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Jüdisches Volksblatt · 1899-04-21 · 10 (21.4.1899) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
10 (21.4.1899)
Date
1899-04-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 AVien, -Freitag 21. April 1890 Jüdisches VolksblaU. Seite 7 Führer einer Cnlturgruppe als „national" bezeichnet; nicht immer richtig. — Selbstredend muss man in der Wahl der Ausdrücke sehr vorsichtig sein. — Wird aber auf diesem Gebiete wenig gesündigt? Sagen wir denn nicht z. B. „Sonnenaufgang, Sonnenuntergang" und wissendabei ganz wohl, dass die E r d e und n i ch t die Sonne sich bewegt. — Dasselbe erblicken wir auch in der weiteren, von Dr. Kronawetter unternommenen Analyse des Wortes „Volkspartei". Diesen Herren nimmt es Wunder, dass die Jüdische Volkspartei für ihre Rechte, für ihre Gleichberechtigung kämpft. Äon seinem demokratischen Standpunkte ans, ist dieser Kampf der Inden ganz überflüssig. „Die Gleichberechtigung", meint er, hat ihren Grund in der gleichen Wesenheit und Bestimmung aller Menschen. Sie ist ein Attribut des Menschen als Mensch, nicht aber als I u d e, C h r i st oder Feueranbeter". Hier liegt der Unterschied zwischen „Dem ok ra te n th n m" und „V o l ks t h u m". — Erster es gilt von allen Menschen. Für sie ist alles „Mensch", sei es Jude oder Nichtjude, aber dem Juden in cultureller Hinsicht eine Bedeutung beiznlegen, ist inopportun. Dagegen meinen die Volksführer, dass das jüdische Volk existieren muss als eine Gesellschaft, die eine besondere religiöse Weltanschauung hat. Diese Bemerkung machen wir blos deshalb, damit einfür allemal die richtige Stellung der „Volkspartei" Mischen die A s s i m i l a t o r e n mtb Nationalen präcisiert und klargestellt werde. *) Wir geben vorerst dieser Meinungsäußerung Raum und lassen in der nächsten Stummer die Fortsetzung der „Coheleth"- Artikel folgen. Die Red. Aus den jüdischen Organisationen. Indischer Bolksverein. Donnerstag den 20. d. fand im Vereinslocale ein sehr gut besuchter interessanter Discussionsabend statt. Als Gegenstand der Tagesordnung war „der Weiteransban der Organisation der Inden", angekündigt. Fast alle anwesenden Mitglieder betheiligten sich an der Debatte, insbesondere Herr Dr. Engländer und Herr Plaschkes wiesen darauf hin, wie nothwendig es wäre, eine Institution zu schaffen, um dem verarmten jüdischen Mittelstände auch wirtschaftlich unter die Arme zu greifen, umsomehr, da doch dieser Punkt schon lange auf dem Programme des jüdischen Volksvereines steht. Im Schlussworte des Herrn Pilpel wurde auch dargethan, dass der Verein bereits alle uöthigen vorbereitenden Schritte zur Activierung des schon längst geplanten Credit-Jnstitutes eingeleitet hat, und dass hoffentlich in kürzester Zeit dasselbe ins Leben treten wird. Nachdem auch durch Herrn Strauß angeregt, eine ziemlich lebhafte Controverse über wirtschaftlichen und politischen Zionismus sich zu entwickeln drohte, erklärte' der Vorsitzende Herr Eltbogen, dass zur Behandlung speciell dieses Themas ein eigener Discnssionsabend einberusen werden wird, an welchem unseren