Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1963
- Issue
- Heft 118 (September 1963)
- Date
- 1963-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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timme Octyatv det AUfyzmeinen HanCste*% tu ÖsiecceicU Zionistischer Landesverband Wien 'NT,- Sic lesen unter anderem: Rosch-llasrhanall 5724 Frau/. Josef Strauß in Israel Warum ist Ren Gurinn zuriiekffetreten? * Der Juden Sondenolle * Zwei Millionen Juden in Not * Syriseher l’eberfall Nr. 118 September 1963 lZosc()~ ascf)ana/i <)/24 Bosch Hasehanah knüpft an keinerlei historische Ereignisse an. Es ist das Fest welches die Selmsucht nach seelischer Erhebung unauslöschlich in uns weckt. Mosch Hasehanah ist der Jom Hadin.dcr göttliche Gerichtstag, an dem wir der Worte des Psalmisten „Eine neue Welt kann nur durch Güte und Liebe erbaut werden“, in Ehrfurcht gedenken und daran unser geistiges, gesellschaftliches und ethisches Dasein bereichern. Wir .luden treten nun in das Neue Jahr 5724 ein, das für uns einen Meilenstein bedeutet. Wir besinnen uns da auf den neuen Lebensabschnitt, auf das Axiom des Lebens. Es ist uns gegenwärtig, daß unsere Lehre den Weg zeigt, den die Gemeinschaft zu einer Lebensform in Recht und Gerechtigkeit einzuschlagen hat und wir schöpfen die Kraft zur inneren Sammlung, um die Bedeutung der Jamim Noraim, der Ehrfurcht gebietenden Tage, in ihren hellen Strahlen zu erfassen. Weise Juden haben Licht als helles Geisteszeichen über die ganze Welt gespannt, indem sic auf Gesetzestafeln den ersten vergeistigten Text der sittlichen Weltentwicklung, die ersten zehn Gebote der Moral. aufzeichneten. Das bedeutet, daß wir unsere Stimme vor der Welt erheben können, die Stimme, welche zu allen Zeiten der Wahrheit, dem Recht, der Ethik und der Menschlichkeit galt. Dies sind Gebote, flic unsere Propheten erhoben haben, deren Ideenwelt in der ganzen Menschheitsgeschichte nicht von andern Erkenntnissen und Lehren überragt worden ist. An diesen hohen Feiertagen blicken wir zurück auf den Weg den wir mutvoll zurückgelegt haben, und schauen voraus, welche Möglichkeiten sich ergeben werden, die uns aufzurichten und der Menschheit Glück zu bringen vermögen. Nun, was ist unser Anliegen? Wahrheit, Gerechtigkeit, Menschenliebe und Frieden auf Erden, darum beten wir zu Gott, die Jamim Noraim erfüllen uns mit Innigkeit und führen uns zur göttlichen Quelle des Lichts und der Wahrheit, woraus die Hoffnung geschöpft wird, daß das Erhabene, das Prachtvolle und das Gute, das Böse verdrängen wird. In unseren Gebeten ragt immer die Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit hervor und das Licht als helles Geistes- /.eichen scheint uns Juden auf unserem l iebensweg. Wir beten zu Gott, er möge die Menschheit erleuchten und ihr die Erkenntnis geben, daß die Welt um uns nach einer Ordnung durch sittliche Kräfte zu verlangen hat, die endlich dazu führen soll, daß das .jüdische Volk der Ruhe und des Friedens teilhaftig werde, was schließlich der gesamten Menschheit nottut. Wir Juden vollen keine Ausnahmsstellung in der /ölkerfamilie, wir wünschen vielmehr als deiche unter Gleichen zu leben, daß der laß, der uns besonders in deutschen Lanien umbrandete verdammt wird und es nicht mehr dazu führen soll, daß eine Gemeinschaft., die sich das Volk der Dichter und Denker bezeichnet, sich nicht mehr