Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 4 (10.3.1899)
- Date
- 1899-03-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblnt.t 10. Marz 1890 Seile 5 natürlich die Jahres- und Rechenschaftsberichte seinerzeit zugesendet. Die Beiträge werden mittelst Postsparcassenscheine M. Friedmann, Dr. Leopold Kahn, Lector, Hof- und Gerichts-Advocat^,, II., tzlovaragasse Nr. 32. Wien, II., Obere Donaustrafte $?.. -;un; Theater, Kunst und Literatur. (Jantsch-Theater.) „Die P s e n d o n y m e n" nennt sich ^'in Schwank von Boucheron und Tavernier, welcher am 4. d. auf der Praterbühne zur ersten Aufführung gelangte uttb trotz der picht ganz originellen Idee einen hübschen Heiterkeitserfolg r-avonchrug. Geistreiche Pikautcricn buhlen mit tollen Einfällen um die ^Vorherrschaft in dem Stücke, das, wie die Mehrheit der Pariser Schwänke, ein Sittenbild aus dem Seine-Babel entrollt. Die «Darstellung befriedigte und entfesselte stellemveise sogar einen .förmlichen Beifallssturm. Nur Herrn Saue.mann, den Träger der -männlichen Hauptrolle, lieft diesmal sein Humor merklich im ^Stiche, was aber an dem Erfolge des Abends nicht rütteln konnte. Loquax. Musik. Die diesjährige Concert-Saison, welche das Gepräge internationaler Mannigfaltigkeit aufweist, ist auf ihAm Höhepunkte angelangt. In bunter Fülle brachte fast joder der jüngst verflossenen Abende musikalische Productiontn der unterschiedlichsten Art, und im Mittelpunkte der meisten: dieser Veranstaltungen standen künstlerische Individualitätech welche das Wiener Publicum zum erstenmale zu sehen Md» zu hören Gelegenheit halte. Das anerkennenswerte Bestreben der zahlreich erschienenen Gäste, der Tonkunst ihrer engeren Heimat wachsende Verbreitung zu sichern, fand hier die freundlichste Aufnahme; manche Componisten, die bisher kaum dem Namen nach bekannt waren, gelangten vermöge der ihnen zutheil gewordenen Interpretation auch bei uns zu Ansehen und Erfolg. Mit weitaus größerem Ansprüche, als die schöpferisch wirkenden ausländischen Tonfth^/ rvelche wir kennen lernten, errang sich jedoch die Schar reproducierender Musiker, die das Podium betrat, volles Heimatsrecht auf dem heiß umstrittenen Boden unserer altbewährten heimischen Kunststätte.; Eine an vielen Ehren reiche Soiree hnt.^as Böhmische Streichquartett zu verzeihen, welches sich mit Alfred G r ü n f e l d verband.'' stin einige Perlen der Kammermusik mit der gemahnten HW -cision und dem Schwünge quellender Knnstbegeistexüqg vorzuführen. Das oft gerühmte Zusammenspiel der Herren H o s s m a n n, S u k, N e d b a l und W i b a n wirkte zr^ie ein erfrischendes Labsal nach der schweren Beklommenheit, welche angesichts der musikalischen Excentricitätcn,Zdle der geduldige Zuhörer bei vielen Anlässen zu überwlchhen halle, sich auf dessen Gemüth herniedersenkte. Jubelnde Ausnahme fanden das poetisch erzählende Quartest" von S m e t a n a „Aus meinem Leben" und das gedankenreichö, von nationalem Farbenglanz durchleuchtete Quintett 'in A-.Uir von Dwotak; nicht minder herzlich wstHe Camilla L a n d i willkommen geheißen, die inst gewinnendster Anmuth und dem einschmeichelnden Timbre ihrer glockenhellen Stimme nicht genug köstliche GästÄ'i aus ihrem schier unerschöpflichen Liederschätze darzurM/ett vermochte. ''' Z? Dem W i e n e r T o n k ü n st l e r v e r e i n, rrÄcMr 