Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1958
- Issue
- Heft 109 (Dezember 1958)
- Date
- 1958-12-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 DIE STIMME Das beim Reisepublikum so beliebfe Schiff „United! Stetes” hat seit seiner Einsetzung 437.000 Passagiere — das sind 95"" seiner Kapazität — befördert, ein Resultat, das von keinem anderen Passagierschiff bis jetzt erreicht wurde. Am 3. Juli 1952 startete die ,.United States” zu ihrer ersten Nordatlantiküberquerung und überraschte die Schifffahrtskreise mit einer rekordbrechenden Fahrt, sowohl von Amerika nach Europa, als auch umgekehrt. Das Schiff mochte die Reise von New York nach Europa in 3 Tagen, 10 Stunden und 40 Minuten, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35.59 Knoten entspricht. Die Rückkehr nach Amerika erfogte in 3 Tagen, 12 Stunden und 12 Minuten, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 34.51 Knoten. Der Dampfer „United States” (53.330 BRT.) steht unter dem Kommando von Kapitän John W. Anderson, Kommodore der United States Lines Flotte, und dessen Chefi ngenieur William Kaiser, welcher bereits 35 dahre zur See ist. EIN RUSSISCHES BUCH ÜBER ISRAEL. von B. Eliav Trotz aller Anstrengungen ist es Moskau nicht gelungen, aus den Herzen der russischen duden die Sehnsucht nach Israel auszurotten und ihren Durst nach Nachrichten über Ereignsise in Israel zu löschen. Es scheint auch, dab weite Kreise der allgemeinen Sowjetintelligenz häufig Erstaunen darüber äubern, dab die Sowjet-Regierung dem faschistisch-diktatorischen Regime von Nasser jede Unterstützung angedeihen läbt und dagegen in offener Animosität gegen einen demokratischen und fortschrittlichen Steat, wie Israel, demonstriert. Und da man eingesehen hat, dab ein solches Streben seitens der duden und offene Ueberraschung seitens der Nicht-Juden nicht durch herabsetzende antiisraelische und antidemokratische Presseartikel unterdrückt werden kann, hat sich Moskau entschlossen, durch die Regierungspresse für politische Literatur, ein besonderes Buch unter dem Titel „Der Staat Israel, seine Position und seine Politik” zu veröffentlichen und es in 100.000 Kopien unter den Massen zu verbreiten. Das Interesse an diesem Gegenstand war so grob, dab das Buch in wenigen Tagen vergriffen war und in den russischen Buchhandlungen nicht mehr zu haben ist. Verdrehung der Tatsachen Für den jüdischen Leser beschreibt das Buch den Staat Israel als eine einzige künstliche Enklave im kochenden Ozean der arabischen Welt — eine Enklave, die zum Verderben verurteilt ist und gut daran täte, aus eigenem Willen und rechtzeitig zu entscheiden, von den Wogen des arabischen Nationalismus überflutet zu werden. Die Tatsache, dab Rubland selbst seinerzeit für die Errichtung des jüdschen Staates gestimmt hatte, wird gänzlich in dem Buch übergangen, welches die These vorbringt, dab die Teilungsresolution den Vereinigten Nationen im Gegensatz zum russischen Vorschlag, in Palästina einen bi-nationalen Staat zu schaffen, vorgelegt wurde. In dem Buch wird nichts über die jüdische Wirklichkeit nach der Zerschmetterung der Nazis erwähnt, auch nichts von Moskaus Erklärungen 1947 und 1948 hinsichtlich der moralischen Verpflichutng der Nationen der Welt, dem Rest der europäischen Judenheit ein nationales Heimatland in Palästina zu geben. Anstatt dessen wird die Bildung des Staates als das Resultat einer Intrige zwischen den Zionisten und König Abdullah beschrieben, durch die es gelang, die Einheit des arabischen militärischen Kommandos zu brechen und so die Niederlage der Araber herbeizuführen. Viel Raum wird natürlich der verfälschten Beschreibung der „vollständigen Isolierung” Israels gewidmet, als ob keine politischen oder wirtschaftlichen Verbindungen mit der kommunistischen Welt oder mit den afrikanisch-asiatischen Staaten bestehen und Israel nur ein blindes Werkzeug in den Händen der Westmächte ist. — Viele Seiten werden der Wiedergabe eines geheimen „Planes” des Israelischen Generalstabs gewidmet, das ganze Gebiet zwischen dem Nil und dem Euphrat zu beherrschen, ein „Plan”, der von dem Herausgeber der indischen sensationellen Wochenschrift „Blitz” veröffentlicht wurde. (Nebenbei bemerkt hat der Herausgeber jener Wochenschrift kürzlich von Nasser eine Kopie des „Protokolls der Weisen von Zion” als einen Führer zum Verständnis des Judentums und seines geheimnisvollen Einflusses in der Welt,- erhalten). Die Geschichte des jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungswesens wird als ein ununterbrochener Feldzug zur Vertreibung der arabischen Bauern von ihrem Lande geschildert, während der Versuch der Integrierung der verschiedenen Gemeinschaften in Israel zu einer Gesellschaft als äußerster Fehlschlag bezeichnet wird. Assimilation wird gepredigt An sich ist all dies nichts Neues. Solche Dinge sind in der täglichen russischen Presse sowie in Zeitschriften jn den letzten Jahren oft veröffentlicht worden. Die Hauphneuerung liegt in den letzten Kapiteln des Buches, die eine Erwiderung auf die Frage geben wollen: Haben die Juden kein Recht auf ihr eigenes Land und auf Selbstbestimmung wie andere Nationen? Anscheinend wird diese Frage von vielen denkenden Menschen in Rubland gestellt. Das Buch versucht, durch Zitierungen aus den Schriften von Marx und Lenin zu beweisen, dab das Recht auf Selbstbestimmung der Völker kein geheiligtes Prinzip ist sondern etwas Relatives. Dab es ganze Nationen gibt, die eine negative und reaktionäre Rolle im Ablauf der Geschichte spielen, und denen daher das Selbstbestimmungsrecht verweigert werden mub. Da der einfache Sowjetbürger fragen kann, wie es den Juden möglich ist, sich zu assimilieren, wenn sie von vielen Seiten von Hab und Feindschaft umgeben werden, nimmt das Buch scharf gegen Antisemitismus Stellung und basiert seine These auf Zitaten von Lenin. (Hier ist auch ein Abwenden von dem langen Schweigen der letzten zehn Jahre über diesen Gegenstand bemerkbar). Im ganzen ist das Buch erzreaktinär voll von Unwahrheiten, Verdrehungen und von Hab und Gift gegen Israel erfüllt. Tragödie eines Einzelgängers Zwei Fragen seien in unserer Betrachtung, weil sie die mehr grundsätzlichen Gesichtspunkte und die menschliche Tragödie B. Pasternaks voranstellen will, vorweg nur gestreift: ob die Entscheidung des Stockholmer Nobel-Komi tees unter rein schöngeistigen Gesichtspunkten vollauf berechtigt war, und gar, in welcher Beziehung dieser Dichter ausweislich seines ,,Dr. Zhivago” zur Gemeinschaft und dem Glaubensbekenntnis der Juden steht, zu denen er nach seiner Abstammung gehört. Das Buch ist, wie der aufmerksame Leser bei aller Ergriffenheit objektiv festzustellen hat, wahrscheinlich denn doch zu Unrecht mit Tolstois „Krieg und Frieden” verglichen worden. Von zwei, drei Ausnahmen abgesehen, bleiben die in die Handlung eingewobenen Menschen mit ihren Wesensanlagen und Fortsetzung tauf Seite 16