Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1964
- Issue
- Heft 124 (November 1964)
- Date
- 1964-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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P. b. b. Erscheinungsort Wien — Verlagspostamt 68 Falls unbestellbar, zurück an Wien IX, UniversitötsstraBe 4/4 timme Ocfyat* du Att$Cfneu%ef% HanUten U% ÖsbuceUU o^bon D'oV'in nnntfnn Zionistischer Landesverband Wien, Tel. 33 75 84, Postsparkassenkonto 134.292 November 1964, Preis S 3.—, Nr. 124 Die führende Persönlichkeit der amerikanischen, europäischen und nordafrikanischen Konföderation der Allgemeinen Zionisten, Dr. Israel Goldstein, der zugleich an der Spitze des Keren Hajessod in Jerusalem steht, nimmt am Vorabend des Zionistenkongresses Stellung zu den Problemen des Zionismus in einer sich ändernden indischen mell Es ist eine recht heilsame Übung, wenn man von Zeit zu Zeit die Bedeutung, den Zweck und das Programm des Zionismus im Licht von geänderten oder in Veränderung stehenden Lebensbedingungen überprüft. Die Bedeutung des Herzl-Zionismus lag in seinem Erfolg, die uralten Visionen und zeitlosen Träume, am Ende des 19. Jahrhunderts, in politische und soziologische Wirklichkeit zu verwandeln. Die Aufrichtung eines souveränen jüdischen Staates erschien natürlich durchführbar und lag auch im Zug der Zeit. War doch die Menschheit Zeuge des Erwachens der nationalen Freiheit von Völkern, die vorher unterdrückt unter frem-: der Herrschaft lebten. Das jüdische Volk j gehörte dazu und die Analyse der jüdi- J sehen Frage durch Herzl und Nordau wurde als korrekt und aktuell von all denen empfunden, die wach waren und offene Augen hatten für das Wachsen des Antisemitismus und für die reaktionären Bestrebungen, die auf die Verhinderung der jüdischen Emanzipation und besonders auf die Vernichtung ihrer bürgerlichen Rechte abzielten. Die Geschichte unserer Zeit hat die Geltung der Herzl-Thesen bestätigt und schlug ein Kapitel ihrer triumphalen Erfüllung auf, das in der Gründung der Medinath Israel gipfelte. JUitftadeu aiut HuttuswaUt! In Kürze wird die Wiener Judenschaft aufgerufen werden, mit dem Stimmzettel in der Hand, den Kultusvorstand neu zu wählen. Es besteht kein Zweifel darüber, daß die Juden in ihrer absoluten Mehrheit dem Ruf folgen und so ihr Interesse kundgeben werden, das Vertrauen in jene Männer und Frauen zu setzen, die wegen ihrer vorbildlichen Charaktereigenschaften, Fähigkeiten, einwandfreien Vergangenheit und nicht zuletzt wegen ihrer Verdienste um die sozialen, jüdischen und nationalen Probleme im jüdischen Leben gekannt und geschätzt sind. Nun aber, da der Sta geriet die Zionistische Organisation in den bekannten ideologischen Notstand, dem auch andere politische Parteien nicht ausweichen konnten und der eine ganz normale Entwicklungsphase ist, die sich immer dann einstellt, wenn jahrzehntelange Bestrebungen und Kämpfe nahe an ihrem Ziele sind. In diesem Stadium braucht die Zionistische Organisation eine Wiederbelebung ihrer Grundideen, um ihre Existenz als Idee, Zweck und Instrument des jüdischen Lebens, Erlebens und Überlebens für gegenwärtige und künftige Zeiten im richtigen Licht erscheinen zu lassen. Beim Zionistenkongreß, der nach dem zweiten Weltkrieg im Jahre 1951 abgehalat Israel Tatsache ist, ten wurde, prägte man folgendes Motto: „Konsolidierung des Staates Israel, Sammlung der Verstreuten in Israel und die Einigkeit des jüdischen Volkes in der Welt.“ Heute, am Vorabend des 26. Zionistenkongresses, der am 30. Dezember dieses Jahres in Jerusalem tagen wird, wünschen die leitenden Zionisten das Jerusalemer Programm zu popularisieren und im Einklang mit den Gegebenheiten des jetzigen jüdischen Lebens verständlich zu machen. Das letzte Treffen des Zionistischen Generalkonzils diente als eine Art Generalprobe für die Diskussionen des bevorste- (Fortsetzung auf Seite 2) Es wäre im gegenwärtigen Zeitpunkt ein Unterfangen, die Behauptung aufzustellen, daß es den Zionisten anläßlich dieser Kultuswahl gelingen könnte, im Sinne der Parole Herzls die Kultusgemeinde zu erobern. Nach all dem, was uns Juden in jüngster Vergangenheit geschehen ist, nach der unfaßbaren Katastrophe, die deutsche Menschen verschuldet haben, indem sie völlig unschuldige sechs Millionen Juden auf grausamste Art in den schrecklichsten aller Tode trieben, wäre die Hypothese nicht von der Hand zu weisen, daß die Entwicklung unseres Lebens in der Diaspora uns die Erkenntnis vermittelt, daß eine jüdischnationale, wohlgemerkt, keine nationalistische, Betätigung im Schoße der jüdischen Gemeinschaft dominieren müßte. Gewiß, dies wäre noch keine Lösung unserer Pro-