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Die Stimme · 1963-09-01 · Heft 118 (September 1963) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1963
Issue
Heft 118 (September 1963)
Date
1963-09-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME September 1963 so vor allem bei Gründung der Supermärkte durch die Gesellschaft Supersol. Kanada stellt sich nach all dem als ein wichtiger Handelspartner für Israel dar. Was kostet die Alijah pro Köpft Die Kosten für die Ansiedlung einer Familie in Israel wurden mit rund 5000 Dollar berechnet. Nicht viel, wenn man bedenkt, was dieser Betrag umfaßt: Anreise, ein eigenes Heim und die erste Fürsorge im Lande selbst. Wanderausstellung Die israelische Gesellschaft für Messen und Ausstellungen bereitet noch für dieses Jahr eine Wanderausstellung für Burma, Thailand und die Philippinen vor. Im nächsten Jahre soll eine ähnliche Ausstellung in Afrika eröffnet werden. Landwirtschaft: Neue Gebiete für „Außer-Salson“-Produktloit Die Fertigstellung der Rohrleitung für das Jordanwasser wird die Entwicklung eines neuen Distriks im westlichen Negew, das sogenannte Besor, einleiten. Die Boden)- und Klimabedingungen dieser Region machen sie für die Produktion von Exportpflanzen, wie Zitrusfrüchte, Erdnüsse, außer-Saison-Gemüsen geeignet. Es liegen auch Pläne für die Gründung von Siedlungen in der Arawa (Jordansenke) zwischen En Gedi am Toten Meer und Elath am Roten Meer vor. Es sind für die nächsten Jahre etwa sechs neue Grün>- dungen dort beabsichtigt, die ihren Wasserbedarf aus der Umgebung schöpfen werden. Diese Neugründungen im Distrikt Besor und in der Arawa werden nicht nur die Landessicherheit stärken und zur Kultivierung der Einöden beitragen, sondern auch die Wirtschaft des Landes stützen, da die außerhalb der Saison produzierten Sorten dem Staate beträchtliche Summen in ausländischer Valuta einbringen. Israels Leistungen auf dem Gebiet der landwirtschaftlichen Ansiedlung während der letzten 15 Jahre (480 neue Punkte nähern sich dem Stadium selbständiger Bewirtschaftung) ist ein Beweis für Israels Befähigung auf diesem Gebiet. In dieser Zeit hat sich die Quantität und Qualität landwirtschaftlicher Produktion verfünffacht. Die neueste Einwanderungswelle — aus Südamerika Im vorigen Jahre gab. es erstmalig eine nennenswerte Einwanderung aus Südamerika. Es war auch zum ersten Mal in der Geschichte der Einwanderung der Fall, daß ein eigens dazu gechartertes Schiff Emigranten aus Südamerika nach Haifa brachte. Diesem Transport folgten bald darauf zwei weitere. Südamerika wurde somit ein neues Immigrationsgebiet. Die im vorigen Jahre eingetroffenen Einwanderer waren nur Vorposten für weitere Transporte. Die Einordnung dieser Olim eröffnet allerdings Probleme besonderer Art. Israel muß ihnen vor allem in vieler Hinsicht ein attraktives Feld bieten, denn die Juden Südamerikas suchen hier über die wirtschaftliche Basis hinaus Standfestigkeit für ihre Ansiedlung. Es handelt sach um eine wertvolle Alijah, unter der sich gute Fachkräfte befinden. In den letzten 15 Jahren hat die Jewish Agency 1,150.000 Einwanderer nach Israel gebracht, deren Einordnung 1,5 Milliarden IL gekostet hat. Welttagung der Jüdischen Jugend in Israel Anfang August fand in Jerusalem die Welttagung der organisierten jüdischen Jugend statt, auf der 660.000 jüdische Jugendliche aus allen Teilen der Welt durch 400 Delegierte vertreten waren. Oesterreich sandte vier Delegierte zu dieser Tagung. Begeisterung riefen bei der Eröffnung zwei Jugendliche hervor. Der aus Brasilien stammende Chaim Weiß erzählte, wie die jüdische Jugend oft mit der bloßen Faust in Buenos Aires, Rio de Janeiro und Montevideo sich heldenhaft gegen antisemitische Ueberfälle von Nazi-Faschisten verteidigt, wie die jüdische Jugend dort Es wird viel darüber diskutiert, ob Ben Gurion richtig gehandelt habe, als er den ehemaligen Bundeswehrminister Strauss nach Israel einlud. Heute wissen wir, daß in Rendsburg (Deutschland) sich seit Monaten israelische Soldaten befinden, und zwar auf Grund einer Einladung des Ministers Strauß, so daß diese von Israel an Strauß gerichtete Einladung als richtig zu betrachten ist. Aus Hamburg wird mitgeteüt: Die Ausbildung israelischer Offiziere und Soldaten bei der Flugabwehrwaffenschule der Bundeswehr in Rendsburg ist beendet. Wie das Wehrbereichskommando in Kiel am Dienstagabend mitteilte, ist