Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1959-04-01 · Heft 112 (April 1959) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1959
Issue
Heft 112 (April 1959)
Date
1959-04-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2431292-2431425-2431428--0868-2432524
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DIE STIMME Von Lemberg aus . machte Scholem Alejchem auch wiederholte Tourneen in die Provinzstädte Galiziens. Schon auf den Mahnhöfen wurde er überall w e ein Fürst oder ein Zaddik von tausenden Juden begrüßt, um ihm die Hand zu einem schalom a ejehem entgegonzuhallen. Vom Mahn-| hof begleiteten ihn die Menschen mit Hochruten bis zum Hotel, wo eine Ehrenwache von jungen Menschen aufgezogen wurde. An den Atienden fanden dann die Rezitationen aus Schalom Alejchems Werken in dem größten Saal der jeweiligen Provinzstadt statt. War Scholem Alejchem, der bis heute unerreichte Maler des jüdischen Kleinstadtlebens: so war er auch ein ungewöhnlicher Rezitator. Er hatte eine wunderbare, modulationsfähige Stimme und mit seinen lebhaften Gestikulationen wußte er stets große Masren \on Zuhörern zu begeistern. In seiner Stimme erwachte Kasriliwke zu einem neuen Leben. All die Menschen die er schilderte lachten und weinten, lebten ein volles Leben von Illusion, Not und auch Triumph Es war daher kein Wunder, daß man sich nicht nur um die Werke Scholem Alejchems, die in Galizien noch nicht populär waren, zu reißen begonnen hat, sondern auch um Scholem Alejchem persönlich, als den besten und trefflichsten Rezitator seiner eigenen Werke. Diese Werke jedoch, wie leicht sie einem Vorkommen, entstanden in einem schweren Ringen ei res gottbegnadeten Dichters. Er schrieb hauptsächlich in den Nachtstunden, wo er erst, in der Totenstille um ihn, all das Stimmengewirr der Menschen, die er schildern sollte, zu vernehmen schien. In der Nacht erwachtem erst die Geister der kleinen und großen Menschen. Da erst begann sein schöpferisches Leben und da erst entstanden seine unzähligen Skizzen über Tojwje der Milchige, üi er Josse,e Solowej und all die tausenden legebenheiten, die er offenbar an diesem' Tage erlebte. Er feilte seine Schöpfungen und überschrieb sie wiederholt, wobei er sich oft mit sei-( nem Schwiegersohn, H. D. I'erkowicz, der mit Flau und Kind zusammen mit ihm wohnte, sich oft beriet. Berkowicz, der in ganz jugendlichem Alter für seine Nove.ie „Moschkele Chazei" einen Literaturpreis in Rußland erhielt, war schon damals ein aufgehender Stern, der hebräischen Literatur. Schalom Alejchem behandelte ihn mit besonderer Zärtlichkeit, wie er auch als Familienvater voll Liebe war, für Frau und Kinder. Besonders verhätschelte er seinen jüngsten Sohn Numczyk, den er stundenlang auf den Knien hielt und ihm Kinderlieder vorsang. Berkowicz war i m Gegensatz zu seinem Schwiegervater, stets schweigsam und eine in sich gekehrte Dichterseele. Ein Talent, das erst in seinen klassischen Übersetzungen der Werke Scholem Alejchems ins Hebräische bewiesen hat, wie eng sein eigener Seelengang mit dem Scholem Alejchems verbunden war. So brachte der Flüchtling aus Rußland Monate lang in der Wohnung eines kaiser-königlichen Agenten der geheimen Polizei in Lemberg zu und so waren es auch unvergeßliche Monate eines ganz jungen Schülers eines polnischen Gymnasiums, der das Glück hatte, Tür an Tür dem Schöpfungsakt unter Lachen und Weinen eines genialen Dichters zu lauschen und schließlich so manche Dichtungen Scholem Alejchems, nach dessen Angaben und Korrekturen, ins Polnische zu übersetzen und einen großen jiddischen Dichter in die polnische Literatur einzuführen. Königin — Künstlerin — Kämpferin (Fortsetzung von Seite 4) Während des ersten Weltkrieges, als die belgischen Truppen in einem kleinen Winkel Flanderns zusammengedrängt waren, wurde sie a<ls Gattin des ,,Roi Chevalier" zur ,,Reine Infirmicre"; ihr Dienst in bombardierten Feldspitälern war wirkliche harte Arbeit und nicht jene beliebte photogene Zurschaustellung einer gekrönten Frau am Bette von Verwundeten. Im zweiten Weltkrieg, als sie auf ihrem Schlosse Stuyvenberg praktisch eine Gefangene war, führte sie gegen die Nazis ihren einsamen Krieg für die Menschlichkeit. Als zwischen 1945 und 1950 die sogenannte ,,Königsfrage" die Temperatur des Landes erhitzte, war es Königin Elisabeth, in der das Volk die Kontinuität der Dynastie verkörpert sah. Persönlich hat Elisabeth von Belgien viel Bitternis ertragen: Ihr Gatte, König Albert, fiel 1934 einem alpinistischen Unfall zum Opfer; ihre Schwiegertochter, Königin Astrid, kam 1936 bei einem Autounfall ums Leben; ihre Tochter, Marie- Jose, Gattin Umbertos von Italien, verlor nach hurdert Tagen fragwürdigen Herrschertums den Thron, ihre Söhne. König Leopold III. und Prinzregent Charles, standen sich in der unmittelbaren Nachkriegszeit als feindliche Brüder gegenüber. Umso erstaunlicher ist Elisabeths ungebrochene Aktivität, ebenso wie ihre äußere, relativ jugendliche Erscheinung. Diese Frau, die sich für Psychoara lyse interessiert, die mit Albert Einstein korrespondierte, die geigt und bildhauert, russisch spricht und gleichermaßen mit modernen Sozialproblemen wie mit Yoga beschäftigt, hat noch nicht auigehört, ihre Landsleute und die Welt in Erstaunen zu setzen. Ganz besonders aber muß, wie gesagt, ihr Interesse an jüdischen Zielen und Leistungen hervorgehoben werden. KLEIDERREINIGUNG WIEN VI, UNKE WIENZEILE 8 TELEFON 5 7 4 3 0 7 lenkt die Aufmerksamkeit auf ihre Firma und ersucht höflich um Zuspruch!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.