Mitgliedern Gelegenheit geboten sein wird, dieser eminent wichtigen Frage näher zu treten. Nach einem warmen Appell an alle Mitglieder für den Verein fleißig zu agitieren und die Vereinsabende zu besuchen, schloss der Vorsitzende den sehr animierten Abend. Donnerstag den 27. d. findet kein Discussionsabend statt, da im Hotel Continental der Vortrag des Herrn Doctor Neumark stattfindct. Die Mitglieder werden ersucht,- in ihren Bekanntenkreisen für eitlen massenhaften Besuch dieses Vortragsabends init aller Kraft zu agitieren. Wien» (Die „O e st e r r e i ch i s ch - i s r a e l i t i s ch e Union") hält Samstag den 22. d. M., 1/28 Uhr abends, in .Aulners Restauration, L, Adlergasse 6, ihre diesjährige Generalversammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Mittheilnngen des Vorstandes; 2. Rechenschaftsbericht; 3. Cassabericht; 4. Neuwahlen; 5. Anträge und Interpellationen. Wien. (Im V e r e ine j un g er Mädchen „Hadassa") hielt Sonntag Herr Dr. Max Steif einen äußerst interessanten Vortrag über zwei jüdische Satyriker des Mittelalters, nämlich über Alcharisi, dem Verfasser des „Tachkemoni" und Immanuel de Romi, einem Zeitgenossen Dantes, dessen „Inferno" in gewisser Beziehung imitiert erscheint. Der erstere Dichter lebte in der span. Glanzepoche des jnd. Volkes im 13. Jahrhunderte und benützte Charisi's Makamen. Ans Kämpf's mnstergiltiger Uebersetznng: „Nichtandalttsische Poesie andalnsischer Dichter" wurden einzelne markante Piöcen verlesen, ebenso ans dem Machbereth Immanuel, zu welchem, wie wir nebenbei bemerken, der gelehrte Schriftsteller Jonas Willheimer, früher in Sofia, jetzt in Wien, eingehende und anfklärende Noten schrieb. Der Vortragende erntete für seine fleißige Arbeit verdienten Beifall. Wien. (Fünfter Jahresbericht des is r. Kra nk e n- U n t er stützn n g sv er ei n es : „Der Wiener D i e n st m a n n.") Das Vereinsvermögen beträgt 6199 fl., u. zw. im Baren 4418 fl. und das des Betlocales 1781 fl., Die Ausgaben pro 1898 beliefen sich auf 3007 fl. 97 kr. u. zw. an Krankengelder^ Unterstützung bei Entbindungen und Erwerbslosigkeit durch Einhalten der üblichen siebentägigen Trauer, Cnrbeiträgen, Witwen- und Waisenabfertigung, Unterstützungen an verarmte Mitglieder, Grabsteine nach zwei verstorbenen Mitgliedern, Kosten für Leichengeleite, Krankenwoche, ärztliches Honorar, Miethe für das Vereinslocal, Stenern, Honorar des Vereinsdieners, Drucksorten (142 fl.!), Porto, Beheizung, Beleuchtung, Schreibrequisiten rc. Der Bethansrechnung entnehmen wir, dass das Reinerträgnis 44-7 fl. 76 kr. auftveist. Der Wohlthätigkeitsball ergab 400 fl. Ueberschuss und betrug die Spende Sr. k. und k. Hoh. des Hrn. Erzh. Friedrich 20 fl., die des Erzh. Eugen 10 fl. Speciell hervor, gehoben zu werden verdient die humanitäre Thätigkeit des Hrn. Jul. Erdstein, der sich freiwillig erbot, den Kranken- Controldienst zu versehen, ebenso die des Hrn. Guttmann- Sperber im Betlocale. Obmann des Vereines ist Hr. Ad. Armuth, Nclimann Josef dessen Stellvertreter, Hr. Simon Queller Secretär und Kurz Sigm. zweiter Schriftführer. Zum Schluffe weisen wir noch auf die