Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1965
- Issue
- Heft 128 (April 1965)
- Date
- 1965-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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P. b. b. Erscheinungsort Wien — Verlagspostamt 68 Falls unbestellbar, zurück an Wien IX, Universitätsstraße 4/4 iimme öttycuT dtc Atlycmeitoeh' HanUten, U% ÖdeuücU D^rn c^v^n nnntfnn Zionistischer Landesverband Wien, Tel. 42 72 84, Postsparkassenkonto 134.292 April 1965, Preis S 3.—, Nr. 128 PESSACH 5725 Pessach ist für uns Juden das Sinnbild des Frühlings und der Freiheit und in diesem Geiste feiern wir seit mehr als 2000 Jahren dieses Fest. In der Hagadah heißt es: In jeder Epoche ist jeder Mensch verpflichtet, sich so zu verhalten, als ob e r selbst aus Mizrajim befreit worden wäre. Die Kommentatoren bemerken dazu, daß die zur Wirklichkeit gewordene Freiheit Jahr für Jahr neu empfunden wird. Uns Juden wohnt die Kraft inne, den Mythos in jeder Lebenslage wach zu halten und ihm Lebenskraft zu verleihen. Zweitausend Jahre lang schöpfen wir die Kraft des Daseins im Mythos, genügen so der sinnvollen Funktion im Geiste der Erzählung von Gott und von den Helden unserer Ahnen und sind erfüllt von der Ehrfurcht, die dem Leben gebührt. Wir gestalten unseren Sederabend derart realistisch, daß wir uns in diesem Stadium sc fühlen, als ob wir gerade aus ägyptischer Fron befreit worden wären. Das ist die Kraft unseres Glaubens, der lebendig gewordene Mythos. Zum erstenmal in der Geschichte der zivilisierten Menschheit ward ein Blatt aufgeschlagen, woraus die Welt erfuhr, daß ein Volk, das Volk der Israeliten, sich gegen die Versklavung und Ausbeutung erhob und zur Freiheit drängte. Objekt der Versklavung waren nicht die Juden allein, sondern auch die breiten Massen des ägyptischen Volkes, die jedoch für Freiheit und Menschenwürde kein Empfindungsvermögen besaßen, daher es nicht verstanden, die Sklavenketten zu brechen. Freiheit und Menschenliebe waren damals keine Begriffe der Allgemeinheit. Sie waren etwas Revolutionäres, neue Begriffe, die unsere Bibel eindringlich verkündete und die den Juden heilig waren. Wir haben uns, die wir zu den ältesten Völkern des Erdballs zählen, als Volk, das der Idee der Freiheit ein sichtbares Denkmal gesetzt hat, erhalten und, wie Martin Buber betont, waren wir stark genug, das ägyptische Exil zu ertragen und trotzdem unsere Freiheit letzten Endes zu retten. Beim Lesen der Hagadah offenbart sich uns Wunder über Wunder. Das Wunder der Befreiung aus ägyptischer Versklavung durch den Genius Moses, das Wunder der vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste, das Wunder der Bildung und Festigung des sittlichen Monotheismus trotz Verfolgung und Unterdrückung, das Wunder, daß wir mit der Bibel in der Hand bis auf den heutigen Tag durch den Geschichtsprozeß gehen, uns zur Höhe jedes Jahrhunderts emporringen und das Wunder der Neuzeit, das zur Wiederaufrichtung der Medinath Israel geführt hat. Das Wunder unseres Glaubens ist des Juden Stärke und es verleiht ihm die Kraft, den steinigen und wüsten Boden des Heiligen Landes fruchtbar zu machen. Dem Lande Israel leuchtet nun die Sonne des Lebens. Bernhard Braver | Mme. Ros Halperin zur amerikanischen Presse: „Mit (taten die lugend in nnseeen Heiken" i Mme. Ros Halperin, Präsidentin der Weltkonföderation der Allgemeinen Zionisten und Vorsteherin der Hadassah, berichtete in einer Pressekonferenz in New York über die neue Situation, die seit dem letzten Zionistenkongreß am Ende vorigen Jahres geschaffen wurde. „Man wird den 26. Zionistenkongreß in einigen Jahren als revolutionär bezeichnen durch all das Neue, das er in die Idee des Weltzionismus gebracht hat. Erstens war es der erste Kongreß, der sich ernsthaft mit den Problemen der Diaspora befaßt hat, zweitens war es der erste Kongreß, bei dem die jüdische Jugend der ganzen Welt erschien und mitarbeitete. Ich bin sehr glücklich über die aktive Mitarbeit unserer Jugend, die unsere Zukunft repräsentiert. Die Jugend wird ein Teil der Struktur der nach dem Kongreß reorganisierten zionistischen Bewegung werden und ihre kommende Entwicklung mitbestimmen.“ Hören wir die Worte Ros Halperins, wollen wir auch den Gedankengang des Präsidenten der Konföderation der Allgemeinen Zionisten, Dr. Israel Goldsteins, kurz hervorheben: „Unser Zionismus ist der von heute, basierend auf den Realitäten von heute, basierend auf der Idee der Einheit des jüdischen Volkes und von dem Wunsch beseelt, daß die zionistische Bewegung kraftspendend für ganz Israel sei und daß sie in der Golah das Gemeinsame und nicht das Trennende der israelischen Parteien übernimmt.