für Untaten mißbrauchen läßt, für deren Brandmarkung der menschliche Geist noch kein adäquates Wort zu prägen vermochte. Wir dürfen es bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß der beste Teil des deutschen Volkes das Werk der Versöhnung mit dem jüdischen Volk bereits eingeleitet hat und wir sind davon überzeugt, daß die Gesetze des unendlichen Geistes des Guten in Deutschland und in Oesterreich zu Offenbarungen reifen, die den Volkskörper ethisch erneuern, verjüngen und kräftigen werden. Wir Juden werden dann in Ruhe leben, unsere Fähigkeiten entfalten und der Gesellschaft Nutzen bringen können, was wir, bis zu unserer Katastrophe, überall wo wir siedelten vollbracht haben. Hievon lieferten unsere Wissenschaftler und viele unserer Fähigen in reichem Maße Beweise, die unauslöschlich sind. In der Schwierigkeit unserer gegenwärtigen Zeit legen wir es uns auf, Gott zu bitten um Hilfe für humane Gesinnung, um Erleuchtung der Menschheit, die in der nahen Vergangenheit vom göttlichen Auftrag, Gutes zu tun und Rechte zu wahren, abgewichen ist. Der Wille und die Kraft, Gerechtigkeit zu üben, hebt des Menschen Würde, läßt ihn nicht in die Sinnlosigkeit und Vereinsamung versinken und bewahrt ihn davor, in die finstere Tiefe zu stürzen. Wir müssen daher unsere geistigen und seelischen Kräfte anspannen, nach Recht und Freiheit zu streben, für den Frieden, Nach den dramatischen Ereignissen des Jahres 1962 (die vollständige Liquidierung der algerischen Landlsmannschaft, antisemiitische Ausschreitungen, teilweise unter Gewaltätigkeiten, in einigen westlichen Ländern) war das vergangene Jahr weniger folgenschwer. Eine Ausnahme bildet die fortgeisetzte feindselige Haltung seitens der russischen Behörden. Hie und da treffen Nachrichten über eine gewisse Erleichterung der Situation ein — das Blatt „Sowjetisches Heimland“ erscheint regelmäßig, es wurden einige jiddische Vortragsabende abgehalten, es erschien ein russisch-hebräisches Wörterbuch, etc. — doch dies sind nur kulturelle Einzelerscheinungen, während in Wirklichkeit ein allgemeines Kältegefühl und eine ziemlich undurchsichtige Haltung auf verschiedenen Gebieten an der Tagesordnung ist. Man denke nur an die Maßnahmen religiöser Art, wie die Schließung von Synagogen, Verbot des Mazzebackens, und che strenge Kampagne gegen „wirtschaftliche Uebertretungen", Der unverhältnismäßig hohe Prozentsatz von „überführten“ Juden (60 Prozent) und die besondere Beto- 1 für die seelische Erneuerung und um den Segen Gottes beten, um unsere, um der Menschen Befreiung, die uns im neuen Jahr zu geistigem, ethischem und kulturellen Aufschwung führen möge. Zu Rosch Hasehanah beten wir um Gottes Weltenrecht, das den innigen Ausdruck auch im Schofarblasen findet. Unter dem Wohlklang des Schofar wurden am Sinai die zehn Gebote verkündet, die die Grundlage menschlicher Gesetze des moralischen Lebens bilden und uns das Gefühl der Geborgenheit innerhalb der humanen Gesellschaft vermitteln. Zu unseren heiligen Festen lösen wir uns vom Alltag, von den Sorgen, die uns das ganze Jahr hindurch bedrücken, richten unsere Blicke zum ewigen Gott und beten: Allmächtiger! richte uns auf, schütze uns vor dem Bösen, beglücke uns mit Deiner Gnade und segne die ganze Menschheit! Mit tiefer Bewegung richten wir heute unsere Augen nach Israel und dankbar gedenken wir des großen Werkes, das