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Jüdisches Volksblatt · 1899-03-17 · 5 (17.3.1899) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
5 (17.3.1899)
Date
1899-03-17
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. f, Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 17. Mär/, 181)9 Seile 7 Fürst Adam Sapieha, der Präsident des Verwaltungsrathes der Galizischen Creditbank und beinahe ebenso leutselige Cavalier herbei, mit liebenswürdigster Gastfreundschaft alle Einleger in sein Palais zu bitten, um ihnen im ehrwürdigen Ahnensaale für die Rückzahlung der Gelder aus seiner hermelinbesetzten Tasche zu bürgen. Die humane Zuvorkommenheit des sonst so reservierten Feudalherrn wirkt in diesen Momenten offenbarer Bedrängnis doppelt herzerquickend, umsomehr, als kaum ein Jahr verflossen ist, seitdem Seine Durchlaucht sich dero hochgeborenem ältesten Sohne gegenüber durchaus nicht so freigebig gezeigt hat, wie dies jetzt die satanische Pistole in der Hand des Dr. Krzyzanowski zuwege brachte. Damals hatte der Majoratserbe des Sapieha'schen Hauses mehr Schulden, als sich Haare in seiner üppigen Perrücke befanden — ehrenhafte Verpflichtungen durch Speculationen in Getreide und einige unbeglichene Differenzen aus mehreren Partien Macao — und obzwar die Contrahenten des edlen Stammhalters den besten christlichen Familien entsprossen waren, weigerte sich der zornentflammte Herr Papa beharrlich, die Jugendsünden seines verhätschelten Lieblings durch klingende Münze aus der Welt zu schaffen. Was in den Annalen des Gotha'schen Almanachs früher nie zu lesen war, damals wurde es zum Ereignisse: das verpönte, hässliche Wort „Ausgleich" entglitt dem Gehege der fürstlichen Zähne, und die zahlreichen Gläubiger mussten sich schlechterdings mit einer verschwindend kleinen Quote ihrer Forderungen zufriedengeben. Heute zeigt sich die Sachlage freilich in einem anderer! Lichte. Ein zur öffentlichen Rechnungslegung verhaltenes Institut, welches vor zwanzig Jahren gegründet wurde, um durch Heranziehung von Spareinlagen aus allen Berufszweigen der Bevölkerung dem gesunkenen Credite einiger leichtlebiger Mitglieder der Schlachta eine dauernde Stütze zu bieten, sieht sich plötzlich vor einer festgefügten Phalanx ungemüthlich gelaunter Repräsentanten des kleinen Capitals, die von dem begreiflichen Bestreben geleitet sind, ihr sauer erarbeitetes Eigenthum wieder in Empfang zu nehmen. Dann natürlich vollbringen die Nachfahren der tapferen Paladine, welche einst mithalfen, um Wien vor dem dräuenden Türkenjoche zu retten, eine wackere That; auch sie schließen sich zusammen und erklären mit dem erschütternden Pathos antiker Heldengröße, dass sie mit ihren glänzenden Namen, ihrem fleckenlosen Ansehen und ihren schmerzlos ererbten Reichthümern für alle Verbindlichkeiten der von ihr patronisierten Bank pünktlichst haften werden. Dieser edle Entschluss wäre jedenfalls geeignet, die schwersten Bedenken gegen die Leitung eines Unternehmens zu zerstreuen, dessen Gründer hinsichtlich des Alters ihrer ehrwürdigen Stammbäume zu wiederholtenmalen in einen heißen, heraldischen Wettstreit geriethen. Nur suchen die Hinweise auf patriotische Finaneierungen und auf die Lahmlegung flottanter Mittel zur Hebung der heimischen Industrie als populäre Ausflüchte vergebens das leichtgläubige Auditorium, welches sich einst durch den Wohlklang dieser hohlen Schlagworte willig blenden ließ. In erschreckender Deutlichkeit sind jetzt die Schäden bloßgelegt, die der Geldgebarung in einem Lande anhaften, woselbst die primitivsten Begriffe von kaufmännischer Verantwortlichkeit, von Treu und Glauben im commerciellen Verkehre eine geradezu unfassbare Trübung erfahren haben. Ein verderbliches, in den Mantel gekränkten Nationalstolzes gehülltes Clique-Wesen hat in dieser ehedem blühenden Provinz ein System zur Herrschaft gebracht, welches der