Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1960
- Issue
- Heft 114 (März 1960)
- Date
- 1960-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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März 1960 Zionistischer Landesverband Wien Nr. 114 iimme ÖttyOH. <a£ec Jifyetnei*ii&Msten. Ui ÖsteweicU =''y?3.TcW3tn nnruw- Preis 2 Schilling WACHSAM SEIN 1 Der Nazismus hat im Jahre 1939 mit seinem Krieg fast die ganze Welt in Brand gesteckt und, abgesehen von den Menschen, die unter Waffen standen, 24,300.000 Ziv lpersonen in den Tod getrieben. Fast 20 Prozent der totalen Verluste (sechs Millionen Juden erlitten den schrecklichsten aller Tode) trägt das Judentum. In seinem Buch „Zeitgenössische Judenheit" (London 1950) vergleicht Israel Cohen diese Verluste, die ein Drittel des gesamten jüdischen Volkes betrugen, mit den Kriegsverlusten anderer Völker ,von denen Rußland mit 11,4 "n an der Spilze steht, gefolgt von Jugoslavien 11 Nazideutschland 9"o und Polen 8,3 "o. Die Amerikaner verloren o, 121111 ihrer Bevölkerung und England 0,7 <>/<>. Nach Jakob Leschtschinskis „Krisis, Katastrophe und überleben" (New York 1948) sind in Polen 2,900.000 Juden, im, von Nazideutschland besetzten Gebiet der Sowjetunion 1,500.000 Juden, in Rumänien 425.000 Juden, in Ungarn 200.000 Juden, in der Cechoslovakei 260.000 Juden, in Frankreich 5)0.000 Juden, in Litauen 135.000 Juden, in Holland 105.000 Juden, in Lettland 85.000 Juden, in Belgien 40.000 Juden, in Jugoslavien 55.000 Juden, in Griechenland 60.000 Juden, in Italien 15.000 Juden, in Bulgarien 7000 Juden und in anderen kleinen Staaten Europas insgesamt 6000 Juden umgekommen. In Deutschland und Österreich büßten 210.000 Juden ihr Leben ein. Dein Kriegsverbrecher-Tribunal in Nürnberg lag ein Dokument Himmlers vor,, woraus hervorging, daß vier Millionen Juden in Konzentrations- und Vernichtungslagern auf „Kidusch Haschern" umgekommen sind und zwei M'ILonen durch nazistische Umlegekommandos gemeuchelt wurden. Fünfzehn Jahre noch der Niederschlagung des kriegs- /ei brecherischen Naziregimes, das nur den Trieb zum Verbrechen hatte, dessen Hände von Blut trieften und als gräßliches Schandmal in die Geschichte einging, krochen aus ihren Verstecken nazistische Gewaltverbrecher hervor, und unter Mißbrauch jugendlicher Unerfahrenheit, laden sie Unrat ab und mit gleichen Mitteln und Methoden fangen sie so an, wie sie es vor der Machtergreifung Hitlers in Deutschland und unmittelbar vor der Okkupation Österreichs getrieben haben. Besorgniserregend ist es, das die von den alten Nazis mißbrauchte Jugend, nicht eigene Erkenntnisse aus der Nazizeit hat, sondern daß sie mit antisemitischen und menschenfeindlichen Losungen eingedrillt und zu Judenmördern und Kriegshetzern von morgen wird. Gewisse, maßgebende Stellen versuchen, die antisemitische und nazistische Welle, als von unverantwortlichen Elementen begangen, hinzustellen und wollen die wohlorganisierte Aktion nicht wahrnehmen. In Wien war es schon lange bekannt und in der österreichischen Provinz offenkundig, daß nazistische Untergrundbewegungen bestehen, die aus sehr ausgiebigen Quellen Geld schöpfen. Geld und Geldeswerf haben alte Nazifunktionäre teilweise den Juden geraubt und teilweise aus den staatlichen Nazitresors, knapp vor dem chaotischen Zusammenbruch, gestohlen. Diese riesigen Mittel machten es möglich, eine braune Internationale ins Leben zu rufen, ein Netz von Nazistellen über die Welt zu ziehen und Keimzellen gegen Recht, Ordnung und Menschenwürde zu etablieren. In der Ausübung des nazistischen, schändlichen Unfugs nahmen die österreichischen Nazis hervorragenden Anteil; sie verbreiteten und verbreiten über ganz Europa das Hakenkreuz, und getarnt die Odalrune und schüren Haß gegen Juden. Die österreichischen Nazis dünken sich sicher. Wurden doch alle, auf Grund von Amnestien, in die vollen Rechte der anständigen Bürger eingesetzt. Die nazistischen Kriegsverbrecher und Menschenschinder erhielten gut dotierte Posten in wirtschaftlichen und öffentlichen Institutionen und erlangten Einfluß im gesellschaftlichen Getriebe. Von dieser Plattform aus können die „Herrschaften" ihre Fangarme ausstrecken und Unheil stiften. Man gründete Jugendverbände, Soldatenverbände, SS-Formationen, Kameradschaftsgruppen, Jugendlager für ausländische Nazis und Legionen, die in Österreich Stammsitze haben. So entstand eine Atmosphäre der Volksverhetzung, breitete sich über die ganze Welt aus und stört die moralische Ordnung. Weltgefahr! Bis zur Stunde haben wir nichts davon gesehen, daß österreichische amtliche Stellen energische Schritte unternommen hätten, um der Gefährdung ihrer demokratischen Bürger entgegenzutreten, nichts davon gehört, daß die neonazistischen Verbände in Österreich unter Kontrolle gestellt worden wären, nichts erfahren, außer