Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1961
- Issue
- Heft 116 (Mai 1961)
- Date
- 1961-05-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 2 Schilling timme Öcfyatx dtc AMtyWn&iMto Honiden Ut (j&Ucceick Zionistischer Landesverband Wien Sie lesen unter anderem: Botschaft des Israelischen Präsidenten Israel und Zionismus Oesterreichs Wiedergutmachung Eichmann Nr. 116 — Mai 1961 DIE LIBERALE PARTEI „Der Abschied von der Progressiven Partei ist nicht leicht. Aber die Errichtung der neuen, der Liberalen Partei ist ein Gebot der Stunde — und der Gruß und die Wünsche, die ich namens der Progressiven Partei bringe, sind ehrlich und kommen aus vollem Herzen.“ Mit diesen Worten begann Justizminister Pinchas Rosen, der Präsident der bisherigen Progressiven Partei, seine Ausführungen vor der Gründungsversammlung der Liberalen Partei. Feierstunden hinterlassen stets besonderen Eindruck. Sie fallen aus dem Rahmen der Alltäglichkeit und daher ist man oftmals geneigt, nach einer solchen Veranstaltung, unter dem starken Gefühl festlicher Stimmung, daran zu vergessen, daß nachher das Leben des Alltages wieder cinzusetzen hat — und der Alltag ist meistens hart und verlangt vollen Einsatz klarer Belange. Gerade die einleitenden Worte des Justizministers waren dazu angetan, uns den Alltag in Erinnerung zu rufen. Der Abschied von der Progressiven Partei fällt vielen ihrer treuen Mitglieder schwer, schwerer -sicherlich, als man im ersten Augenblick selbst anzunehmen bereit ist. Der Rahmen, den man sich einmal selbst gesetzt hat, wurde gesprengt und -man hat sich nun in Weiten zurechtzufinden, die man erst kcnnenlernen muß, .um sie ganz, erfassen und zu akzeptieren. Aber über all diesen Empfindungen stellt das Gebot der Stunde und kaum dürfte es in unseren Reihen jemanden geben, der sich diesem Gebote verschließen kann, dem nicht klar wurde, daß man hier nicht nur die Geburt einer neuen politischen Gruppierung erlebt, sondern mehr als das, vielleicht, hoffentlich, vor einem Wendepunkt der israelischen Innenpolitik steht. „Unser Liberalismus ist fortschrittlicher Natur“, rief Mosche Kol, Vorsitzender der Landesleitung der bisherigen Progressiven Partei an diesem Gründungsabend aus. Kol entwickelte ein vollkommenes Programm für die neue Partei, kein kleinliches Parteiprogramm etwa, keine Anweisungen an das Denken und die Gefühle militanter Parteigenossen, sondern klare Pläne für die kommenden Jahre, nur auf die Zukunft des Staates, des Volkes ausgerichtet, Pläne einer politischen Gruppe, die danach strebt ihre Gedanken ausübend zu verwirklichen. „Wir rufen das Volk auf, uns sein Vertrauen zu schenken und werden alles tun, um dieses Vertrauen zu rechtfertigen“, schloß Kol seine Ausführungen. DIE VERSAMMLUNG Es ist zu hoffen, daß Dr. Nachum Goldmann seine Worte verwirklichen wird, sich bald der Partei anzuschließen, und sie nicht nur, wie er sich bei der Gründungsvcrsammlung ausdrückte, als Privatmann und Präsident der XO begrüßen wird. Doktor Goldmann stellte besonders die statische Lage dar, in die der Staat letzthin geraten ist und die sich auf allen Gebieten des Lebens bemerkbar macht. Er betonte, daß man in Israel zu viel von „Sicherheit“ spricht. Auch wenn dieser Begriff nicht geringgeachtet werden darf, ist vieles hiebei zu ändern. Josef Sapir ging besonders auf Wirtschaftsfragen ein und kritisierte die zu starke Einmischung des Staates und des Kollektivsektors in die Wirtschaft des Landes. Prof. Talmon referierte über das Wesen des Liberalismus und betonte, daß auch eine Acnderung des Wahlsystems keine Vorteile bringen würden, da sie nur Mapei das Monopol im Staate verschaffen könnte. Er wies auf die Notwendigkeit hin, Mapei einmal in die Opposition zu bringen und erklärte, Mapei sei von den Idealen, die ihre Eührer einstmals für sie erwählt haben, weit entfernt. Harari, Rimalt und Perez Bernstein wie Bürgermeister Namir begrüßten ebenfalls die neue Partei. abhängigen, die sich der neuen Partei arisch ließen, da hier zum ersten Male die Möglichkeit geboten wird, etwas im Staate zu ändern. Auch wenn von einem Parteiprogramm noch keine Rede war, gab es einige Punkte, die bereits eindeutig als Forderungen der neuen Partei zu werten sind. So wurde allgemein die Aufhebung des Militärregimes in den Minderheitenbezirken gelindert, man sprach von der Notwendigkeit, die Wirtschaft zu liberalisieren und Rationalisierung und „Efficiency“ zu erreichen. Die Verstärkung der Freiheit des Individuums stand im Mittelpunkt der Forderungen. Außenpolitisch wies man auf die Notwendigkeit hin, Brücken auch zu jenen Faktoren zu schlagen, denen wir bisher nicht näher kommen konnten, wodurch