die erste Gruppe israelischer Soldaten bereits aus Rendsburg abgereist. Die zweite Gruppe soll in den nächsten Tagen Rendsburg verlassen. Wie viele israelische Soldaten in Rendsburg ausgebildet wurden und in welchem Zeitraum, wurde nicht mitgeteilt. eine eigene Selbstwehr gebildet hat, da sie sich nicht auf die Polizei verlassen konnte, und dadurch die Pogromversuche im Keim erstickte. Der zweite jugendliche Redner Moses Weiner aus den USA begeisterte seine Zuhörer, als er sagte: „Eb gibt bei uns viele Meinungsverschiedenheiten über die Interpretation des Judentums, doch wollen wir alle, auch die, die in der Diaspora leben, die Grundfesten des Judentums stärken und als wahre Juden existieren.“ An der Rendsburger Flugabwehrwaffenschule der Bundeswehr haben 14 Offiziere der israelischen Armee einen auf sechs Monate berechneten Ausbildungskursus absolviert. Sie wurden dort im regulären Schuldienst der Luftabwehr ausgebildet. Die Israelis hatten in der Schule eigene Räume bewohnt. Sie traten nicht in ihren eigenen Uniformen in Erscheinung und trugen im Dienst die zivilen Arbeitsaivzüge. Ihre Ausbilder waren deutsche Offiziere, die ihre Ausbildung wiederum von amerikanischen Soldaten erhalten hatten, die ein Jahr lang in der Schule stationiert waren. In Bonn wurde bekannt, daß die Ausbildung israelischer Soldaten bei der Bundeswehr nicht auf Grund eines zweiseitigen Abkommens zwischen beiden Regierungen, sondern auf Einladung der Bundeswehr vor sich gehe. I den mit großem Interesse und starkem Beifall aufgenommen. Besonders dankbar war man für das der Bibliothek der Marburger Philipps-Universität vom israelischen Gast gespendete Standardwerk „The Jewish Law of Family and Inheritance“ (Dr. Scheftelowitz ist der Autor dieses Buches). Generalversammlung des Zion. Landesverbandes In der nunmehr stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung des Zion. Landesverbandes in Oesterreich wurde der Vorstand einstimmig gewählt. Er setzt sich folgendermaßen zusammen: Dr. Ernst Brande, Esriel Seifert, Dr. Davys Becker, David Dauber, Siegmund Lapter, Ing. Marian Bankier, Adalbert Fischer, Josef Labes, Bernhard Braver und Dr. Hansi Berger. In der darauf stattgehabten konstituierenden Vorstandssitzung wurde das Präsidium des Verbandes gewählt. Es setzt sich zusammen aus: Dr. Ernst Brande, Präsident, Esriel Seifert, erster Vizepräsident, Dr. Davis Becker, zweiter Vizepräsident, Bernhard Braver, geschäftsführender Generalsekretär und Chefredakteur und Frau Dr. Hansi Berger, Schriftführerin und Redaktionsmitglied. Zwei Überlebende aus Mauthausen gesucht Wie uns der Jüdische Weltkongreß, Zentrale New York, mitteilt, werden von dieser Stelle zwei Ueberlebende des Korvzentrationslagers Mauthausen gesucht. Es handelt 'sich um Jean Frederic Veith, geboren 1930 in Moskau und Maurice Lampe, geboren 1900 in Roubaix. Wir ersuchen jeden, der über eine der genannten Personen etwas weiß, sich persönlich, schriftlich oder telefonisch in unserer Redaktion, Universitätsstraße 4, Telefon 33 75 84, zu melden. Altbundespräsldent Th. Heuß operiert Altbundespräsident Theodor Heuß, der im 79. Lebensjahr steht, und seit Frühjahr dieses Jahres an Trombosen am linken Bein litt, wurde am Vormittag des 27. August operiert. Die Aerzte veröffentlichten nachstehendes Communique: „Dem Altbundespräsidenten Professor Dr. Theodor Heuß wurde im Katharinenhospital in Stuttgart das linke Bein amputiert. Die Operation ist gelungen. Das Befinden des Patienten ist in Anbetracht des schweren Eingriffs zufried ensteUendi.“ Professor Theodor Heuß, dessen Erkrankung tiefe Anteilnahme auslöste, gehen aus allen Kreisen der Bevölkerung in überaus großer Zahl beste Wünsche zu. Wir schließen uns den Wünschen für die Genesung Prof. Heuß’, der Zierde des deutschen Volkes und des Freundes der Juden, innig an. f Die Reaktion der Juden auf die Verfolgungen i.d.Nazi-Ära Der Council of Jews from Germany bereitet eine Reihe von Veröffentlichungen vor, die die Lage der Juden unter der Naziherrschaft von Beginn an und die schicksalhaften Probleme, mit denen sie konfrontiert waren, darstellen werden. Sie werden zeigen, wie die .Juden in Deutschland sich in äußerster Anspannung aller moralischen und materiellen Kräfte zu gegenseitiger Hilfe organisiert und wie sie unter den schwierigsten Umständen Selbstbesinnung und Selbstachtung aufrecht erhalten haben. Dr. Siegfried Moses