'sich die rege Förderung musikalischer Talente zum Ziele setzt, verdanken wir die Bekanntschaft mit zwei vi'el'vedsprcchenden Repräsentanten unserer aufstrebenden Cöinpbsitionsschule: Robert G ou n d und Alexander ZemliitsM Von dem ersteren gelangte eine Symphonie in CMÄI, von letzterem eine solche in B-dur zur Ausführung. Beide Werke w urden von derGesellschaft der Musikfreunde mitPreisBr ausgezeichnet und vom Publicum mit wohlmeinender Zustimmung ausgenommen. Etwas schulmeisterlich,'nüchtern in der Conception und conventionell in der Instrumentierung, verrathen aber beide Symphonien natürliche'Begab ung, sowie Gewandtheit im Ausdrucke und gewähren nicht jener gequälten Stimmuugsmalerei Raum, welche die langmähnigen, modern thuenden Jünger Appolls als'ÄÄB moliv ihrer überirdischen Mission jedermann aufzudriWn beflissen sind. - s Ueberhaupt muss die Tonkunst, wenn sie des Charakters der Innerlichkeit entkleidet und zum gehaltlosen Decorativns- ,mittel herabgemürdigt wird, ihre Anziehungskraft allge'Mach einbüßen. Mag der beabsichtigte Zweck die menschenfreundlichsten Ziele in sich schließen, das Gewollte und"dns .ceremoniell Geschraubte dieser wohlinscenierten musikalischen .lIours" lässt immer einen Bodensatz des Unbehagens zurück. Dies zeigte deutlich ein Coucert, welches vorgestern unter blaublütigem Protectorate stattfand und dessen ilMthmaßliches Reinerträgnis dem Deutschen Hilfsverein zugeführt werden soll. Von der farbenschillernden Fökie, welche sonst ein festlich bewegtes und ebenso gekleidetkÄ Publicum derartigen Veranstaltungen verleiht, wmeu diesmal nur die klaffenden Lücken wahrzunehmen, die selbst durch die Anwesenheit einiger hochgewachsener Aristo traten nicht ausgesüllt wurden. Das Programm vereinigte zwar eine Anzahl bestbekannter Künstler, von welchen'sich! Anton S i ft c r m a n s, die Neapolitanerin Nina F a ticroo nebst Arrigo Serrato und Mark H a m b o u r g lautfeft' Beifall und umfangreiche Lorbeerkränze holten, der Gesammteindruck des Abends illustrierte jedoch von Nettem die Erkenntnis, dass es noch immer genug Leute gibt, welche die Musik lieber sehen als hören wollen. Bi'.C. (Rairrriittd-Theatet ) Die jüngste Novität dWv Bühne „F l i t t e r w o ch e n" ist ein voller Erfolg sowohl'silv das Theater, als auch für den Autor Arthur P s e r h o f‘ß i, der sich mit diesem Werke zum erstenmale dem Publicum ßhrstellte. Ein wohl heiteres, aber beinahe unmögliches AbeuteM'/ das einer jung verheirateten Frau auf dev Reise zustW,! b'ldet den Inhalt des Stückes, das mit recht vielen und M-! unter sehr guten Wort- und Sitnationsscherzen ansgestattet isst Sänimtliche Darsteller führten ihre Rollen glänzend distH; besonders Frl. N i e se, dann Frl. T h e r e n, sowie die HerW T h a l l e r, Burg, I e n s e n und 5k r n g spielten ansllr-s zeichnet. Die Darsteller und der Autor wurden vom gut des suchten Hanse nach den Actschlüssen mit reichem Beifall belohnt! 