auch eine Annäherung an den Frieden mit unseren Nachbarn möglicher wäre, der nicht nur durch den Faktor Sicherheit angestrebt werden sollte. Dr. Goldmann wurde bereits bei seinem Eintreffen an den Türen des Hechal Hatarbut mit großer Begeisterung empfangen. Auf der Tribüne bemerkte man außerdem die Minister Bentow und Barsilai, Dr. Newman, Rose Halperin, Bürgermeister Namir, Dr. Goldstein, Rachel Kagan und natürlich die Parteiführer der Progressiven und der Allgemeinen Zionisten. Die Gründungsversammlung der Liberalen Partei war ohne Zweifel ein außerordentliches Ereignis, das alle, die es erlebten, in Erinnerung behalten werden. AUSBLICK Dreizehn Jahre hindurch, solange nämlich, wie der Staat Israel besteht und eigentlich auch bereits in den Jahren vor der Staatsgründung, ist es keiner fortschrittlichen Gruppe des bürgerlichen Sektors gelungen, zu einer ständigen Kraft im Lande zu werden. Darin lag nicht nur eine Gefahr für die Entwicklung des Landes als solchen, darin lag außerdem eine Tragik all jener, die sich einer solchen Gruppe anschließen wollten. Um so höher waren und sind die Mitglieder der Parteien zu werten, die treu zu ihren Gruppierungen standen, auch dann, wenn ihnen im Grunde klar war, daß ihre Partei kaum jemals mehr sein konnte, als ein kleinerer Einfluß! aktor im politischen Leben des Landes. Daß nun die beiden Parteien, die bisher diese Sektoren der israelischen Bürgerschaft in sich vereinigten, einen Zusammenschluß vornehmen, ist einleuchtend und begrüßenswert, aber keineswegs ausreichend. Wir finden Persönlichkeiten liberaler Prägung in mehreren Parteien des Landes. Wir finden sie aber ebenso außerhalb des politischen Lebens stehend. Nun mag es ein Aktivposten für eine politische Partei sein, diese Persönlichkeiten in ihre Reihen zu ziehen, — und zweifellos wird die neue Liberale Partei diesen Weg gehen —, aber ebenso wichtig ist es, die Massen des Volkes davon zu überzeugen, daß hier eine politische Gruppierung entsteht, die für all jene Platz bietet, die zwar die Staatsgewalt, nicht aber die Staats-Allgewalt bejahen. In den letzten anderthalb Jahrzehnten, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vergangen sind, ist die Welt anders geworden. Was immer sie auch an negativen Erscheinungen aufzuweisen hat — und deren gibt es übergenug — kann kaum (Fortsetzung auf Seite 2) Schawuoth Wenn die Sichel anhebt in der Saat, sollst Du feiern ein Fest dem Ewigen, Deinem Gott, eine Darbringung der freiwilligen Gabe Deiner Hand. Es ist dies die Zeit Schawoth, die in uns Erntef.reude hervorruft und Erntedank auslöst. Das Fest der „Zehn Gebote“, das Grundgesetz menschlicher Gesittung, Urquell menschlichen Friedens, war ursprünglich in Israel nicht nur ein .religiöses, sondern gleichzeitig auch ein nationales Bauernfest. Unsere Lehre geht von der Voraussetzung des ungetrübten Besitzes des Landes unserer Väter aus, von dessen Grund und Boden die Erstlinge zu bringen sind zur Heiligen Stadt, zum hohen Orte des Gottesdienstes, zum nationalen Zentrum der Lehre, der Forschung der Freude, der brüderlichen Gemeinschaft. Schawouth war in unserer alten Heimat das Bauernfest, an dem sich die Menschen aufrichteten, dem Frühling zujubelten und dem Bauern für seine harte Mühe, Arbeit und Fleiß, womit er dem Boden Früchte abgerungen hat, Dank zollte. Das Fest fand in Jerusalem statt, wohin die Bauern, beladen mit Körben, voll der erlesensten Früchte und der bekränzten Erstlinge in Scharen geströmt sind und den Mittelpunkt des Festes bildeten. Auf der Wanderung in die Heilige Stadt, wurde Rast gemacht, um die ewige Natur zu bewundern ..und die Sterne des, das Weltall umspannenden, ewig neu sich schaffenden Himmels zu ergründen. Unserer Tradition gemäß, schmücken wir zu Schawouth unsere Türen, Fenster und Wohnungen mit saftig grünem Laub zur Erinnerung, daß Schawouth. an das große Bauernfest, der einst freien Söhne Abrahams gemahnt, an dem gebetet wird: „Und bringe uns wieder nach Zion mit Jubel und nach Jerusalem mit ewiger Freude“. Der Staat Israel ist heute das Wahrzeichen der Erfüllung unserer Sehnsucht. Wir besitzen eigenen nationalen Boden und genießen den Segen eigener Agrikultur. Die Garbe, die wir ins Heiligtum nach Jerusalem, nach Israel zai bringen haben, besteht nunmehr darin, die Alijah zu fördern, die hebräische Sprache zu lernen, sie zu pflegen und unsere ganze Kraft aufzuwenden, um Israel beizustehen und mit ihm das Schicksal zu teilen, in guten und schlechten Zeiten. Von rechts: nach links: Justizminister P. Rosen, Ch. Namir, Rose Heilpern, J. Sapir, Mosche Kol, Nahum Goldmann, Prof. Talmon Dr. Katz sprach im Namen der bisher Un- 5# ,*r . Bernhard Braver