Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1961
- Issue
- Heft 117 (September 1961)
- Date
- 1961-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2431292-2431418-2431420--0960-2432620- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
September 1961 DIE STIMME Seite 5 Sechs Millionen Kläger treten auf ZIONISTISCHE FÖDERATION IN ÖSTERREICH Wien I, Seitenstettengasse 2 Donnerstag, 14. September 19.30 Uhr Aron Zis I i n g Mitglied der Exekutive und Chef der Abteilung für Absorption der Einwanderer in Israel „Einwanderung und Absorption" Donnerstag, 21. September, 19.30 Uhr Mordechai Oren Mitglied des Aktionskomitees der Zionistischen Weltorganisation und des Jüdischen Weltkongresses „Innen- und außenpolitische Probleme Tirols" jeweils im Vortragssaal der I. K. G., I., Seitenstettengasse 4/11 Unentgeltliche Hebräisch-Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene unter Leitung von Frau Mecznik Schriftliche Anmeldungen: Sekretariat der Zionistischen Föderation, Wien I, Seitenstettengasse 2 „An dieser Stelle, an der ich vor Sie trete. Richter in Israel, um die Anklage gegen Adolf Eichmann zu führen, stehe ich nicht allein. Mit mir treten zu dieser Stunde sechs Millionen Kläger auf. Aber sie vermögen nicht sich zu erheben. Sie können keinen drohenden Finger gegen diese Glaszelle ausstrecken, und ausrufen: Ich klage an! Denn ihre Asche liegt verstreut auf den Hügeln von Auschwitz, auf den Feldern Treblinkas, ausgeschüttet in Polens Flüsse. Ihre Gräber sind über alle Länder Europas verteilt. Ihr Blut schreit, aber ihre Stimme ist verstummt. Darum werde ich ihr Mund sein, und in ihrem Namen die furchtbare Anklage erheben.“ „Wie konnten Sie das alles überleben?" fragte Generalstaatsanwalt Hausner in Eiclunann-Prozeß den Zeugen Dr. Leon W e 11 s, der furchtbare Einzelheiten über die Vernichtung der Juden in Polen aussagte. Dr. Wells antwortete: „Es ging einfach darum, daß irgend jemand überleben mußte, wenn es möglich war, um der Welt davon zu berichten." Als Dr. Wells Selbstmord begehen wollte, nachdem seine Mutter und vier seiner Schwestern in einem Vernichtungslager umgekommen waren, verhinderte dies sein Onkel und sagte ihm: „Keiner von uns hat jetzt das Recht, Selbstmord zu begehen, denn er könnte das letzte Mitglied der Familie sein, das unseren Namen weitertragen könnte.“ Verteidiger Dr. Servatius hatte versucht, die Aussage des Zeugen, der schon am 1. Mai vom Gericht gehört worden war, durch den Einwand zu unterbinden, daß die von Dr. Wells geschilderten Ereignisse nicht unmittelbar den Angeklagten Eichmann betreffen. Aber das Gericht entschied, daß alles, was mit der Vernichtung und Ausrottung von Juden Zusammenhänge, für den Prozeß von Belang sei. Denn Eichmann sei mehreren Lagerkommandanten und anderen Gestapooffizieren übergeordnet gewesen, die sowohl von Dr. Wells als auch von anderen Zeugen erwähnt wurden. Ein Getto wird „geräumt“ Das sind in Kürze die erschütternden Aussagen des Zeugen Dr. Wells: Im August 1942 flüchtete er nach einem Massaker in der Nähe von Lwow zu seinem Großvater, von dem er erfuhr, daß seine Mutter und vier seiner Schwestern im Vernichtungslager Belsen umgekommen seien. Einige Monate später wurden der Großvater, ein Onkel und weitere Schwestern getötet — die jüngste war sieben Jahre alt. Er ging darauf zurück nach Lwow, fand dort seinen Vater und versteckte sich für einige Zeit im Getto der Stadt. In diesem Getto lebten rund 15.000 Juden. Eines Tages kam der Befehl, daß alle Kranken aus dem Getto entfernt werden müßten. Sie wurden erschossen. Kurze Zeit darauf kamen 60 Lastwagen mit SS- Leuten, um das Getto endgültig zu liquidieren. Alle Gebäude, in denen man Juden vermutete, wurden durchsucht und dann in Brand gesteckt. Die Juden wurden in das KZ Janovska gebracht, dort wurden seine beiden Brüder erschossen. In diesem Lager war aus 60 Gefangenen