3 Bon dem in jüdischen .Kreisen hochverehrten Bibliomanen -Herrn Ch. D. Lippe ist eine „Neue Serie" des „Bibliographischen Mexikon" (EHfTI Twlftn *]DK) hn Drucke erschienen. Jeder, der den Nestor auf dem Gebiete der jüdischen Literatur kennt, wird mit Freude das Erscheinen dieses Werkes, welches der Verfasser den Manen des als Wohlthäter der Armen rühmlichst bekannten, heute in Gott ruhenden Heinrich Benies als Zeichen warmer Dankbarkeit gewidmet ist, begrüßen. Es bildet dieses Werk, welches soeben in der Stärke von 4i>0 Seiten, nebst einer 32 Seiten enthaltenden Vorrede, ein Compendinm zu jeder Bibliothek und ein für jeden, der sich mit Literatur befasst, unerlässliches Nachschlagebuch. In der Vorrede streift der Verfasser die jeweiligen Zustände unserer Literatur und deren Träger (Rabbiner, Lehrer rc.) und beleuchtet damit so manchen tristen Vorfall. Es ist vorauszusehen, dass dieses Buch in Gelehrtenkreisen sich eines guten Absatzes erfreuen wird. (Handbuch der Hygiene.) Von Ferdinand H neppe. Berlin 1899, Verlag von August Hirschwald. Die intensive Pflege, welche in neuerer Feit die Hygiene als GesnndheitSlehre und Gesnndheitspstege allenthalben in den Schulen und im praktischen Leben findet, ist eine Frucht der Erkenntnis, dass, wie viele andere Nebel, so auch Krankheiten vermeidbar sind, wenn es nur menschlichem Ringen gelungen ist, deren Ursachen aufzudecken und die Mittel zur 'Abhilfe aufzufinden. Das vorliegende Buch, welches aus dem Bewusstsein der eminenten socialen Wichtigkeit der Hygiene heraus geschrieben ist, gibt eine Darstellung des Gesammtgcbietes dieser Wissenschaft nicht nur in steter Wahrung des Zusammenhanges mit anderen naturwissenschaftlichen Fächern ans denen die Hygiene schöpft, sondern im steten Hinblick auf die socialen Fragen, mit denen sie in Beziehungen tritt. Das Buch ist in einem frischen, stellenweise allerdings etwas subjectiv und polemisch gefnrbcen Tone geschrieben, das seine Lesbarkeit für weitere, auch nicht fachmännische Kreise erhöht, und eine Verbreitung in solchen Kreisen wäre nur im Interesse der Würdigung der Hygiene im öffentlichen Leben zu wünschen. Jnsoferne das vorliegende Buch intensiver als seine Vorgänger die Rassenhygiene berücksichtigt, hat es auch wiederholt Veranlassung, die Jndensrage zu berühren, und dieser Umstand erhöht nicht nur unser spezielles Interesse an demselben, sondern wird uns noch Gelegenheit bieten, aus dasselbe des näheren zurückzukommen. (Druckfehler-Berichtigung.) In die vorwöchentliche Recension der drei Schnitzler'sch'en Einacter haben sich zwei äußerst sinnstörende Druckfehler eingeschlichen. In der Besprechung des Stückes „Die Gefährtin" heißt es ungefähr um die Mitte: „Darf im Herzen des nach Geist und Gemüth höchstentwickelten modernen Menschen noch Platz für die Ehrfurcht sein?" Statt „Ehrfurcht" ist „Eifersucht" zu lesen. Einigen.Zeilen weiter heißt es: „Und dann, sie war ihm ja auch eine „Gefährtin" geworden." Richtig soll es lauten: „Und dann, sie wckr ihm ja auch nie Gefährtin geworden." Wien. (Jüdischer V o lk s v erein.) Arn Mittwoch den 8. d. M. veranstaltete der Jüdische Volksverein eine Versammlung im V. Bezirk in Jellineks Gasthaus mit der Tagesordnung: Kirchenbauten und Tempelbauten. Der große Saal war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Als Referent fungierte Hr. Dr. A scher. Derselbe führte in sehr lichtvoller Weise aus, dass wir uns mit dein Schritte -des Hrn. Gemeinderathes Lncian Brunner bezüglich der Kirchenbau-Subvention durchaus nicht identifieieren. Wir sind vielmehr von der Nützlichktit und Nothwendigkeit einer Vermehrung der Gotteshäuser selbst überzeugt, stehen jedoch auf dem Standpunkte, dass, wenn schon zu