner Zeit. Sein Humor ist aber beißend unn tief. Es gelang ihm, allen abgelebten veralteten Gebräuchen und Sitten die lächerlichsten Seiten abzngewiunen. Humor besteht nämlich aus zwei Grundelementen, aus dem Tragischen und aus dem Konlischen, aus der Freude und dein Schmerz. Erter war aber ein froher Humorist. Er war überhaupt ein fröhlicher Geselle. Er nahm nichts zu tragisch. Graetz schreibt: „Gewiss hätten es Börne und Heine nicht glaublich gesunden, wenn ihnen gesagt worden wäre, dass tief hinten in Polen, unter bebärteten Juden, ein Kunstgenosse lebe, der ebenso befähigt war, „aus den feinsten Worten ein Filigran, ein Drahtnetz für Mückenfreien zu flechten, ober eine Satyre zu spitzen, so spitz, dass sie durch die Poren eines Glases dringt". Natürlich wurde er verfolgt und verbannt. Es half aber nichts. Die Aufsätze, die Satyren wurden gelesen, mit Heißhunger verschlungen. Sein Buch hat auch eine bedeutende Rolle in Rußland gespielt. Selten, dass ein hebräisches Buch in einigen Auflagen erscheint, bei dem Erter'schen war es der Fall. Die neuhebräische Literatur der letzten Jahrzehnte hat Reihen von solchen Stilisten und scharfsinnigen Humoristen aufzuweisen. J M. Für die Korystamer Arbeitslosen. Trotz der Aufforderung von mancher Seite haben wir aus begreiflichen Gründen bis jetzt unterlassen, einen „Aufruf" behufs Einleitung von Sammlungen zur Unterstützung der in der größten Noth sich befindlichen jüdischen Arbeiter in Boryslaw zu veröffentlichen. Ungeachtet dessen regen sich die Herzen edler Menschen, welche zu einem Werke der Wohlthütig-! keit nicht erst anfgefordert sein wollen, und es gelangen bereits an uns Spenden, für deren Ausweis wir hier die Rubrik eröffuen, u. zw.: Sammlung in der Redaction des „Jüdischen Volksblatt" fl. 10; Herr Dr. Otto Winter, Landesadvocat in Ung.-Hradisch fl. 10, und unter dem Motto: „Gesammelt in der zionistischen Versammlung in Floridsdorf am 13. Mai" fl. 9'26, zusammen fl. 29'26. Wir nehmen keinen Anstand hervorzuheben, dass vorstehendes „Motto" ausdrücklich verlangt wurde, und wir gerne die Namen der Spender verzeichnen würden, die wir aber leider nicht kennen. Es sind dies zumeist chr istlich e Arbeiter, die in einer zi o ni stis ch en Versammlung für ihre h u n g e r n d e n jüdischen Genossen in Boryslaw gesammelt haben, um zur Linderuug des namenlosen Elends ihrer Mitmenschen ein Scherflein beizutragen. Wie man sieht, sind noch nicht alle C h r i st e n dem Verrohungsbestreben der „Christlichsocialen" verfallen. Selbstredend sind wir gerne bereit, weitere Spenden entgegenzunehmen und in jeder Nummer auszuweisen, und rufen wir allen zukünftigen Spendern namens der Arbeitslosen von Boryslaw von Herzen ein „Vergelts Gott!" zu._ Aus den jüdischen Organisationen. (Verein „Marpe lannefesch.“) Derselbe verlegte seine Synagoge nach der Glockengasse 4 und fand am Samstag die Einweihung dieses zwar kleinen, doch netten.und streng rituellen Vetlocales statt. Die Betheiligung war so groß seitens der befreundeten Vereine, dass viele im Vorhose sich postieren mussten, um am Fenster die Reden zu hören. Obmann I. Stern begrüßte die erschienenen Gäste und Gönner und ersuchte um fernere ausgiebige Förderung der Vereinstendenzen. Dr. Arnold Ascher als juristischer Beirat des Vereines dankte für die große Theilnahme, welche der vorzugsweisen Pflege der drei Pfeiler entgegengebracht wird, auf denen das Judenthum basiert ist. Rabb. Friedman und Weiß, letzterer von der Fugbach-Synagoge, betonten in ihren schwungvollen Reden die hohe Bedeutung der Einigkeit und des Zusammenhaltens auf de»u Boden der Religion, denn nur diese verleiht uns Macht. Dem Humanitären Vereine flössen aus diesem Anlasse reiche Spenden zu und ist mit demselben auch eine Bibelschule für Volksschulen verbunden. (Im Verein jüdischer Mädchen „Hadassa") hielt am Sonntag die Schriftstellerin Frau Ernestine Wilhelm den Schlussvortrag für dieses Semester über das Thema: Die Stellung der Frau im Judenthum. Rednerin schilderte in beredter poetischer Sprache den rvohlthätigen Einfluss des jüdischen Weibes in religiöser und socialer Beziehung und entrollte leuchtende Vorbilder ans dem Leben der Patriarchen-Gattinnen, der Prophetinnen Mirjam und Debora, mit der Königin Esther den Vortrag beschließend, welche durch ihren zweiten Namen an den Verein erinnert, der sich ihre Bescheidenheit und Opferwilligkeit zum Muster nimmt. Der zweite Theil über die moderne jüdische Frau bleibt einem späteren Referate Vorbehalten. — Frau Wilhelm begrüßte dann die scheidende Präsidentin, der sie, wie auch dem Vereine die besten Wünsche-entbot. Gremplare der Nummern 12 und 13 unseres Blattes merden von unserer Admistration zuruckgekauft, da diese Uummern vollständig vergriffen stnd. Briefkasten. Samuel Lölvy in Net.Sie haben den Sinn nicht recht verstanden. Es wird kein Kostgeld bezahlt, viel- / mehr wird ein solches, eventuell eine einmalige Abfertigung beansprucht. Br. in L. Lächerlich! Weshalb denn fürchten? Noch sind wird gottlob nicht rechtlos in Oesterreich! Nur Muth! Alfred F. in G. Bedauerlich ohne Zweifel! Die Herren in Oesterreichisch-Asien glauben im Sinne des tz ,.byj £yda“ wäre alles gestattet, sie sollen sich aber getäuscht haben. Der „Fall" des Bezirkshauptmannes in Nadworna soll sie vom Gegentheil überzeugen. Hillel L. in B. Wenden Sie sich an das Rechtsbureau, Wien, I., Weihburggasse 6. H. Steiner in S. In der 14. Abtheilung des hohen k. u. k. Reichs-Kriegsminifteriums. Leithold. Wir bedauern lebhaft, hierüber keine Auskunft geben zu können. Ludwig H. Für uns unverwendbar. I. H . .. d, Lemberg. Schon besser. Nur bitten wir, etwas leserlicher zu schreiben, damit wir die Sachen nicht nur loben, sondern auch bringen können. HOTEI, .1 RESTAURANT GUTH ü= Wien, II., Stefaniestrasse Nr. 6 und 8. Prachtvolle gerlmicje Säle für Diners, Hochzeiten und festliche Veranstaltungen. Bestrenominirte Küche, grosse Speise-Säle und elegante Passagierzimmer. 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