erbgesessene Adel nebst seiner ergebenen Anhängerschaft mit eiserner Faust an sich zn halten und zu befestigen beflissen ist. Der laut schallende Ruf dieser Schichte fideieommiffarischer Finanzgrößen empfängt seinen lebhaftesten Wiederhall in den nationalökonomischen Frivolitäten, deren Kunde sich mit Blitzesschnelle verbreitete und die geeignet war, allenthalben peinliche Sensation zu erregen. Man konnte es nicht begreifen, dass Jahrzehnte hindurch ein feiler Perfonencultus über ungezählte Millionen des Volksvermögens nach freiem Ermessen schalten und walten durfte, und erst die nüchterne, aber bezwingende Sprache der jüngst bekannt gewordenenZifferncolonnen entrollte ein annäherndes Bild des morschen Regimes, welches sich in Galizien eingenistet und dort festen Fuß gefasst hat. Die engen Handelsbeziehungen, welche der Wiener Platz mit diesem östlich gelegenen und ebenso verwalteten Lande unterhält, lassen es erklärlich erscheinen, wenn die weiteren Vorgänge, die aus Lemberg gemeldet werden, hier der intensivsten Aufmerksamkeit begegnen. Trotz aller Bemühungen, jede Unregelmäßigkeit bei der Galizischen Creditbank in Abrede zu stellen, ungeachtet der kategorischen Versicherungen, welche der erste Director, Herr Doctor Marchwicki, in dieser Hinsicht auffallend frühzeitig abzugeben die besondere Güte hatte, dauert der Andrang zu den Cassen in steigender Progression fort. Die Stimme des Volkes lässt sich eben nicht durch einige näselnd herablassende Beruhigungsversuche einschüchtern, und die Gerüchte, welche von einigen sehr umfassenden Börseutransactionen aristokratisch-polnischen Ursprunges zu erzählen wissen, erhalten sich in unverminderter Stärke als symptomatisches Tagesgespräch. Thatsächlich entwickelte sich in den letzten Wochen der Hausse auf dem Gebiete der Montanpapiere, als Dr. Krzyzanowski noch frisch und vollkommen lebendig sein etwas compliciertes Amt versah, ein fieberhafter Depeschenaustausch zwischen Lemberg und einem sehr bekannten hiesigen Coulissenhause, welches just an dem Tage, da der Genannte sich eine Kugel durch den Kopf jagte, mehrere tausend Stücke Effecten hier zur Realisierung brachte. Einfältige Seelen wollen zwischen diesen Vorkommnissen einen ursächlichen Zusammenhang erblicken, aber wie immer die Angelegenheit auch beschaffen sein möge, der Eindruck wird sich nicht verwischen lassen, dass in einem der volkreichsten Kronländer ein gefährliches Knistern hörbar wird, welches dem gewitterschwülen Grollen einer herannahenden Krise frappant ähnlich sieht. Diese um jeden Preis hintanzuhalteu, ist das posthume Bemühen der maßgebenden Factoren, und gerade kein erbauliches Schauspiel bietet die Thatsache, dass die Gelder des Landes und die Gutstehnngen fürnehmer Vertreter der obersten Zehntausend dazu dienen müssen, um den tief geschädigten Ruf des Landes mühsam aufzurichten und die Lücken zu verkleistern, die sträfliche Sorglosigkeit und leichtsinnigste Geschäftsführung in das Bollwerk des allgemeinen Vertrauens gerissen haben. Wenn nicht das in der Geschichte österreichischer Bureaukratie zu traurigster Berühmtheit gelangte „zu spät" auch hier seine Wurzeln schlagen sollte, wenn es noch rechtzeitig gelingt, die bisher geübte Praxis der Vertuschung und mystischen Verschleierung endgiltig zu entfernen, um die stählerne Sonde vollster Objectivität rücksichtslos dort anzusetzen, wo es die krankhaften Erscheinungen des wirtschaftlichen Lebens gebieterisch erheischen — dann allerdings sind noch mancherlei Ueberraschungen von den Ufern des Dnjester zu gewärtigen. Wir würden gerne verzichten, die Autoren künftiger Dramolets dieses Genres in den Bereich unserer Betrachtungen zu ziehen. Boreas. Aus den jüdischen Organisationen: (Jüdischer Volksverein.) Am Donnerstag den 9. März fand in dem Vereinslocale, II., Haasgasse 8, ein Vereinsabend mit Vortrag des Herrn Dr. Templer statt, der