dort unaufhörlich im Entstehen begriffen ist. Ehre dem israelischen Jischuw, Ehre den Juden in der Diaspora, die zum Werke, das Israel heißt, beitragen, Ruhm bedecke die Häupter der Pioniere des jüdischen Landes, Freude allen Menschen, die das altneue Land Israel mit ihrer Liebe umger ben. Schanah Towa dem israelischen Präsidenten, Salman Shazar dem Ministerpräsidenten Levi Eshkol, seinem Kabinett und den Mitgliedern der Knesseth. Bernhard Braver nung ihrer Rasse in den Berichten der russischen Presse, zeigt uns klar, daß die strengen Gesetze gegen wirtschaftliche Missetäter an ti jüdische Feindseligkeiten hervorrufen. Die häufige Verbindung wirtschaftlicher Uebertretungen mit religiöser Uebung ist ein weiteres bewährtes Manöver. Es wäre falsch zu glauben, daß die russischen Juden im Zustande ständiger Furcht leben. Die Wiederholung des zehnten Todestages von Stalin gab Gelegenheit, den Einfluß dieses „Tauwetters“ auf die russischen Juden zu beobachten. Doch ist das allgemeine Bild von der Lage der 2V4 Millionen Juden kulturelle Verarmung und nationale Diskriminierung. In den anderen Ländern Osteuropas hat sich die Lage wenig verändert; hier halben die Juden zwar organisatorische und religiöse Freiheit, aber am nationalen Zusammenschluß werden sie gehindert. Polen, das in dieser Hinsicht bisher das toleranteste Regime war, hat durch verschiedene Vorkommnisse Grund zu Befürchtungen gegeben. Im Hinblick auf die Judenheit der west- (Fortsetzung Seite 2) Gruß-Botschaft des Präsidenten des Staates Israel zu Rosch Hasehanah Möge' dieses kommende Jahr für alle von uns ein Jahr von Leben und Schöpferkraft sein, ein Jahr von Freiheit und Fülle, vor allem ein Jahr des Friedens, ein Jahr, das die Mauern, die die Völker und die Teile der Völker voneinander scheiden. nicht mehr bestehen lasse. — Möge die Vernichtungsdrohung, die über der ganzen Menschheit, über allen ihren Nationen und Völkern hängt, vollkommen der Vergangenheit anheimfallen, auf daß wir schließlich diesem so lange ersehnten Zustand nahekommen, welchen unsere Propheten voraussahen, einer Zeit, in der „Völker nicht mehr gegen Völker das Schwert erheben und an keinen Krieg mehr denken werden“. — Gottes Segen über Israel, über alle Menschen! Salman Shazar Neujahrsboischaft des Israelischen Ministerpräsidenten Beim Herannahen des Neuen Jahres ist es meine vornehme Aufgabe, im Namen meines Volkesi und meiner Regierung aus ganzem Herzen Grüße an die Juden in der Welt zu übermitteln. Laßt uns zunächst unseren gemeinsamen Gruß an David Ben Gurion richten. Als Leiter in der vordersten Front unseres Kampfes für die Erneuerung Israels Unabhängigkeit und seiner Konsolidierung, hat Ben Gurion ein unvergängliches Kapitel in der Geschichte Israels aufgeschlagen und die Dankbarkeit und Bewunderung des gesamten jüdischen Volkes erworben. Ich bin glücklich, verkünden zu können, daß wir während des vergangenen Jahres weitere jüdische Einwanderer von Herzen willkommen heißen konnten. Wir haben Fortschritte gemacht in unseren Bemühungen, die neuen Immigranten in das Leben des Landes einzuordnen. Wir legen Mühe an den Tag, das Land weiter zu entwickeln bei Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Stabilität. Wir haben Erziehung, Wissenschaft und Kultur gepflegf, wir sind fortgefahren in unseren Be- Das Jahr 1963 in der jüdischen Welt Von G. Wisoder