vielfachen Beneficien hin, deren die Mitglieder gegen einen Wochenbeitrag von 15 kr. theilhaftig werden. Mittheilungen aus -em Piliüirimr. Ein altes, bewährtes Kleiderreeept. Alte Recepte werden mit Vorliebe befolgt, sowohl in der Küche, im Hause,' wie in der Wirtschaft. Und ein solches altes Recept, sich auf bequemem und billigem Wege gute, moderne Kleider zu verschaffen, ist die bewährte, auf der uralten, einfachen Grundlage des Tausches beruhende Methode, die seit Jahren beim Hoflieferanten Rothberger auf dem Stefansplatz eingeführt ist. Man gibt die getragenen Kleider -daselbst ab, sie werden gewissenhaft geschätzt, und gegen eine zumeist kleine Aufzahlung erhält man dann moderne und gute Kleider, wie sie eben die Saison erfordert. In der Kleiderschwemme, dieser volksthümlichen Abtheilnng des Hauses, findet sodann der Anspruchslosere Kleider zu den denkbar billigsten Preisen. Da wir vor dem Eintritt des Frühjahrs stehen, sei das alte, bewährte Kleiderrecept unseren Lesern ins Gedächtnis gerufen. Briefkasten. Niesenfeld. Ihrem Wunsche entsprochen. Bezüglich Baden werde das Nöthige veranlassen. Besten Gruß. Lesevereitt „Jehudit". Wir nehmen von Ihrer MitthkiOiug bestens Notiz. Gruß. R. V. Sch. Sehr schmeichelhaft. Wir haben bloß unsere Pflicht erfüllt und werde:: uns auch fernerhin durch nichts beirren lassen. Simplicins. Wir sind wirklich in Unkenntnis, warum die gesammte Wiener Presse es durch Stillschweigen billigte, dass die Confession des muthmaßlichen Mörders von Polna im Berichte des Correspondenz-Bnreaus betont urde und kennen keinen Fall, wo dieses Bureau etwa berichtet hätte: „Der katholische Faßbindergeselle N. N. wurde als muthmaßlicher Mörder verhaftet," in welchem Falle" die antisemitische Pressmente gewiss nicht ruhig geblieben wäre. Josef Wistaw, Wien. Halten Sie uns etwa für Leser des „Deutschen Volksblattes", dass Sie uns zumuthen, Ihre Zuschrift ernst zu nehmen? Geben Sie sich keine Mühe, den Inhalt unseres Papierkorbes zu vermehren und wenden Sie sich an die richtige Adresse. L Haas in G. Besten Dank. Nehmen Sie gefl. zur Kenntnis, dass wir in desWor tt s .vollster B ed e u t u n g unabhängig sind, daher uns gar kein Umstand behindern kann, das zu sein, was wir in Wirklichkeit find, ein echtes und rechtes „Jüdisches Bolksblatt". jx: -- L_ S | m s . -Q — m EC < H Z LÜ Z F- Z o o 1 § $ LÜ £ l— r- £ 0) S1 - CO <v ~a tn a> da ~a ca s_ w r ca O TO > tO Jo C £ E tn — ~o h-> c a> a> T3 -Q .E < D 00 ra E a> j= H (0 03 ~a <v (0 <v 7 t. *c“ c <v E C Jo a> o CO Jz N 2 ’E o o JD -X 05 05 h- EC s 3 c *0 3 Etn § & S9 8 c « t/) a> ZZ TZ o cd .52 c £ .2 * -4-» CD d .3 Z ü C s X LÜ c c § da o c «■§ <5 £ o »- d> tn tn 3 o _c T3 <v a “ o II tn zz xo sz <v E -a < O) a> ■a -- Z © -C (0 o tn 05 u cv U w ® JZ C -Q ■g a) S- O > da <5 c da (D < - t- CD <D J= ■a g? o +* J2 u. cd c LU 1= O <d w y? JZ u O ■n N E C CD « “ £ cz CD — c t: c ta -** 3 5- ■« jn o -E 05 ’S UM- Gearilndaf 1836 Äte*, W erzen; Tel.NS3986 flambier 0Z6V TiiEsse I WiEJl 33. Vii/2, Borggass»^ Preisliste gratis VENEDIG D’ITALIE BAUE! 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