Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1966
- Issue
- Heft 130 (September 1966)
- Date
- 1966-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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P. b. b. Erscheinungsort Wien — Verlagsposfamt 48 Falls unbestellbar, zurück an Wien IX, Universitätsstraße 4/4 timme Öctyan du AUfyttneUteh, iiattisUfv Uv ÖsiuceicU cov^n nnrotnr: Zionistischer Landesverband Wien, Tel. 42 72 84, Postsparkassenkonto 1S4.292 September 1966, Preis S 5.—, Nr. 150 Rosch Haschanah 5727 Au uusete fkitg&iedet uud freunde Die Zeit gibt den Menschen viele Rätsel auf und unsere Zeit stellt sie vor Prüfungen, die es vorher noch niemals gegeben hat. Im Rhythmus unseres Lebens gelan-, gen wir alljährlich wieder von Neuem an! das Tor der festlichen Tage, die uns in j ihrer erhabenen Größe zum Wachsein, zum Gedenken und als letzten Erfolg zur Umj kehr veranlassen. Die Gestaltung und der; Werdegang unseres Lebens ist durchaus j kein Spiel des Zufalls, sondern eine Folge j unserer Veranlagung, unseres Charakters, j unseres Strebens und der Kraft unseres I Glaubens an unser Schicksal und an Gott, j Dadurch geben wir die Wahrheit unseres j Daseins kund, gestützt auf die Thora, der | Grundquelle des Judentums, die natürliches; Licht der Vernunft ausstrahlt. Im Mittelpunkt der Tage unseres Neujahrsfestes steht der Gedanke der Umkehr, der Umkehr von den Irrtümem, Fehlern und Unvollkommenheiten, die unser Dasein, teils von uns verschuldet, mit sich bringt, zurück zum Guten. In der Erkennt-! nis der Kraft der Umkehr schätzen die | Weisen den Baal Teschuwa, den, der Buße l tut, höher, als den Menschen, der in seinem Leben sich keines Fehlers schuldig gemacht hat. Rambam lehrt, daß Umkehr so zu verstehen ist, daß das Vergehen dem Mitmenschen gegenüber nicht früher erlassen wird, solange der Schuldige nicht seinen Nächsten für alles entschädigt, was | er ihm schuldet und ihn auch moralisch, versöhnt. | Bei uns Juden gibt es kein Territo-1 rium, das den Mördern als Asyl dienen | kann. Auch derjenige, der bona fide i Unrecht verübt, ist nicht frei von Schuld.! In uns lebt eine viertausendjährige Geschichte, die uns gebietet, den Glauben an Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden immer zu heiligen und bereit zu sein, im edlen Sinn, Umkehr zu halten. Ein helles Geistes-! Zeichen leuchtete über die ganze Welt, als i weise Juden auf Gesetzestafeln die 10 Ge-; bote, den ersten vergeistigten Text der sittj liehen Weiterentwicklung der Moral aufj zeichneten. Das bedeutet, daß wir unsere .Stimme vor der Welt erheben können, die; Stimme, welche zu allen Zeiten die Wahrj heit, das Recht, die Ethik und Menschlich-! keit verkündete. Dies sind Gebote, von i unseren Propheten kundgetan, deren Ideenj weit heute wie damals manifest ist, da sie j in der ganzen Menschheitsgeschichte von keinen anderen Erkenntnissen und Lehren überragt wurden. An diesen hohen Feiertagen blicken wir zurück auf den Weg, den wir mit oder ohne Erfolg zurückgelegt haben und suchen zu ergründen, welche Möglichkeiten vorhanden sind, die uns aufzurichten und uns und der Gesamtheit Glück zu bringen verj mögen. J Unsere Gebete gipfeln in der Hoffnung j auf Frieden und Gerechtigkeit. Die Menschj heit möge erleuchtet werden und die überi zeugung empfangen, daß die Welt um uns j nach einer Ordnung durch sittliche Kräfte j strebt. Es möge endlich dazu führen, daß j Die Pause seit dem letzten Erscheinen unseres Blattes war schöpferisch, wir haben sie genützt. Wir wissen, daß uns die Tatsache, daß wir aus Motiven, auf die wir leider keinen entscheidenden Einfluß haben, eine Zeitlang nicht durch die Zeitung zu den Mitgliedern und Freunden des Zionistischen Landesverbandes sprechen konnten, nicht um den Kontakt mit ihnen gebracht hat. Unser aller gemeinsames Interesse ist wach geblieben, Zionismus ist keine Modesache, die schnell wieder vergessen wird, wenn man nicht ständig an sie erinnert. Zu unserem Bedauern mußten wir zwar eine gewisse Zeit den intensiven Kontakt mit unseren Lesern ruhen lassen, nicht ruhen ließen wie aber den Kontakt mit dem zionistischen Geschehen; unsere leitenden Funktionäre waren bei der Session der Föderation der Allgemeinen Zionisten in Brüssel unter den Delegierten und in unserem zionistischen Kreis in Wien haben wir für das kommende Jahr, das mit diesen Rosch-Haschanah-Feiertagen beginnt, eine Möglichkeit zu intensiverem Zusammenhalt und Gedankenaustausch unter unseren Mitgliedern und Sympathikern vorbereitet. fFortsetzung auf Seite 2) Die europäische und nordafrikanische Konföderation der Allgemeinen Zionisten wünscht allen Gesinnungsgenossen in Österreich viel Glück zum Jahreswechsel 5727. IM NAMEN DER KONFÖDERATION IN PARIS Topiol, Ing. Toronczyk, Warszawski Der heutige Großstadtmensch ist im all- I gemeinen allein; die Einsamkeit ist letztj lieh eine verbreitete Großstadtkrankheit j unserer Zeit. Mehr als andere sind Juden l von ihr befallen, weil die Reste der über- | lebenden, die in einer Großstadt ihre Exi- | stenz haben, aus verschiedenen Lebens-! Sphären, Ländern und Kulturkreisen zuj sammengesetzt sind und jeder nur schwer! die Möglichkeit hat, andere zu finden, die zu ihm passen. Wir aber, die wir in dem Ideal des Zionismus von vornherein etwas Gemeinsames haben, können diesen Kontakt kultivieren. Daher fordern wir unsere