Neukonstlftulerung des Zion. Landesverbandes In der am 29. Juni 1961 stattgefundenen Sitzung konstituierte sich der Vorstand. Das Präsidium besteht aus Dr. Ernst Brande. Bernhard Braver und Fritz Müller. Gleichzeitig wurde bestimmt, daß Herr Samuel Brod den Landesverband in der Zionistischen Föderation und Dr. Davys Becker diesen im „Magbith“ vertreten. eine Kapelle gebildet worden, die jedes-- mal spielen mußte, wenn die Häftlinge zur Arbeit geführt wurden oder ins Lager zurückkamen, aber auch, wenn man Juden aus dem Lager führte, um sie zu erschießen. Die „Todesbrigade“ arbeitet Juni 1943 wurde Wells zu einem Arbeitskommando eingekeilt, das angeblich Straßen bauen sollte, in Wirklichkeit aber die Spuren der Hinrichtungen zu tilgen hatte. Das Arbeitskommando mußte zahlreiche Massengräber öffnen und die Leichen verbrennen. Vor der Verbrennung wurden die Leichen nach Zahngold durchsucht. Bis zu zehn Kilogramm Gold kamen auf diese Weise zustande. Während die Leichen verbrannt wurden, brachten die Wachmannschaften oft neue Opfer. So wurden einmal mehrer Gruppen von jüdischen Mädchen direkt am Rand des Feuers aufgestellt und in die Flammen gestoßen. Eine Spezialmaschine war eingesetzt, um die Knochen, die vom Feuer nicht zerstört worden waren, zu Staub zu zermahlen. Oft fanden Angehörige dieser Arbeitsbrigade Verwandte unter den Toten. Ein Vater mußte einmal die Leichen seiner zwei Töchter, 16 und 18 Jahre alt, selbst ins Feuer schieben. Gewöhnlich arbeitete eine „Todesbrigade“ nur eine Woche oder zehn Tage, dann wurden ihre Angehörigen selbst getötet und durch andere Gefangene ersetzt. Wells verdankt seine Rettung dem Umstand, daß es zum Schluß bereits schwer war, neue Kräfte für diese Arbeit zu finden und der Lagerkommandant — entgegen ausdrücklichen Befehlen — das alte Kommando Weiterarbeiten ließ. Ende 1943 wurde Wells in ein anderes Lager gebracht, wo er die gleiche Arbeit zu verrichten hatte. ln der Nacht vom 19. auf den 20. November 1943 unternehmen die Mitglieder der „Todesbrigade“ einen Ausbruch. Alles war genau geplant. Das Lagerorchester spielt besonders laut, und die Gefangenen singen. Aber ein Jude, der einen Wachposten überwältigen soll, ist zu schwach, der Posten schreit auf, eine Schießerei beginnt. Trotzdem entkommen zahlreiche Häftlinge. Aber knapp außerhalb des Lagers bleibt einer von ihnen stehen: „Ich habe meine Frau und meine sieben Kinder verloren, wozu soll ich weiterleben.“ Er wirft sich zu Boden und wartet, bis die ihn finden und erschießen. In einem Grabe fand das Kommando die Leichen von 38 polnischen Intellektuellen und Politikern. Sie trugen Gesellschaftskleidung, als ob sie zu einem Abendessen geladen worden wären, und hatten noch ihre Dokumente bei sich. Unter ihnen befand sich auch der weltbekannte Mathematiker Prof. Bartel von der Technischen Hochschule Lemberg, der zeitweise polnischer Ministerpräsident gewesen war. Ende 1943 wurden an einem Tag 2000 Juden am Rande eines Krematoriums von Maschinengewehren niedergemäht. Die Körper der Erschossenen fielen direkt in die Flammen. An dieser Stelle fragt der Generalstaatsanwalt: „Warum haben diese 2000 Leute nicht versucht, sich zu wehren? Warm gingen sie so ruhig in den Tod?“ Die Antwort des Zeugen ist erschütternd: „Zu diesem Zeitpunkt bedeutete das Leben nichts mehr. Die Menschen wünschten nur noch einen raschen, schmerzlosen Tod. Sie wollten, daß alles vorüber sei.“ Am Ende der Einvernahme des Zeugen Dr. Wells fragt der Staatsanwalt nach Zahlen. Die Todesbrigade, der Dr. Wells angehörte, hat mehrere 100.000 Leichen verbrannt, über 30.000 wurden direkt an den Feuerstätten hingerichtet. 