Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1965
- Issue
- Heft 129 (September 1965)
- Date
- 1965-09-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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NUMMER 129 DIE STIMME SEITE 9 noch nicht für etwas Permanentes hielt. I zu lesen. Dann kommt der Hitler und Vor dem Geldverdienen kam noch die , setzt sich mir gegenüber. Und der Ober- Aufenthaltserlaubnis und vor der Arbeilskellner fragt mich, ob er die .Neue Freie erlaubnis erst das Bett, in dem man schla- | Presse“ schon haben könne — für den fen konnte. Man schwebte in der Luft,! Herrn Hitler. Und da sage ich ihm nur: wußte es aber nicht. Man war nicht mehr ,Für den Herrn Hitler — nein.“'“ zu Hause und noch nicht richtig im Exil.; Die Wiener Komikerin Gisela Werbe- Man hatte keine Rechte mehr, aber dafür zirk WUrde in Hollywood einmal gefragt, nur Pflichten. Und es gab keine Botschaft oder Gesandtschaft mehr, an die man sieh hätte wenden können, wenn einem Unrecht geschah. Damals schon entstand Alfred Polgars unsterbliche Geschichte von den beiden Emigranten, die sich auf der Straße tr effen. „Denk dir nur, ich habe endlich eine Stellung bekommen“, sagte der eine. „Gratuliere. Und wo und wohin?'“ „In Australien.“ „So weit?“ „Was heißt: so weit — von wo?“ Einmal begegnete ich dem Düsseldorfer Kunsthändler und „Querschnitt“-Gründer Alfred Flechtheim auf dem Montparnasse und eine Woche später am Piccadilly Circus. „Wo wohnen Sie nun aber eigentlich wirklich?“ fragte ich ihn. „Ich habe das Gefühl, wir Juden wohnen heutzutage überhaupt schon wieder zuviel“, antwortete er. Man erzählte sich von den zwei Emigranten in London, die sich zum dritten Mal innerhalb eines Monats am Marble Arch trafen, „Ist es nicht merkwürdig“, sagte der eine, „da haben wir nun 40 Jahre lang in Berlin gelebt und uns nie gesehen. Und nun treffen wir uns in dieser Millionenstadt schon zum dritten Mal. „Das ist doch kein Wunder“, meinte der andere, „schließlich leben wir doch auf einer Insel.“ Die Einwanderung nach Palästina war äußerst schwierig und ein Visum schwer zu bekommen. Außerdem war das Fahrgeld dorthin teuer.' Daher der Stoßseufzer: „Wenn uns die Engländer schon ein Land schenken, das ihnen nicht gehört — warum geben sie uns dann nicht lieber die Schweiz?“ In Wien träumte man von dem Tage, an dem Hitler ins Exil gehen würde, und erzählte: „Also, da wünschte ich mir, im Kaffeehaus zu sitzen und die Zeitungen TELLER von der LandstraOe, führendes Spezialhaus für Herrenbekleidung, Wien III, Landstraßer Hauptstr. 88-90 Tel. 72 63 97 und 73 51 82 wünscht allen Kunden ein glückliches neues Jahr ob sie eigentlich „happy“ wäre. „Ja, ich bin wirklich happy; aber glücklich bin ich eigentlich nicht“, hat sie nur geantwortet. Als dann der Befreiungskampf in Palästina begann, scherzte man bitter in London: „Die Engländer würden uns schon Israel geben, wenn wir ihnen dafür Hampstead zurückgeben.“ Und der Hollywood-Regisseur Billy Wilder soll nach Empfang seiner Naturalisationspapiere die amerikanische Flagge über sein Bett gehängt und ein Telegramm an den Präsidenten Roosevelt geschickt haben mit dem Inhalt: „Stoppt nunmehr die Einwanderung.“ Inzwischen gibt es ja wohl den Begriff mehr: „Ein Emigrant ist ein Mensch, der alles verloren hat — außer seinem Akzent“ (in der neuen Sprache nämlich). Mit Polgar hat es begonnen und mit einem Unbekannten wollen wir enden, der folgenden Dialog sicherlich erfunden hat: „Wo möchten Sie eigentlich am liebsten leben?“ „Eigentlich lebe ich überall ein bißchen ungern.“ Womit wohl alles über Exil, Emigration und Fremde gesagt ist, auch wenn man heutzutage ungern davon sprechen hört und Emigrantenhumor reichlich verstaubt wirkt. Und im Grunde war er ja auch gar nicht so komisch . . . AUSZEICHNUNGEN FÜR WOERL UND KRUMME Die Kommission für die Gerechten der Nationen am Institut Yad Washem in Israel hat die Herren Ludwig Woerl und Werner Krumme aus München mit Medaillen ausgezeichnet, als Ausdruck der hoch- Emigranten nicht mehr, denn entweder ist man zurückgekehrt oder man ist Bürger eines anderen Staates geworden. Dennoch sagen die Überlebenden einer Generation, die zwischen zwei Stühlen sitzt, weil sie in der neuen Heimat noch immer nicht zu Hause ist und in der alten nicht sten Anerkennung für ihre Rettungs- und Hilfstätigkeit den jüdischen Bürgern gegenüber zur Zeit der nazistischen Verfolgung und des Terrors. Beide waren jahrelang Häftlinge der Hitler-Konzentrationslager und verbrachten viele Jahre im KZ Au schwitz. Den Mitgliedern des Zionistischen Landesverbandes wünscht ein frohes neues Jahr Die Exekutive der Konföderation der Allg. lionisten für Europa und Nordafrika in Paris Topiol, Ing. Toronczyk, Warszawski, Kahan HOTEL „POST" Wien 1, Fleischmarkt 24 wünscht allen Gästen und Freunden ein glückliches neues Jahr ORT Vereinigung Wien und World ORT Union ENTBIETET ALLEN SCHÜLERN UND FREUNDEN die besten Wünsche zum neuen Jahr! Cafe-Restaurant Landtmann Wien 1, Dr.-Karl-Lueger-Ring 4 entbietet seinen geschätzten Gästen herzliche Glückwünsche zum Jahreswechsel Kaffee-Restaurant „Hohe Brücke" Wien 1, Wipplingerstraße 24, Tel. <3 85 95 wünscht allen Gästen, Freunden und Bekannten das Beste zum Jahreswechsel