Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1960
- Issue
- Heft 115 (September 1960)
- Date
- 1960-09-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 DIE STIMME musikalisch umrahmte, dem Chor der Wiener Staatsoper, der mit seinem himmlischen Gesang der „Hatikwah" den feierlichen Schlußpunkt hinter die Feier setzte, der Leitung der Festspiele, die ihre Zustimmung zu der Veranstaltung gab, allen Mitgliedern des Landestheaters, die mit Rat und Tat das ihrige zur klaglosen Durchführung beitrugen, unserem lieben Freund, dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Hermann Einziger, der durch seine Vorspiachen bei den führenden und maßgeblichen Persönlichkeiten, das Fest glücklich ins Rollen brachte und last but not least dem Präsidenten des Keren Kayemeth Leisrael in Österreich, Oberrabbiner Dr. Akiba Eisenberg, der in aufopferungsvoller und selbstloser Weise nach Salzburg fuhr, um dort —' wie auch schon im Mai in Wien —’ die Begrüßungsansprache zu halten, in der er in herzlichster Form Land und Stadt Salzburg den Dank abstattete und in einer Rede voll Inhalt und Würde das Lebenswerk Theodor Herzls als Großtat des bedeutendsten Zionisten und Vaters Israels der Neuzeit umriß. Der Keren Kayemeth Leisrael in Österreich hat mit der Fest - Akademie in Salzburg nicht nur wertvolle Arbeit für die Großaktion zur Pflanzung des österreichischen Jerusalem - Waldes, in deren Zeichen die Veranstaltung sland, geleistet, sondern darüber hinaus das österreichische Judentum wie den Staat Israel, in einem der bedeutendsten Kulturzentren Europas, repräsentativ unsere Fahne aufgezogen. Als belebenden Geist dieser großartigen Veranstaltung müssen wir Dr. Imanuel Unger nennen, dessen geistige und organisatorische Leistung nicht hoch genug eingeschätzt wird. Er möge sich seiner unvergeßlichen Tat freuen und des Beifalls der Gutgesinnten sicher sein. Bernhard Braver Der Dokumentarfilm „Mein Kampf" „Hat Hitler alles allein gemacht?" fragt der Kommentator, als am Ende des zweistündigen Films über das von Nazideutschland über die Welt gebrachte Unglück die führenden NS-Funktionäre in Nürnberg sich *für „Nicht schuldig" erklären. Der junge Filmproduzent Erwin Leiser stellt in dem Film „Mein Kampf" die Vergangenheit dar, ohne die Wirklichkeit korrigieren zu müssen. Er montierte seinen Film über Hitlers Aufstieg und Untergang ausschließlich aus authentischen Wochenschau- und Photomaterial. Wie er diese Montage und ihre textliche Kommentierung durchführte, zeigt ein tiefes Verständnis für die geschichtliche Entwicklung. Er zeigt die Anfänge der Hitlerbewegung, die Kräfte der Weimarer Republik, die Hitler den Weg ebneten, zeigt, wie immer größere Massen aufgeboten wurden, Hitler ihr „Heil" zuzubrüllen, bringt die blindwütige Zerstörung Polens als Beispiel für alle unterjochten Länder, und zeigt vor allem die Ausrottung der jüdischen Bevölkerung in Mittel- und Osteuropa. Die Bilder über das Warschauer Ghetto, von der Gestapo selbst aufgenommen, wirken erschütternd und mahnen die Betrachter —' und zeigen doch nur einen ganz kleinen Teil der bestialischen Greueltaten, die tatsächlich geschehen sind. Der Film läuft gegenwärtig in Wien. Judenmorde ungesühnt Bei einem Schwurgerichtsprozeß in Graz wurde der ehemalige Volkssturmkommandant, Oskar Reitter, der beschuldigt worden war, in den letzten Kriegswochen den Befehl zur Erschießung von kranken Juden gegeben zu haben, freigesprochen. Reitter, der schwer belastet wurde und als Hauptschuldiger des Judenmassakers in der Steiermark galt, bestritt jede Schuld. Freispruch, den keiner versteht! Da gab es bis vor kurzem in Wien eine Zeitschrift, die sich „Wegwarte" nannte, in Wirklichkeit aber war sie eine „Antisemitenwarte". Sie war mehrmals beschlagnahmt worden, ihre Redakteure standen wegen Neonazismus oder Antisemitismus vor Gericht. Zum Schluß, als man in der Redaktionsstube nicht mehr ein noch aus wußte, wurde die Zeitung eingestellt und mit der gesinnungsverwandten „Deutschen Wochenzeitung" verschmolzen, das heißt, man empfahl den Abonnenten in Österreich, die „Deutsche Wochenzeitung" nunmehr als Ersatz zu beziehen. Was von der „Wegwarte" übrig blieb, war ein Prozeß, über den ein Wiener Geschworenengericht am 28. Juli d. J. verhandelte. Angeklagt war der Autor eines in der „Wegwarte" erschienenen Artikels „Europa horch!" Hermann Munk, 38, der als Beruf „Student" angegeben hatte und der Herausgeber der „Wegwarte" Hans Wagner. Wagner ist kein unbeschriebenes Blatt; er gehört jenem Flügel der Sudentendeutschen an, der viel Verständnis für die Blüten der Naziära aufweist; überdies galt er ols Exponnent der faschistischen „Europäischen Sozialen Bewegung", die ihren Sitz in Malmö hat. Außerdem war Wagner in der „Arbeitsgemeinschaft Nationaler Jugendverbände". Die Hausdurchsuchung bei den Angeklagten förderte Stöße nationalsozialistischer und antisemitischer Literatur, sowie Bilder der Götter des Dritten Reiches zu Tage. Diese „geistige" Nahrung, die Munk in seiner „Studentenbude" hatte, bildete den richtigen Hintergrund seines Artkels in der „Wegwarte". Die Freiheitskämpfer gegen die Barbarei sind Verräter, Volksschädlinge, Fahnenflüchtige, die in Nürnberg gehenkten Völkermörder waren brave Soldaten, die in Schauprozessen durch eine Rachejustiz verurteilt wurden, usw. Von der großen Aufmachung und Courage, die Munk in seinem Artikel an den Tag legte, blieb vor Gericht nur wenig übrig. Der Angeklagte zeigte sich kleinlaut, rückte von der Agrissivität seines Artikels ab: Er wollte nur brave Soldaten verteidigen. Der Staatsanwalt warnte das Gericht vor einer milden Behandlung der Angeklagten, weil eine solche nur zu einer Wiederholung führen könnte. Die Geschworenen aber waren anderer Meinung und lehnten die Verurteilung beider Angeklagten in allen Fragen der Anklage einstimmig ab. Das Gericht mußte einen Freispruch fällen. Die im Saal anwesenden Zuhörer konnten ihre Verwunderung kaum verbergen. Wußfen Sie schon ... Der Sonntag ist den Christen, Montag den Griechen, Dienstag den Persern, Mittwoch den Assyrern, Donnerstag den Ägyptern, Freitag den Mohammedanern, Samstag den Juden und Adventisten heilig! Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Zionistischer Landesverband in Österreich, Wien IX, Universitätsstraße 4 — Chefredakteur: Bernhard Braver. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Müller, Wien II, Krummbaumgasse 1 — Druck: Proidl & Lutz, Wien II, Obere Augartenstraße 32