40 Jahre Wiener Internationale Hesse OlttckwOnsch« zum Jubflfluml Bundespräsident Dr Adolf Schärf Zweimal im Jahr erkennt jedermann in Wien an der starken Zunahme des Verkehrs auf den Straßen, an den überfüllten Zuschauerräumen der Theater und an dem lebhaften Kommen und Gehen in den Gaststätten aller Art, daß die Internationale Messe abgehalten wird. Dieses Erlebnis wiederholt sich nun — mit einer bitteren Pause — seit vier Jahrzehnten. Einrichtungen wie die Wiener Messe haben nur dann Bestand, wenn sie ihren Zweck erfüllen und wenn sie sich den ständig wechselnden Umständen anpassen. Beides ist bei der Wiener Messe der Fall. Sie ist seit langem als Markt und Mittler für Handel, Industrie und Gewerbe unentbehrlich geworden, weil die Messeleitung Ausstellern und Besuchern stets das zu bieten verstand, was sie brauchen und suchen. Ich entbiete der Wiener Messe meine aufrichtigsten Glückwünsche zum Jubiläum! Möge die Wiener Messe in Zukunft ihre Aufgabe so vorbildlich erfüllen wie bisher. Dr. Schärf Bundeskanzler Dr. Alfons Gorbach Ein Schaufenster der Wirtschaft unseres Vaterlandes Oesterreich war stets die Wiener Internationale Messe, die nunmehr seit 40 Jahren den Interessenten aus aller Welt den Stand und die Leistungsfähigkeit österreichischer Erzeugnisse vor Augen führt. An Hand ihrer Entwicklung, insbesondere seit dem Ende des letzten Krieges bis zum heutigen Tag, läßt sich mit aller Deutlichkeit der Aufstieg Oesterreichs verfolgen, der letzten Endes, trotz der stets dankbar anerkannten Hilfe befreundeter Staaten, nur dem Fleiß, dem Geschick und dem Lebenswillen unserer Bevölkerung zu danken ist. Diese Entwicklung, wie sie sich in der steigenden Bedeutung der Wiener Internationalen Messe sinnvoll manifestiert, gibt uns auch für die Zukunft die Zuversicht, daß in gemeinsamer Arbeit der so erfolgreich beschrittene Weg fortgesetzt werden kann. Darüber hinaus war aber die Wiener Internationale Messe auch ein lebendiges Beispiel der intensiven Verflechtung der nationalen mit der internationalen Wirtschaft, deren Pflege ein nicht zu unterschätzendes Mittel zur Aufrechterhaltung der friedlichen Beziehungen der Völker untereinander darstellt. Gerade wir, die wir an der Grenze zweier Welten beheimatet sind, haben ein besonderes Interesse am friedvollen Zusammenleben der Völker, das durch rege Handelsbeziehungen nur gefördert werden kann. Somit füllt auch der Wiener Internationalen Messe in unserer von vielen Gefahrenmomenten bedrohten Zeit eine besondere Aufgabe zu. Ich möchte daher aus Anlaß des 40- Jahr-Jubiläums der Wiener Internationalen Messe dieser für das Wirtschaftsleben Oesterreichs so bedeutungsvollen Institution weiteren Aufstieg und viel Eltfolg wünschen. Dr. Gorbach ÖSTERREICHISCHE ORT VEREIHIGUHG Kostenlose Kurse für Berufsausbildung Die World ORT Union, Wien, beabsichtigt im Schuljahr 1961/62 die Eröffnung bzw. Weiterführung folgender kostenloser Fachkurse zur handwerklichen Berufsausbildung: Damenschneiderei, Frisieren (Damen und Herren), Kosmetik, Maniküren - Pediküren, Maskenbilden, Mechanisches Strikken, Modisterei, Photographie, Radio- und Fernsehtechnik. Ferner: Technisches Zeichnen, Buchhaltung, Maschinschreiben, Stenographie, Englische Handelskorrespondenz. Anmeldungen zu obigen und eventuellen weiteren Kursen werden in Wien 19, Ruthgasse 31, Telephon 36 46 91, von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr entgegengenommen. BENJAMIN SCHREIBER und FAMILIE wünschen allen Bekannten in Österreich und im Ausland »ran na» nseh BIKUR CHOLIM wünscht allen Freunden, Mitgliedern u. Kranken ein glückliches neues Jahr »ran ra» n*6 DAVID KLINGHOFER und FRAU Tel-Aviv wünschen allen Freunden und Chawerim »ran pd» nxh Regierungsrat J. OHLER und FRAU entbieten allen Freunden und Bekannten die innigsten Glückwünsche »ran ns» Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Zionistischer Landesverband in Oesterreich, Wien IX, Universitätsstrafle 4/4. Chelredakteur: Bernhard Braver. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Müller. Beide Wien IX, Universitätsslraße 4/4. Druck: „Norbertus", Wien III, Kollergas*«» 7. LL