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Die Stimme · 1959-10-01 · Heft 113 (Oktober 1959) · page 23

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Journal
Die Stimme
Volume
1959
Issue
Heft 113 (Oktober 1959)
Date
1959-10-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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DIE STIMME 23 Allen Freunden und gesell. Kunden die herzlichsten Glückwünsche zum Jahreswechsel wünscht Marcel Platzmann Texlilgroßhandel — I, Salztorg. 3 naie mp wünscht allen Freunden u. Bekannten MAX HABER Fellgroßhandlung Wien 16, Veronikagasse 1 mobelhaus Norbert Salzmann Wien II, Franzensbrückengasse 18 Telefon 55 1 6 78 wünscht allen Kunden und Bekannten ALLES GUTE ZUM NEUEN JAHR I Kh-Iderreinigung „UcMMta' Wien X, Viktor Adler - Platz 1 wünscht allen Kunden ein frohes und glückliches NEUES JAHR! Firma „DALITEX" Texlilgroßhandel Inh. David DAUBER Wien I, Heinrichgasse 2 wünscht allen ihren Freunden L'SCHANAH TOWAH „PRINTEX" LEOPOLD PRINZ, WIEN I, wünscht seinen Geschäftsfreunden ein glückliches NEUES JAHR! Mendel Karger <m. Kiiai) aus Israel, der sich in Lateinamerika in einer wichtigen Mission befindet, wünscht allen Freunden, Mitarbeitern und Bekannten ein glückliches NEUES JAHR! Tjudei dem SJtianutlsieken Jiah de31)erbaud hei! Wien IX, Universitätsstraße 4 (Montag — Freitag von 14 — 16 Uhr) betraut. Falschgeld drucken, um die gegnerische Währung zu zerstören, ist eigentlich keine neue Idee. Vor 500 Jahren bereits wandte der Herzog von Mailand diese Kriegslist gegen die Venezianer an. Aber das Unternehmen Bernhard Krüger stellte alles Dagewesene in den Schatten. 180 KZ-Häftlinge, die aus dem graphischen Gewerbe kamen oder vergaben, daraus zu kommen, wurden ausgewählt und in einer Sonderbaracke des KZ Oranienburg unlergebracht. Franzosen, Belgier, Dänen, Tschechen, Polen, wir vier Holländer, ein buntes Völkergemisch. In Oranienburg lebten wir isoliert von den übrigen Häftlingen: ein KZ im KZ, umgeben von vierfachem Stacheldrahi, bespickt mit Scheinwerfern, bestrichen von Schnellfeuerwaffen. Wir hatten unsere eigene Lagerküche, Wäscherei, einen eigenen Friseur, Zahnarzt und Arz;. Ein eigener technischer Stab führte sämtliche Repaicluren aus. Es war ein großer Betrieb mit soundsoviel Abteilungen. Keine Falschmünzerwerkstatt mehr, eher eine Fabrik. Ich kam zuerst in die sogenannte Altmacherei. Die gefälschten Banknoten kamen ja nagelneu aus der Druckpresse. Wer so was ausgibt, macht sich verdächtig. Wahrscheinlich hatte Sturmbannführer Krüger erfahren, daß ich meine Ausbildung in Leipzig bekommen hatte und zuhause in Haarlem eine Druckerei besaß. Rasch rückte ich auf. Als die Pfundnotenfabrikation auf Hochtouren lief, beauftragte er mich mit der Herstellung von Dollarscheinen. „Wählen Sie Ihre Leute aus, richten Sie sich eine Baracke ein, beschlagnahmen Sie in Berliner Druckereien die erforderlichen Geräte," sagte er. Er nannte mich immer „Sie". Natürlich beschlagnahmte ich nicht selber, sondern das taten die SS-Männer, die mich, die Pistolen griffbereit in der Hosentasche, durch die Betriebe gegleiteten. Man hatte mich zu diesem Besuch in Zivil gesteckt. Dann rollte ein scharf bewachter Lastwagen mit einer Kiste an. Als wir sie öffneten, quollen Dollarnoten heraus. Echte. Krüger hatte sie als Muster „organisiert". Ich ließ 150 Dollar verschwinden und nähte sie mir zwischen die Schuhsohle. Ein Notgroschen, der mir später gut zustatten kam. Dollars fälschen ist keine Kleinigkeit, so raffiniert sind die Noten hergestellt. Ich riet daher zum Lichtdruckverfahreri, einer fototechnischen Methode, die die Zeichnung besonders scharf wiedergibt. Die Zahl der Abdrucke bleibt jedoch beschränkt. Es ging uns übrigens nicht schlecht im KZ Oranienburg. Wir hatten leidlich zu essen -sogar zu rauchen und veranstalteten in der Freizeit musikalische Abende oder ein Lagerkabarett mit freilich sehr, sehr zahmen Witzchen. Die Wachmannschaft saß im Publikum. Hintenherum erfuhren wir, daß Krüger eines Tages die SS - Wachen zusammengetrcmmelt hatte. „Die Leute hier sind keine verdemmten Schweine mehr", hatte er gesagt, „sondern Männer, die sich für den Endsieg einsetzen. Sie werden ordentlich behandelt, verstanden!" Damit war es aus ,als man uns 1944 wegen der Luftangriffe nach Mauthausen verlagerte. Hunger, Kälte, Fußtritte. Anfang 1945 verfrachtete man uns mit der kompletten Falschmünzerei nach Schlieren in Österreich. Hier bauten wir den gesamten Kram wieder auf. Und wieder Aufbruch. Die Angst vor den anrollenden Amerikanern hetzte die Wachmannschaften. Wir wußten zuviel. Wann und wo werden wir liquidiert? Diese bange Frage marterte uns. Zwei Tage lang schleppten wir uns zu Fuß über Österreichs Landstraßen, ohne Verpflegung, erbarmungslos weitergepeitscht. Schließlich organisierte die SS Lastkraftwagen und brachte uns ins KZ Ebensee in Österreich. Wir bekamen den Befehl, die Kisten mit den Pfundnoter, zu verbrennen. 200 Millionen Pfund! Unsere Präzisionsarbeit von drei Jahren in Asche verwandeln, haben wir drei Tage gebraucht. Der Rest wurde in Kisten verpackt und im See versenkt. Im Toplitzsee. Kurz bevor die Amerikaner anlangten. Ob das Falschgeld zum Einsatz kam, weiß ich nicht. Jedenfalls erfüllte es seinen Zweck. Es hat uns — den Falschmünzern wider Willen — das Leben gerettet."

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