Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1964
- Issue
- Heft 121 (März 1964)
- Date
- 1964-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1964 ist ein Schekeljahr, erwerbet den Schekel r b. b. Erscheinungsort Wien — Verlagspostamt 68 Falls unbestellbar zurück an Wien IX, Universitätsstraßo t/1 OttyXH dtc Mtfy&mineti HanLsten U% östecceioU Dss‘?i?"n mn^riM Zionistischer Landesverband Wien, Tel. 33 75 84, Postsparkassenkonto 134.292 März 1964, Preis S 3.—. Nr. 121 PESIACH 2754 Pessach bedeutet Überschreitung und erinnert uns an den Auszug unserer Urväter aus der Sklaverei, aus Ägypten. So groß war ihr Freiheitswille, daß sie all ihr Hab und Gut liegen ließen, um dem Ruf Moses zu folgen. Die jüdische Geschichte wurde geboren, der jüdische Geist war befreit. Das jüdische Volk legte seine Sklavenkettcn ab, befreite sieh von der Willkür der : Despoten und wurde somit für die Geschichte Faktor. Zum erstenmal in der Geschichte wurde der Grundsatz aufgestellt, daß Pflicht Freiheit voraussetzt und Freiheit mit Pflicht> eng verbunden ist. ' Es ist uns aus der biblischen Geschichte 1 bekannt, daß uns Moses aus Ägypten führte, j uns die Lehre gab und das Land wies, wo I der Heilige Tempel gebaut werden sollte, um die Sünden, die schließlich uns, wie allen Völkern anhaften, bei uns zu sühnen. Es soll keinesfalls der Gedanke aufkommen. daß die Juden mit der Befreiung, mit dem Auszug aus pharaonischer Sklaverei zum vorbildlichen heiligen Volk geworden sind. Mit der Großtat des Auszuges unter der Führung Moses, war die materielle und soziale Lösung noch nicht gegeben, denn jetzt begannen erst die Sorgen um die Anpassung an das Leben, an das Dasein in J allen seinen sozialen Erscheinungen und Gej setzmäßigkeiten. 1 Das jüdische Volk legt beharrlich seinen > geschichtlichen Weg zurück, behauptet seine J nationale Existenz und bezeugt seine geisti-! gen Prinzipien. Alle Formen der Entwicklung menschlicher Gemeinschaften machten wir Juden mit, wir leben unter anderen Völkern, sprechen ihre Sprachen, pflegen ihre Kulturen, tragen zu deren Entwicklung bei, lassen an Treue nicht nach und doch beten wir am Sederabend inbrünstig und feierlich „leschanah haba b’Jeruschalajim“. Dies als unendliches Bedürfnis nach Erlösung von jedem Leid und Übel, nach eigenem Boden unter den Füßen! Mosche Rabenu, unser großer Lehrer, hatte mit seinem Volke große Pläne vor. Er führte es aus der Knechtschaft in die Freiheit. verlieh ihm, mit Gottes Hilfe, Kraft. : einen eigenen Staat zu gründen. Ein Greis 1 war Moses, als er bei seinem Volke das Selbstbewußtsein weckte und es lehrte, daß die Juden, gleich anderen Völkern, zur Frei- | heit geschaffen wurden. TkicUet Kotifaetvz Am 29. Februar dieses Jahres fand in Paris unter Vorsitz von Melech Topiol die nationale Konferenz der Unabhängigen Allgemein-Zionistischen Organisation in Frankreich statt, an der alle der Konföderation angeschlossenen Verbände teilnahmen. Im Zentrum des Fi’agenkomplexes stand der j Kampf gegen die Assimilation, die Stärkung j der Reihen der Glieder der Konföderation, i Jugendprobleme und Fragen der Nationalen j Fonde. In unserer' nächsten Ausgabe werden wir einen ausführlichen Bericht bringen. Sein Entschluß stand fest und seinen Plan hätte er ungesäumt in die Tat umgesetzt, wenn es ihm nicht bewußt gewesen wäre. I daß sein Volk Jahrhunderte lang aus Sklaven bestand, daß es erst lernen muß. was Freiheit ist und wie sie betätigt werden soll. Diese Aufgabe war übermenschlich und konnte nur auf dem Wege der hehren, göttlichen Gesetze vollzogen werden. Der Weg, der Erfolg verheißt, führt über die zehn Gebote. Aber wie soll man Sklaven die ganze sittliche Größe, die die zehn Gebote Gottes beinhalten, in kurzer Zeit beibringen! Es war nicht möglich! Die erste Generation muß auf dem Weg bleiben und eine neue Generation wird erst die Fähigkeit besitzen, zur Freiheit erzogen zu werden. Nach Erlangung der Reife erst wird das Volk das Morgenrot erleben, und das gelobte Land betreten dürfen. Der Weg ins gelobte Land ist dornenreich und zwingt! den Juden schwere kampfreiche Zeiten auf. I denn nur durch Mühe und Opferfreudigkeit | kann ein Land in Besitz genommen werden. Die Lehre von der prachtvollen Befreiung aus Mizrajim hat dem Juden Selbstvertrauen vermittelt und ihm die Kraft gegeben, Jahrtausende zu überdauern, bis wir eine neue Renaissance erlebten und Israel, unser alt-neues Vaterland, wieder in dauernden Besitz nehmen konnten. Bernhard Braver