Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1959
- Issue
- Heft 110 (Januar 1959)
- Date
- 1959-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jänner 1959 Zionistischer Landesverband Wien Nr. 110 tinun e Ocyan cUc diiye*neUten ÜomsUh t» ÖsieeccitU c"^3n d'ji's.1 nnnxm Preis 2 Schilling Unser Recht wird gebeugt Der Boykott deutschsprachiger Filme in Israel und die daraus resultierenden Drohungen gegen die Kinobesitzer, hat in einigen Teilen Europas beträchtliches Aufsehen enegt. Die feilenden Geister dieser Aktionen sind die Partisanen, deren Taten, so scheint es, über dem Horizont der Zeit hinausragen. Gewiß sind wir nach der Katastrophe, deren Opfer wir Juden in unfaßbarem Maße waren, ängstlich und erblicken in A'llem, was von deutschen Menschen kommt, das Übel. Die Deutschen haben gegen uns Juden Ruchlosigkeiten begangen, die in der Geschichte der Menschheit zur Seltenheit gehören und wofür es keine Exoneration gibt, auch nicht für die uns gewährte materielle Wiedergutmachung, Während die deutsche Bundesrepublik große Anstrengungen macht, um das Recht der Juden auf Wiedergutmachung einigermaßen zu befriedigen, stoßen wir in Österreich auf taube Ohren. Die maßgebenden Faktoren unserer Republik verschanzen sich hinter Redensarten und negieren Tatsachen, die von keinem Gesichtspunkt aus geleugnet werden dürfen. Es ist betrüblich, daß die österreichischen Politiker dem von den Nazis irregleiteten Teil des österreichischen Volkes zu Gefallen reden, weil sie um jede Stimme buhlen, wobei die Herren die nicht zu leugnende Tatsache außer Acht lassen, daß österreichische Menschen an fast allen gegen uns verübten nazistischen Verbiechen aktiv beledigt waren und sich an unserem Besitz bereicherten. Ein tiefer Schmerz brennt in unsierer SeeJe, wenn wir das Übermaß des Übels sehen, das darin besteht, daß unsere Regierung den ehemaligen Nazis Entschädigungen zugesteht und sich dabei über das ausdrückliche Verbot des alliierten Rates hinwegsetzt. Spätheimkehrern, die sich nachgewiesenermaßen nazistischer Verbrechen schuldig gemacht haben, hohe Geldbeträge auszahlt. Ehemaligen SS-Männern,' die im Kampfe gegen Österreich invalid wurden, Renten liquidieren läßt. Volksdeutschen, die den Nazismus noch hej^te bejahen, die Staatsbürgerschaft gewährt und sie in den Staatsdienst einstellt, oder ihnen Pensionen zahlt für Dienstjahre, die sie beim Naziregime verbracht haben. Kulturmenschen haben ein gewisses Organ für seelische Feinheiten und wir zweifeln nicht daran, M.ß du* österreichischen Regierungsmitglieder reine Seelen bewahren. Woran wir Anstoß nehmen müssen, ist die Tatsache, daß die maßgebenden Faktoren des österreichischen Staates es unterasten, der österreichischen Bevölkerung vor Augen u [ihren, daß wir Juden unter dem Naziregime mehr als alle anderen Schichten zu leiden hatten» unsere Angehörigen, unsere stabilen Existenzen und unser FamjJienglück für immer verloren haben. Dies würde auf die Massen der nichtjüdischen Bevölkerung kalmierend wirken und allmählich den Haß, der leider gegen uns noch nicht erloschen ist, dämpfen. Die nichtjüdische Bevölkerung Österreichs lebt im Wahn, daß wir Juden in einem Masse begünstigt werden, das alle Dimensionen übersteigt und die österreichischen Finanzen schwer belasten. Demgegenüber steht die traurige Wahrheit, daß wir nicht nur schlecht behandelt, sondern geradezu als Paria betrachtet werden. Da muß sich die österreichische Regierung eines Besseren besinnen, will sie vor der gesitteten Weh moralisch' bestehen können. Für die Kultur, die Zivilisation und Menschenliebe hat der jüdische Geist Bausteine geliefert, und befruchtend gewirkt. Wir halten daran bis heute fest und verwerfen die Gewalt. Die Demonstrationen in Israel gegen deutschsprachige Filme halten wir für verfehlt, da wir Juden wohl gegen unsere Feinde Stellung nehmen müssen, aber keinesfalls eine Sprache bekämpfen dürfen. Es gibt viele Probleme, die für uns von Bedeutung sind und wofür die deutsche Sprache unumgänglich notwendig ist. B» Braver Infolge technischer Umstellung der Druckerei, können wir die „Stimme" nicht im alten Format herausbringen. Die „Stimme" erscheint ab nun in Quartformat, doch erleidet der Inhalt keine Einbuße. Wir bitten unsere verehrten Leser um Verständnis. Die Redaktion