Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1959
- Issue
- Heft 111 (März 1959)
- Date
- 1959-03-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1( DIL STIMME PURIM 5710 Am 14. Adar ist l’urini, dieser Tay fällt dieses .fahr auf den 44. Mär/.. Zur Erinnerung an das Pasten in den Jagen des Mnrdechaj und der Ester wird am 13. Adar gefastet. Dieser Pag wurde als allgemeiner Fasttag von ganz, Israel angenommen und wird ,Tasten Ester" genannt. Wir bringen nachstehend eine Erzählung über Esters Bittgang, weiters Sprichwörter und Redensarten, die anläßlich des Purimfestes zur Belustigung gebraucht werden, Esters Biltgang ..Und am dritten Tag zog sich Ester königlich an und trat in den inneren llof des Königsschlosses. gegenüber dem Hause des Königs. Und der König saß auf seinem Thron im königlichen Hause, gegenüber der Tür des Hauses." (Est 51) Da suchte die Königin Ester Gottes Mitleid zu erwecken. Sie zog ihre königlichen Gewänder aus und legte den herrlichen Schmuck ab; sie hüllte sich in einem Sack, zeraufte ihr Haar und streute Asche darauf. Sie kasteite ihren Leib durch Pakten, fiel auf ihr Angesicht, betete und rief: Herr, du Gott Jisraels, der du von Anbeginn geherrscht und die ganze Welt erschaffen hast! Tu es deiner Magd /ul c- , die keinen andern Helfer hat und die einsam dahinlebt im SchiosZe des Königs ohne Vater und Mutter, e neu Waise gleich, die von Fenster zu i-enster rennt und um Einlaß klopft. Herr, du mein Gott, ich lege meine Seele in deine Hand, nimm sie hin, Gott, wenn es dir gefällt. Wo du sje aber nicht annehmen magst, so rette die Herde, die du weidest, vor den Löwen, die sich auf sie stürzen wollen. Und es begab sich am dritten Tag, da hüllte sich Ester i n ihre königlichen Kleider und legte ihren köstlichen Schmuck an; sie nahm ihre zwei Jungfrauen mit, mit der Rechten stützte sie sich auf die eine nach der Königinnen Art, und die andere ging hinter ihr her und trug den Saum ihres Gewandes, damit das Gold und die Edelsteine, die daran waren, nicht die Erde berührten, Und die Königin machte ihr Angesicht strahlend und bezwang den Kummer, den sie im Herzen trug. Sie gelangte in den inneren Raum, in dem sich Achaschwerosch aufhielt, und blieb vor ihm stehen. Der König aber saß auf seinem Thron, und sein Gewand gleißte von Gold und Feingold und edlem Gestein. Er erhob seine Augen, und sjehe, Ester stand vor ihm. Da loderte sein Zorn auf, darüber, daß die Königin sein Gebot übertreten hatte, und ungerufen gekommen war. Ester erschrak, und ihr Mut sank dahin, als sie den Grimm des Königs sah; in ihrer Angst lehnte sje ihren Kopf an die Schulter des Mädchens, das zu ihrer Rechten war. Nun sah Gott hin auf das Leid seines Volkes, und er erbarmte sich der Waise, die auf ihn ihr Vertrauen gesetzt hatte. Er ließ Gnade im Herzen des Königs aufkommen und ließ die Schönheit und die Anmut der Ester noch größer erscheinen. Achaschwerosch erhob sich plötzlich von seinem Thron, lief zu Ester, umarmte und küßte sie. Sie stützte sich auf seinen Arm, und er sprach zu ihr. Was hast du? Fürchte dich nicht, o Königin, denn das Gesetz, das uns verpflichtet, bindet dich in nichts: du bist Fürstin und meine Gemahlin. Und er nahm sein goldnes Zepter, berührte damit ihre Hand und sprach: Warum redest du nicht mit mir? Ester erwiderte: Ich habe dein Angesicht gesehen, mein Herr und König, und meine Seele ward erschüttert von deiner Herrlichkeit und Majestät. Während sie aber noch sprach, setzte sie sich erschöpft nieder und hielt sich an der Dienerin fest, denn sje war entkräftet vom langen Fasten und Schmerz. Da erschrak der König und weinte an Esters Halse, und die Diener flehten die Königin an, den König durch Sprechen zu begütigen. (Jssippon) Volkskundliche Sprichwörter und Redensarten 1. Purim ist kein Feiertag (jom tow) und Fiebei keine Krankheit. Weist auf den Unterschied gegenüber Feiertagen wie Pessach, Schawuot etc, hin, die durch das Werkverbot ausgezeichnet sind. 2. Wenn Purim kommt, vergißt man alle Not. Vgl. auch den talmudischen Spruch ,,Der Monat der Freude". 3. Wer am Purim Not leidet, dem ist am Pessach finster. D. h. wer schon zu Purim keine Mittel hat, der wird zu Pessach, das um vieles kostspieliger ist, erst recht Not leiden. 4. Bleibst an der Purim-Ssude sitzen! Sitzest du etwa am Purimmahle (Sseuda), daß du vom Tische nicht aufstehen und wieder an die Arbeit gehen willst? 5. Nach dem Purimmahl ist selbst ein Hund nicht hungrig. Weil sogar die Hunde genug Abfälle bekommen. 6. Er wächst in die Breite wie ein Purim-Barches. Dieser ist durch besondere Größe ausgezeichnet und mit Safran und Rosinen gebacken. 7. An Chanukka und Purim werden die armen Leute reich. An diesen beiden Festen wird den Armen reichlich gespendet. 8 Ein schlechter Purim ist ein guter Schuschan Purim. Da die Armen am Purim mit dem GaPensammeln beschäftigt sind, so leisten sie sich ein fröhliches Purimmahl am nachfolgenden Tag, d. h. am Schuschan Purim. 9. Am Purim dankt man nicht. Die Armen glauben, für die am Purim empfangenen Gaben nicht danken zu müssen, weil doch die Geber damit nur ein biblisches Gebot erfüllen. 10. Nicht jeden Purim geschieht ein Wunder. Anspielung auf ein talmudjsches Wort. 11. Man bläst Haman und klopft Scholar. Scherzhafte Bemerkung beim Anhören einer widersinnigen, paradoxen Behauptung.