diesem Zwecke öffentliche Steuergelder verwendet werden, wir im Sinne der Staatsgrundgesetze berechtigt sind, zu fordern, dass von denselben Mitteln auch für unsere Cultusbedürfnisse nach Maßgabe unserer Steuerleistung gesorgt werden müsse. Die Ausführungen des Referenten wurden mit nngelheiltem Beifalle ausgenommen und wurde demselben der allgemeine Dank seitens des Vorsitzenden ausgedrückt. Nach ihm kam Hr. P l a s ch k e s zum Wort, der in einigen kurzen markanten Sätzen denselben Standpunkt vertrat. Nun meldete sich Hr. P v r k - S t e i n e r zum Wort und erklärte, es sei sein persönliches Verdienst, dass der Saal so gut gefüllt sei, da er unter den Zionisten für den Massenbesuch agitiert habe, dafür wurde ihm auch seitens eines Redners der Dank ausgesprochen, denn es sei immerhin eine anerkennenswerte Leistung, die ganze Jüdische akademische Lesehalle auf einen Abend nach Margarethen zu bringen. Was Hr. Steiner Sachliches vorbrachte, gipfelte in der Anschauung, man dürfe nichts thun, was der clcricalen Partei unangenehm sein könnte. Wir müssen vielmehr all unser Bestreben darauf richten, uns ein Wohlverhaltungs-Zeugnis der Eleriealen Oesterreichs zu erwerben. Redner schloss mit dem Raihe, lieber 'gar nichts hier in Oesterreich anzufangen, da man voraussichtlich nichts erreichen werde. Nach einer längeren Debatte, die inmitten der Rede Hrn. Dr. W e i s e n g r ü n s durch das Feuer eines 'unserer ältesten Parteimitglieder sich etwas stürmisch gestaltete, wurde nachstehende Resolution einstimmig angenommen: '"Die am 8. März l. I. in Jellineks Gasthaus, V., Margaretheniplatz, tagende össentliche jüdische Versammlung beauftragt dem jüdischen Volksverein in Angelegenheit dec TempelhAuteii sich nöthigenfalls mit aller Energie an die jüdischen Gemeinderäthe W ivenden und dieselben dazu zu verhalten, eventuell mit allen Hnen zugebvte stehenden Mitteln, ohne jeden Gegensatz zu unseren müderen Mitbürgern, dafür einzutreten, den Bedürfnissen der Wiener Judenschaft nach Errichtung und Vergrößerung von Tempeln in den meisten Bezirken Rechnung zu tragen." (Verein „Hadassg ".) Daselbst hielt am Sonntag- Nachmittag vor einem großen Kreise junger Mädchen und Studierender Herr Dr. Noseiizvdg einen geschichtlichen Bortrag über Dvn Josef Nassi, Herzog von Naxvs. Dieser, ein Zeitgenosse Rabbi Josef Karos, von den portugiesischen Marannen stammend, nach Antwerpen und dann nach Venedig verschlagen, gelangte mit Hilfe des Sultans zu großem Ansehen und war daran, auf der Insel Cypern einen „Judeustaat" zu gründen, wenn nicht seine Gegner und die damaligen Zeitverhältnisse das Project vereitelt hätten — gleich dem Könige, der im Buche „Knsori" als Neligionsphilosovh geschildert wird — veranstaltete auch er, da er in der Jugend mit der Wissenschaft weniger vertrant gemacht wurde, theologische Disputationen und plante auch eine neue Bibelansgabe. Bon besonderen Interesse war die eingehende Schilderung der Beziehungen Don Josefs mit der französischen Köiligin Katharina von Medici, der Republik Benetia und mit den Sultanen Soliman und Mnrad. Man lauschte dem geschichtlichen Thema mit gespannter Aufmerksamkeit und lohnte den Redner mit verdienten Beifalle. (Interessantes Wohlthätigkeits-Coneert.) Wie alljährlich, veranstaltet der „Ferieil-Colonien-Berein" für unheilbare kranke und