glänzend verlief. Der Besuch war ein so zahlreicher, dass das große Local die Menge kaum fassen konnte. Nach einigen kräftigen einleitenden Worten des Vorsitzenden Herrn E l t b o g e n begann Herr Dr. Templer seinen außerordentlich formvollendeten Vortrag über jüdisches Organisationswesen. Die Quellen aus denen der Vortragende geschöpft hat, und die Art der Ausführungen, er die Nothwendigkeit einer jüdischen nationalen Organisation auch durch Citate aus der hebräischen Literatur begründete, ließen eine solch stuppende Kenntnis sowohl der hebräischen, wie der deutschen Literatur ersehen, dass die Zuhörer, unter denen sich doch auch einige tüchtige Talmudisten und Gelehrte befanden, ihrer Bewunderung wiederholt durch lauten Beifall Ausdruck gaben. Auch die wundervolle Art, wie er unsere Frauen, die jüdischen Frauen, apostrophierte, den jüdischen Geist und die jüdische Sitte in Haus und in der-Familie zu hegen und zu pflegen, fand auch von den vielen anwesenden Damen ungetheilten reichlichen Beifall. Der Schluss des Vortrages, in dem der Redner die gesammten Juden in feurigen Worten zur Einnigkeit aufforderte, fand einen so riesigen Applaus, dass es sehr lauge dauerte, bis der Vorsitzende wieder das Wort ergreifen konnte. Als dann der Vorsitzende dem Vortragenden den Dank der Versammlung für den gehaltenen Vortrag aussprach, erhoben sich alle Anwesenden spontan von ihren Sitzen und brachten dem Vortragenden auf diese Weise eine Ovation dar. Auch dieser Abend hat gezeigt, welch lebhaftes Interesse unsere Vortragsabende in den Kreisen unserer Mitglieder hervorgerufen hat, und hat die Vereinsleitung beschlossen, solche Vortragsabende so oft als nur möglich zu veranstalten. Sonst findet jeden Donnerstag ein freier Discuffionsabend statt, zu dem sämmtliche Mitglieder, wie auch Gäste, ersucht werden, zahlreich zu erscheinen. Allabendlich freie Lesehalle, fast alle in- und ausländischen Blätter liegen im Vereinslocale auf. Prag. (Verein der jüdischen Hochs ch ü l e r.) In der am 12. d. stattgehabten Vollversammlung wurden für das Sommermester 1899 gewählt: Obmann M. U. C. Max M eißner, Obmann-Stellvertreter, I. U. G. Alfred Kr a l, Schriftführer M. U. G. Alfred Kanfma n n, Cassier leelm. Victor P a n. liitiiij 0röffnungs-Stnzeige, Erlaube mir dem P. T. Publikum die ergebenste Anzeige zu machen, dass ich eine R estauration eröffnet habe. Nachdem ich für eine ausgezeichnete Küche und gute Getränke bestens gesorgt habe, erbitte mir einen recht zahlreichen Zuspruch. Hochachtungsvoll Adolf Teichler Restaurateur WIEN, II., Krummbaumgasse 18 II., Gr. Sperlgasse 7 (Hotel Russie.) 5Iiiü555i55i@5ü>i55 Synagogen-Bau-Yerein kür Wieden und Margarethen in Wien. p p WIEN. 7. März 1800. Wir erlauben uns, Sie für Donnerstag den 23. März a. c abends 7 Uhr, in 8. Jellineks Restauration, V. Bez., Margarethenplatz Nr. 7, zur III. ordentlichen Generalversammlung hüfliehst einzuladen. Tages=Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Beliebt des Cassiers und der Revisoren. H. Wahl der Revisoren. 4. Anträge und Interpellationen. Wir ersuchen die geschätzten Mitglieder, recht zahlreich an dieser Generalversammlung theilzunehmen. Hochachtungsvoll Für den Vorstand: Der Schriftführer: Der Präsident: Dr. Maximilian Slransky. Adolf Lichtblau. Ziehung Norgenl Jaltas- AusstellMgs- LiiseaiükT, Haupttreffer lOO.OOOKr O Kronen O Kronen Werth baar n 20*7» Abzugjnffltas- ÄllSSiClIllligS- LoscaSO ir. Wechselstuben-Actien-Gesellschaft „Mercur“, I, Wollzeile 10. I, Wollzeile 10. Marcus Silberstein ■Wien, I., Esslinggasse 8 Packpapier- und Spagat- Niederlage T e 1 e p h o n 3866. Stets Neuheiten in Ansichtskarten. 100 Stück Städte sortiert fl. 2.50. 100 Neuheiten in Künstler- und Genre-Biumen-Karten fl. 3.— franco gegen vorherige Cassa. Anfertigungen billigst. Gegründet 1868. J. M. 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