Präsident des Council of jews from Germany Firjentümer, Herausgeber und Verleger: Zionistischer Landesverband in Österreich, Wien IX, Universitüisstrafie 4. — Chefredakteur: Bernhard Braver, für den Inhalt verantwortlich: Dr. Hansi Berger, beide Wien IX, Universitätsstraßo 4. — Druck: „Norborlus", Wien III. Kollergasse 7. Israelische Rechtsprobleme vor deutschem FORUM Auf einer sehr gut besuchten Gemeinschaftsveranstaltung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Marburger Philipps-Universität sprach der israelische Rechtsanwalt und Notar Dr. Erwin Scheftelowitz aus Tel Aviv zu dem Thema „Der rechtliche Aufbau des Staates Israel“. Als Vertreter der Marburger Gesellschaft und der Universität konnte Prof. Dr. Erich Schwinge die Dekane der Juristischen und der Theologischen Fakultät sowie zahlreiche Professoren und Studenten begrüßen. Prof. Dr. Schwinge betonte in seinem Grußwort, daß Dr. Scheftelowitz als gebürtiger Berliner nach seiner Promotion in Leipzig (1934) sich auf das jüdische Erb- und Famüienrecht spezialisiert habe. Der Vortragende sei ein Schüler des bekannten Rechtskundlers Heinrich Siebert und als hervorragender Sachkenner der Materie international bekannt. Der Referent stellte dann fest, daß Israel heute „in Mode“ sei. Nach Israel kämen heute sowohl Delegationen der jüngsten afrikanischen Staaten als auch aus Europa und Amerika, um sich über die rasche Entwicklung des erst vor 15 Jahren entstandenen Staates zu informieren. Die Israel-Reisenden wollen erfahren, wie es möglich sei, daß dieses Land zwischen den libanesischen Bergen und der arabischen Wüste, zwischen der Mittelmeerküste und der Senke des Toten Meeres, nach so kurzer Zeit eine fast völlige wirtschaftliche Autarkie erlangte und eine moderne Industrie aufbaute, die heute bereits im Großen exportiert. Ferner wolle man in Israel den Verschmelzungsprozeß jüdischer Menschen aus allen Erdteilen kennenlernen. In Massen kehrten heute jüdische Menschen heim ins Land der Väter. Sie kämen aus Europa und Amerika, aus Indochina aus dem Jemen, aus Afrika und Asien. Das schwierigste Problem für die israelische Regierung sei es, diese Mertschenmassen auf das kulturelle Gesamtniveau der bereits in Israel seßhaft gewordenen Bevölkerung zu bringen. Natürlich kämen auch viele Besucher nach Israel, die die rechtlichen Grundlagen studieren wollen, die den Staat Zusammenhalten. Man will den rechtlichen Aufbau kennenlernen, der das Leben in Israel in den verschiedensten Beziehungen regelt. Der Vortragende machte darauf aufmerksam, daß, als die UNO die Gründung eines jüdischen Staates beschloß, keinerlei Vorbereitungen für dessen rechtlichen Aufbau getroffen waren. Er vollzog sich in einem kleinen Zimmer des Büros der jüdischen Anwaltschaft in Tel Aviv. Ein junger Jurist, der früher in Deutschland lebte, arbeitete dort die ersten Gesetzentwürfe aus und legte sie dem provisorischen Staatsrat vor. Als am 14. Mai 1948 das britische Mandat über Palästina erlosch und der Staat Israel proklamiert wurde, gab es nur ein Justizministerium in kleinster Form. Der Redner betonte, daß Israel staatsrechtlich kein Nachfolgestaat Palästinas sei, sondern ein völlig neuer Staat. Im israelischen Gesetz wurde ausdrücklich festgestellt, daß alle Gesetze der britischen Mandatsregierung, sofern sich nicht aus der geänderten Staatsform etwas anderes ergäbe, vorläufig in Kraft blieben. Zahlreiche deutsche Juden waren bei der Ausarbeitung der israelischen Gesetzgebung maßgeblich beteiligt. Der erste israelische Justizminister war ein sehr bekannter ehemaliger Berliner Amwalt. Eine strenge Gewaltenteilung, in gesetzgebende, ausführende und rechtsprechende Institutionen, die ein Grundsatz jeder demokratischen Staatsform sei, ist die Grundlage des rechtlichen Aufbaus Israelis. Es würde streng und eifersüchtig darauf geachtet, daß keine Vermischung der Gewaltenteilung vorkomme. Hier führte der Referent einige sehr aufschlußreiche Beispiele an. Auch für manche Juristen unter den Zuhörern dürfte es unbekannt gewesen sein, daß der Staat Israel keine Verfassung hat, es gibt nur die einzelnen Gesetze. Verfassungsträger ist das Parlament, dessen Abgeordnete nur dem eigenen Gewissen unr terworfen seien, dennoch herrsche eine straffe Disziplin. Der Vortrag wurde von den Anwesen- Israelische Militärausbildung in Deutschland

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