krüppelhafte Kinder (ohne Unterschied der Confession) auch Heuer ein großes Concert. Diese glänzende Beranstaltung (es ist das VII i. Bereins-Concert), welche unter vrm Protectorate der Gräfin Anastasia Kielmansegg steht, findet Donnerstag den 16. d. M., um halb 8 Uhr abends, im großen Mnsikvercins-Saale unter Mitwirkung folgender Knnstkräfte statt: Die Damen : Lola B e e t h, k. k. Hofopernsängerin; H a n s i Niese, Schauspielerin am Raimund-Theater; die Herren: Franz Naval, k. k. Hofopernsänger; Prof. Carl Prill, k. k. Concertmeister der Hofoper; Fritz Werner, Mitglied des k. k. priv. Carl-Theaters; Rudolf Braun, Orgel- und Clavier-Birtuose, und das humoristische Gesangs- Ouartett Beamt aus Brünn. Das Comite- und Karten-Borverkau ft. Local befindet sich I., Kärntnerring 9, I. Stock, Thür 36, und ist täglich von 9—12 und von 2—4 Uhr geöffnet. Wien. (Humanitärer Verein „Die Brüder".) Unsere Parteigenossen werden ersucht, das am Dienstag den \4‘. März im Wailandhof, II., Klosterneuburgerstraße 33, stattfindende Kränzchen mit Ihrem Besuche zu beehren. Wien. Die M a s k e n - R e d o u t e des Humanitären Geselligkeits-Club „Flotte Geister" findet Samstag den 11. März in den Sälen des „Hotel Savoy" (Englischer Hof), VI. Mariahilferstraße 81, statt. Allen Anzeichen nach dürfte diese Unterhaltung eine der originellsten des heurigen Nachfajchings werden und darf nur soviel verrathen werden, dass einige Gruppen sich zu diesem Feste rüsten. Eintrittskarten n fl. 1.— sind noch im Comitölocale „Cafü Electra" VI., Mariahilferstraße 79 und bei sännntlichen Comitömitgliedern zu haben. Das Reinerträgnis fließt dem Bekleidungsfondes des Clubs für arme Schulkinder zu. Zu Beginn des heurigen Winters hat dieser Club die stattliche Anzahl von 100 armen Schulkindern mit vollständiger Winterkleidung versehen. Hüben und Drüben. Ich kenn' eine Judengemeinde von Ruf, Bon welchem, sag' ich nicht gerne. Doch will einer wissen, welche es sei So schweife er nicht in die Ferne. Viel fromme Männer findest Du dort Sie birgt gar manchen wacker'n Vorkämpfer des Glaubens, sie birgt ihn warm Auf ihren Gottesäckern. Die alten Folianten der Bücherei Die ragen dort mächtig zum Himmel. Mir hat's ein Gemeindediener erzählt Der reinigt sie jährlich vom Schimmel. Das Judenthllm will man erhalten dort Und hegt es in seinen Trümmern Und gegen die Judennoth heißt die Parol: „Conservierung von Alterthümern". Der Rabbiner dort macht keinen Unterschied Zwischen armen Leuten und reichen. Er schätzt den Hausierer wie Rothschild so hoch Wenn's heißt: Gebüren begleichen. Freigeister und Fromme achten ihn gleich. Er zeigt es ja all' die Jahre: Deutsch hat er in der Jeschiba gelernt, Hebräisch im Sencinare. Am Sabbath hat jüngst der Gottesmann Sein Mittagessen erledigt, Jetzt sitzt er — und denkt — und wüss't gar zu gern Was er heute vormittag gepredigt. Und wie er so sitzt, will eben der Schlaf Die Arme ganz sanft um ihn schlagen, Da stürzt mit „Gut Schabbes" ein Alter herein, Und beginnt voll Erregung zu klagen,' Hört, Rabbi, ich suchte just einen Freund Und komme aufs Gemeindeamt eilig Und zufällig tret' ich ins Steuerbnreau Dort hält man den Sabbath nicht heilig. Wenn das Steueramt uns so nöthig ist, Dass wir's auch am Ruhetag brauchen Gibt's etwa ein religiöses Gebot, Man müsse am Samstag dort rauchen?